"Als die Schriftstellerin Lydia Vallberg am Bahnhof in Rom in Serge Prokenievs Taxi steigt, ist der Genfer Juwelier fasziniert von der geheimnisvollen Frau mit dem spöttischen Blick. In ihrem Hotelzimmer entdeckt er Prozessakten, aus denen hervorgeht, dass sie durch eine Schadensersatzklage finanziell ruiniert ist. Doch warum hat sie einen Kupferstich mit dem Porträt Wilhelm Müllers bei sich? Steuert sie, dem einsamen Wanderer in Schuberts Winterreise gleich, einem konsequenten Rückzug aus Resignation entgegen? Der attraktive Juwelier mit der russischen Seele ist entschlossen, ihr zu helfen. Aber was verbindet Lydia mit dem Kastell der Cantesi in den Bergen Umbriens? Auch der Filmschauspieler Salvatore Cospicco ahnt Düsteres. Lydias Seelenlage weckt in ihm unangenehme Erinnerungen, er appelliert an ihren Lebensmut und den Glauben an die Kunst. Doch Lydia kann die Enttäuschung durch ihren Vater und ihren sizilianischen Ex-Mann schwer abschütteln, sie sitzt genauso tief wie die Schuld ...
Der Roman kombiniert Motive aus Schuberts Winterreise mit Zitaten von Klaus Maria Brandauer. Sein Appell an das Wagnis der neuen, eigenen Interpretation wird als produktive Lebensperspektive gegen das resignative Konzept der Romantik ins Feld geführt.
Die Charaktere sind schillernd, zweideutig und auch die Unschuldigen sind keineswegs sympathisch. Es ist ein doppelter Boden, auf dem sie ihre Figuren agieren lässt und er bricht ein, wenn man es am wenigsten erwartet."
Der Standard
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Bewertung
aus Schwalmtal
3/5
20.11.2016
eBook (ePUB)
etwas blass
ch hab den Roman in einer Leserunde gewonnen und mich riesig darauf gefreut.
Rom. Eine junge Frau ist auf der Flucht, vor sich selbst, vor ihrem Leben, vor ihrer Vergangenheit und vor ihrer Zukunft. Im Auto trifft sie auf einen russischen Gentlemen. Sie geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Während sie mit allem abschließt, versucht er mit Allem zu beginnen und verliebt sich in Lydia.
Das Thema, die Umgebung, die Grundzüge, die Strukturen sind wie geschaffen für einen wunderbaren Roman. Doch leider hat mich dieses Buch nicht erreicht. Die ersten 100 Seiten habe ich hin und her geblättert, versucht nachzuvollziehen an welchem Ort auf welchem Platz ich nun bin - leider kenne ich Rom nicht so gut wie die Autorin. Die Personen sind blass und entwickeln keine Persönlichkeit. Wenn ich etwas über sie erfahre, entsteht es mehr durch kurze Dialoge die sie führen und kaum durch ihre Handlungen oder Gedanken.
Erst zum Ende hin hat mich die Geschichte etwas mehr gefesselt, leider jedoch nie wirklich mitgerissen.
Der Roman scheint hervorragend recherchiert, vielleicht mit sehr viel Erfahrung und Wissen untermauert, welches der Autorin schon lange zu eigen ist, vielleicht zu lange, so dass es nicht ganz gelingt den Leser abzuholen, der nicht täglich in Rom und der Welt der Oper zuhause ist.
Den Passagen über die Schliffe und Ausprägungen von Diamanten und anderen Edelsteinen konnte ich leichter folgen, aber nur, weil ich auf diesem Gebiet etwas mehr Vorkenntnisse habe.
Für Fans vom Rom und der Oper aber bestimmt ein gelungener Ausflug.
Lesebiene
aus Berlin
5/5
18.11.2016
Buch (Taschenbuch)
Die Autorin nimmt uns mit auf eine Reise der man sich nicht mehr entziehen kann
Die Winterreise von Bianca di Palma
erschienen 2011 im Books on Demand Verlag
Roman
Lydia Vallberg, eine verunsicherte, verzweifelt
nach Liebe suchende junge Frau reist von Deutschland nach Rom.
Lydia fühlt sich für den Selbsttod der Mutter verantwortlich.
