Ein junger Mann nimmt eine Raubkatze aus Afrika zu sich, um ein Mädchen zu beeindrucken, und bald tobt sich in seinem Schlafzimmer die Natur ganz buchstäblich aus.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
aus Münchenstein
5/5
14.04.2021
eBook (ePUB)
T.C.Boyle vom Feinsten
„Zähne und Klauen“ von T.C. Boyle ist eine humorvolle und hintergründige Kurz-Geschichte über das Verhältnis des Menschen zu einer starken, intelligenten und ihm meilenweit überlegenen Raubkatze. Eine Geschichte, die derart rasch zu Ende geht, dass man ins Grübeln kommt.
Stefan Heidsiek
aus Darmstadt
5/5
26.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Neues vom Meister der Kurzgeschichte
"Warum hat dieses Buch eigentlich solange unangetastet in meinem Regal gestanden?"
Diese mir selbst gestellte Frage fasst gut zusammen, was mir nach Beendigung der Lektüre von "Zähne und Klauen" als erstes durch den Kopf gegangen ist, denn T.C. Boyles mittlerweile sechste Kurzgeschichtensammlung, die im Februar 2010 nun auch als Taschenbuch erscheint, beweist einmal mehr, welch begnadeter und vor allem humoriger Schreiberling der Amerikaner ist. Wie kein anderer Autor vermag er es, den nur auf den ersten Blick banalen Alltag in all seinen Facetten zu schildern, wobei die oftmals liebenswürdigen Helden am Ende nicht selten an sich selbst und ihrer Umgebung scheitern. Das ist auch in "Zähne und Klauen" nicht anders, wobei diesmal der Mensch in erster Linie gegen die Natur antreten muss, die sich ihm in 14 Kurzgeschichten mit all ihren Tücken in Weg stellt.
So unschuldig die einzelnen Titel der Stories auch wirken, spätestens ab der vierten Geschichte, "Der freundliche Mörder", wird dem Leser bewusst, dass noch einiges auf ihn zukommt. Boyle konfrontiert uns mit einer ganzen Reihe abgewrackter Individuen, die, zumeist männlich, sehenden Auges in ihren eigenen Untergang rennen, während man selbst vor Verzweiflung die Hände ringt. Eben jener "freundliche Mörder" ist ein gutes Beispiel dafür. Ein Radiomoderator, der seit langem nicht mehr richtig geschlafen hat, nun aber ironischerweise für den Chef seines Senders tagelang nonstop in einem Glaskasten einen Weltrekord brechen muss. Hier blieb bei mir vor Lachen kein Auge trocken, bis mich Boyle mit einem sprichwörtlichen Knalleffekt gegen Ende wieder auf den Boden der Tatsachen geholt hat. Die unfassbaren wie realen Widrigkeiten unseres Seins kriegen Leser wie Protagonisten gleichermaßen mit stilistisch harter, aber zielführender Keule um die Ohren gehauen. Dabei legt jede einzelne Geschichte Zeugnis von Boyles großer Bandbreite des Könnens und Wissens ab, während er mit sprachlicher Leichtigkeit mit Themen und Gedanken spielt.
Der Sammelband könnte deshalb abwechslungsreicher nicht sein und verliert dabei doch nie den Wiedererkennungswert, bleibt stets typisch Boyle. Von einem Aussteiger, der in dem als Ideal entworfenen Ruheort Jubilation in Florida mit Alligatoren und Moskitos konfrontiert wird, bis hin zu einem Jungen, der in der titelgebenden Geschichte "Zähne und Klauen" in der Bar eine Großkatze vermacht bekommt. Die Natur scheint unbarmherzig, macht ihnen allen gleichermaßen das Leben zur Hölle. Und neben all diesen Naturkatastrophen und aggressiven Kreaturen, scheint die Frau die gefährlichste zu sein. An ihr scheitern sie fast alle, was mal witzig und mal rührend zu lesen ist. Dabei ist "Zähne und Klauen" nicht unbedingt etwas für die ganz Zartbesaiteten, denn Alkohol, Drogen und anderen Obsessionen werden von Boyle mit einer Sprachgewalt vorgetragen, die manchmal auch direkt in die Magengrube zielt. Wer den Autor kennt, ist darauf aber schon von Beginn an vorbereitet und bekommt in 14 atemberaubend rasanten Geschichten allerhand geboten.
