Der erfolgreiche Roman des wiederentdeckten großen ungarischen Schriftstellers
Mit feiner Ironie erzählt Antal Szerb in diesem wahrhaft europäischen Roman die Geschichte einer jungen Ehe. Er beleuchtet den Weg des frischvermählten Paars Erzsi und Mihály wie der helle Mond eine venezianische Gasse. Bereits auf der Hochzeitsreise in Italien wird Mihály durch die unerwartete Begegnung mit einem alten Freund von melancholischen Erinnerungen an seine rebellische Jugend überwältigt, und erste Phantasien über das Ende ihrer Beziehung beschleichen ihn. Als er seine Frau auf der Weiterreise an einem kleinen Bahnhof aus Versehen »verliert«, begreift Mihály dies als ein Zeichen, und eine ganz andere Reise beginnt, eine Schattenreise zum Selbst.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Ich muss ehrlich sagen: Als ich das Buch frisch gelesen hatte, fand ich es zunächst ganz in Ordnung. Doch je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr wuchs es mir ans Herz. Inzwischen habe ich eine sehr hohe Meinung von diesem Buch und mag es wirklich sehr.
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4/5
10.01.2025
Buch (Taschenbuch)
'Er hatte das schauderhafte…
'Er hatte das schauderhafte Londoner Klima gemocht, jene nasse, gedunsene, neblige Weichheit, in der man so gut versinken kann und die so getreulich das Alleinsein und den Spleen umfängt.' S. 88 Ich besitze dieses Buch schon seit einigen Jahren. Aber leider hab' ich erst jetzt dazu gegriffen. Aber erstmal kurz zum Inhalt: Hauptprotagonist ist Mihaly, in der Fabrik seines Vaters tätig und gerade mit Erzsi verheiratet, die sich hat scheiden lassen, um Mihaly ehelichen zu können. Ihre Hochzeitsreise führt sie nach Italien, beginnend in Venedig. Doch die engen Gassen dieser Stadt, sowie das vermeintlich zufällige Zusammentreffen mit einem Jugendfreund lösen etwas in ihm aus, das er nicht aufhalten kann. Eine Weile dachte ich, es ginge in dem Buch um die Selbstfindung des Mihaly. Bald darauf schien es mir, als laufe der Protagonist einem Phantom hinterher. Und zwischendurch war mir klar, dass er hochsensibel ist und intensiver fühlt. Oder geht es hier eher um die Bewältigung eines Traumas? Das sind einige Facetten der Geschichte, die einen Teil der Spannung ausmachen bzw. auslösen und die einen immer wieder zum Nachdenken anregen. Dementsprechend ist die Identitätsfindung ein wichtiges Thema dieses Romans, aber es geht auch um das Durchbrechen von Konventionen, um Freundschaft und um die Formen der Liebe. Das Buch setzt sich zusätzlich mit dem Tod auseinander. Was macht es mit uns, wenn wir an ihn denken? Haben wir Angst oder gar Sehnsucht? Und welche Beziehung hat unsere Gesellschaft zum Tod? Und nebenbei lernen wir das Italien der 30er Jahre kennen, denn irgendwie kommt der Roman wie ein Roadmovie daher, auf eine angenehme und atmosphärische Art und Weise. Dabei ist der Roman leicht zu lesen, zum Einen durch subtilen Humor, der Mihaly zu einem tragikomischen Helden werden lässt, aber auch sprachlich, denn die Geschichte ist flüssig zu lesen und immer wieder eingestreute, poetische Metaphern erfreuen das Leserherz . Eine klare Leseempfehlung ♥️.
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5/5
28.12.2025
Buch (Taschenbuch)
Im Mondlicht der Sehnsucht – Warum Antal Szerbs Roman uns nicht mehr loslässt.
