Produktbild: Die Literatur und das Böse
Band 3

Die Literatur und das Böse

Aus der Reihe Batterien

24,90 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

05.05.2011

Herausgeber

Gerd Bergfleth

Verlag

Matthes & Seitz

Seitenzahl

262

Maße (L/B/H)

22,2/14,2/3 cm

Gewicht

456 g

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

La Littérature et le mal

Übersetzt von

Cornelia Langendorf

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-88221-756-8

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

05.05.2011

Herausgeber

Gerd Bergfleth

Verlag

Matthes & Seitz

Seitenzahl

262

Maße (L/B/H)

22,2/14,2/3 cm

Gewicht

456 g

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

La Littérature et le mal

Übersetzt von

Cornelia Langendorf

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-88221-756-8

Herstelleradresse

Matthes & Seitz Verlag
Großbeerenstraße 57A
10965 Berlin
DE

Email: info@matthes-seitz-berlin.de

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Jérôme Wiedenhaupt

Thalia Hildesheim

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5/5

Warum große Literatur gefährlich ist

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Georges Batailles "Die Literatur und das Böse" ist kein literaturkritisches Buch im herkömmlichen Sinn, sondern eine Zumutung – intellektuell, moralisch und existenziell. Wer es liest, wird nicht nur mit literarischen Texten konfrontiert, sondern mit einer Denkbewegung, die das Fundament der Aufklärung selbst erschüttert. Bataille fragt nicht, ob Literatur moralisch gut oder schlecht sei, sondern warum große Literatur immer wieder das Böse sucht, es umkreist, ja, sich ihm aussetzt. In dieser Frage bündeln sich seine zentralen Kategorien: die Koinzidenz der Gegensätze, Tod und Erotik, Souveränität, Schuld, Sühne und der „verfemte Teil“. Literatur wird bei Bataille zum Ort einer Grenzerfahrung, an der sich entscheidet, was menschliches Dasein jenseits von Nutzen und Moral bedeutet. Im Zentrum steht eine radikale Umwertung des Bösen. Bataille verabschiedet sich von der klassischen moralischen Opposition zwischen Gut und Böse, wie sie innerhalb der Grenzen der Vernunft verhandelt wird. Das Böse erscheint nicht länger als der natürlichen Ordnung feindliches Prinzip, nicht als metaphysischer Fremdkörper, der aus der Welt verbannt werden müsste. Vielmehr gehört es in paradoxer Weise zur Grundlage des Daseins selbst. Leben und Tod, Aufbau und Zerstörung, Ordnung und Exzess sind nicht sauber voneinander zu trennen. Weil der Tod Voraussetzung des Lebens ist, ist auch das mit dem Tod verbundene Böse nicht bloße Negation, sondern Bedingung. Bataille denkt hier anthropologisch und ontologisch zugleich: Der Mensch ist dem Bösen nicht ausgeliefert, doch er trägt es als Möglichkeit in sich, als dunkle, unaufhebbare Dimension seiner Existenz. Diese Möglichkeit darf nicht vollständig durch Vernunft neutralisiert werden. Bataille anerkennt die Notwendigkeit der Vernunft, der gesellschaftlichen Ordnung, der Vorteilsberechnung. Ohne sie wäre menschliches