Produktbild: Am Südhang

Am Südhang Erzählung

3

19,80 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

02.01.2015

Verlag

Hofenberg

Seitenzahl

64

Maße (L/B/H)

22,6/16/1,1 cm

Gewicht

264 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-8430-7320-2

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Erscheinungsdatum

02.01.2015

Verlag

Hofenberg

Seitenzahl

64

Maße (L/B/H)

22,6/16/1,1 cm

Gewicht

264 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

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978-3-8430-7320-2

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Der Schriftsteller Eduard von…

MaWiOr aus Halle am 25.04.2023

Bewertungsnummer: 2800083

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Der Schriftsteller Eduard von Keyserling (1855-1918) wurde häufig als „baltischer Fontane" bezeichnet. In der Erzählung „Am Südhang“ aus dem Jahre 1914 verbringt der junge Adlige Karl Erdmann von West-Wallbaum, der soeben zum Leutnant befördert wurde, die Sommerferien auf dem baltischen Landgut seiner Familie. Doch aus der ungestörten Erholung bei Spaziergängen im Garten wird jedoch nichts, denn er verliebt sich unsterblich in die attraktive Daniela von Bardow, eine Freundin seiner Mutter. Seit seiner Jugend hegte er Gefühle für sie. Das gilt aber auch für den Hauslehrer Aristides Dorn, dem die Angebetete ebenfalls schönen Augen macht. Zusätzlich droht noch ein bevorstehendes Duell mit einem anderen Mann, das jedoch unblutig endet, da beide Duellanten absichtlich danebenschießen. Da Aristides die Liebesstunden von Karl und Daniela nicht verborgen bleiben, verliert er alle Hoffnung und begeht Selbstmord. Die Erzählung endet mit der Beisetzung Aristides’ und der Abreise Danielas. Eduard von Keyserling entführt die Leser*innen mit dieser Sommererzählung in die untergehende Welt des baltischen degenerierten Adels. Darüber hinaus beeindruckt die sinnliche Farb- und Pflanzenmetaphorik, erschaffen von einem der großen Erzähler des frühen 20. Jahrhunderts.

Der Schriftsteller Eduard von…

MaWiOr aus Halle am 25.04.2023
Bewertungsnummer: 2800083
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Der Schriftsteller Eduard von Keyserling (1855-1918) wurde häufig als „baltischer Fontane" bezeichnet. In der Erzählung „Am Südhang“ aus dem Jahre 1914 verbringt der junge Adlige Karl Erdmann von West-Wallbaum, der soeben zum Leutnant befördert wurde, die Sommerferien auf dem baltischen Landgut seiner Familie. Doch aus der ungestörten Erholung bei Spaziergängen im Garten wird jedoch nichts, denn er verliebt sich unsterblich in die attraktive Daniela von Bardow, eine Freundin seiner Mutter. Seit seiner Jugend hegte er Gefühle für sie. Das gilt aber auch für den Hauslehrer Aristides Dorn, dem die Angebetete ebenfalls schönen Augen macht. Zusätzlich droht noch ein bevorstehendes Duell mit einem anderen Mann, das jedoch unblutig endet, da beide Duellanten absichtlich danebenschießen. Da Aristides die Liebesstunden von Karl und Daniela nicht verborgen bleiben, verliert er alle Hoffnung und begeht Selbstmord. Die Erzählung endet mit der Beisetzung Aristides’ und der Abreise Danielas. Eduard von Keyserling entführt die Leser*innen mit dieser Sommererzählung in die untergehende Welt des baltischen degenerierten Adels. Darüber hinaus beeindruckt die sinnliche Farb- und Pflanzenmetaphorik, erschaffen von einem der großen Erzähler des frühen 20. Jahrhunderts.

Dringend notwendig

Bewertung aus Gammertingen am 15.06.2021

Bewertungsnummer: 1174205

Bewertet: eBook (ePUB 3)

Es ist in der Tat notwendig, sich von Kayserling selbst einen Eindruck zu machen. Denn er ist der bekannteste Unbekannte. Dabei hat er Entdeckungen zu bieten. Vieles ähnelt Theodor Fontane, anderes dem Expressionismus.

