Produktbild: Brigitta

Brigitta

8,90 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

08.05.2012

Verlag

Tredition

Seitenzahl

72

Maße (L/B/H)

20,3/13,3/0,6 cm

Gewicht

103 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-8424-1261-3

Beschreibung

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Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

08.05.2012

Verlag

Tredition

Seitenzahl

72

Maße (L/B/H)

20,3/13,3/0,6 cm

Gewicht

103 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-8424-1261-3

Herstelleradresse

tredition
Heinz-Beusen-Stieg 5
22926 Ahrensburg
DE

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    Jérôme Wiedenhaupt

    Thalia Hildesheim

    Buchhändler*in

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    5/5

    26.08.2026

    Buch (Taschenbuch)

    Das geläuterte Herz in der Ordnung der Natur.

    Nun, was soll man zu einem Meister wie Adalbert Stifter sagen. Beginnen wir mit dem Empfinden, das mich bei der Lektüre seiner Novellen stets aufs Neue tief bewegt. Denn wer sich seinen Texten nähert, spürt augenblicklich, dass man erst eine ganz bestimmte, tief vergrabene Stimme in sich selbst wiederfinden muss – dass man sich selbst erst wieder heben muss –, um der stillen Wahrhaftigkeit dieser Prosa überhaupt gewachsen zu sein. Doch ob eine von Atemlosigkeit und Zerstreuung getriebene Gegenwart überhaupt noch jene Stille besitzt, um dieses Erheben der eigenen Seele zu ermessen, bleibt eine seltsam melancholische Frage wie ich finde. Man muss den Lärm des Alltags und die Hast der Moderne von den eigenen Sinnen abstreifen, um der Wahrhaftigkeit zu begegnen, die aus seinen Zeilen spricht. Bei Stifter zu verweilen bedeutet, die Natur wieder in ihrer majestätischen Ruhe zu fühlen und menschliche Beziehungen in einer Tiefe, einem Anstand und einem Respekt wahrzunehmen, die in unserer Zeit fast verloren gegangen scheinen. In seiner Novelle Brigitta entfaltet sich diese einzigartige Haltung in einer reinen und schönen Form. Die Beständigkeit, mit der Stifter seinen Ton wahrt, besitzt eine seltene Würde: Man sucht bei ihm vergeblich nach einer flüchtigen Wendung, einer unbedachten Schärfe oder einem erzwungenen Gedanken. Seine Sprache hat etwas von der ruhigen Formgestalt eines antiken Reliefs – getragen von einer klaren, uneitlen Transparenz. Jede Handlung der Figuren ist klug und reiflich überlegt, jede weite Heide akkurat und liebevoll gepflegt, und selbst die ungestümsten Prozesse der Seele wie der Natur laufen schlussendlich in eine tiefe, harmonische Fügung ein. Es ist eine Welt, in der die Ordnung kein starres Gefängnis ist, sondern das schützende Gehäuse, in dem das Menschliche überhaupt erst gedeihen kann. Auch „Brigitta“ erzählt zunächst von einer solchen Ordnung: von einer Welt, die geschaffen, kultiviert und durch Arbeit wieder ins Gleichgewicht gebracht wird. Doch unter dieser ruhigen Oberfläche liegt eine tiefe menschliche Erschütterung. Stifter führt uns zu einer Frau, deren Leben von einer Verletzung geprägt ist, die nicht durch äußere Dramatik, sondern durch ihre lange Nachwirkung erschütternd wird. Brigitta ist keine Figur, die sich leicht in die vertrauten Formen weiblicher Schönheit und Liebenswürdigkeit einordnen ließe. Sie ist stark, eigenwillig, von herber Erscheinung, und gerade darin liegt ihre Würde. Sie muss nicht schön sein, um groß zu sein. Sie muss nicht gefallen, um geliebt werden zu können. Stifter wagt damit etwas Bemerkenswertes: Er löst den Wert eines Menschen von dessen äußerer Erscheinung und macht sichtbar, dass Charakter, Ausdauer