Produktbild: Des Lebens Überfluss

Des Lebens Überfluss

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7,80 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

08.10.2013

Verlag

Hofenberg

Seitenzahl

56

Maße (L/B/H)

22/15,5/0,5 cm

Gewicht

105 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-8430-3254-4

Beschreibung

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Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

08.10.2013

Verlag

Hofenberg

Seitenzahl

56

Maße (L/B/H)

22/15,5/0,5 cm

Gewicht

105 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-8430-3254-4

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Jérôme Wiedenhaupt

Thalia Hildesheim

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5/5

"Und wie der Mensch nur sagen kann: Hier bin ich."

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Ich gestehe es ohne Zögern: Ludwig Tieck ist mein liebster Romantiker, weil in seinen Sätzen die Welt selbst zu träumen beginnt und ich beim Lesen das süße, schwebende Gefühl habe, als würde mir das Geheimnis des Daseins leise ins Herz geflüstert. Was insbesondere dieses Werk so besonders macht, ist nicht eine spektakuläre Handlung oder ein dramatischer Konflikt, sondern die Art und Weise, wie es mit Knappheit operiert – mit materieller wie sprachlicher. Es ist eine Novelle über Armut, gewiss, doch viel mehr noch über die paradoxe Fülle im Mangel, über das Glück im Entzug, über eine Existenz, die sich gerade im Verzicht erst entfaltet. Tieck gelingt hier etwas Seltenes: Er kehrt das Erwartbare um, ohne es laut auszustellen. Zwei junge Menschen leben in dürftigsten Verhältnissen, und doch ist ihr Dasein von einer Heiterkeit, einer fast überirdischen Genügsamkeit durchzogen. Diese Konstellation könnte leicht ins Sentimentale kippen, doch Tieck vermeidet dies mit einer feinen, beinahe scheuen Ironie. Die Sprache bleibt leicht, tänzerisch, oft durchzogen von kleinen, unscheinbaren Wendungen, die erst im Nachklang ihre Wirkung entfalten. Es ist, als würde der Text sich selbst nicht ganz ernst nehmen – und gerade darin liegt seine Ernsthaftigkeit. Charakteristisch ist dabei die eigentümliche Spannung zwischen Innen und Außen. Die äußere Welt ist kalt, eng, begrenzt; die innere hingegen weit, warm und von einer fast kindlichen Imagination getragen. Tieck schreibt nicht gegen die Realität an, sondern durch sie hindurch. Die Figuren entziehen sich nicht ihrer Lage, sondern verwandeln sie – nicht durch heroische Taten, sondern durch eine Haltung. Diese Haltung ist vielleicht das eigentliche Zentrum der Novelle: eine stille, fast widerständige Form des Glücks, die sich jeder ökonomischen Logik entzieht. Man könnte sagen, dass Tieck hier eine Poetik der Genügsamkeit entwirft. Doch das wäre zu abstrakt. Denn was den Text lebendig macht, ist gerade seine Konkretion: die kleinen Gesten, die beiläufigen Gespräche, die unscheinbaren Rituale des Alltags. Es sind diese Details, die den Text tragen und zugleich durchlässig machen für etwas Größeres, kaum Fassbares. Tieck vertraut darauf, dass das Wesentliche nicht benannt werden muss. Und so entsteht eine Dichte, die nicht aus Überfülle, sondern aus Reduktion erwächst. Der Anlass für die Entstehung dieser Novelle liegt vermutlich in Tiecks später Schaffensphase, in der er sich zunehmend von den frühromantischen Exzessen entfernte und einer ruhigeren, reflektierteren Form des Erzählens zuwandte. Die Romantik ist hier noch spürbar, aber sie tritt leiser auf, fast