Fanny Lewald: Gesammelte Werke. Neue revidierte Ausgabe, Bd. 1-10, Berlin: Verlag von Otto Janke, 1871-1872. Erstdruck (anonym): Leipzig (F. A. Brockhaus) 1843.
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4.6/5.0
Bewertung
aus Ilsenburg
5/5
20.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Aus Versehen war ganz viel Liebe dabei, verdammt schön
Erwartet hatte ich einen Roman über jüdische Identität in einer christlichen Welt sowie über feministische Bestrebungen in einer patriarchischen Welt. Da es sich um eine Klassikerin handelt, hatte ich einen gehörigen Respekt vor Fanny Lewald stilistischer Umsetzung. Über meine Erwartungshaltung hinaus wurde ich positiv überrascht von der mich geradezu überschwemmenden Liebe, die dieser klassische Roman ebenfalls mitbringt. Dabei mag ich eigentlich gar keine Liebesromane.
Doch Sätze aus männlichen Gedanken wie, „Heute, nachdem er sie zwei Tage nicht gesehen, in denen er unaufhörlich an sie gedacht und die heiße Sehnsucht empfunden hatte, heute schien sie ihm schöner und begehrenswerter als je! […] Mit diesem Gedanken hingen seine Augen an ihr, als ihr Blick ihn traf, und das selige Entzücken in ihren Zügen, die glühende Röte, die ihr Gesicht urplötzlich überflogen, gaben ihm eine Antwort, die ihm das Herz aufwallen machte.“, katapultieren auch mich in die erste unaussprechliche Liebe zurück, mit Herzklopfen bis zum Hals, schmachtenden Blicken und geröteten Wangen.
Obwohl ich von der Liebesgeschichte zwischen Jenny und Gustav regelrecht mitgerissen wurde, so lag mein Fokus dennoch eher auf dem Alltagsleben der Juden im 19. Jahrhundert und darüberhinaus natürlich, und wahrscheinlich auch noch stärker, auf den ersten Zügen der Emanzipation der Frau. Speziell durch meinen angestrebten Blickwinkel auf die Geschichte war die Protagonistin Jenny besonders interessant. Aufgrund der Bildung, die ihr der Vater zugestanden hatte, hat Jenny eine Sprachgewandtheit, die ihr eine ebenbürtige Kommunikation bzw. Diskussion mit ihrem Bruder Eduard und dessen Freunden gestattet. Mit ihrem Wissen und ihrer Schlagfertigkeit verdutzt Jenny mehr als einmal ihre Gesprächspartner. Leider geht deren Wertschätzung mit einer reduzierten Wahrnehmung ihrer Weiblichkeit einher. Trotzdem begeistert mich ihr klarer Verstand, ihr Abwägen in Glaubensfragen, ihre mit der Familie abgestimmte Entscheidung, selbst wenn sie diese später zumindest teilweise bereut. Es ist ein Versuch, den eigenen Lebenszielen näher zu kommen und der Diskriminierung zu entgehen.
Aus der Riege der männlichen Figuren mochte ich ich Eduard am meisten. Die mentale Stärke, mit der er sein in Liebesdingen entbehrungsreiches Leben erträgt, ist schon erstaunlich. Er macht sein Schicksal mit sich selbst aus, ohne je so etwas wie Wut oder Enttäuschung an anderen auszulassen. Statt in Selbstmitleid zu versinken, widmet er sich der Gleichstellung seines Volkes und seiner Berufung zum Arzt.
Um das Geschwisterpaar entwirft Fanny Lewald eine vielschichtige Story mit einer zunächst schwer zu überblickenden Anzahl an Charakteren. Gemeinsame Theaterbesuche sowie Tee- und Abendgesellschaften spiegeln für mich den Zeitgeist wider. Der Roman erscheint mir als Abbild der Gesellschaft. Ihre gesellschaftskritische Auseinandersetzung kombiniert die Autorin geschickt mit einer leidenschaftlichen Liebes-und Familiengeschichte, so dass ihr Werk für unterschiedliche Interessengruppen gleichermaßen attraktiv ist. Fanny Lewald bedient sich einer himmlischen Sprache, die mich oft meine Augen schließen ließ, um ihrer wunderbaren Wortwahl nachzuspüren. Jetzt habe ich doch tatsächlich aus Versehen einen Liebesroman gelesen und bereue nichts, sondern bin einfach begeistert.