Dringend notwendig

Bewertung aus Gammertingen am 15.06.2021
Bewertungsnummer: 1174205
Bewertet: eBook (ePUB 3)

Es ist in der Tat notwendig, sich von Kayserling selbst einen Eindruck zu machen. Denn er ist der bekannteste Unbekannte. Dabei hat er Entdeckungen zu bieten. Vieles ähnelt Theodor Fontane, anderes dem Expressionismus.

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Am Südhang

von Eduard Keyserling

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Jérôme Wiedenhaupt

Thalia Hildesheim

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5/5

„Ein Roman wie salzige Luft: Warum "Wellen" wieder gelesen werden muss“

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Welch schönes Buch dies doch ist. Es gehört zu den eigentümlichen Ironien der Literaturgeschichte, dass Eduard von Keyserling, dessen Name zu Beginn des 20. Jahrhunderts in feinen Kreisen kaum ein Flüstern brauchte, um sofort mit zustimmendem Nicken aufgenommen zu werden, heute hauptsächlich Kennern ein Begriff ist. Gerade "Wellen", dieses kleine Meisterwerk des literarischen Impressionismus, wäre jedoch geeignet, ihn wieder ins Licht zu rücken—jenes Licht, das in seinem Werk niemals bloße Beleuchtung ist, sondern ein atmendes, schillerndes, gleitendes Element, das Figuren und Landschaften gleichermaßen formt. Schon der erste Satz trägt jenen unverkennbaren Ton, der nicht erklärt, sondern zeigt; der Leser wird nicht belehrt, sondern in eine Atmosphäre versetzt, die sich gleich einer salzigen Brise auf die Haut legt. Keyserlings Impressionismus ist nichts Nachgeahmtes, nichts Doktrinhaftes, sondern ein organisch gewachsenes Sensorium: eine Schreibweise, die weniger erzählt als malt, die in farbigen Kleinstschwingungen lebt, wie sie nur entstehen können, wenn ein Autor mit seltenem Gehör für Zwischentöne ausgestattet ist. Wellen ist ein Roman, der seine Dramaturgie nicht aus grellen Kontrasten zieht, sondern aus dem beständigen Flimmern emotionaler Oberflächen. Der strandnahe Sommerort, an dem sich die Figuren versammeln, ist kein neutraler Schauplatz, sondern ein Resonanzraum, in dem jedes Wort, jeder Blick, jede Regung ein Echo trägt. Und dieses Echo wird maßgeblich von Meer und Licht bestimmt: von jenen beiden Kräften, die Keyserling mit einer Meisterschaft schildert, als würde er sie nicht beschreiben, sondern unmittelbar übermitteln. Wie wenige andere versteht er es, die Bewegungen des Wassers mit den Bewegungen der Seele zu verschränken. Die Wellen sind nie bloß Naturphänomen; sie sind Spiegel, Mahnung, Rauschmittel, unerschöpfliche Metapher. Wenn sie an den Strand laufen, wirken sie manchmal wie ein zärtlicher Kommentar zu den Gesten der Figuren; wenn sie zurückweichen, reißen sie Unausgesprochenes mit sich; wenn sie sich auftürmen, kündigen sie Konflikte an, die in den glatten Oberflächen der gesellschaftlichen Etikette verborgen liegen. Dieses Einklinken der Naturstimmung in die seelische Bewegung macht Wellen zu einem Roman, der weniger gelesen als erlebt wird. Man merkt Keyserling dabei den Maler an, der er im Herzen war: Dieses Auge für die irisierenden Reflektionen, für den goldenen Dunst eines Spätnachmittags, für das fahle, zitternde Licht kurz vor einem Sommergewitter—es macht jede Seite zu einer Art Seestück, das im Geist des Lesers weiterleuchtet. Doch Licht ohne Figuren bliebe bloße Kulisse. Keyserlings Dialogkunst ist vielleicht sein am meisten unterschätztes Kapital. Seine Sätze wirken zunächst leicht, fast beiläufig, und dennoch treffen sie präzise wie Nadelstiche. Unter dem höflichen Plauderton, den die Figuren unablässig pflegen, arbeitet ein ständiges Gären: Eitelkeiten, Sehnsüchte, Rivalitäten, Verletzungen. Keyserling beherrscht die Kunst des unausgesprochenen Satzes, jenes Halblauts, der zwischen zwei Bemerkungen hängt und mehr erzählt als ein ganzer Absatz