Welch ein unverhofft schönes Büchlein am Ende des Jahres noch auf mich wartete. Ich habe dieses Buch erst vor kurzem gelesen, und doch fühlt es sich an, als hätte es sich schon lange in mir eingenistet, als hätte es nur auf den richtigen Moment gewartet, um sich bemerkbar zu machen. "Reise im Mondlicht" ist mir nicht vergangen, es ist mir gegenwärtig geblieben, beinahe aufdringlich, als hätte die Lektüre etwas in Bewegung gesetzt, das sich nun nicht mehr beruhigen will. Seit wenigen Tagen erst liegt das Buch geschlossen auf meinem Tisch, und doch ist es offen in mir. Im Moment scheint mir "Reise im Mondlicht" weniger ein gelesenes Buch als ein Gespräch zu sein, das noch andauert. Ein leises, eindringliches Gespräch über das Leben, über das Reisen, über das Lieben und vor allem über diese merkwürdige, schöne, schmerzhafte Fähigkeit des Menschen, sich nach der Sehnsucht selbst zu sehnen. Noch bin ich ganz in diesem Zustand, noch trägt mich das Mondlicht dieser Lektüre – und vielleicht ist genau jetzt der einzig richtige Zeitpunkt, davon zu sprechen. Dieses Buch entfaltet keine Handlung, es entfaltet eine Existenz, und es tut dies mit einer Leichtigkeit, die trügt, denn unter der eleganten Oberfläche verbirgt sich eine der präzisesten, melancholischsten und zugleich lebenshungrigsten Diagnosen des modernen Menschen, die die europäische Literatur des 20. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Dass Antal Szerb dennoch vergleichsweise unbekannt geblieben ist, wirkt wie ein literarhistorisches Versehen, beinahe wie ein Akt kollektiver Vergesslichkeit, denn er steht an einer faszinierenden Schnittstelle: zwischen Mitteleuropa und dem Mittelmeer, zwischen ironischer Moderne und metaphysischer Sehnsucht, zwischen Bildungsliteratur und existentiellem Roman, zwischen Thomas Mann und Italo Svevo, zwischen Prousts Erinnerungskunst und Musils Schwebezustand des Möglichen. Szerb war kein Randphänomen, sondern ein hochreflektierter Intellektueller, Literaturwissenschaftler, Kosmopolit und zugleich zutiefst ungarischer Autor, dessen Werk durch die politischen Katastrophen seiner Zeit – und durch seine Ermordung 1945 – aus dem Kanon gedrängt wurde, ohne jemals wirklich widerlegt worden zu sein. „Reise im Mondlicht“ ist der leuchtendste Beweis dafür, dass große Literatur nicht laut sein muss, um epochal zu wirken. Der Roman erzählt von Mihály, einem frisch verheirateten Mann, der auf Hochzeitsreise durch Italien reist und sich dort langsam, aber unaufhaltsam von seinem bürgerlichen Leben löst, nicht aus Rebellion, sondern aus Erinnerung, aus innerer Notwendigkeit, aus einer Sehnsucht, die älter ist als jede Entscheidung. Italien wird dabei nicht zur bloßen Kulisse, sondern zu einem Resonanzraum der Seele: Rom, Florenz, Siena, Ravenna – Städte, die selbst aus Zeit bestehen, aus Schichten von Vergangenheit, aus Ruinen, Fresken, Schatten, in denen Mihálys eigene Jugend, seine Freundschaften, seine Todesnähe, seine erotische und metaphysische Unruhe widerhallen. Was Szerb meisterhaft gelingt, ist die Verbindung von äußerer Reise und innerem Rückfall, denn Mihály reist nicht vorwärts, sondern rückwärts, nicht in die Zukunft der Ehe, sondern in die Untiefen einer Jugend, in der Leben und Tod noch ununterscheidbar schienen. Und genau hier liegt die universelle Kraft dieses Romans: In jedem von uns steckt etwas von Mihály, diese heimliche Weigerung, sich ganz festlegen zu lassen, diese Angst, das Eigentliche zu verpassen, diese paradoxe Lust an der Unruhe, diese heimliche Treue zu einer Version des Selbst, die nie ganz erwachsen werden wollte. „Reise im Mondlicht“ ist ein Roman über das Verhaftetsein in der Sehnsucht selbst, über die süße, schmerzhafte Abhängigkeit vom Zustand des Begehrens, über die Angst, dass Erfüllung gleichbedeutend sein könnte mit dem Ende der Intensität. Szerb schreibt mit einer Ironie, die niemals zynisch ist, mit einer Melancholie, die niemals lähmt, und mit einer Intelligenz, die niemals prahlt. Sein Stil ist von einer tänzerischen Präzision, die mühelos zwischen philosophischer Reflexion, psychologischer Beobachtung und poetischer Verdichtung