Igitt, Rosenkohl! Mark hasst Rosenkohl. Plötzlich sieht er die Chance, das Gemüse loszuwerden: Der winzige Rosenkohlpirat taucht mit seinem Schiff aus dem Abfluss des Spülbeckens auf und verlangt laut schimpfend und nach dem Rosenkohl. Doch er nimmt nicht nur das Gemüse mit, sondern auch Mark – auf eine abenteuerliche Schatzsuche in die Kanäle unter der Stadt …
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Ein schimpfender Pirat, ein verhasstes Gemüse und ein wildes Abenteuer
Was für eine herrliche Lektüre!
Wer kennt das nicht? Früher oder später wurde fast jeder schon mal dazu verdonnert, etwas nahezu Unausstehliches zu essen. Und nun stelle man sich vor, anstatt es runterwürgen zu müssen, erscheint plötzlich ein winzig kleiner, nicht unbedingt freundlicher, aber sehr hilfreicher Pirat im Spülbecken und verlangt nach der verhassten Mahlzeit!
Dieses Wunder erlebt Mark in Barabara Raths „Der Rosenkohlpirat“ – denn dessen Schiffsmotor läuft nur mit Rosenkohl, vor allem, wenn das Segel von den tomatigen Gegenspielern zerbombt wurde.
Eine großartige Umsetzung des Themas verhasstes Mittagessen!!
Und schon ist Mark, der Rosenkohlgeplagte, mittendrin in einem Abenteuer der besonderen Art. Nicht nur, dass der übellaunige Winzpirat sein Rosenkohlproblem löst, Mark erhält auch noch die Chance mit dem Piraten mitzusegeln – ab durch die Kanalisation. Alles, was er tun muss, um so klein zu werden, wie der Pirat, ist drei Minuten lang an nichts anderes zu denken, als dass er so klein werden möchte, um auf das Winzschiff, des Winzpiraten zu passen – etwas, das sehr zur Überraschung des übellaunigen Piraten, auch gelingt. Wer aber glaubt, nun offenbart sich für Mark das coolste Abenteuer überhaupt, täuscht sich vielleicht – denn Mark muss da unten in der Kanalisation ganz schön was mitmachen. Schuften, Beschimpfungen über sich ergehen lassen, Mut beweisen, hilfreiche Ideen entwickeln … über sich hinauswachsen. Ja, das geht auch in ganz klein.
Mehr möchte ich zum Inhalt aber nicht verraten. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich dieses Büchlein zu Gemüte zu führen. Die Figuren sind ausgezeichnet entwickelt und tragen die Geschichte. Protagonist Mark ist überaus sympathisch und weit davon entfernt, ein bockiger Essensverweigerer zu sein. Genaugenommen ist er ein Kind mit Wertvorstellungen und Anstand, womit hier auch eine wichtige Botschaft gesendet wird. Jedem kann mal ein Essen nicht schmecken, das Familienleben bleibt deshalb weiterhin bestehen.
Das Highlight ist allerdings trotzdem der Einzelgänger und fluchende Pirat, der Mark kurzzeitig seinem Heimatleben entreißt. Nie zuvor habe ich jemanden so kreativ und amüsant schimpfen hören. Wer mit solchen Beschimpfungen um sich wirft, muss wahrlich keine Bestrafung fürchten, sondern sollte mit einem Kreativitätsorden belohnt werden. Ebenso wie die Autorin! Barbara Rath fehlt es definitiv nicht an pfiffigen Ideen, um dieses Abenteuer für Jung und Alt zu einem Hochgenuss werden zu lassen.
Sprachlich angemessen anspruchsvoll und doch kindgerecht liest es sich wie eine hochwertige Lektüre, bei der man am Ende überzeugt sein darf, sowohl sprachliche, moralische und soziale Kompetenzen erweitert zu haben. Dies als erfreulicher Nebeneffekt zum wunderbaren Lesevergnügen.
Fazit: Eine brillante Idee, großartige Charaktere und sprachlich stilvoll – eine unbedingte Leseempfehlung!!!!!
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