innerer Monologe. In Wellen steht niemand je vollständig vor dem Leser; jeder bleibt leicht vernebelt, wie durch die salzige Luft am Meer betrachtet. Gerade diese leichte Unschärfe, dieses bewusst gepflegte Schweben zwischen Klarheit und Andeutung, macht den Zauber aus. Es gibt keine Figurenpsychologie nach Lehrbuch, keine klinisch ausgeleuchteten Motivationen. Stattdessen treten die Charaktere in ihren Gesten, in ihren Blicken, in ihren kleinen Verschiebungen der Haltung hervor. Der ehemalige Offizier, die weltgewandte Doralice, der empfindsame Helmut—sie alle wirken weniger wie Romanfiguren als wie Menschen, die man im Halbschatten einer Strandveranda beobachtet, während man selbst versucht, nicht zu lange zu starren. Das Beeindruckende ist, dass diese Figuren, trotz ihrer scheinbaren Leichtigkeit, mit einer feinen Tragik versehen sind. Keyserling weiß, dass die großen Katastrophen selten laut auftreten. Er weiß, dass der eigentliche Schmerz oft wie Ebbe und Flut arbeitet, im Kommen und Gehen, im langsamen Auswaschen von Sicherheiten. Und so entfaltet Wellen seine Dramatik nicht durch das eine große Ereignis, sondern durch ein fortgesetztes Schaukeln von Erwartungen und Enttäuschungen, das nie ganz zum Stillstand kommt. Dass Keyserling dem literarischen Impressionismus zugerechnet wird, ist zutreffend, aber zugleich zu wenig. Denn anders als in manchem impressionistischen Werk, das sich in ästhetischer Zartheit erschöpft, führt Keyserling die sinnliche Wahrnehmung immer zurück auf die existenzielle Lage seiner Figuren. Das flirrende Licht, das er einfängt, ist niemals nur schön, sondern immer auch verräterisch: Es zeigt, wie brüchig die Ordnungen sind, an die man sich klammert. Es legt Schichten frei, die man lieber verdeckt gelassen hätte. Und über allem liegt eine Ahnung von Vergänglichkeit, die so unmittelbar wirkt, dass man beim Lesen unwillkürlich langsamer wird, als wolle man die Seiten nicht zu rasch verbrauchen. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Modernität dieses Romans: in seiner Weigerung, sich dem Tempo einer Welt zu unterwerfen, die immer schneller wurde; in seinem sanften Beharren darauf, dass Wahrheit nur in feinen Nuancen erscheint. Keyserlings Sprache wirkt, als könne sie jederzeit zerbrechen, und ist doch von einer unerschütterlichen Genauigkeit. Es gibt kaum einen überflüssigen Satz, keinen laut polternden Moment, keine billige Pointe. Alles ist getragen von einer diskreten Eleganz, die man heute kaum noch findet: eine Prosa, die Vertrauen in die Empfindsamkeit des Lesers setzt. Wer Wellen liest, spürt dieses Vertrauen wie einen leisen Druck auf der Schulter—und folgt ihm gern. Es ist schwer, nach Lektüre dieses Romans nicht die unmittelbare Sehnsucht zu verspüren, selbst an einen windigen Strand zu gehen, sich irgendwo in den Schutz einer Düne zu setzen und einfach nur zu beobachten: die Menschen, das Licht, die Bewegung des Wassers. Vielleicht tritt man dann unweigerlich in jenen Zwischenraum ein, in dem Keyserlings Figuren leben—ein Raum, der nicht spektakulär ist, aber reich an jenen Momenten, in denen Glück und Melancholie nicht zu trennen sind. Dass ein Autor, der Schönheiten dieser Art mit solcher Feinheit zu vermitteln versteht, heute vergleichsweise unbekannt ist, bleibt ein kulturhistorischer Irrtum, den man nur korrigieren kann, indem man ihn wieder liest. Und wenn man irgendwo beginnen sollte, dann bei diesem Roman, der wie eine einzige, lang ausklingende Lichtreflexion wirkt: ein Werk, das nicht laut ruft, sondern still strahlt, und dessen Strahlen lang nachleuchten, lange nachdem die letzte Seite umgeschlagen ist. Wellen ist nicht einfach ein Buch—es ist eine Stimmung, eine leise, unwiderstehliche Verführung. Wer sich ihr hingibt, wird sie nicht so schnell vergessen.
  • Jérôme Wiedenhaupt
  • Buchhändler/-in

