Tomi Ungerers anarchischer Katzenflegel Toby Tatze sprengt jede heile Kinderbuchwelt. Der Klassiker mit den aufwendigen Bleistiftillustrationen ist in schöner Ausstattung wieder lieferbar.
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Der junge Kater Toby Tatze ist ein echter Rowdy. Er jagt nicht nur Mäuse sondern stellt auch allerhand Unsinn an. Nur eines kann er absolut nicht leiden, wenn ihn seine Mutter Honigschneck nennt und ihrem Sonnenschein einen Kuss geben will. Das Geknutsche quittiert er jedes Mal mit Gezisch und Gezeter. Auch in der Schule ist Toby Tatze kein Musterschüler sondern ein ewiger Störenfried des Unterrichts. So kommt es in der Hofpause zu einer wilden Rauferei mit dem Klassenriesen Max, wobei Tobys linkes Ohr halb abgerissen wird. Das muss im Krankenzimmer wieder angenäht werden. Als Mutti Tatze ihr Söhnchen von der Schule abholt, ist sie jedenfalls sehr erschrocken und sie möchte den Verletzten vor Tränen in die Arme schließen. Toby ist außer sich: „Küss mich nicht vor allen Leuten!“ Wie die Geschichte ausgeht, sei aber nicht verraten. „Kein Kuss für Mutter“ ist eine humorvolle Schwarz-Weiß-Bildergeschichte von Tomi Unger, die sich wunderbar zum Vorlesen oder Selberlesen eignet. Schon das schwarze Cover mit dem Porträt des erbosten Toby ist eine Augenweide. Die Geschichte erinnert mich an unseren fünfjährigen Enkel, der auch nicht mehr bei jeder Gelegenheit geknutscht werden will.
Eindrucksvolle und bildgewaltige Version des ungewöhnlichen Kinderbuches von Tomi Ungerer.
Fernweh_nach_Zamonien aus Buchhaim am 26.10.2024
Bewertungsnummer: 2326019
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:
Toby Tatze hasst es, geküsst zu werden!
Ständig dieses Verhätscheln:
Guten-Morgen-Küsse
Guten-Abend-Küsse
Bitte-Küsse
Danke-Küsse
Verzeih-Schatz-Küsse
...
Fürchterlich!
Und dann noch "Honigschneck" als Kosename!
Toby ist doch kein Baby mehr!
Aber wie soll er das nur seiner überfürsorglichen Mutter klar machen?
Graphic Novel von Mathieu Sapin als Hommage an das gleichnamige Kinderbuch von Tomi Ungerer. Mit making-of als Bonus.
Altersempfehlung:
ab etwa 6 Jahre
Hinweis:
Vor der Lektüre sollte man bedenken, in welcher Zeit, die ursprüngliche Geschichte geschrieben wurde.
Die Rollen sind klar verteilt: Hausfrau und Mutter, die sich aufopferungsvoll um alles kümmert, der Vater am Kopf der Tafel und mit einer Flasche Schnaps (zum Frühstück?).
Und wenn der Nachwuchs nicht gehorcht, wird der Vater laut und droht mit Prügel.
Mein Eindruck:
Die unterhaltsame Geschichte rund um Kater Toby und seine Abneigung gegenüber Küssen kenne ich noch aus meiner Kindheit, wobei mir am meisten das Bild der Prügelei auf dem Schulhof in Erinnerung geblieben ist.
Toby ist nämlich kein sympathisches Kerlchen: unfreundlich, nur Unsinn im Kopf, ein Unruhestifter.
Die Mutter dagegen ist überfreundlich, überfürsorglich und versucht, es allen Recht zu machen.
Wenn zwei Welten aufeinander treffen, knallt es auch mal.
"Sie behandelt mich wie ein Wickelkind. Sie bringt mich in Verlegenheit, treibt mich die Wände hoch, macht mich wahnsinnig."
(vgl. Original-Erzählung, Toby zu seinem Vater)
"Frau Tatze liebte es, ihren Sohn auszuführen und herumzuzeigen."
