In den Jahren 1979 bis 1982, in denen dieser Band spielt, prägen Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise das Leben in den Niederlanden. Obwohl man in Maarten Konings Amsterdamer Büro gut zu tun hat, spürt man die Zeichen der Zeit: Das Ministerium schickt einen Fragebogen zur „Selbstevaluierung“, um Einsparpotenziale zu ermitteln, und benutzt darin ein Wort, dass die Kollegen im Wörterbuch nachschlagen müssen: „Output“.
Doch wenigstens ein Gutes hat das Ganze: In der Not steht man zusammen, um den Angriff der feindlichen Außenwelt abzuwehren, und es herrscht fast schon so etwas wie Harmonie zwischen den Abteilungen – wenn da nicht der Vorschlag einer politisch engagierten Mitarbeiterin Maartens wäre, im Kaffeeraum statt des konventionellen fortan nur noch fair gehandelten Kaffee ausschenken zu lassen …
Der siebenbändige Romanzyklus "Das Büro" von J. J. Voskuil über das Amsterdamer Institut für Volkskunde ist ein preisgekrönter, niederländischer Bestseller. Er wurde in den Niederlanden zum Kult, weil er das Büroleben mit all seinen Zumutungen und Absurditäten zeigt. Und da der Büroalltag überall ähnlich ist, wurde er auch hierzulande begeistert aufgenommen, sowohl von der Literaturkritik als auch von den Leserinnen und Lesern.
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Die gebundene Ausgabe nur vom ersten Band umfasst ganze 848 Seiten - eine recht lange, in einfacher Sprache gehaltene Geschichte in 7 Bänden rund um Maarten Koning und das Amsterdamer Volkskundeinstitut - J.J. Voskuil schreibt hier aus seinem eigenen Leben. Es passiert nicht viel außer dem grauen Alltag, und vielleicht wird man genau deswegen in den Strudel dieses akademischen Lebens hineingezogen. Man liebt das Buch von Band 1 bis Band 7 - oder nicht.
Bewertung
aus Bayreuth
5/5
06.11.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Büro - Band 7 - 1987 bis 1989
Mit „Der Tod des Maarten Koning“ findet die „Büro“-Reihe nun ihren würdigen Abschluss. Verglichen mit den vorherigen Folgen ist dieser Band mit „nur“ rund 250 Seiten eher knapp bemessen. Maarten fremdelt noch sehr mit seiner ungewohnten Ruhestandssituation, die Alltags- und Arbeitsroutine fehlt ihm. So handelt auch ein Großteil dieses Bandes von seinen Versuchen, die neu gewonnene freie Zeit mit mehr oder weniger sinnvollen Aktivitäten, ausgedehnten Spaziergängen und langen Radtouren zu füllen. Dabei ist schön zu sehen, wie Maarten seine Umgebung mit anderen Augen wahrnimmt und ihm nun Details im Stadt- und Landschaftsbild auffallen, die ihm all die Jahre vorher verborgen geblieben waren.
Zum Glück für den Leser (sonst würde es auf Dauer doch etwas eintönig werden) reißt der Kontakt zum Büro und den früheren Arbeitskollegen nicht ganz ab, da Maarten vor Ort noch einige Restarbeiten abschließen möchte. Doch vieles von dem, was sein Nachfolger und auch einige Kollegen nun anders machen, läuft aus Maartens Sicht in eine völlig falsche Richtung und entwertet seine über die Jahrzehnte geprägten Vorstellungen von wissenschaftlicher Arbeit. Maartens schon fast verzweifelten Versuche, hier noch korrigierend einzugreifen, sind ebenso berührend wie vieles, was Maarten im Nachhinein – direkt oder hintenherum – über seine früheren Mitarbeiter erfährt. Manche Beziehungen erscheinen Maarten rückblickend nun in einem völlig anderen Licht und bergen für ihn auch leider noch die eine oder andere herbe Enttäuschung.