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5/5

„Ein Roman wie salzige Luft: Warum "Wellen" wieder gelesen werden muss“

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Welch schönes Buch dies doch ist. Es gehört zu den eigentümlichen Ironien der Literaturgeschichte, dass Eduard von Keyserling, dessen Name zu Beginn des 20. Jahrhunderts in feinen Kreisen kaum ein Flüstern brauchte, um sofort mit zustimmendem Nicken aufgenommen zu werden, heute hauptsächlich Kennern ein Begriff ist. Gerade "Wellen", dieses kleine Meisterwerk des literarischen Impressionismus, wäre jedoch geeignet, ihn wieder ins Licht zu rücken—jenes Licht, das in seinem Werk niemals bloße Beleuchtung ist, sondern ein atmendes, schillerndes, gleitendes Element, das Figuren und Landschaften gleichermaßen formt. Schon der erste Satz trägt jenen unverkennbaren Ton, der nicht erklärt, sondern zeigt; der Leser wird nicht belehrt, sondern in eine Atmosphäre versetzt, die sich gleich einer salzigen Brise auf die Haut legt. Keyserlings Impressionismus ist nichts Nachgeahmtes, nichts Doktrinhaftes, sondern ein organisch gewachsenes Sensorium: eine Schreibweise, die weniger erzählt als malt, die in farbigen Kleinstschwingungen lebt, wie sie nur entstehen können, wenn ein Autor mit seltenem Gehör für Zwischentöne ausgestattet ist. Wellen ist ein Roman, der seine Dramaturgie nicht aus grellen Kontrasten zieht, sondern aus dem beständigen Flimmern emotionaler Oberflächen. Der strandnahe Sommerort, an dem sich die Figuren versammeln, ist kein neutraler Schauplatz, sondern ein Resonanzraum, in dem jedes Wort, jeder Blick, jede Regung ein Echo trägt. Und dieses Echo wird maßgeblich von Meer und Licht bestimmt: von jenen beiden Kräften, die Keyserling mit einer Meisterschaft schildert, als würde er sie nicht beschreiben, sondern unmittelbar übermitteln. Wie wenige andere versteht er es, die Bewegungen des Wassers mit den Bewegungen der Seele zu verschränken. Die Wellen sind nie bloß Naturphänomen; sie sind Spiegel, Mahnung, Rauschmittel, unerschöpfliche Metapher. Wenn sie an den Strand laufen, wirken sie manchmal wie ein zärtlicher Kommentar zu den Gesten der Figuren; wenn sie zurückweichen, reißen sie Unausgesprochenes mit sich; wenn sie sich auftürmen, kündigen sie Konflikte an, die in den glatten Oberflächen der gesellschaftlichen Etikette verborgen liegen. Dieses Einklinken der Naturstimmung in die seelische Bewegung macht Wellen zu einem Roman, der weniger gelesen als erlebt wird. Man merkt Keyserling dabei den Maler an, der er im Herzen war: Dieses Auge für die irisierenden Reflektionen, für den goldenen Dunst eines Spätnachmittags, für das fahle, zitternde Licht kurz vor einem Sommergewitter—es macht jede Seite zu einer Art Seestück, das im Geist des Lesers weiterleuchtet. Doch Licht ohne Figuren bliebe bloße Kulisse. Keyserlings Dialogkunst ist vielleicht sein am meisten unterschätztes Kapital. Seine Sätze wirken zunächst leicht, fast beiläufig, und dennoch treffen sie präzise wie Nadelstiche. Unter dem höflichen Plauderton, den die Figuren unablässig pflegen, arbeitet ein ständiges Gären: Eitelkeiten, Sehnsüchte, Rivalitäten, Verletzungen. Keyserling beherrscht die Kunst des unausgesprochenen Satzes, jenes Halblauts, der zwischen zwei Bemerkungen hängt und mehr erzählt als ein ganzer Absatz innerer Monologe. In Wellen steht niemand je vollständig vor dem Leser; jeder bleibt leicht vernebelt, wie durch die salzige Luft am Meer betrachtet. Gerade diese leichte Unschärfe, dieses bewusst gepflegte Schweben zwischen Klarheit und Andeutung, macht den Zauber aus. Es gibt keine Figurenpsychologie