(vgl. Graphic Novel, S. 43)
Im Original ist die Geschichte zwar auch mit Illustrationen (detaillierte Bleistiftzeichnungen) ergänzt, jedoch werden diese durch die geballte, visuelle Ausgestaltung der Graphic Novel noch fortgeführt.
Wort und Bild harmonieren perfekt und die Textmenge sowie die Dialoge sind (eng an der Vorlage orientiert) für eine bildliche Erzählweise erstaunlich hoch.
Die Graphic Novel ist - wie das Original - in Graustufen gehalten.
Nicht nur passend zu der aus der Zeit gefallenen Familienkonstellation, dem ungewohnt unsympathischen Protagonisten, sondern auch die Dynamik ist so viel wirkungsvoller.
Regenbogenbunt und zuckersüß hätte hier nicht gepasst.
Am Ende findet Toby (nach einem riesigen Krach, den beide Seiten gleichermaßen bereuen) eine herzige Lösung, um seiner Mutter zu zeigen, dass er sie noch lieb hat.
Und das ganz ohne Küsse ;-)
Die Geschichte zeigt, dass alles im Wandel ist und man die Zeit (z. B. das Erwachsenwerden der eigenen Kinder) nicht aufhalten kann. Dennoch gibt es immer Wege, aufeinander zuzugehen und sich gegenseitige Wertschätzung zu zeigen.
Manchmal muss es dafür nun einmal zuerst ordentlich knallen.
Einen Pluspunkt konnte Toby zu Beginn übrigens doch sammeln. Er hasst so ziemlich alles: Küsse, frisch gebügelte Kleidung, Zähneputzen ... Aber Comics? ... Ja, Comics liebt er. Er hat ein Geheimversteck im Bad und liest sie heimlich auf dem Klo.
Bonusmaterial:
Fast zwanzig Seiten umfasst das making-of und bietet neben Auszügen aus dem Skizzenbuch Sapins auch faszinierende Einblicke hinter die Kulissen ... äußerst passend: in Comic-Form!
Der französische Comic-Künstler und Zeichner Mathieu Sapin (z. B. zeichnet er die Kindercomics "Akissi", erschienen bei Reprodukt) adaptierte nicht ohne Grund den Kinderbuchklassiker von Tomi Ungerer.
"Kein Kuss für Mutter" zählt zu seinen Lieblingskinderbüchern. Gerade weil die Illustrationen nur schwarz-weiß sind (eher grau, da hauchdünne Bleistiftlinien) und weil der Protagonist so unfassbar gemein und herzlos agiert.
Mathieu Sapin hat sich zur Vorbereitung der Graphic Novel auf Spurensuche in Straßburg - Heimatstadt von Tomi Ungerer - begeben und unter anderem dessen alte Schule als Inspiration für Tobys Schule gewählt. Gleichzeitig ist es ein Einblick in Tomi Ungerers Werdegang.
Fazit:
Gelungene Adaption des Kinderbuchklassikers mit reichlich Bonusmaterial!
Es ist - wie das Original - ein emotionsgeladenes und außergewöhnliches Buch. Eindrucksvoll inszeniert!
...
Rezensierte Ausgabe: "Kein Kuss für Mutter - Die Graphic Novel" aus dem Jahr 2023
Meinung aus der Buchhandlung
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Schon 1973 erschienen ist dieser Klassiker des bekannten Künstlers Tomi Ungerer -
eine Rückerinnerung an eigene Kindheit oder die knurrige Katze, die früher zur Familie gehörte.
Tobi Tatze ist ein Katerchen/Lausebengel, wie er im Buche steht und in seiner Grundschule gefürchtet wegen seiner Streiche - seine Mutter aber sieht in ihm immer nur ihr Goldschätzchen und drückt ihm gerne die gefürchteten Küsse auf, die sich ihr "großer" Junge doch verbittet.
Ein früher Ungerer (44S.) mit sprechenden Bleistiftzeichnungen(also schwarz-weiß) für Kids Mitte/Ende Grundschulalter, den man nicht nur aus Reminiszenzgründen (für sich)kaufen könnte...
denn Kinder mögen den frechen Kater, der am Ende ein Abkommen mit Mama hat:
kein Kuss für Tobi - kein Kuss für Mutter
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