Insgesamt ist "Zähne und Klauen" ein hervorragender, äußerst unterhaltsamer und kompromissloser Sammelband, der Phantasie und Gewissen gleichermaßen anregt. Ein böses Vergnügen und ganz große Literatur. Viel besser kann man eigentlich nicht schreiben.
Detlef Knut
5/5
26.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Boyle ist perfekt in der Lage, mit dem zwinkernden Auge und eine alle Sinne ansprechende Weise seine Geschichten an die Leser zu bringen.
"Er wusste nicht, wie es passiert war - mangelnde Voraussicht seinerseits, mangelndes Engagement, mangelnde Planung, mangelnde Rücklagen für schlechte Zeiten -, aber in rascher Folge verlor er seinen Job, seine Freundin und das Dach über dem Kopf, und eines Morgens erwachte er auf dem Gehsteig vor der Post." ("Hier kommt")
Mit solch faszinierender Spannung, die auf das Porträt eines Verlierers hinweist, kann der Leser rechnen, wenn er sich den vorliegenden Erzählband zur Hand nimmt. Wer Boyle kennt, ist schon gespannt auf das Ende einer Geschichte, bevor er sie überhaupt zu lesen begonnen hat, bevor er weiß, wovon sie handelt. Mit diesem 2005 in den USA erschienenen Erzählband zeigt der Autor einmal mehr seinen Spaß beim Feinschleifen seiner Sätze. Novellen, Erzählungen und Kurzgeschichten haben auf der anderen Seite des Teiches einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland, wo solche Schreibübungen lediglich von preisgekrönten Schriftstellern geduldet werden. Für die Amerikaner gehören solche kürzeren Geschichten ganz einfach zu jedem Autor. Boyle ist die Lust am Gestalten dieser Geschichten anzumerken. Damit schafft er selbst in sehr kurzen Geschichten eine solche Dichte an Umfeld und Geschehen, dass man das Gefühl hat, trotzdem einen ganzen Roman gelesen zu haben. So ist es auch bei den 14 Geschichten dieses Bandes. Bei „Windsbraut“ entwickelt sich auf einer stürmischen Insel eine romantische Liebesbeziehung zwischen einem eher zurückgezogen lebenden Inselbewohner und einer amerikanischen Vogelkundlerin, die von den Inselbewohnern nur die Frau mit den Vögeln oder die Vogelfrau genannt wird. Sehr humorvoll wird eine Romanze aufgebaut, bis es schließlich in einem Desaster endet. In „Der freundliche Mörder“ geht es um einen Rekordversuch im Wachsein eines Radiomoderators, bei dem er die Leute auf der Straße durch ein Schaufenster zuschauen lässt. In "Chicxulub" erfährt ein Ehepaar vom Unfall ihrer Tochter, auf dem Weg in die Klinik leiden sie Qualen. Meteoriteneinschläge in Sibirien und in Mittelamerika demonstrieren die Unabwendbarkeit mancher Ereignisse und erhöhen mit ihrer ständigen Unterbrechung der laufenden Handlung die Spannung, die darin besteht, zu erfahren, wie es der Tochter geht. "Hier kommt" erzählt die Geschichte eines Mannes, der alles verloren hat und gerade auf der Straße wach geworden ist. So langsam wird ihm bewusst, dass ihn der Alkohol im Griff hat, weil alle seine Probleme verschwinden, sobald er etwas getrunken hat. Bis er schließlich ein Verbrechen beobachtet. "Geblendet" spielt auf den südamerikanischen Estancias, auf welcher sich ein Wissenschaftler an die Untersuchung der UV-Strahlung macht. Doch so unaufhörlich er den Estancieros von den negativen Auswirkungen der Strahlung auf Mensch und Tier predigt, so unnachgiebig muss er von einer Estancia zur nächsten ziehen. "Gegen die Wand" wird sprichwörtlich das Leben eines jungen Mannes gefahren, der sich vor dem Vietnamkrieg drückt, vom Kiffen auf harte Drogen umsteigt und nichts anderes als Rausch im Sinn hat, obwohl sich ihm Alternativen bieten.