Zusammenleben nicht denkbar. Doch er insistiert darauf, dass der Mensch mehr ist als das vernünftige Subjekt der Aufklärung. In ihm existiert ein „unbezwingbarer, souveräner Teil“, der sich der Logik der Notwendigkeit entzieht. Diese Souveränität meint nicht Herrschaft oder Macht über andere, sondern eine Existenzform jenseits des Nutzens: die Fähigkeit, zu verschwenden, zu riskieren, sich hinzugeben, ohne Zweck und Absicherung. Literatur ist für Bataille der privilegierte Ort, an dem dieser souveräne Teil sichtbar wird. Sie dient keinem moralischen Lehrzweck, keiner sozialen Integration. Sie ist eine Hochburg der Leidenschaft – und gerade deshalb verflucht. Die menschlichste Literatur ist jene, die sich nicht mit dem Erlaubten begnügt, sondern die Nähe zum Tod, zur Gewalt, zur Obsession, zur Erotik sucht. Bataille denkt an Autoren wie Sade, Baudelaire, Emily Brontë, Kafka oder Genet: Schriftsteller, deren Werke nicht beruhigen, sondern verstören, weil sie an die Grenzen des Erträglichen gehen. Das Böse erscheint in dieser Literatur nicht als bloß kriminelle Tat, sondern als leidenschaftliche Herausforderung. Bataille unterscheidet scharf zwischen einem durch egoistisches Interesse motivierten Bösen und einem Bösen, das aus einer Faszination des Todes hervorgeht. Die niederträchtige, kalkulierte Gewalttat gehört zur Ordnung des Nutzens; sie widerspricht der Leidenschaft. Leidenschaft hingegen ist zwecklos, exzessiv, riskant. Sie sucht nicht den Vorteil, sondern den Verlust. Genau deshalb wird das Böse in der Literatur stets zweideutig verurteilt: gefürchtet und zugleich bewundert, abgestoßen und angezogen. Diese Zweideutigkeit verbindet Bataille mit der Erotik. Erotik ist niemals harmlos, niemals bloß privat. Sie ist Grenzüberschreitung, eine Erfahrung, in der das Subjekt seine Abgeschlossenheit verliert. In der erotischen Ekstase wird der Tod berührt – nicht als biologisches Ende, sondern als Auflösung der individuellen Grenze. Erotik ist Zustimmung zum Leben bis in den Tod hinein. Darin liegt ihre Nähe zum Bösen und zugleich ihre Wahrheit. Das Böse, insofern es diese Nähe ausdrückt, kann nicht eindeutig verdammt werden, ohne das Leben selbst zu verarmen. Bataille scheut dabei nicht vor politischen Konsequenzen zurück. Die kollektive Faszination des Todes zeigt sich im Krieg, im „ruhmsüchtig aufgenommenen Bösen“. Bataille benennt klar die katastrophalen Folgen: Imperialismus, Entgrenzung der Gewalt, historische Verwüstung. Er ist kein Apologet des Krieges, kein Romantiker der Zerstörung. Er weiß um das ständige Abgleiten des Bösen zum Schlimmeren, um die Angst und Abscheu, die es berechtigterweise hervorruft. Doch auch hier verweigert er die einfache moralische Verurteilung, weil sie die tiefere Struktur der menschlichen Anziehung zum Extrem verdeckt. