Der junge österreichische Autor Clemens J. Setz geht mit Sprache um wie ein Chirurg mit dem Seziermesser. Clemens J. Setz ist ein scharfer Beobachter, der hinter die Fassaden gepflegter Reihenhaussiedlungen schaut und menschliche Eigenarten und Abgründe mit gnadenlos präziser Genauigkeit schildert. Aber sein Blick kann auch zärtlich und liebevoll sein, was den Geschichten in seinem Band „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ einen faszinierenden Facettenreichtum verleiht. Diese Stories, manche voll grotesker Ideen, können durch subtilen Horror und gewalttätige Ausbrüche unter die Haut gehen. Doch sie verzaubern den Hörer auch durch die Ambivalenz zärtlicher Momente und Blicke.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Edith Berger
5/5
19.11.2013
eBook (ePUB)
fesselnd
Nach "Söhne und Planeten" und "Frequenzen" nun Kurzgeschichten von Clemens J.Setz.
18 Erzählungen und jede einzelne davon geht unter die Haut.
Fesselnd
Anne Baldauf
aus Leipzig
5/5
20.06.2013
Buch (Taschenbuch)
Top!
Im vergangenen Herbst hat der Grazer Autor Clemens Setz, Jahrgang 1982, mit seinem wunderschön aufgemachten Roman Indigo Furore gemacht. Der Titel landete auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, erhielt allerorten gute Besprechungen, und auch der im deutschen Feuilleton so beliebte Wunderkind-Verdacht wurde in den letzten Jahren schon das ein oder andere Mal auf den kauzigen, fast typisch österreichischen Autor angewandt. Und ein Blick in die Vorgängertexte lohnt sich in der Tat.
Wer vor dem fast 500 Seiten starken Indigo zurückschreckt, kann sich wohl am besten mit dem 2011 erschienenen Erzählungsband Die Liebe zu Zeiten des Mahlstädter Kindes einen Eindruck von Setz Erzählkunst verschaffen. Geschichten von einer emotionalen Belanglosigkeit, wie sie viele junge Autoren in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten produzierten, findet man hier nirgends. In den 18 Erzählungen überwiegt das Skurrile, das Urkomische, nicht selten das Abgründige und durchweg das Originelle. So rekonstruiert der Autor auf vier Seiten Das Gespräch der Eltern in Hänsel und Gretel in der Nacht, bevor sie im Märchen ihre Kinder im Wald aussetzen, er berichtet in einer anderen Erzählung in nahezu wissenschaftlicher Form, inklusive fingierter Fußnoten, aus dem unglaublichen Leben eines mysteriumgebliebenen Computerspielentwicklers.
Die vielleicht stärkste Erzählung heißt passenderweise Das Herzstück der Sammlung. Sie zeigt am konkretesten, was eine Setz-Geschichte ausmacht. An der grundlegenden Situation eine Frau besichtigt das Werkarchiv eines Schriftstellers scheint alles unauffällig. Der junge Mann, dem das Archiv untersteht, verhält sich allerdings merkwürdig, bis die Besucherin ihn darauf hinweist, dass er ihr nicht alles gezeigt habe. Daraufhin begeben sich beide zu einer verschlossenen Tür, hinter der eine grunzende Gestalt mit greisenhafter Stimme in einem Gitterbett liegt. Herr Setz, sagt der Archivar zu der Gestalt, Ich wollte ihnen nur sagen, dass wir dann abschließen.
Wer Geschichten mit einer guten Prise Absurdität und Phantastik mag, ist bei Clemens Setz und seinem Erzählband Die Liebe zu Zeiten des Mahlstädter Kindes genau richtig aufgehoben.
Gabriele Brohm
aus Karlsruhe
5/5
28.03.2011
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen Begeisterung und Verstörung
Seine Kurzgeschichten machen neugierig und lassen einen nicht mehr los.
So grotesk, schräg und gewalttätig sie auch sein mögen, man muss einfach lesen, lesen, lesen...
Diese Geschichten spuken einem noch lange im Kopf nach.
