Zusammengepfercht stehen die Menschen in verriegelten Waggons, die am Bahnsteig auf die Abfahrt warten. Es geht ins Verderben - das ahnen längst alle. Plötzlich hält ein Mann sein Instrument durch eine Luke nach draußen und ruft einem Passanten zu: "Nehmen Sie die Geige! Ich werde ohnehin nie mehr spielen." Zwei Hände greifen in letzter Minute danach, ehe sich der Deportationszug in Bewegung setzt.
Fast 40 Jahre später beugt sich Amnon Weinstein über eine zerkratzte und verfärbte Geige. Mühsam restauriert der Geigenbauer das ramponierte Instrument. Über 60 Geigen hat Amnon Weinstein im Lauf der Jahre aufgespürt und wieder zum Klingen gebracht. Diese "Violins of Hope" werden heute in den größten Konzertsälen der Welt gespielt - und erinnern daran, dass wir das Leid der Opfer nie vergessen dürfen.
Für Recherchen zum Buch war Journalistin Christa Roth mehrfach bei Amnon Weinstein in Tel Aviv zu Gast.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
5/5
06.08.2026
Gebrauchtbuch (Gebundene Ausgabe)
Violinen und Geigen der Hoffnung
Das Buch wird von zwei Autoren geschrieben. Christa Roth erzählt die Geschichte von Amnon Weinstein. Sie hat ihn besucht und interviewt. Er hat die Werkstatt seines Vaters übernommen der sich vor den Nazis nach Tel Aviv retten konnte. Sie reparieren Geigen und Violinen. Sein Vater nimmt Geigen von Juden an und sammelt sie in einer Ecke seiner Werkstatt. Sprechen möchte er jedoch nicht darüber. Auch sein Sohn fragt irgendwann nicht mehr. Bis ein Dresdner namens Daniel Schmidt bei ihm in die Lehre geht und anfängt zu recherchieren. Von da an repariert Amnon die Geigen und forscht dazu, wem sie mal gehört hat und welches Schicksal die Geigen hatten, bevor die Geigen wieder bei Konzerten "Violins of Hope" erklingen dürfen,
Parallel erzählt Autor Titus Müller die Geschichte der Brüder Marek und Stani Kròl. Vom Tag ihrer Ankunft in Dachau. Marek trägt seinen Geigenkoffer bei sich. Doch sie wird zerstört. Anfangs möchte er nie wieder Musik spielen, den es sind Märsche die von Gefangenen gespielt werden. Doch dann erkennnt Marek, dass das Orchester seine Rettung für sich und sein Bruder sein kann. Er hat Glück und wird im Orchester aufgenommen. Kurz vor der Befreiung bricht Fleckfieber im Lager aus und Marek besucht seinen Bruder in der Krankenbaracke wo auch viel zu viele Andere liegen. Mit seinem Geigenspiel gibt er Hoffnung und Trost. Und für einige ist es das letzte Geigenspiel was sie hören werden.
Am Ende des kommen beide Autoren zu Wort. Schön finde ich die Bilder die beigefügt sind, von den "Violinen und Geigen der Hoffnung" in Amnons Werkstatt. Wie er sie aufwendig restauriert und mit Liebe und Respekt behandelt. Vom Konzert "Violins of Hofe" der Berliner Philarmoniker.
Klare Buchempfehlung, emoitonal gegen das Vergessen und für die Hoffnung.