und innere Wahrhaftigkeit eine Schönheit hervorbringen können, die tiefer reicht als jede körperliche Vollkommenheit. Wo Brigitta wirkt, blüht die Wüste auf. Sie verwaltet ihr Gut nicht bloß mit ökonomischem Verstand, sondern mit einer moralischen Verantwortung, die jeden Grashalm und jeden arbeitenden Menschen in eine geschützte Ordnung einbettet. In der Einöde der ungarischen Puszta schafft sie eine Oase des Friedens, des Maßes und der Kultur im Ursprünglichsten Sinne des Wortes. Sie ist die Verkörperung des stifterschen Ideals: Stille, ausdauernde Arbeit, die das Wilde bändigt, ohne es zu zerstören, und das Leben in den Dienst des Guten stellt. Doch das Herzstück dieses meisterhaften Gemäldes ist die Tragödie und die spätere Läuterung einer großen Liebe. Die Jugendgeschichte zwischen Brigitta und dem Major Stephan erzählt vom schmerzhaften Verfehlen zweier Menschen, die füreinander bestimmt waren. Stephan, geblendet von der leichten, äußeren Reizsamkeit einer anderen Frau, bricht das Herz Brigittas. Die Entzweiung ist tief, der Riss scheint unüberbrückbar. Was folgt, ist nicht der laute, verzweifelte Ausbruch, sondern das jahrelange, stille Ertragen eines schmerzhaften Verlustes. Stephan zieht in die Ferne, Brigitta zieht sich in die Einsamkeit der Steppe zurück. Hier offenbart Stifter die ganze Weisheit seiner Menschenkenntnis und führt den Leser an die Erhabenheit des Verzeihens heran. Das Verzeihen ist bei Stifter kein spontaner Akt des Vergessens, kein schnelles, wohlfeiles Wort der Versöhnung. Es ist ein Jahrzehnte dauernder Reifeprozess. Es ist die langsame Läuterung der Leidenschaften zur reinen, unerschütterlichen Zuneigung. Stephan erkennt im Exil seiner eigenen Seele die unermessliche Schuld, die er auf sich geladen hat, und arbeitet fortan daran, ein würdigerer Mensch zu werden. Als die beiden sich nach langen Jahren in der Einsamkeit der Puszta wieder begegnen – zunächst ohne dass die Umwelt um ihre frühere Verbindung weiß –, begegnen sich nicht zwei Liebende in jugendlichem Übermut, sondern zwei gereifte Seelen, die durch Schmerz und Arbeit zu sich selbst gefunden haben. Die Weisheit des Verzeihens, die Stifter uns in Brigitta schenkt, liegt in der Erkenntnis, dass das Geschehene nicht ungeschehen gemacht werden kann, aber dass die Liebe die Kraft besitzt, das Zerbrochene in ein höheres Gefüge einzubetten. Wenn schließlich, am Krankenbett ihres gemeinsamen Sohnes, das lange Bewahrte durch brennende Tränen hindurchbricht und die Seelen wieder zueinanderfinden, geschieht dies mit einer gewaltigen, erschütternden Poesie. Das Verzeihen erscheint hier als die höchste Form der menschlichen Freiheit: Es ist der Sieg der Vernunft, des Anstands und der Treue über den verletzten Stolz. Es ist das Wiederfinden der Ordnung nach dem Chaos des Irrtums. Stifters Brigitta zu lesen ist ein Fest für die Seele, eine Einladung zur inneren Einkehr und ein wahrhafter Genuss für jeden, der die Sprache in ihrer edelsten Form liebt. Diese Novelle berauscht nicht durch billige Effekte oder reißerische Dramatik, sondern durch die erhabene Schönheit ihres Tons, die majestätische Ruhe ihrer Naturschilderungen und die unendliche Güte ihres Menschenbildes. Wer sich auf diesen Text einlässt, wird reich beschenkt: Er legt das Buch nicht nur begeistert aus der Hand, sondern tritt als ein anderer, gehobenerer Mensch zurück in die Welt. Es ist ein Buch, das Sehnsucht weckt – Sehnsucht nach Tiefe, nach Wahrhaftigkeit und nach einer Liebe, die stark genug ist, die Zeit und den Schmerz zu besiegen.

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