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Gesetz und Sinn. Das Gesetz verwirft sowohl die kriminelle als auch die leidenschaftliche Tat. Es muss das tun, um Ordnung zu sichern. Doch Literatur folgt einer anderen Logik. Sie bewahrt den Sinn der Leidenschaft, auch wenn sie dem Fluch nicht entgeht. Dieser Fluch ist kein bloßer Makel, sondern das Zeichen dafür, dass Literatur sich auf jenes Terrain begibt, auf dem das menschliche Leben seine höchste Intensität erreicht. Der „verfemte Teil“ ist dem vorbehalten, was den schwerwiegendsten Sinn trägt: Spiel, Zufall, Gefahr, Verschwendung. Hier berührt "Die Literatur und das Böse" Batailles allgemeine Ökonomie. Überschüsse an Energie, Begehren und Zeit können nicht vollständig produktiv verwertet werden; sie müssen vergeudet werden. Feste, Opfer, erotische Exzesse, Kunst und Literatur gehören in diese Sphäre der Verschwendung. Literatur ist nutzlos im ökonomischen Sinn – und gerade darin sinnstiftend. Der Fluch, der auf ihr lastet, ist paradoxerweise der einzig nicht-illusionäre Weg des Segens. Wer sich ihm entzieht, bleibt im Bereich der moralischen Illusionen gefangen. Besonders eindrucksvoll wird dies in Batailles Deutung von Emily Brontës Wuthering Heights. Heathcliff verkörpert eine raue, feindliche Souveränität, die sich keiner moralischen Ordnung unterwirft. Seine Leidenschaft ist absolut, nicht integrierbar, zerstörerisch. Doch diese Souveränität fordert Sühne. Überschreitung bleibt niemals folgenlos. Die Welt von Wuthering Heights ist eine Welt der Sühne – und erst nach ihr erscheint jenes eigentümliche Lächeln, dem das Leben gänzlich gleichgültig bleibt. Dieses Lächeln markiert keine Versöhnung, sondern eine Form von Gelassenheit jenseits von Hoffnung und Zweck. In der Sekundärliteratur wird Batailles Denken oft als tragische Ethik beschrieben. Anders als der Existentialismus sucht es keinen Sinn im Engagement oder in der Verantwortung, sondern in der Erfahrung des Unverfügbaren. Maurice Blanchot sprach von einer Literatur, die den Leser exponiert, ihn einer Gefahr aussetzt. Michel Surya bezeichnete Batailles Denken als eine atheistische Mystik: eine Suche nach Ekstase ohne Gott, nach Transzendenz im Inneren der Immanenz. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy hebt hervor, dass Batailles Philosophie gerade dort ansetzt, wo rationale Sinnstiftung versagt. Und darin liegt die eigentliche Lust, die dieses Buch entfacht. Bataille macht Literatur gefährlich – und rettet sie damit aus der Harmlosigkeit. In einer Zeit, in der Literatur oft nach ihrer gesellschaftlichen Nützlichkeit befragt wird, wirkt Die Literatur und das Böse wie ein Gegengift. Es erinnert daran, dass Literatur dort beginnt, wo wir bereit sind, etwas zu verlieren: Gewissheiten, Sicherheiten, vielleicht uns selbst. Bataille fordert nicht, böse zu handeln, sondern den Mut aufzubringen, dem Bösen ins Auge zu sehen – als Teil unserer Existenz, als Schatten des Lebens, als Quelle eines Sinns, der sich nicht berechnen lässt. Wer sich auf dieses Buch einlässt, wird nicht moralisch besser, aber wacher. Und vielleicht ist das, was Bataille unter Souveränität versteht: die Fähigkeit, sich nicht vor den dunkelsten Möglichkeiten des Menschseins zu verschließen, sondern sie denkend, lesend, leidenschaftlich zu durchqueren.
  • Jérôme Wiedenhaupt
  • Buchhändler/-in