Abgerundet wird das Werk mit einem Nachwort von Mirna Funk, die im hier und heute die Damenwelt aufruft, die inzwischen vollständig gewährten Rechte auch unabhängig von Safe Spaces zu nutzen.
Bewertung
aus Baden-Baden
5/5
05.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Emanzipationsroman im doppelten Sinne
Während englischsprachige Autorinnen des 19. Jahrhunderts weltweit bekannt sind und immer noch gerne gelesen werden ( man denke nur an „ Sturmhöhe“ oder „ Middlemarch“ ), ist Fanny Lewald heute sogar in Deutschland nur wenigen ein Begriff. Dabei war sie eine der erfolgreichsten und bedeutsamsten Schriftstellerinnen ihrer Zeit. Sie gehört zu den ersten Berufsschriftstellerinnen in Deutschland; ihre Bücher waren Bestseller. 27 Romane, dazu Erzählungen, Essays und politische Schriften umfasst ihr Werk. Ihre ersten beiden Romane, darunter „ Jenny“ , veröffentlichte sie, aus Rücksicht auf ihre Familie, aber noch unter Pseudonym.
Geboren wurde Fanny Lewald 1811 in Königsberg als Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Schon früh konvertierte sie zum Protestantismus, um der ständigen Diskriminierung zu entgehen, bereute aber schon bald diesen Schritt.
Fanny Lewald gilt als eine der ersten Feministinnen und führte mehr als 30 Jahre lang einen literarischen Salon, in dem nicht nur literarische Themen zur Debatte standen, sondern darüber hinausgehend auch politische und wissenschaftliche Fragen erörtert wurden.
Es ist an der Zeit, dieser bedeutenden Frau den Platz im Kanon einzuräumen, der ihr zusteht. Dazu dürfte der äußerst lesenswerte Roman „ Jenny“ beitragen, den der Reclam- Verlag in einer wunderschönen Ausgabe in seiner Reihe „ Reclams Klassikerinnen“ herausgebracht hat.
Wir sind im Jahr 1832 in einer großen deutschen Handelsstadt. Im Zentrum des Romans steht Jenny, Tochter der wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie Meier. Sie hat noch einen älteren Bruder Eduard, er ist Arzt. Die Meiers führen ein offenes Haus, sind aufgeklärte assimilierte Juden. Doch der Makel des Judentums haftet trotzdem an ihnen. In der preußischen Gesellschaft sind sie Bürger zweiter Klasse.
Im Haus lebt noch Joseph, ein Neffe, der als Nachfolger im elterlichen Geschäft vorgesehen ist und der sehr gerne Jenny heiraten würde. Doch die junge Frau hat sich längst in einen anderen Mann verliebt, Reinhard, Studienfreund des Bruders, Sohn einer armen Pfarrerswitwe und selbst angehender Pfarrer. Er liebt sie ebenfalls, „ Aber alles lag trennend zwischen ihm und ihr: Religion und Verhältnisse…“ Doch Jenny ist bereit alles aufzugeben, die Annehmlichkeiten ihres reichen Elternhauses und vor allem ihren Glauben. Aus Liebe zu dem jungen Mann konvertiert sie, aber bald kommen ihr Glaubenszweifel, was Reinhard nicht verzeihen kann. Er löst die Verbindung. Zum Glück, möchte man sagen. Denn unabhängig vom Glauben trennt die Beiden noch viel mehr. Jenny ist eine rebellische und aufgeschlossene Frau, die selbstbewusst ihren eigenen Weg gehen will. Während Reinhard strenge Prinzipien hat und sich eine brave Pfarrersfrau an seiner Seite wünscht. Trotz aller Verliebtheit erkennt Jenny, dass sie diese Rolle nicht einnehmen will und kann.