Jens Schaldach
aus Bayreuth
4/5
23.05.2011
Buch (Gebundene Ausgabe)
Verdauen, Nachdenken, Lieben
Zu Recht hat der junge Österreicher den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten. Seine Geschichtensammlung bietet im Erzählerischen Abwechslung und Einfallsreichtum; käufliche Mutterliebe, kranke Visitenkarten und Gewalt sind unter anderem die Themen seiner Geschichten.
Es ist ein makaberer, skuriler, direkter, an Grenzen gehender, sprachlich hervorragender Band.
Bories vom Berg
aus München
3/5
18.01.2025
Buch (Taschenbuch)
Überambitioniert, aber…
Überambitioniert, aber gekonnt geschrieben Mit seinem 18 Geschichten enthaltenden Erzählband unter dem altmodisch klingenden Titel «Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes» hat der damals 29jährige, österreichische Schriftsteller Clemens J. Setz den Preis der Leipziger Buchmesse für Belletristik des Jahres 2011 erhalten. Den Ausschlag für die Entscheidung der Jury gab, wie es in ihrer Begründung hieß, «die Eigenwilligkeit der Sprache, die Kühnheit der Konstruktion und die Konsequenz des Konzepts, das zu originellen wie unheimlichen Geschichten führte». Es sind, ganz im Stil der Postmoderne geschrieben und damit entfernt an David Foster Wallace erinnernd, nicht nur unterschiedlich lange, sondern auch thematisch völlig inhomogene literarische Vignetten voller Tristesse und existenzieller Verlorenheit. Gleich zu Beginn weist Clemens J. Setz sich in der ersten Geschichte unter dem Titel «Milchglas» als präziser Beobachter aus, der voller Empathie einen jugendlichen Ich-Erzähler die fatalsten Begebenheiten an den trostlosesten Orten einfühlsam schildern lässt. Ganz ähnlich geht es in der zweiten Geschichte zu, wo unter dem Titel «Die Waage» von einer Hausgemeinschaft erzählt wird, deren diffizile Verbindungen untereinander der Autor ganz ohne Häme mit psychologischem Feinsinn offenlegt. In der nächsten Geschichte ist von einer unheimlichen Seuche die Rede, die anfangs nur die Visitenkarten einer Angestellten mit ekligen Blasen befällt und später epidemieartig weiter um sich greift. Ziemlich grausig ist die vierte Geschichte, in der die «Eltern von Hänsel und Gretel» nachts genüsslich Sex haben, bevor sie dann endgültig beschließen, ihre Kinder am nächsten Morgen im finsteren Wald auszusetzen. Psychologisch skurril wird es, wenn junge Männer sich in der Geschichte «Mütter» hausfraulich verkleidete Nutten gegen Entgelt als biedere Muttis ins Haus holen, um wenigstens gegen Bezahlung durch sie ein Gefühl der Geborgenheit zu bekommen. Ähnlich einsam ist auch eine Frau, die an Sozialphobie leidet, in der Kabine eines Riesenrades wohnt und dort partout nicht mehr heraus kommen will. In der Mitte des Erzählbandes taucht in postmoderner Manier unter dem Titel «Das Herzstück der Sammlung» in einem Literaturarchiv überraschend ein weißhaariger, greiser Schriftsteller namens Clemens J. Setz auf, der in einem Gitterbett liegt. Und dort befindet sich auch, hört, hört, ein ganzes Regal voller später Werke von ihm. Bezeichnend für die Motivwahl des Autors ist vor allem die im Buch als letzte erzählte, titelgebende Geschichte von der Skulptur eines großen Kindes, die eines Tages plötzlich am Ende einer Sackgasse steht. Unvollendet, geformt aus weichem, immer feuchtem Lehm, hat der Künstler sein plastisches Werk dem kunstbegeisterten Publikum zur Vollendung überlassen. Während es zunächst gebührend gefeiert wird, verlieren die Bewohner später jede Kontrolle über sich und prügeln voller Wut auf das «Mahlstädter Kind» ein, sie verlieren dabei sogar fast ihren Verstand. Neben derart vergleichsweise Harmlosem finden sich allerdings auch recht drastische Beschreibungen von sexueller Gewalt, die in abstoßenden, eiskalt ausgemalten Gewaltszenen zuweilen sogar pathologische Züge annimmt. Äußerst brutal wird da ein Mädchen entjungfert, werden Kinder misshandelt und Männer sexuell gedemütigt, wird eine Prostituierte von einem sadistischen Ehepaar gequält oder eine Frau von ihrem Freund in einen Käfig gesperrt. Mit seinen vielen intertextuellen Bezügen ist dieser Sammelband auch ein Buch über Literatur, ein gelungenes Protokoll der Gegenwart zudem und eine Satire über den Wissenschafts-Betrieb. Nicht Alles aber ist überzeugend, und Etliches ist belanglos. Vieles auch wirkt allzu konstruiert und motivisch überfrachtet, vom Elefantenmensch über das Napalm-Mädchen in Vietnam und den Lampenschirm aus Buchenwald bis hin zur musikalischen Hölle von Hieronymus Bosch. Kurzum: überambitioniert, teilweise schwerverdaulich, aber gekonnt geschrieben!