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5/5

Warum große Literatur gefährlich ist

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Georges Batailles "Die Literatur und das Böse" ist kein literaturkritisches Buch im herkömmlichen Sinn, sondern eine Zumutung – intellektuell, moralisch und existenziell. Wer es liest, wird nicht nur mit literarischen Texten konfrontiert, sondern mit einer Denkbewegung, die das Fundament der Aufklärung selbst erschüttert. Bataille fragt nicht, ob Literatur moralisch gut oder schlecht sei, sondern warum große Literatur immer wieder das Böse sucht, es umkreist, ja, sich ihm aussetzt. In dieser Frage bündeln sich seine zentralen Kategorien: die Koinzidenz der Gegensätze, Tod und Erotik, Souveränität, Schuld, Sühne und der „verfemte Teil“. Literatur wird bei Bataille zum Ort einer Grenzerfahrung, an der sich entscheidet, was menschliches Dasein jenseits von Nutzen und Moral bedeutet. Im Zentrum steht eine radikale Umwertung des Bösen. Bataille verabschiedet sich von der klassischen moralischen Opposition zwischen Gut und Böse, wie sie innerhalb der Grenzen der Vernunft verhandelt wird. Das Böse erscheint nicht länger als der natürlichen Ordnung feindliches Prinzip, nicht als metaphysischer Fremdkörper, der aus der Welt verbannt werden müsste. Vielmehr gehört es in paradoxer Weise zur Grundlage des Daseins selbst. Leben und Tod, Aufbau und Zerstörung, Ordnung und Exzess sind nicht sauber voneinander zu trennen. Weil der Tod Voraussetzung des Lebens ist, ist auch das mit dem Tod verbundene Böse nicht bloße Negation, sondern Bedingung. Bataille denkt hier anthropologisch und ontologisch zugleich: Der Mensch ist dem Bösen nicht ausgeliefert, doch er trägt es als Möglichkeit in sich, als dunkle, unaufhebbare Dimension seiner Existenz. Diese Möglichkeit darf nicht vollständig durch Vernunft neutralisiert werden. Bataille anerkennt die Notwendigkeit der Vernunft, der gesellschaftlichen Ordnung, der Vorteilsberechnung. Ohne sie wäre menschliches Zusammenleben nicht denkbar. Doch er insistiert darauf, dass der Mensch mehr ist als das vernünftige Subjekt der Aufklärung. In ihm existiert ein „unbezwingbarer, souveräner Teil“, der sich der Logik der Notwendigkeit entzieht. Diese Souveränität meint nicht Herrschaft oder Macht über andere, sondern eine Existenzform jenseits des Nutzens: die Fähigkeit, zu verschwenden, zu riskieren, sich hinzugeben, ohne Zweck und Absicherung. Literatur ist für Bataille der privilegierte Ort, an dem dieser souveräne Teil sichtbar wird. Sie dient keinem moralischen Lehrzweck, keiner sozialen Integration. Sie ist eine Hochburg der Leidenschaft – und gerade deshalb verflucht. Die menschlichste Literatur ist jene, die sich nicht mit dem Erlaubten begnügt, sondern die Nähe zum Tod, zur Gewalt, zur Obsession, zur Erotik sucht. Bataille denkt an Autoren wie Sade, Baudelaire, Emily Brontë, Kafka oder Genet: Schriftsteller, deren Werke nicht beruhigen, sondern verstören, weil sie an die Grenzen des Erträglichen gehen. Das Böse erscheint in dieser Literatur nicht als bloß kriminelle Tat, sondern als leidenschaftliche Herausforderung. Bataille unterscheidet scharf zwischen einem durch egoistisches Interesse motivierten Bösen und einem Bösen, das aus einer Faszination des Todes hervorgeht. Die niederträchtige, kalkulierte Gewalttat gehört zur Ordnung des Nutzens; sie widerspricht der Leidenschaft. Leidenschaft hingegen ist zwecklos, exzessiv, riskant. Sie sucht nicht den Vorteil, sondern den Verlust. Genau deshalb wird das Böse in der Literatur stets zweideutig verurteilt: gefürchtet und zugleich bewundert, abgestoßen und angezogen. Diese Zweideutigkeit verbindet Bataille mit der Erotik. Erotik ist niemals harmlos, niemals bloß privat. Sie ist Grenzüberschreitung, eine Erfahrung, in der das Subjekt seine Abgeschlossenheit verliert. In der erotischen Ekstase wird der Tod berührt – nicht als biologisches Ende, sondern als Auflösung der individuellen Grenze. Erotik ist Zustimmung zum Leben bis in den Tod hinein. Darin liegt ihre Nähe zum Bösen und zugleich ihre Wahrheit. Das Böse, insofern es diese Nähe ausdrückt, kann