Der Udanavarga (die Gruppen der feierlichen Aussprüche des Buddha), der die vorliegende Ausgabe eröffnet, enthält Schlüsseltexte des Buddhismus in einer sprachlich prägnanten Form und ist bis heute von großem Einfluß in der gesamten buddhistischen Welt. Es handelt sich um ein den Lehrreden Buddhas gleichwertiges Werk, das erst 965 entdeckt und bisher nur ins Japanische übersetzt wurde: das Sanskrit- Gegenstück zu dem in Pali abgefaßten Dhammapada. Dessen einleitende Verse fassen die eminente Bedeutung der Karma-Lehre im buddhistischen Leben zusammen: »Alle Zustände sind das Ergebnis von dem, was wir gedacht haben, der Verstand ist ihr Lenker, sie sind durch unsere Gedanken entstanden. Wenn man mit einem bösen Gedanken spricht oder handelt, dann folgt Leiden genauso sicher, wie das Rad dem Huf eines Ochsen folgt, der einen Karren zieht … Wenn man aber mit einem guten Gedanken spricht oder handelt, dann folgt das Glück wie ein Schatten, der nicht beseitigt werden kann.«
Den Gruppen der feierlichen Aussprüche werden in der neuen Ausgabe kürzere Werke an die Seite gestellt, die die weltliche Weisheit innerhalb des Buddhismus repräsentieren: Von der Lebensklugheit, Stab der Weisheit, Der Tropfen, der die Menschen erquickt, die dem berühmten Philosophen Nagarjuna (2. Jh. n. Chr.) zugeschrieben werden. Daran schließt sich Die Schatzkammer der Arya-Strophen an, eine Sammlung von Maximen zur Lebensklugheit des Autors Ravigupta (vor dem 9. Jh. n. Chr.). Den Abschluß der Ausgabe bildet Der Juwelenhort schöner Aussprüche des tibetischen Gelehrten Sa-skya Pandita ( 8 - 252), eines der populärsten Werke der tibetischen Literatur, das bis heute gelesen, auswendig gelernt und rezitiert wird.
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Die buddhistischen Lehren sind nicht angemessen zu bewerten, denn sie führen zur Erleuchtung. Das vorliegende Buch versammelt neben dem Udanavarga (Feierliche Aussprüche des Buddha) auch die Aphorismen des Philosophen Nagarjuna (u. a. Hundert Strophen von der Lebensklugheit), den Text des Raviguptas (Schatzkammer der Arya-Strophen) und die Strophensammlung des Sa-skya Pandita (Der Ozean treffender Aussprüche).
All diese Texte sind ein Sammelsurium ewiger Weisheiten und moralischer Imperative. Sie durchziehen das Leben, den Tod, Glück, Tugendhaftigkeit und Mitgefühl, sie nennen das Böse und wie es zu vermeiden ist und leiten den Weg an, der zur Erleuchtung führt. Es dauert Jahre oder Dekaden, um den Pfad zu Ende zu gehen, doch wird auch an einer Stelle gewarnt (sinngemäß): Wer die Krone des Baumes erklettert ist, findet keinen Ast mehr über sich...
Dem Laien zeigt sich auf den ersten Blick eine Klarheit, eine Einfachheit der Bedingungen des buddhistischen Pfades, obgleich im Buch kein System abgeleitet wird. An der einen oder anderen Stelle kommt es sogar zu evidenten Widersprüchen. Daher ist das intensive Studium erforderlich, um den wahren Schlüssel zur Erkenntnis zu finden, denn in all diesen Lehrsprüchen befindet sich eine tiefere, verborgenere Wahrheit, die nicht einfach so heraus zu lesen ist, die vielmehr gelebt, begangen werden muss, um sie zu verstehen. Teils direkt, teils indirekt apotheoesieren die Lehrgedichte die Einsamkeit, die Isolation, machen sie aber zu keiner notwendigen Bedingung. Dennoch ist das In-sich-Kehren, die Suche nach sich selbst, die innere Glückseligkeit Moment der Selbst- und Welterkenntnis. Die Spiritualität ist etwas Individuelles, Meditatives. Und da wird das hermeneutische Anwendungsproblem überhaupt erst beim Schopfe gepackt: die Lebenswelt ist ein Konglomerat von Systemen, Dispositiven, Machtinstitutionen - alles "Dinge" bzw. "Prozesse", die Einfluss nehmen auf den Einzelnen, ihn determinieren im Denken, in der Kommunikation, im Handeln. Der gelebte Buddhismus ist nur sinnvoll, wenn er als absolute "Religion" (der Begriff ist nicht exakt) den Fällen der Lebenswelt, den Situationen und Determinanten, entgegenkommt, sie ummantelt und sich nicht in reziproker Weise okkupieren bzw. präokkupieren lässt. Somit fragt sich, inwieweit der "Mönchsweg" in modernen, westlich-okzidentalen Weltstrukturen (angefangen bei den Denkgebäuden und -apparaten über die diversen Weltkonzepte etc.) überhaupt nicht zur abgestumpften, irrläufigen Privatsache verkümmert, somit nur noch zu einem fragmentalen Mitbestandteil pseudoreligiöser Riten und Traditionen reduziert wird, der dem "exekutiven" Subjekt zumindest das Gefühl von Wertigkeit vermittelt. Der Weg ist ein schwieriger, ein einsamer, aber ein wahrer, obschon - wie Hesse es in seinem "Siddhartha" so eindrucksvoll transportiert - dieser auch nicht DIE Wahrheit sein kann, sondern, um den Zirkel einzubringen, eben EINE hermeneutische. Dies Zeigt sich auch in der Wiederholung der Texte, es geht nicht um die Lehre, die Erleuchtung ist der Weg selbst, nicht dessen Mission.
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