nach Lehrbuch, keine klinisch ausgeleuchteten Motivationen. Stattdessen treten die Charaktere in ihren Gesten, in ihren Blicken, in ihren kleinen Verschiebungen der Haltung hervor. Der ehemalige Offizier, die weltgewandte Doralice, der empfindsame Helmut—sie alle wirken weniger wie Romanfiguren als wie Menschen, die man im Halbschatten einer Strandveranda beobachtet, während man selbst versucht, nicht zu lange zu starren. Das Beeindruckende ist, dass diese Figuren, trotz ihrer scheinbaren Leichtigkeit, mit einer feinen Tragik versehen sind. Keyserling weiß, dass die großen Katastrophen selten laut auftreten. Er weiß, dass der eigentliche Schmerz oft wie Ebbe und Flut arbeitet, im Kommen und Gehen, im langsamen Auswaschen von Sicherheiten. Und so entfaltet Wellen seine Dramatik nicht durch das eine große Ereignis, sondern durch ein fortgesetztes Schaukeln von Erwartungen und Enttäuschungen, das nie ganz zum Stillstand kommt. Dass Keyserling dem literarischen Impressionismus zugerechnet wird, ist zutreffend, aber zugleich zu wenig. Denn anders als in manchem impressionistischen Werk, das sich in ästhetischer Zartheit erschöpft, führt Keyserling die sinnliche Wahrnehmung immer zurück auf die existenzielle Lage seiner Figuren. Das flirrende Licht, das er einfängt, ist niemals nur schön, sondern immer auch verräterisch: Es zeigt, wie brüchig die Ordnungen sind, an die man sich klammert. Es legt Schichten frei, die man lieber verdeckt gelassen hätte. Und über allem liegt eine Ahnung von Vergänglichkeit, die so unmittelbar wirkt, dass man beim Lesen unwillkürlich langsamer wird, als wolle man die Seiten nicht zu rasch verbrauchen. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Modernität dieses Romans: in seiner Weigerung, sich dem Tempo einer Welt zu unterwerfen, die immer schneller wurde; in seinem sanften Beharren darauf, dass Wahrheit nur in feinen Nuancen erscheint. Keyserlings Sprache wirkt, als könne sie jederzeit zerbrechen, und ist doch von einer unerschütterlichen Genauigkeit. Es gibt kaum einen überflüssigen Satz, keinen laut polternden Moment, keine billige Pointe. Alles ist getragen von einer diskreten Eleganz, die man heute kaum noch findet: eine Prosa, die Vertrauen in die Empfindsamkeit des Lesers setzt. Wer Wellen liest, spürt dieses Vertrauen wie einen leisen Druck auf der Schulter—und folgt ihm gern. Es ist schwer, nach Lektüre dieses Romans nicht die unmittelbare Sehnsucht zu verspüren, selbst an einen windigen Strand zu gehen, sich irgendwo in den Schutz einer Düne zu setzen und einfach nur zu beobachten: die Menschen, das Licht, die Bewegung des Wassers. Vielleicht tritt man dann unweigerlich in jenen Zwischenraum ein, in dem Keyserlings Figuren leben—ein Raum, der nicht spektakulär ist, aber reich an jenen Momenten, in denen Glück und Melancholie nicht zu trennen sind. Dass ein Autor, der Schönheiten dieser Art mit solcher Feinheit zu vermitteln versteht, heute vergleichsweise unbekannt ist, bleibt ein kulturhistorischer Irrtum, den man nur korrigieren kann, indem man ihn wieder liest. Und wenn man irgendwo beginnen sollte, dann bei diesem Roman, der wie eine einzige, lang ausklingende Lichtreflexion wirkt: ein Werk, das nicht laut ruft, sondern still strahlt, und dessen Strahlen lang nachleuchten, lange nachdem die letzte Seite umgeschlagen ist. Wellen ist nicht einfach ein Buch—es ist eine Stimmung, eine leise, unwiderstehliche Verführung. Wer sich ihr hingibt, wird sie nicht so schnell vergessen.

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Wellen

von Eduard Keyserling

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