Die Gruppe 47 ist zu einem Markenzeichen geworden. Jeder nimmt Bezug auf diese von Hans Werner Richter 1947 ins Leben gerufene lose Schriftstellervereinigung. Jeder hat eine Vorstellung von ihrer Wirkung. Helmut Böttiger legt nun den ersten umfassenden Überblick über die Geschichte dieser Institution vor, die unseren Literaturbetrieb erfunden und die politische Öffentlichkeit Nachkriegsdeutschlands mitgeprägt hat. Bei näherer Betrachtung wird aber klar: Vieles von dem, was man zu wissen glaubt, verkehrt sich ins Gegenteil. Die Gruppe 47 war erstaunlich pluralistisch; Paul Celan hatte ihr seinen Erfolg zu verdanken; und wenn es eine Symbolfigur für die Mechanismen der Gruppe 47 gibt, heißt sie viel eher Hans Magnus Enzensberger als Günter Grass. Durch die Auswertung vieler bisher unbekannter Dokumente und Gespräche mit Zeitzeugen entsteht ein lebendiges Bild der Frühgeschichte der BRD: von den Schwierigkeiten, die Prägungen durch den Nationalsozialismus abzustreifen, bis zu einem neuen, prekären Wechselspiel zwischen Literatur, Markt und Mediengesellschaft, das bis heute anhält. Es ist an der Zeit, die Ursprünge kennenzulernen!
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Joschne
aus Sittensen
5/5
12.08.2013
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die erste umfassende Geschicht…
Die erste umfassende Geschichte der Gruppe 47 Obwohl sie fast seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr existiert, geistert die Gruppe 47 immer noch durch die Debatten: mal als Popanz, mal als Vorbild, mal als abschreckendes Beispiel. Großen Einfluss auf die Art und Weise, wie über die Gruppe 47 gesprochen wird, hat zudem die unübersehbare Tatsache, dass einige ihrer Protagonisten im Grunde bis heute den literarischen Diskurs bestimmen. Durch die Auswertung bislang unbekannter Dokumente und Gespräche, die er mit Zeitzeugen geführt hat, zeichnet Helmut Böttiger ein lebendiges Bild dieser Institution und der Frühgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Von den Schwirigkeiten, die Prägungen durch den Nationalsozialismus abzustreifen, bis hin zu einem neuen, prekären Wechselspiel zwischen Literatur, Markt und Mediengesellschaft, das bis heute anhält, reicht das Spektrum der vorliegenden Darstellung. Es ist an der Zeit, genauer hinzuschauen und zu fragen, was es mit dieser Schriftstellervereinigung auf sich hatte, die Literatur und Geschichte der Bundesrepublik so tief geprägt hat. "Die weitaus beste publizistische darstellung, die es gegenwärtig über die Gruppe 47 gibt", meinte der Kritiker-Papst Joachim Kaiser. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Bewertung
5/5
17.04.2013
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Stück Literaturgeschichte!
Böttiger nimmt den wichtigsten Literaturkreis des 20. Jahrhunderts unter die Lupe.
Der Autor beschreibt und erklärt Entstehung, Enwicklung und Einfluss dieser wichtigen Vereinigung.
Dieses Sachbuch ist sehr lebendig und spannend geschrieben - für jeden literarisch interessierten Leser ein Muss!
Odilie Pressberger
aus Regensburg (Donau EKZ)
5/5
14.01.2013
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hier erfahren Sie alles über die "Gruppe 47"!
Was für ein schönes, großartiges und intelligentes Sachbuch das doch ist! Helmut Böttiger hat eine Fülle von Material zusammen getragen. Er kann jede Behauptung, die er aufstellt genau belegen und er macht daraus eine elegante, leicht zu lesende und dabei spannende Geschichte. Diesem Buch wünsche ich sämtliche Sachbuchpreise, die zu vergeben sind!Wer oder was war die "Gruppe 47"? Wie beeinflusste sie den "Literaturbetrieb" über 20 Jahre hinweg? Stimmt es,daß alles, was heute als "literarischer Event" stattfindet, sich auf diese Gruppe zurückführen läßt? Was bedeutet bei dieser Fragestellung z.B. der "Ingeborg-Bachmann-Preis"? Und was hatte es mit dem "Literarischen Quartett" von Marcel Reich-Ranicki auf sich? Das und noch viel, viel mehr wissen Sie, wenn Sie dieses Buch gelesen haben! Es ist außerdem eine phantastische Fundgrube für Literatur-Anregungen, für Suchlisten in Antiquariaten. Bei manchen Autoreneinschätzungen, die Helmut Böttiger zumindest zwischen den Zeilen (oder auch ganz offen) zu erkennen gibt, bin ich völlig anderer Meinung als er. Aber gerade das reizt mich beim Lesen um so mehr, die Bücher dieser Schriftsteller hervor zu suchen und entscheidende Stellen wieder zu lesen. Diese unglaubliche Fleißarbeit hat mich sehr beeindruckt!