Sie ist eine hochbegabte Schriftstellerin ohne
großes Selbstvertrauen.
Bei ihrem Vater und ihrem Exmann in Ungnade gefallen.
Sie hat Schuberts Winterreise in München gehört,
kurz vor dem Selbstmord ihrer Mutter.
Finanziell am Ende beginnt Lydia ihre Winterreise.
In Rom begegnet sie Serge, einen aus Russland stammenden
Juwelier.
Serge steckt in einer Sinn- und Lebenskrise.
Er verliebt sich in Lydia und ahnt nicht was das Leben noch
alles für ihn bereit hält.
Das Zitat von Klaus Maria Brandauer trifft es auf den Punkt.
- man muss seine Wünsche und Sehnsüchte an das Leben anmelden dürfen -
Dieser Roman hat etwas Märchenhaftes, dunkles das aber immer wieder durch Lichtblicke und Hoffnungen aufgehellt wird.
Die Charaktere haben alle mit ihren Problemen zu kämpfen und jeder von ihnen versucht auf seine Art damit fertig zu werden.
Trotz allem fühlt man sich tief mit ihnen verbunden und nimmt an ihren Schicksalen teil.
Dieses Buch entwickelt einen ganz besonderen Charme.
Der Schreibstil ist wunderschön, poetisch und doch völlig klar.
Die Autorin nimmt uns mit auf eine Reise der man sich nicht mehr entziehen kann.
Dieses Buch ist traurig und fröhlich, bitter und süß und einfach nur schön.
Eine unbedingte Leseempfehlung
Bewertung
aus Nümbrecht
5/5
29.09.2011
Buch (Taschenbuch)
Ich hätte sie alle sterben lassen!
Mit außergewöhnlich kraftvoller Sprache schildert Bianca die Palma eine Geschichte von kolossaler Tiefe. Ihr gelingt es mühelos, intensive Bilder vor den Augen des Lesers entstehen zu lassen, fast ist es, als stehe man neben den Romanfiguren, man fühlt und leidet mit ihnen. Dunkle Abgründe tun sich auf und drohen, jeden Beteiligten durch ihren wirren Strudel in die Tiefe zu reißen. Jeder der geschilderten Charaktere trägt seine eigenen Traumatisierungen mit sich, scheinbar unlösbare Probleme und finstere Geheimnisse. Durch diese Labyrinthe spannt sich die mitreißende Erzählung, nach und nach neues Licht aber auch bodenlose Rückschläge bringend, bis zur finalen Katharsis.
Die Tiefe und Düsternis der russischen Seele verbindet sich mit der Leidenschaft für erlesene Schönheit, Poesie und Musik. Die wesentliche philosophische Kernaussage liegt in dem Brandauer-Zitat 'Ich möchte meine Wünsche und Sehnsüchte an das Leben anmelden'. Denn es gilt, das Leben aktiv in die Hand zu nehmen, oder, wie meine Großmutter es zu sagen pflegte, 'Jeder ist seines Glückes Schmied'.
Ein einzigartiges Buch, das mich tief berührt hat.
Almut Irmscher
aus Nümbrecht
5/5
29.09.2011
Buch (Taschenbuch)
Ich hätte sie alle sterben lassen!
Mit außergewöhnlich kraftvoller Sprache schildert Bianca die Palma eine Geschichte von kolossaler Tiefe. Ihr gelingt es mühelos, intensive Bilder vor den Augen des Lesers entstehen zu lassen, fast ist es, als stehe man neben den Romanfiguren, man fühlt und leidet mit ihnen. Dunkle Abgründe tun sich auf und drohen, jeden Beteiligten durch ihren wirren Strudel in die Tiefe zu reißen. Jeder der geschilderten Charaktere trägt seine eigenen Traumatisierungen mit sich, scheinbar unlösbare Probleme und finstere Geheimnisse. Durch diese Labyrinthe spannt sich die mitreißende Erzählung, nach und nach neues Licht aber auch bodenlose Rückschläge bringend, bis zur finalen Katharsis.
Die Tiefe und Düsternis der russischen Seele verbindet sich mit der Leidenschaft für erlesene Schönheit, Poesie und Musik. Die wesentliche philosophische Kernaussage liegt in dem Brandauer-Zitat ''Ich möchte meine Wünsche und Sehnsüchte an das Leben anmelden''. Denn es gilt, das Leben aktiv in die Hand zu nehmen, oder, wie meine Großmutter es zu sagen pflegte, ''Jeder ist seines Glückes Schmied''.