wechselt. Man spürt in jeder Zeile seine immense Bildung – er war Verfasser einer großen Literaturgeschichte, ein Kenner der europäischen Tradition –, doch diese Bildung ist niemals Selbstzweck, sondern wird zum organischen Bestandteil der Figuren, der Landschaften, der Gedankenbewegungen. Literarhistorisch steht Szerb in einer besonderen Position: Er gehört zur Generation der Zwischenkriegszeit, jener schwebenden, nervösen Epoche, in der die alten Gewissheiten bereits zerbrochen waren, die Katastrophe aber noch nicht vollends eingetreten war. Wie Musil, Broch oder Svevo schreibt er vom prekären Subjekt, vom Mann ohne Eigenschaften, vom Menschen im Übergang, doch im Unterschied zu vielen seiner Zeitgenossen bewahrt er sich eine Leichtigkeit, eine spielerische Eleganz, die an französische Moralisten erinnert und zugleich an die ironische Wärme eines Joseph Roth. Dass Szerb Jude war, dass er in Ungarn lebte, dass er zwischen Sprachen, Kulturen und Identitäten existierte, verleiht seinem Schreiben eine besondere Sensibilität für das Nicht-Dazugehören, für das Schweben zwischen Welten. Vielleicht ist es gerade diese Schwebe, die „Reise im Mondlicht“ so zeitlos macht, so gegenwärtig, so schmerzhaft aktuell. Denn Mihálys Krise ist keine individuelle Marotte, sie ist eine existenzielle Grundfigur der Moderne: die Unfähigkeit, sich endgültig zu binden, die Angst vor der Endgültigkeit, die Sehnsucht nach einem Leben, das intensiver, gefährlicher, echter ist als das, was der Alltag bereithält. Und doch ist dieser Roman alles andere als nihilistisch. Er ist vielmehr ein Liebesbrief an das Leben in all seinen paradoxen Formen, an das Reisen als Zustand des Dazwischen, an die Liebe als Zumutung und Verheißung, an die Sehnsucht als eigentlichen Motor der Existenz. Dieses Buch macht Lust auf Leben, gerade weil es die Abgründe nicht verschweigt. Es macht Lust auf Reisen, nicht als Flucht, sondern als Konfrontation mit sich selbst. Es macht Lust auf Lieben, auch wenn Liebe hier niemals einfach ist, niemals konfliktfrei, sondern immer verwoben mit Verlust, Erinnerung, Angst. Und vor allem macht es Lust auf das Sehnen selbst, auf diese merkwürdige, schmerzlich-schöne Bewegung der Seele, die sich nie ganz zufrieden gibt. „Reise im Mondlicht“ ist ein Buch, das die Sehnsucht nach der Sehnsucht feiert, ohne sie zu verklären, ein Buch, das versteht, dass wir Menschen vielleicht weniger an Erfüllung leiden als an der Vorstellung, sie könne uns unserer inneren Bewegung berauben. Dass Szerb dies mit solch erzählerischer Eleganz, mit solch leiser Dringlichkeit formuliert, macht den Roman zu einem der großen unterschätzten Meisterwerke der europäischen Literatur. Wer dieses Buch liest, fühlt sich erkannt, aber nicht entlarvt, verstanden, aber nicht beruhigt. Es ist ein Roman, der lange nachwirkt, der sich wie Mondlicht auf die eigene Biografie legt, der Erinnerungen freilegt, von denen man nicht wusste, dass man sie besitzt. Antal Szerb hätte einen festen Platz im literarischen Gedächtnis Europas verdient, nicht als Fußnote, sondern als zentrale Stimme einer Generation, die wusste, dass Leben immer auch ein Umweg ist, eine Reise ohne klare Richtung, ein tastendes Voranschreiten im Halbdunkel. „Reise im Mondlicht“ ist der Beweis, dass große Literatur nicht erklären muss, sondern berühren darf, dass sie uns nicht erlösen, sondern begleiten kann. Und vielleicht ist das ihr größtes Geschenk: dass sie uns zeigt, wie sehr wir alle Mihály sind, unterwegs zwischen Pflicht und Verlangen, zwischen Vergangenheit und Möglichkeit, zwischen Angst und Begehren, im Mondlicht einer Welt, die uns nie ganz gehört und gerade deshalb so unendlich begehrenswert bleibt.
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5/5
22.04.2024
Buch (Taschenbuch)
Traumhaft poetisch
Dieses Buch liest sich wie eine Parabel über das Leben. Die komplex gezeichneten Figuren begleiten einen noch im Nachklang der gelesenen Worte… Es geht um Liebe, Tod, Freundschaft, Schmerz & Glück. Keine Realitätsüberhöhung hat sich je so gut angefühlt. Unbedingte Empfehlung!
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