Was bleibt von all der Romantik und Leidenschaft, wenn der Alltag Einzug hält ins Leben zweier moderner, auf Selbstverwirklichung drängender Menschen mit kleinen Kindern? Anspruch und Wirklichkeit prallen aufeinander. Das tägliche Ringen um Freiräume, Lebensfreude und Zeit wird zum unauflösbaren Konflikt. Die eigene Identität muss mit Klauen verteidigt, die Liebe immer wieder neu gefunden werden. Ein Kraftakt, von dem Karl Ove Knausgard in seinem Roman »Lieben« voller Zärtlichkeit und mit entwaffnender Ehrlichkeit erzählt. Das radikale Vaterporträt seines umjubelten Vorgängerromans »Sterben« wird nun in »Lieben« ergänzt durch das kompromisslose Suchen nach Nähe und Beziehung.
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Spiegeln
Bewertung aus Thun im Kanton Bern am 23.05.2022
Bewertungsnummer: 1717178
Bewertet: eBook (ePUB)
Der Autor beschreibt sein Leben, dieses Mal mit Schwerpunkt seine Beziehung zu seiner Frau und den Kindern. Dazu kommt das ganze Netzwerk seiner Freunde und Bekannte. Es ist keine „spannende“ Geschichte. Der Leser ist nicht vom „plot“ getrieben. Aber der Autor beschreibt die Ereignisse, die Gefühle, die Gedanken, die Phänomenologie so nah und so echt, dass sich der Leser in den meisten Beschreibungen wieder erkennt. Irgendwann hatten wir im Leben ja Ähnliches gefühlt oder erlebt, nicht? Somit ist das Buch eine Art Spiegel. Und dies erklärt dessen Faszination!
Liebe auf dem Prüfstand - ungekünstelt, ehrlich, spannend
Bewertung aus Ittigen am 16.01.2015
Bewertungsnummer: 866695
Bewertet: eBook (ePUB)
Da ist er wieder, dieser Sog, der einen wie schon beim ersten Band - einfach hineinzieht in die Lektüre des auf sechs Bände angelegten autobiografischen Romans Min Kamp. Der deutsche Titel des zweiten Bandes heisst Lieben. Im Zentrum steht die Liebe des Autors zu seiner Frau, zu seinen Kindern, zum Schreiben. Wie die Liebe entsteht und wächst, ist das eine, wie sie im täglichen Leben (Kampf) aufrechterhalten bleibt, das andere. Wie sind die Familienpflichten und Zeit und Ruhe zum Schreiben, unter einen Hut zu bringen? Der Autor zieht (flieht) in diesem Band von Bergen in die fremde Umgebung von Stockholm. Ein Norweger in Schweden. Er hat zunächst wenig Bekannte, lernt Linda kennen und lieben, kümmert sich um seine Tochter, damit seine Frau ihr Studium beenden kann. Er tut dies irgendwie gerne, aber er leidet darunter, dass er kaum mehr zum Schreiben kommt. Er möchte vermehrt allein sein, seine Frau hat aber gegenteilige Bedürfnisse. Daraus entstehen Konflikte. Wie die Liebe dabei überlebt, ist zentrales Thema dieses Romans. Das Buch (Alles hat seine Zeit), das er sich in dieser Zeit abringt, wird ein Erfolg. Später zieht die Familie nach Malmö. Zwei weitere Kinder erweitern die Familie. Die Grundproblematik bleibt. Die Offenheit des Autors, seine Ehrlichkeit, seine ungekünstelten, detailgenauen Beschreibungen, seine fliessende, starke Sprache machen die besondere Qualität dieses Romans aus. Dialoge unter Freunden, die Rückblenden auf frühere Begegnungen und die häufigen essayistischen Einschübe sind ein besonderer Genuss. Der kritische Blick auf eine politisch korrekte Gesellschaft, die nicht immer frei von Heuchelei ist, erweist sich als wohltuend. Die Erzählweise ist nicht linear, sondern wird immer wieder durch Exkurse und Erinnerungseinschübe unterbrochen. Selbst bei einfachen Schilderungen und Geschichten, wird eine Spannung erzeugt, die einen geradezu zum Weiterlesen zwingt. Die Schilderung seines Denkens und Handelns sowie die Aussagen seiner Freunde legen auch den Charakter des Autors frei: ein Mann in seinen Widersprüchen, mit seinem Harmoniebedürfnis, seiner Rücksichtnahme, seinen Schuldgefühlen, seiner Scham, seinem Willen, gut und ein ganzer Mensch zu sein, seine Angst anzubiedern, seine Auseinandersetzung mit der Männlichkeit, all dies liegt offen vor dem Leser. Aber Karl Olav Knausgard erscheint uns nicht als nackte Seele, sondern als eine menschliche, sympathische und starke Persönlichkeit, auch wenn er es selbst nicht so sehen will. Nach dem ersten Band wollte ich unbedingt den zweiten lesen. Jetzt will ich alle lesen.
Meinung aus der Buchhandlung
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Im norwegischen Original heißt das Buch "Min Kamp 2", also "Mein Kampf 2". Und es geht nach Teil 1, Sterben, nun um den Kampf des Autors in der Paarbeziehung. Um persönliche Freiräume zwischen Kindergarten und Windeln, das Dasein als Mann und Schriftsteller leben zu können und eben auch um die Bewahrung der Liebe im täglichen Grabenkampf der Geschlechter. Das wird so schonungslos und detailfreudig beschrieben, daß man sich wie ein faszinierter Voyeur vorkommt. Die eigentliche, schöne Liebesgeschichte des Paares gibt es auch. Für sie reichen 10 Seiten, der Rest ist harte Realität. Und dennoch, bei aller Ernüchterung hat man das tröstliche Gefühl, daß diese normale, besondere Liebe den Kampf gewinnen wird.
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Karl Ove Knausgard gibt in “Lieben” freizügig Einblick in seinen privaten Alltag mit Frau und drei kleinen Kindern. Man würde nicht weiterlesen, wären viele Situationen nicht schonungslos offen beschrieben, ohne den Wunsch, vorteilhaft zu wirken. Auch die inneren Gedankengänge des Schriftstellers, Vaters und Ehemannes sind interessant und zeigen ein Bild vom Leben im heutigen Schweden. Man nimmt mit diesem Buch an einem fremden Dasein teil, dies ist unterhaltend, vielleicht manchmal gar zu detailreich beschrieben, jedoch niemals oberflächlich und vor allem: grundehrlich.
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