Es ist ein sehr unkonventionelles, fortschrittliches Frauenbild, für das die Autorin hier plädiert. Eine andere Frauenfigur wird als Gegenbild zu Jenny entwickelt. Diese geht völlig auf in ihrer Rolle als treu sorgende Ehefrau und Mutter. Doch die Sympathie von Autorin und Leserin gilt eindeutig Jenny.
Reinhard und Jenny sind aber nicht das einzige Liebespaar im Roman, das mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Auch Eduards Liebe gilt einer Christin, doch anders als Jenny ist er nicht bereit, sich taufen zu lassen. Er hat das schon aus Karrieregründen abgelehnt, obwohl ihm als Jude viele berufliche Türen verschlossen blieben. Eduard ist zwar nicht gläubig, fühlt sich aber seinem Volk verbunden und will nicht zum Verräter an ihm werden. Ihm geht es um die Gleichstellung der Juden. Eduard versucht nun an höchster Stelle zu intervenieren, um eine Erlaubnis für eine Heirat mit Clara zu bekommen, doch vergeblich. In Preußen ist eine Ehe zwischen Juden und Christen gesetzlich untersagt.
Ständig stoßen die Meiers und ihre Glaubensbrüder an gesellschaftliche Schranken. Überall schlägt ihnen der allgegenwärtige Antisemitismus entgegen, mal in diffamierenden Bemerkungen, dann in konkreten Auswirkungen. Das demonstriert die Autorin an vielen Beispielen.
Mit „ Jenny“ hat Fanny Lewald einen Emanzipationsroman im doppelten Sinne vorgelegt. Ihr Anliegen war die Gleichberechtigung von Juden und Frauen. Ihre Hoffnung und Zuversicht formuliert Eduard am Ende des Romans. „ Wir wollen leben, um eine freie Zukunft, um die Emanzipation unseres Volkes zu sehen!“ Wir lesen diesen Roman heute mit dem Wissen um die Shoa, dadurch bekommt das Buch eine zusätzliche Dimension.
Mir hat der Roman ausgesprochen gut gefallen. Die „ altertümliche“ Sprache habe ich sehr genossen und ich bin eingetaucht in eine vergangene Welt voller Konventionen und Einschränkungen. Dabei durfte ich eine mir bisher unbekannte Schriftstellerin kennenlernen. Es ist zu hoffen, dass weitere Romane von ihr wieder publiziert werden.
leukam
aus Baden-Baden
5/5
05.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Emanzipationsroman im…
Ein Emanzipationsroman im doppelten Sinne Fanny Lewald „ Jenny“ ( 1843 / 2023 ) Während englischsprachige Autorinnen des 19. Jahrhunderts weltweit bekannt sind und immer noch gerne gelesen werden ( man denke nur an „ Sturmhöhe“ oder „ Middlemarch“ ), ist Fanny Lewald heute sogar in Deutschland nur wenigen ein Begriff. Dabei war sie eine der erfolgreichsten und bedeutsamsten Schriftstellerinnen ihrer Zeit. Sie gehört zu den ersten Berufsschriftstellerinnen in Deutschland; ihre Bücher waren Bestseller. 27 Romane, dazu Erzählungen, Essays und politische Schriften umfasst ihr Werk. Ihre ersten beiden Romane, darunter „ Jenny“ , veröffentlichte sie, aus Rücksicht auf ihre Familie, aber noch unter Pseudonym. Geboren wurde Fanny Lewald 1811 in Königsberg als Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Schon früh konvertierte sie zum Protestantismus, um der ständigen Diskriminierung zu entgehen, bereute aber schon bald diesen Schritt. Fanny Lewald gilt als eine der ersten Feministinnen und führte mehr als 30 Jahre lang einen literarischen Salon, in dem nicht nur literarische Themen zur Debatte standen, sondern darüber hinausgehend auch politische und wissenschaftliche Fragen erörtert wurden. Es ist an der Zeit, dieser bedeutenden Frau den Platz im Kanon einzuräumen, der ihr zusteht. Dazu dürfte der äußerst lesenswerte Roman „ Jenny“ beitragen, den der Reclam- Verlag in einer wunderschönen Ausgabe