wie ein Nachhall. Statt fantastischer Elemente oder ironischer Brechungen dominiert eine stille Beobachtungsgabe, eine Zuwendung zum Alltäglichen. Es ist, als habe Tieck erkannt, dass das Wunder nicht im Außergewöhnlichen liegt, sondern im Gewöhnlichen selbst – wenn man nur genau genug hinsieht. Diese Verschiebung macht "Des Lebens Überfluss" zu einem Schlüsseltext innerhalb seines Werks. Während frühere Texte oft von einer spielerischen Unruhe geprägt sind, zeigt sich hier eine neue Gelassenheit. Tieck scheint sich nicht mehr beweisen zu müssen; er schreibt aus einer inneren Sicherheit heraus, die sich in der Klarheit und Präzision seiner Sprache niederschlägt. Gerade diese Zurücknahme macht den Text so eindringlich. Er drängt sich nicht auf, sondern lädt ein – und wer sich darauf einlässt, entdeckt eine erstaunliche Tiefe. Sollte man dieses Buch heute noch lesen? Unbedingt – vielleicht sogar mehr denn je. In einer Zeit, die von Beschleunigung, Überfluss und permanenter Verfügbarkeit geprägt ist, wirkt diese Novelle wie ein leiser Gegenentwurf. Sie stellt keine großen Thesen auf, sie predigt nicht, sie argumentiert nicht. Und doch stellt sie eine radikale Frage: Was brauchen wir wirklich zum Leben? Und die Antwort, die sie andeutet, ist ebenso einfach wie verstörend: weniger, als wir denken. Dabei ist es gerade die Offenheit des Textes, die ihn so aktuell macht. Tieck gibt keine eindeutigen Antworten, er entwirft keine Ideale. Stattdessen zeigt er Möglichkeiten auf – fragile, unsichere, aber dennoch tragfähige Formen des Daseins. Diese Offenheit fordert den Leser heraus, ohne ihn zu überfordern. Man liest diesen Text nicht, um ihn zu „verstehen“, sondern um sich von ihm berühren zu lassen. Was aber macht Tieck zu jenem literarischen Genie, als das er oft bezeichnet wird? Es ist weniger eine einzelne Fähigkeit als vielmehr ein Zusammenspiel verschiedener Qualitäten: seine Sensibilität für Zwischentöne, seine Fähigkeit zur Verdichtung, seine leise Ironie, seine Bereitschaft, sich dem Unscheinbaren zuzuwenden. Tieck schreibt nicht gegen die Welt, sondern mit ihr – und gerade darin liegt seine Originalität. Er zwingt seine Texte nicht in eine Form, sondern lässt sie wachsen, sich entfalten, sich auch widersprechen. In "Des Lebens Überfluss" zeigt sich diese Meisterschaft in ihrer vielleicht reinsten Form. Der Text wirkt wie beiläufig hingeworfen, und doch ist er von einer sorgfältigen Komposition durchzogen. Nichts ist zufällig, und doch wirkt alles leicht. Diese Balance zu halten, ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Tieck gelingt sie scheinbar mühelos. Und vielleicht ist es genau das, was diese Novelle so faszinierend macht: ihre Unaufdringlichkeit. Sie will nichts beweisen, nichts erklären, nichts erzwingen. Sie ist einfach da – still, klar, offen. Und gerade darin liegt ihre Kraft. Wer sich auf sie einlässt, wird nicht mit großen Erkenntnissen belohnt, sondern mit etwas viel Subtilerem: einem veränderten Blick auf das Eigene, auf das Kleine, auf das scheinbar Unbedeutende. Am Ende bleibt ein Gefühl, das sich schwer in Worte fassen lässt. Es ist kein Enthusiasmus, kein Staunen, keine Erschütterung. Eher eine leise Verschiebung, ein kaum merkliches Verrücken der Perspektive. Man legt das Buch aus der Hand und hat das Gefühl, dass sich etwas verändert hat – nicht in der Welt, sondern im eigenen Blick auf sie. Und vielleicht ist das die größte Kunst, die Literatur leisten kann.
  • Jérôme Wiedenhaupt
  • Buchhändler/-in