Fingerübungen sind diese Geschichten vom amerikanischen Autor, der selbst einen Großteil seiner Jugend als Hippie durchlebte, allemal. Dem Boyle-Leser wird die eine oder andere Figur nicht ganz fremd vorkommen. So weisen die Inselbewohner in "Windsbraut" eine gewisse Ähnlichkeit mit den kauzigen Einwohnern des Alaska-Örtchens Boynton auf und von dem rauschbesessenen Typen in "Gegen die Wand" gibt es in "Drop City" gleich eine ganze Kommune. Die Geschichten gleichen Charakterstudien, die früher oder später den Protagonisten und Antagonisten in seinen Romanen als Grundlage dienen. Die behandelten Themen sind sehr vielschichtig und obwohl so manche von ihnen mit einem Desaster endet, in welcher der Protagonist ein Chaos hinterlässt, sind viele sehr humorvoll geschrieben und treiben dem Leser ein Schmunzeln oder gar die Tränen ins Gesicht. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass er nicht alles so ernst nehmen sollte, wie es am Ende aussieht. Boyle ist perfekt in der Lage, mit dem zwinkernden Auge und eine alle Sinne ansprechende Weise seine Geschichten an die Leser zu bringen. In der deutschen Fassung wird er sehr passend von den beiden Übersetzern unterstützt.
Bewertung
4/5
06.01.2010
Buch (Gebundene Ausgabe)
Boyle ist einfach Kult
Auch in diesem Kurzgeschichtenband bietet T.C. Boyle einmal mehr große Unterhaltung.
Stilsicher und mit hohem Wiedererkennungswert vereint er in vierzehn Erzählungen tragische Helden, die gegen die Natur antreten und dabei kläglich untergehen.
Mit großer Leichtigkeit und gewohnt bitterböse schafft er dabei das Absurde glaubhaft zu machen.
Ein wunderbares, geistreiches Buch für "Häppchenleser".
Ich habe mich mal wieder köstlich amüsiert.
Polar
aus Aachen
3/5
26.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Desaster
Eines haben alle Helden in T.C. Boyles neuem Erzählband gemeinsam: Sie können eigentlich nichts dafür, dass sie so sind, wie sie sind. Ihre kleinen oder größeren Schwächen versuchen sie, möglichst zu kaschieren, bei den Männern nicht selten, um einer Frau zu gefallen, und sind doch den Gesetzen der Natur auf Erden oder im Kosmos ausgesetzt. Leider erscheinen einem manche Geschichten so, als wären sie einem bereits von Boyle erzählt worden. Das Pärchen im Schneesturm kommt einem allzu bekannt vor. Der frische Hausbesitzer, der sich mit den Unwillen seines neuen Eigenheims herumschlägt, sich der Natur ausgesetzt sieht, so dass er kaum die eigenen vier Wände verläßt, um im finalem Sturm Hab und Gut zu verlieren, ist uns wenn auch in schickerem und sozialkritischeren Gewand schon in América von T.C. Boyle begegnet. Er ist das Abbild jeglichen Spießertums, für den man ein Schmunzeln übrig hat. Und trotzdem beinhaltet der Band auch zwei Überraschungen. So schonungslos wie Boyle in Die Unwägbarkeit des Wassers: Madam Knights Reise nach New York, 1702 das damalige Reisen beschreibt, ist man doch glücklich heutzutage auf Bus, Bahn, Auto oder Flugzeug zurückgreifen zu dürfen. Die beste Geschichte ist sicher Zähne und Klauen, wo Boyle all jenen witzigen Esprit versprüht, der ihn auszeichnet. Was ein Mann nicht alles aus Liebe tut. Er nimmt sogar ein Raubtier in seiner Wohnung auf, um mit der Angebeteten ein paar Stunden zu verbringen. Insgesamt ein eher durchschnittlicher Band Erzählungen, doch wer möchte schon auf Highlights wie Zähne und Klauen verzichten.
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