in seiner Reihe „ Reclams Klassikerinnen“ herausgebracht hat. Wir sind im Jahr 1832 in einer großen deutschen Handelsstadt. Im Zentrum des Romans steht Jenny, Tochter der wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie Meier. Sie hat noch einen älteren Bruder Eduard, er ist Arzt. Die Meiers führen ein offenes Haus, sind aufgeklärte assimilierte Juden. Doch der Makel des Judentums haftet trotzdem an ihnen. In der preußischen Gesellschaft sind sie Bürger zweiter Klasse. Im Haus lebt noch Joseph, ein Neffe, der als Nachfolger im elterlichen Geschäft vorgesehen ist und der sehr gerne Jenny heiraten würde. Doch die junge Frau hat sich längst in einen anderen Mann verliebt, Reinhard, Studienfreund des Bruders, Sohn einer armen Pfarrerswitwe und selbst angehender Pfarrer. Er liebt sie ebenfalls, „ Aber alles lag trennend zwischen ihm und ihr: Religion und Verhältnisse…“ Doch Jenny ist bereit alles aufzugeben, die Annehmlichkeiten ihres reichen Elternhauses und vor allem ihren Glauben. Aus Liebe zu dem jungen Mann konvertiert sie, aber bald kommen ihr Glaubenszweifel, was Reinhard nicht verzeihen kann. Er löst die Verbindung. Zum Glück, möchte man sagen. Denn unabhängig vom Glauben trennt die Beiden noch viel mehr. Jenny ist eine rebellische und aufgeschlossene Frau, die selbstbewusst ihren eigenen Weg gehen will. Während Reinhard strenge Prinzipien hat und sich eine brave Pfarrersfrau an seiner Seite wünscht. Trotz aller Verliebtheit erkennt Jenny, dass sie diese Rolle nicht einnehmen will und kann. Es ist ein sehr unkonventionelles, fortschrittliches Frauenbild, für das die Autorin hier plädiert. Eine andere Frauenfigur wird als Gegenbild zu Jenny entwickelt. Diese geht völlig auf in ihrer Rolle als treu sorgende Ehefrau und Mutter. Doch die Sympathie von Autorin und Leserin gilt eindeutig Jenny. Reinhard und Jenny sind aber nicht das einzige Liebespaar im Roman, das mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Auch Eduards Liebe gilt einer Christin, doch anders als Jenny ist er nicht bereit, sich taufen zu lassen. Er hat das schon aus Karrieregründen abgelehnt, obwohl ihm als Jude viele berufliche Türen verschlossen blieben. Eduard ist zwar nicht gläubig, fühlt sich aber seinem Volk verbunden und will nicht zum Verräter an ihm werden. Ihm geht es um die Gleichstellung der Juden. Eduard versucht nun an höchster Stelle zu intervenieren, um eine Erlaubnis für eine Heirat mit Clara zu bekommen, doch vergeblich. In Preußen ist eine Ehe zwischen Juden und Christen gesetzlich untersagt. Ständig stoßen die Meiers und ihre Glaubensbrüder an gesellschaftliche Schranken. Überall schlägt ihnen der allgegenwärtige Antisemitismus entgegen, mal in diffamierenden Bemerkungen, dann in konkreten Auswirkungen. Das demonstriert die Autorin an vielen Beispielen. Mit „ Jenny“ hat Fanny Lewald einen Emanzipationsroman im doppelten Sinne vorgelegt. Ihr Anliegen war die Gleichberechtigung von Juden und Frauen. Ihre Hoffnung und Zuversicht formuliert Eduard am Ende des Romans. „ Wir wollen leben, um eine freie Zukunft, um die Emanzipation unseres Volkes zu sehen!“ Wir lesen diesen Roman heute mit dem Wissen um die Shoa, dadurch bekommt das Buch eine zusätzliche Dimension. Mir hat der Roman ausgesprochen gut gefallen. Die „ altertümliche“ Sprache habe ich sehr genossen und ich bin eingetaucht in eine vergangene Welt voller Konventionen und Einschränkungen. Dabei durfte ich eine mir bisher unbekannte Schriftstellerin kennenlernen. Es ist zu hoffen, dass weitere Romane von ihr wieder publiziert werden.