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5/5

"Und wie der Mensch nur sagen kann: Hier bin ich."

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Ich gestehe es ohne Zögern: Ludwig Tieck ist mein liebster Romantiker, weil in seinen Sätzen die Welt selbst zu träumen beginnt und ich beim Lesen das süße, schwebende Gefühl habe, als würde mir das Geheimnis des Daseins leise ins Herz geflüstert. Was insbesondere dieses Werk so besonders macht, ist nicht eine spektakuläre Handlung oder ein dramatischer Konflikt, sondern die Art und Weise, wie es mit Knappheit operiert – mit materieller wie sprachlicher. Es ist eine Novelle über Armut, gewiss, doch viel mehr noch über die paradoxe Fülle im Mangel, über das Glück im Entzug, über eine Existenz, die sich gerade im Verzicht erst entfaltet. Tieck gelingt hier etwas Seltenes: Er kehrt das Erwartbare um, ohne es laut auszustellen. Zwei junge Menschen leben in dürftigsten Verhältnissen, und doch ist ihr Dasein von einer Heiterkeit, einer fast überirdischen Genügsamkeit durchzogen. Diese Konstellation könnte leicht ins Sentimentale kippen, doch Tieck vermeidet dies mit einer feinen, beinahe scheuen Ironie. Die Sprache bleibt leicht, tänzerisch, oft durchzogen von kleinen, unscheinbaren Wendungen, die erst im Nachklang ihre Wirkung entfalten. Es ist, als würde der Text sich selbst nicht ganz ernst nehmen – und gerade darin liegt seine Ernsthaftigkeit. Charakteristisch ist dabei die eigentümliche Spannung zwischen Innen und Außen. Die äußere Welt ist kalt, eng, begrenzt; die innere hingegen weit, warm und von einer fast kindlichen Imagination getragen. Tieck schreibt nicht gegen die Realität an, sondern durch sie hindurch. Die Figuren entziehen sich nicht ihrer Lage, sondern verwandeln sie – nicht durch heroische Taten, sondern durch eine Haltung. Diese Haltung ist vielleicht das eigentliche Zentrum der Novelle: eine stille, fast widerständige Form des Glücks, die sich jeder ökonomischen Logik entzieht. Man könnte sagen, dass Tieck hier eine Poetik der Genügsamkeit entwirft. Doch das wäre zu abstrakt. Denn was den Text lebendig macht, ist gerade seine Konkretion: die kleinen Gesten, die beiläufigen Gespräche, die unscheinbaren Rituale des Alltags. Es sind diese Details, die den Text tragen und zugleich durchlässig machen für etwas Größeres, kaum Fassbares. Tieck vertraut darauf, dass das Wesentliche nicht benannt werden muss. Und so entsteht eine Dichte, die nicht aus Überfülle, sondern aus Reduktion erwächst. Der Anlass für die Entstehung dieser Novelle liegt vermutlich in Tiecks später Schaffensphase, in der er sich zunehmend von den frühromantischen Exzessen entfernte und einer ruhigeren, reflektierteren Form des Erzählens zuwandte. Die Romantik ist hier noch spürbar, aber sie tritt leiser auf, fast wie ein Nachhall. Statt fantastischer Elemente oder ironischer Brechungen dominiert eine stille Beobachtungsgabe, eine Zuwendung zum Alltäglichen. Es ist, als habe Tieck erkannt, dass das Wunder nicht im Außergewöhnlichen liegt, sondern im Gewöhnlichen selbst – wenn man nur genau genug hinsieht. Diese Verschiebung macht "Des Lebens Überfluss" zu einem Schlüsseltext innerhalb seines Werks. Während frühere Texte oft von einer spielerischen Unruhe geprägt sind, zeigt sich hier eine neue Gelassenheit. Tieck scheint sich nicht mehr beweisen zu müssen; er schreibt aus einer inneren Sicherheit heraus, die sich in der Klarheit und Präzision seiner Sprache niederschlägt. Gerade diese Zurücknahme macht den Text so eindringlich. Er drängt sich nicht auf, sondern lädt ein – und wer sich darauf einlässt, entdeckt eine erstaunliche Tiefe. Sollte man dieses Buch heute noch lesen? Unbedingt – vielleicht sogar mehr denn je. In einer Zeit, die von Beschleunigung, Überfluss und permanenter Verfügbarkeit geprägt ist, wirkt diese Novelle wie ein leiser Gegenentwurf. Sie stellt keine großen Thesen auf, sie predigt nicht, sie argumentiert nicht. Und doch stellt sie eine radikale Frage: Was brauchen wir wirklich zum Leben? Und die Antwort, die sie andeutet, ist ebenso einfach wie verstörend: weniger, als wir denken. Dabei ist es gerade die Offenheit des Textes, die ihn so aktuell macht. Tieck gibt keine eindeutigen Antworten, er entwirft keine Ideale. Stattdessen zeigt er Möglichkeiten auf – fragile, unsichere, aber dennoch tragfähige Formen des Daseins. Diese Offenheit fordert den Leser heraus, ohne ihn zu überfordern. Man liest diesen Text nicht, um ihn zu „verstehen“, sondern um sich von ihm berühren zu lassen. Was aber macht Tieck zu jenem literarischen Genie, als das er oft bezeichnet wird? Es ist weniger eine einzelne Fähigkeit als vielmehr ein Zusammenspiel verschiedener Qualitäten: seine Sensibilität für Zwischentöne, seine Fähigkeit zur Verdichtung, seine leise Ironie, seine Bereitschaft, sich dem Unscheinbaren zuzuwenden. Tieck schreibt nicht gegen die Welt, sondern mit ihr – und gerade darin liegt seine Originalität. Er zwingt seine Texte nicht in eine Form, sondern lässt sie wachsen, sich entfalten, sich auch widersprechen. In "Des Lebens Überfluss" zeigt sich diese Meisterschaft in ihrer vielleicht reinsten Form. Der Text wirkt wie beiläufig hingeworfen, und doch ist er von einer sorgfältigen Komposition durchzogen. Nichts ist zufällig, und doch wirkt alles leicht. Diese Balance zu halten, ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Tieck gelingt sie scheinbar mühelos. Und vielleicht ist es genau das, was diese Novelle so faszinierend macht: ihre Unaufdringlichkeit. Sie will nichts beweisen, nichts erklären, nichts erzwingen. Sie ist einfach da – still, klar, offen. Und gerade darin liegt ihre Kraft. Wer sich auf sie einlässt, wird nicht mit großen Erkenntnissen belohnt, sondern mit etwas viel Subtilerem: einem veränderten Blick auf das Eigene, auf das Kleine, auf das scheinbar Unbedeutende. Am Ende bleibt ein Gefühl, das sich schwer in Worte fassen lässt. Es ist kein Enthusiasmus, kein Staunen, keine Erschütterung. Eher eine leise Verschiebung, ein kaum merkliches Verrücken der Perspektive. Man legt das Buch aus der Hand und hat das Gefühl, dass sich etwas verändert hat – nicht in der Welt, sondern im eigenen Blick auf sie. Und vielleicht ist das die größte Kunst, die Literatur leisten kann.

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Des Lebens Überfluss

von Ludwig Tieck

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