Max Gutbrod
aus Berlin
3/5
23.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Anders, als Thema und Titel…
Anders, als Thema und Titel suggerieren mögen, geht es weniger um die Literatur und mehr um ihre Organisation. Auch bei der Wahrnehmung fehlt ein wesentliches Element, das ökonomische nämlich. Am meisten hat mich die Darstellung der ästhetischen Position von Eich beeindruckt. Phänomenen wie Reich-Ranicki, Mayer, Jens und Kaiser habe ich eher nachgespürt - wie kam es, dass von deren ursprünglichem Einsatz eigentlich fast nur eine schulmeisterliche Rückwärtsgewandtheit blieb? Warum Kaschnitz noch so etwa, Celan mit Widerständen und Ernst Meister oder Karl Krolow kaum anzukommen schienen, man kann es aufgrund dieses Buches vermuten.
Bories vom Berg
aus München
3/5
03.05.2013
Buch (Gebundene Ausgabe)
Von literarischem Kannibalismu…
Von literarischem Kannibalismus Bei der Lesung Helmut Böttigers im Münchner Literaturhaus, mit der sein neu erschienenes Buch über die Gruppe 47 vorgestellt wurde, folgte das zahlreich erschienene Publikum gespannt den Ausführungen über eine literarische Epoche, die Vielen durchaus noch gut in Erinnerung war. Mich eingeschlossen, der ich mich seinerzeit zwar literaturfern mit ganz anderen Dingen beschäftigte, die nicht gerade seltenen Meldungen über diese Gruppierung aber am Rande durchaus registrierte. Jetzt war nun plötzlich Anlass und Gelegenheit, sich näher mit dieser Episode der Zeitgeschichte zu beschäftigen, das Thema für sich persönlich aufzuarbeiten, damals Versäumtes nachzuholen, den Mythen mal auf den Grund zu gehen. Ohne Frage ist es dem Literaturkritiker Böttiger mit seinem informativen Sachbuch gelungen, die Entwicklungsgeschichte dieser literarischen Gruppierung, für die es kein Vorbild gab und auch keine vergleichbare Nachfolge, sehr anschaulich und detailreich darzustellen. Dem heutigen Leser dürften viele der teilnehmenden Schriftsteller bei den Treffen der Gruppe 47 vom Namen her weitgehend unbekannt sein, erst recht aber vom Werk, so kurzlebig ist Literatur in der Tat! Auch die Thematik der heftigen Diskurse ist heute kaum noch nachzuvollziehen, von einem für alle gültigen Konsens konnte jedenfalls kaum die Rede sein, vernünftig Argumentierende gehörten damals wie heute zu einer raren Spezies. Man staunt schon, was diese hochgeistige Elite sich gegenseitig an den Kopf geworfen hat, wie gnadenlos die Verrisse ausgefallen sind. Es war purer literarischer Kannibalismus, der da praktiziert wurde in den sogenannten Werkstattgesprächen, meist destruktiv statt konstruktiv, den beurteilten Autor somit oft total entmutigend. Mit der triumphalen Lesung der «Blechtrommel» hat Günter Grass eines der raren Gegenbeispiele geliefert, wo das ziemlich einhellige Lob und die unumstrittene Verleihung des Preises der Gruppe 47 dem späteren Erfolg auf dem Buchmarkt vorausgeeilt war. Überhaupt hat sich die Entwicklung der Berufskritiker, die jedenfalls ziemlich komplett versammelt waren und untereinander sowie mit den Autoren die Klingen gekreuzt haben, zu einem maßgeblichen Teil in der Gruppe 47 vollzogen. Walter Jens, Joachim Kaiser, Walter Höllerer, Marcel Reich-Ranicki und Hans Mayer saßen da in der ersten Reihe auf der «Kritikerbank» und nutzten ihre Anwesenheit zu persönlicher Profilierung. Sie wurden ihrerseits grandios verspottet, als «Großkritiker» regelrecht auseinander genommen von niemand Geringerem als Martin Walser, und zwar in einem Zeitungsartikel, dessen Text «zu den besten gehört, die er jemals geschrieben hat», und den Böttiger deshalb genüsslich zitiert. Man kann also auch herzhaft lachen bei dieser Lektüre, und staunen obendrein, was für einen Nonsens diese sich klug wähnenden Herren, es gab ja noch keine Damen in der Riege, selbstgefällig abgesondert haben. Dem Rundfunk ist es zu danken, dass durch Mitschnitte bei den späteren Treffen heute vieles rekonstruierbar ist, was da so alles gesagt wurde, Walsers köstliche Satire teils wortwörtlich bestätigend. Mit dem Datum war Helmut Böttiger beim Signieren meines Buchexemplars der wahren Zeit zwar einen Tag hinterher, sein ausgezeichnetes Buch ist fachlich aber anderen recht deutlich voraus, und brillant geschrieben ist es obendrein. Es zu lesen lohnt sich somit für Leute, die tiefer einsteigen wollen in die deutsche Literaturgeschichte mit Autoren, von denen einige inzwischen ja schon fast Denkmalstatus erlangt haben. Dieses Buch erweitert den Horizont jedenfalls ganz ungemein, und man kann ihm als seriösem Sachbuch sogar hin und wieder einen gewissen Unterhaltungswert attestieren.
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