Bewertung
5/5
29.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Roman über Emanzipation und Diskriminierung
Fanny Lewald beschreibt hier authentisch das Leben von Jenny, als jüdische Frau im frühen 19. Jahrhundert. Der damals bereits herrschende Antisemitismus ist hier von Anfang an spürbar. Als Jude war man schon als Mensch zweiter Klasse abgestempelt, doch als Frau hat man es nochmal zusätzlich schwer, da die Emanzipation der Frauen noch weit entfernt war. Jenny kommt aus einer wohlhabenden jüdischen Familie und hat das Privileg von ihren Eltern nicht in eine Rolle oder Ehe gezwungen zu werden. Sie darf sich frei entwickeln und soll aus Liebe heiraten. So entwickelt sie sich zu einem Freigeist, der nicht dem damaligen Bild einer Frau entspricht. Doch leider muss sie schnell herausfinden, dass die Gesellschaft, vor allem die Christen, nicht so fortschrittlich denken wie ihre Eltern, dass ein Jude nicht die gleichen Rechte hat wie ein Christ. Eine Heirat zwischen Juden und Christen ist gar verboten. Auf der Suche nach der Liebe und ihrem eigenen Weg hat sie so einige Hindernisse zu überwinden.
Der Roman ist berührend und erschreckend zugleich. Er gibt einen tiefen Einblick in die damaligen Verhältnisse.
Die Sprache ist natürlich etwas altertümlich, schließlich handelt es sich um einen Klassiker von 1843, aber ich fand es gut lesbar und habe auch Gefallen an der Sprache gefunden. Ich bewundere es, dass Fanny als Jüdin den Mut hatte diesen Roman zu schreiben in einer Zeit in der Frauen generell noch nicht als Autorinnen anerkannt und Juden stark diskriminiert wurden. Ich bin sehr froh über die Wiederentdeckung dieses Klassikers der Frauenliteratur!
Anne Kaffeekanne
4/5
24.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Anstrengend, aber lesenswert
Die 16jährige Jenny entstammt einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie. Mit ihrem fröhlichen, offenen Wesen, ihrer Bildung und vor allem ihrer Schönheit, zieht sie bei gesellschaftlichen Anlässen viel Aufmerksamkeit auf sich. Sie verliebt sich in den bescheiden lebenden Pfarrer Gustav Reinhard und muss zur Ermöglichung einer Hochzeit den christlichen Glauben annehmen. Dies und die starren christlichen Rollenvorstellungen stellen Jenny vor eine große Herausforderung. Und auch Jennys Bruder Eduard ist unglücklich verliebt in die Christin Clara und muss erkennen, wie tief die gesellschaftlichen Gräben zwischen Juden und Christen sind.
Fanny Lewald schöpft aus ihren eigenen Erfahrungen und zeigt sehr deutlich wie tief der Antisemitismus in der Gesellschaft verankert ist und wie starr die gesellschaftlichen Rollen festgelegt waren. Das fand ich aus heutiger Perspektive sehr interessant zu lesen und Lewalds Ansichten erstaunlich modern.
Mir persönlich war es zwischendurch der dramatischen Gefühlsausbrüche etwas zu viel. Glücklicherweise legt sich das in der zweiten Hälfte des Buches bis zu einem dramatischen Ende. Die Aufmachung des Textes finde ich etwas unglücklich gewählt. Es ist recht klein geschrieben und eng gedruckt und die wörtliche Rede ist nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Somit wird der Zugang zu diesem fast 200 Jahre alten Text noch weiter erschwert. Sehr interessante fand ich wiederum das durchaus provokativ geschriebene Nachwort, das noch einmal auf die Stellung der Frau in Christentum und Judentum eingeht.
Insgesamt eine anstrengende, aber lesenswerte Lektüre.
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