Ein einzigartiges Buch, das mich tief berührt hat.
Bewertung
5/5
27.09.2011
Buch (Taschenbuch)
Eine Sylphide am Abgrund
Aus Deutschland kommend Lydia Vallberg, die Heldin der Winterreise: Verzweifelt, hungrig nach Liebe, arrogant, feinsinnig, manipulierend und hochbegabt. Schriftstellerin, eine Sylphide. Aus Russland stammend, der Held Serge Prokeniev: Kreativer Juwelier auf der Suche nach einer Frau, religiös, zaudernd, Liebhaber von Rachmaninov, und in der Krise seines Lebens. In Rom treffen sie zusammen. Wie vom Wind herbeigeweht, lässt Bianca di Palma ihre zugleich markant und ätherisch wirkende Heldin auf der Rückbank eines Taxis landen. Desselben Taxis, mit dem der Held gerade unterwegs ist, um seinen edelsteinreichen Juwelierspatenonkel zu besuchen. Wohin will Lydia? Dahin, wo sie hinmüssen, sagt sie zu Serge. Die Richtung der Winterreise scheint vorgegeben, doch dann entpuppt sich der hoch komplizierte lebensgeschichtliche Hintergrund sämtlicher Akteure. Bianca di Palma treibt ihre Figuren voran, indem sie die Schriftstellerin Lydia Vallberg in Rom nach dem glücklichen Ende ihres Romans suchen lässt. Bislang hat Lydia vergeblich versucht, ihr Leben in den Griff zu kriegen. Sie hat Schuberts Winterreise in München gehört, kurz vor dem Selbstmord ihrer Mutter. Jetzt steht sie unter dem Bann der Musik, der Verse. Sie fließen in ihren Roman ein, bestimmen, was sie schreibt. Düstere Omen hatten ihr das letzte Kapitel diktiert. Auf ihrer persönlichen Winterreise nach Italien will Lydia Vallberg nun das Finale ihres Romans umschreiben. So wird Lydia Vallbergs in Bianca di Palmas Roman gespiegelt. Durchwoben ist dieses literarische Spiel von Motiven aus Schuberts Winterreise; sie schaffen die Querverbindungen für den Text, an dem die Heldin schreibt und verbinden sich zu dem Text, den di Palma schreibt. Der Roman ist aus zwei verschachtelten Dreiecksgeschichten gebaut. Die Heldin agiert in beiden und verbindet sämtliche Figuren, die sie bewusst und unbewusst um sich herumtanzen lässt. Warum folgt Serge ausgerechnet jener Frau durch halb Rom (und später bis nach Umbrien), die ihrerseits von dem Gefühl getrieben ist, alles hinter sich zu lassen und weiter zu ziehen? Warum fühlt sich Lydia zu Serge hingezogen und im selben Moment seiner überdrüssig? Ist es wegen Renzo, mit dem Lydia in erster Ehe verheiratet war und der sie aufregend, intensiv und anders geliebt hatte? Oder werden die beiden durch die seltsame Abhängigkeit gehemmt, die Serge an seinen Paten Victor bindet? Das Netz der Geheimnisse und Schuldgefühle wird immer dichter. Mit ironischem Pathos und einer Eleganz, die so erlesen ist wie das Inventar im Leben ihrer Figuren, lässt Bianca di Palma die Geschichte auf einen Abgrund zutanzen, von dem sich vor allem die sprunghafte Lydia Vallberg angezogen fühlt. In einem Schloss in Umbrien wird das Geschehen in einer stürmischen Silvesternacht auf seine dramatische Spitze getrieben. Die Heldin steht am Abgrund und zwei Männer, Serge und ihr Vater, rasen durch die Nacht, um sie zu retten. Im Licht flackernder Fackeln, von Dohlen umkreist, bleibt bis zuletzt offen, ob Vallberg ein Happy End beschieden ist; und wer am Ende dem Leiermann der Winterreise gegenübersteht, und wer sich aus der Winterlandschaft in die wärmende Aprilsonne retten kann.
Rezension von Ekkehard Roepert
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