nicht eindeutig verdammt werden, ohne das Leben selbst zu verarmen. Bataille scheut dabei nicht vor politischen Konsequenzen zurück. Die kollektive Faszination des Todes zeigt sich im Krieg, im „ruhmsüchtig aufgenommenen Bösen“. Bataille benennt klar die katastrophalen Folgen: Imperialismus, Entgrenzung der Gewalt, historische Verwüstung. Er ist kein Apologet des Krieges, kein Romantiker der Zerstörung. Er weiß um das ständige Abgleiten des Bösen zum Schlimmeren, um die Angst und Abscheu, die es berechtigterweise hervorruft. Doch auch hier verweigert er die einfache moralische Verurteilung, weil sie die tiefere Struktur der menschlichen Anziehung zum Extrem verdeckt. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Gesetz und Sinn. Das Gesetz verwirft sowohl die kriminelle als auch die leidenschaftliche Tat. Es muss das tun, um Ordnung zu sichern. Doch Literatur folgt einer anderen Logik. Sie bewahrt den Sinn der Leidenschaft, auch wenn sie dem Fluch nicht entgeht. Dieser Fluch ist kein bloßer Makel, sondern das Zeichen dafür, dass Literatur sich auf jenes Terrain begibt, auf dem das menschliche Leben seine höchste Intensität erreicht. Der „verfemte Teil“ ist dem vorbehalten, was den schwerwiegendsten Sinn trägt: Spiel, Zufall, Gefahr, Verschwendung. Hier berührt "Die Literatur und das Böse" Batailles allgemeine Ökonomie. Überschüsse an Energie, Begehren und Zeit können nicht vollständig produktiv verwertet werden; sie müssen vergeudet werden. Feste, Opfer, erotische Exzesse, Kunst und Literatur gehören in diese Sphäre der Verschwendung. Literatur ist nutzlos im ökonomischen Sinn – und gerade darin sinnstiftend. Der Fluch, der auf ihr lastet, ist paradoxerweise der einzig nicht-illusionäre Weg des Segens. Wer sich ihm entzieht, bleibt im Bereich der moralischen Illusionen gefangen. Besonders eindrucksvoll wird dies in Batailles Deutung von Emily Brontës Wuthering Heights. Heathcliff verkörpert eine raue, feindliche Souveränität, die sich keiner moralischen Ordnung unterwirft. Seine Leidenschaft ist absolut, nicht integrierbar, zerstörerisch. Doch diese Souveränität fordert Sühne. Überschreitung bleibt niemals folgenlos. Die Welt von Wuthering Heights ist eine Welt der Sühne – und erst nach ihr erscheint jenes eigentümliche Lächeln, dem das Leben gänzlich gleichgültig bleibt. Dieses Lächeln markiert keine Versöhnung, sondern eine Form von Gelassenheit jenseits von Hoffnung und Zweck. In der Sekundärliteratur wird Batailles Denken oft als tragische Ethik beschrieben. Anders als der Existentialismus sucht es keinen Sinn im Engagement oder in der Verantwortung, sondern in der Erfahrung des Unverfügbaren. Maurice Blanchot sprach von einer Literatur, die den Leser exponiert, ihn einer Gefahr aussetzt. Michel Surya bezeichnete Batailles Denken als eine atheistische Mystik: eine Suche nach Ekstase ohne Gott, nach Transzendenz im Inneren der Immanenz. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy hebt hervor, dass Batailles Philosophie gerade dort ansetzt, wo rationale Sinnstiftung versagt. Und darin liegt die eigentliche Lust, die dieses Buch entfacht. Bataille macht Literatur gefährlich – und rettet sie damit aus der Harmlosigkeit. In einer Zeit, in der Literatur oft nach ihrer gesellschaftlichen Nützlichkeit befragt wird, wirkt Die Literatur und das Böse wie ein Gegengift. Es erinnert daran, dass Literatur dort beginnt, wo wir bereit sind, etwas zu verlieren: Gewissheiten, Sicherheiten, vielleicht uns selbst. Bataille fordert nicht, böse zu handeln, sondern den Mut aufzubringen, dem Bösen ins Auge zu sehen – als Teil unserer Existenz, als Schatten des Lebens, als Quelle eines Sinns, der sich nicht berechnen lässt. Wer sich auf dieses Buch einlässt, wird nicht moralisch besser, aber wacher. Und vielleicht ist das, was Bataille unter Souveränität versteht: die Fähigkeit, sich nicht vor den dunkelsten Möglichkeiten des Menschseins zu verschließen, sondern sie denkend, lesend, leidenschaftlich zu durchqueren.

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Die Literatur und das Böse

von Georges Bataille

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