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5/5
11.05.2011
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes
Literarische Kurzgeschichten fristen hierzulande ja eher ein Nischendasein. Clemens J. Setz' Buch ist aber auf jeden Fall die Lektüre wert! Den Leser erwarten 18 bemerkenswerte Geschichten, in denen eher die Themen (und weniger die Figuren) im Mittelpunkt stehen. Jede der Geschichten überzeugt auf ihre (teilweise hoch originelle) Weise und lässt viel Raum zum Nachdenken. Über die menschliche Psyche, über Liebe und (vor allem) Triebe und über die Welt. Interpretieren erwünscht!
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4/5
23.03.2011
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ausgezeichnet
Grotesk, verstörend und absolut fesselnd: ein kleines Wunderwerk der Literatur! Obwohl die Geschichten teilweise abstoßend - oder zumindest sehr negativ - sind, gelingt es Setz trotzdem, den Leser bei der Stange zu halten und zum Nachdenken anzuregen. Selbst wenn die Erzählung nur eine halbe Seite lang ist...Seine wunderbare Sprache und seine wahnwitzigen Ideen und Einfälle machen dieses Buch wirklich zu etwas Besonderem und damit zu Recht Ausgezeichnetem.
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3/5
02.10.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unangenehm
Häufig wirkt es, als ob zeitgenössische deutschsprachige Literatur humorlos und vermeintlich tabubrechend sein müsste, um Preise zu gewinnen. Das beste Beispiel dafür in dieser Sammlung ist "Die Blitzableiterin oder Éducation Sentimentale", eine Erzählung, die sich erfolgreich bemüht, so abstoßend wie möglich zu sein. Ebenfalls anführbar: "Das Gespräch der Eltern in Hänsel und Gretel" - mehr oder weniger postmoderne Neuinterpretationen klassischer Texte bieten sehr viel Raum für Spielerei - Setz hingegen wählt den Weg von Sex und Herzlosigkeit.
Im Grunde ist das schade, denn viele der Geschichten sind prinzipiell erst mal interesant, verlieren sich aber an dem, was wahrscheinlich die Ambition der Geschichten ist - "Das Herzstück der Sammlung" oder die recht kafkaesken Texte "Die Visitenkarten" und "Die Leiche" haben Potenzial, und möglicherweise hätte ich auch "Eine sehr kurze Geschichte" mehr gemocht, wenn es von einem anderen Autoren gewesen wäre, weil mir zu dem Zeitpunkt die Objektivität verloren gegangen war.
Zwei Geschichten stechen positiv heraus: "Mütter" erzählt originell von einer Form von Prostitution, während "Das Riesenrad" den titelgebenden Ort als Wohnhaus konstruiert.
Trotzdem ist das Buch nichts für Zartbesaitete, sodass es mir unmöglich ist, das Buch uneingeschränkt weiterzuempfehlen.
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