All das sind Entwicklungen, die mitten aus dem Leben gegriffen sind und die Menschen in ähnlicher Situation durchaus bekannt vorkommen dürften. Und das ist ohne Zweifel eine Stärke der Romanreihe, nämlich bei all der Nüchternheit und Klarheit der Sprache dennoch so viel emotionale Nähe und Authentizität zu erzeugen.
Mir hat „Das Büro“ ausgesprochen gut gefallen. Daher finde ich es schade, dass die Reihe in Deutschland (noch) vergleichsweise wenig bekannt ist. Ich kann mir gut vorstellen, es – mit ein paar Jahren Abstand – nochmal von vorne zu lesen, denn es war wirklich ein großes Lesevergnügen!
Bewertung
aus Bayreuth
5/5
21.09.2019
Buch (Paperback)
Das Büro - Band 6 - 1982 bis 1987
Der vorletzte Band der Reihe „Das Büro“ des niederländischen Autors J. J. Voskuil behandelt – wie der Titel „Abgang“ schon vermuten lässt – die letzten Jahre im Berufsleben von Maarten Koning. Es sind intensive Jahre, geprägt vom Wandel und einer wissenschaftlichen Neuausrichtung seines Fachs. Nicht alles davon kann Maarten mit seinen eigenen Vorstellungen und Überzeugungen vereinbaren und so beschließt er schließlich, vorzeitig in Rente zu gehen, ohne aber noch konkrete Pläne für die Zeit seines Ruhestandes zu haben. Darauf angesprochen, was er mit seiner freien Zeit anfangen wird, antwortet er meistens mit Fahrrad fahren und Spazieren gehen. Einige Monate vorher aber verabschiedet sich erst noch Balk, dem sich Maarten gegen Ende zuweilen verbundener fühlt als während der langen gemeinsamen Zeit vorher. Es wird etliche Monate dauern, bis das Büro einen neuen Direktor bekommen wird. Auch das eine Zeit des Übergangs, während der Maarten die kommissarische Leitung des Büros übernehmen wird. Zeitgleich bringen sich gleich mehrere frühere Weggefährten als Kandidaten für die vakante Position in Stellung. Der sechste Band endet schließlich für Maarten (vermeintlich) harmonisch und versöhnlich, als sich seine Abteilung - jeder einzelne auf eine sehr individuelle Weise - von ihm verabschiedet.
Abgang und Abschied – die zentralen Themen des sechsten Bandes. Maartens berufliche und private Lebenskurve ist zudem gekennzeichnet von Krankheit, Trennungen und mehreren Abschieden für immer. Die durch die baldige Aufgabe seiner beruflichen Tätigkeit gewonnene Aussicht auf persönliche Freiheit geht bei ihm daher immer auch einher mit einer zunehmenden Verunsicherung. Was werden Nicolien und ihm die kommenden Jahre noch bringen? Was werden seine Aufgaben, wo sein künftiger Platz in der sich rapide verändernden Gesellschaft sein?
Ohne hier spoilern zu wollen – es lohnt sich, nicht nur diesen sechsten, sondern auch den (vergleichsweise kurzen) 7. Band noch zu lesen. Denn rückblickend ist bzw. war nicht immer alles so, wie es Maarten erschien. Und manche Verbindungen und Beziehungen zu den früheren Kollegen erscheinen letztendlich in einem neuen Licht.
Bewertung
aus Bayreuth
5/5
02.05.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Leben und Alltag des Maarten Koning (1957 - 1965)
Die 7-bändige Reihe „Das Büro“ war in den Niederlanden ein Riesenerfolg. Die Gründe dafür sind eigentlich gut nachvollziehbar, aber dennoch nicht ganz leicht zu erklären. An sich passiert ja nicht viel in der kleinen Welt des wissenschaftlichen Beamten Maarten Koning. Als Lehrer gescheitert, arbeitet er nun in einem Institut von zumindest anfangs noch recht überschaubarer Größe, das sich mit dem Brauchtum und volkskundlichen Überlieferungen in den Niederlanden befasst. Verheiratet ist er mit Nicolien, die ihm das Leben – vorsichtig formuliert – zuweilen ein wenig schwer macht. Darüber hinaus hat er wenig Sozialkontakte, nur den Vater, den Bruder, die Schwiegermutter sowie eine Handvoll Freunde. Und natürlich die lieben Arbeitskollegen. Allem Neuen gegenüber ist er skeptisch bis strikt ablehnend eingestellt, Autos hasst er wie die Pest.
