Kalendergeschichten, Erinnerungsskizzen aus deutscher Vergangenheit, Begebenheiten aus dem Leben von Dichtern, Denkern und Verbrechern, Erzählungen, Kürzest-Essays, Anekdoten, Beobachtungen - Otto Jägersbergs vielgestaltige Prosa ist zugleich hinreißend einfach und lustvoll komplex. Und von einer Präzision, die sowohl poetisch als auch rasend komisch sein kann.
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MaWiOr
aus Halle
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01.11.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Titel ist etwas irreführen…
Der Titel ist etwas irreführend, wie immer bei Otto Jägerberg. Er will den Leser hinters Licht führen. In der kurzen Titelgeschichte geht es beileibe nicht um eine Spielhalle sondern um einen jugendlichen und etwas beschränkten Bankräuber, den nun wiederum die neue Filialleiterin der Sparkasse hinters Licht führt. Erst im letzten Satz erfährt der Leser, dass ihr Mann in der Spielbank arbeitet, was für die Geschichte aber völlig belanglos ist. Die 233 Seiten bieten zahlreiche dieser grotesken Gedichte und Kürzestgeschichten, wobei die Themenvielfalt schier unerschöpflich ist. Ob Fußballweltmeister Deutschland, Buttermilch, Stalin, Ringelsöckchen, Kakerlaken, Kirchensteuer, Kafka oder schlechtes Benehmen - Jägersberg nimmt die Themen des Alltags aufs Korn und blickt quasi hinter die Kulissen. Heiter und nachdenklich. Mitunter wird man an Hebels oder Brechts Kalender-geschichten erinnert. Man kann das Buch an jeder beliebigen Stelle aufschlagen und findet einen klugen Gedanken oder eine ungewöhnliche Sichtweise. Da arbeitete ein Mann im dunklen Anzug zusammen mit dem Papst in einem Büro. Während der Papst ständig mit Polen telefonierte, war die Funktion des Anderen unbekannt. Es war Gott.
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