Zudem hadert Maarten ständig damit, dass er seine eigene Arbeit nicht für sinnhaft erachtet. Er hält sie regelrecht für komplett sinnlos, versucht aber trotzdem, sie so gut zu machen, wie es ihm eben möglich ist. Die andere Schwachstelle sind seine Probleme im Umgang mit anderen Menschen, deren Verhalten ihn nur zu oft irritiert. Häufig fühlt er sich missverstanden oder schuldig und ärgert sich dann maßlos über sein eigenes (Fehl-)Verhalten, seine Wut, seine mangelnde Souveränität, seine fehlende Schlagfertigkeit sowie seine Unfähigkeit, häufiger auch mal Nein zu sagen bzw. sich abzugrenzen. Er fühlt sich stets für alles verantwortlich, was andere natürlich ausnützen, so dass er oft den Kürzeren zieht und auch zu Hause dafür dann noch herbe Kritik einstecken muss.
Vermutlich sind es diese zahlreichen, zutiefst menschlichen Facetten eines Anti-Helden, die es dem Leser so leicht machen, sich diesem Maarten Koning nahe und vertraut zu fühlen und sich mit ihm zu identifizieren. „Das Büro“ ist daher kein Klamauk, keine Beamten-Comedy, sondern ein Abbild der Realität, gerade weil etliche der geschilderten Büroszenen, Dialoge, Sitzungen und Kongresse den meisten Berufstätigen wohl nur zu bekannt vorkommen dürften. Vieles davon ist mitten aus dem Leben gegriffen. Es wirkt auch deswegen so authentisch, weil Autor Johannes Jacobus Voskuil selbst 30 Jahre lang in einem Institut für Volkskunde arbeitete. Er weiß also, wovon er schreibt und hat hier sicher eine Menge Autobiografisches mit einfließen lassen.
Ist der Einstieg in diese anfangs etwas fremd erscheinende Welt erstmal geschafft und hat man akzeptiert, dass Maarten Koning und seine Kollegen sich mit der regionalen und europaweiten Verbreitung von Dreschflegeln, Weihnachtsbäumen und Roggenbroten durchaus sehr intensiv wissenschaftlich beschäftigen können, so wird man hier mit einem Buch entschädigt, dass man im weiteren Verlauf kaum mehr aus der Hand legen mag. So sehr reizt es, zu erfahren, wie es mit Maarten weitergeht. Wie kommt er mit den neuen Kollegen zurecht, wie behauptet er sich im beruflichen Umfeld und vor allem im für ihn so ungemein schwierigen Umgang mit seinen rätselhaften Mitmenschen?
Ich freue mich sehr, diese Buchreihe und den - leider schon verstorbenen - niederländischen Autor J. J. Voskuil entdeckt zu haben und auch über die Tatsache, dass zum Glück alle 7 Bände mittlerweile ins Deutsche übersetzt wurden. Für Nachschub ist also gesorgt.
Klare Leseempfehlung!
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5/5
14.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Büro-Kult aus den Niederlanden
Falls Sie glauben, Ihr Büroalltag sei nervenaufreibend langweilig, dann kennen Sie das Institut zur Erforschung niederländischer Volkskultur noch nicht! Dort verzweifelt Maarten Kooning jeden Tag aufs Neue an der Sinnlosigkeit seines Tuns, den Intrigen seiner Kolleg*innen und der Tatsache, dass er für all das auch noch bezahlt wird.
Die 7teiligen Kultreihe "Das Büro" lässt einen ständig zwischen Verzweiflung und Lachtränen schwanken. Würde Kafka noch leben, er wäre mt Sicherheit ein begeisterter (und fassungslos kopfschüttelnder) Leser.
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