Dreamworx
aus Berlin
5/5
27.06.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Hoffnung stirbt zuletzt…
Die Hoffnung stirbt zuletzt Die Werkstatt steht voller altere Geigen, denen Mosche Weinstein ein neues Zuhause gegeben hat. Viele von ihnen waren Eigentum von Menschen, die aufgrund ihres jüdischen Glaubens oder als Häftlinge im Zweiten Weltkrieg ihr Leben in einem KZ verloren haben. Meist hat nur ihre Geige überlebt. Nach Mosches Tod folgt der Geigenbauer Amnon Weinstein der Familientradition und restauriert in Tel Aviv mit Hingabe und viel Geduld seit fast 40 Jahren alte Geigen, die jede auf ihre eigene Art die Geschichten ihrer Vorbesitzer erzählen. Amnon erweckt diese Musikinstrumente zu neuem Leben, damit sie mit ihrem Klang auf ihre ganz persönliche Weise das Schicksal ihrer ehemaligen Eigentümer in die Welt hinaustragen. Viele dieser Geigen lassen ihr Lied in Konzerten und auf Veranstaltungen erklingen, um die Erinnerungen an die Toten lebendig zu halten sowie die Menschen zu mahnen, niemals zu vergessen... Der Autor Titus Müller hat in Zusammenarbeit mit der Journalistin Christa Roth „Die Geigen der Hoffnung“ vorgelegt, dessen Geschichte den Leser von Beginn an fasziniert und gleichzeitig innerlich sehr berührt. Neben den Informationen, die Christa Roth aufgrund ihrer zahlreichen Besuche bei Amnon Weinstein zusammengetragen hat, steuert Titus Müller eine fiktive Geschichte bei, die auf wahren Tatsachen fußt und von den beiden musisch begabten Brüdern Stani und Marek erzählt, die das KZ Dachau überlebten und dort im Lager musiziert haben. Der wunderbar feinfühlige und fesselnde Erzählstil gewährt dem Leser nicht nur Eintritt in Amnon Weinsteins Geigenwerkstatt, sondern lässt ihn auchmit Stani und Marek einen erschütternden Aufenthalt in Dachau miterleben, wo einzig die Musik die Menschen am Leben hielt, ihnen ein Licht der Hoffnung spendete und ein gewisses Maß an Stärke, diese abgrundtief böse Hölle der Nazis irgendwie zu überleben. Was die beiden Brüder erleben, schnürt einem beim Lesen die Luft ab, lässt einen erschauern und beten, dass das Böse an ihnen vorbeizieht. Die Tatsache, dass die Nazis die Musik dazu benutzten, sich so manchen Häftling gefügig zu machen, ist kaum zu begreifen, denn gerade die Musik sollte immer ein Hoffnungsbringer, eine Begegnung sein, die man gerne teilt und nicht mit dem Grauen in Verbindung bringt. Christa Roths Recherche über Amnon Weinstein ist eine wunderbare Ergänzung zu Müllers Geschichte, denn die Tatsache, dass die alten Geigen immer noch ihr Lied in die Welt tragen, zeugt von der Verbundenheit mit den Toten und das respektvolle Gedenken an deren Fußabdrücke auf diesem Planeten. Als besondere Zugabe gibt es nicht nur ein aufschlussreiches Nachwort, sondern einige Fotografien, die neben Weinstein auch die Geigen zeigen, jede für eines von vielen Menschenleben, die niemals vergessen werden dürfen! „Die Geigen der Hoffnung“ berühren tief im Inneren, sie erschüttern, sie rütteln auf, sie mahnen, aber sie klingen auch und tragen ihr emotionales Lied in die Welt, um die Erinnerungen wach zu halten. Wunderbar erzählt und unvergessen!
Bewertung
5/5
02.05.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Violins of Hope
Es ist kaum in Worte zu fassen, welche Arbeit die Autoren mit diesem Buch geleistet haben.
Sehr bewegend und berührend wird zum einen erzählt, wie über 60 Geigen zu dem jüdischen Geigenbauer Amnon Weinstein nach Tel Aviv kamen, und welches großartige Projekt er mit den Violins of Hope geschaffen hat. Und zum anderen wird, basierend auf einer wahren Begebenheit, die Geschichte von zwei Brüdern im KZ Dachau erzählt.
Diese Mischung aus Sachbuch und Roman ist sehr gut gelungen, die Verbindung der beiden Elemente geht einem noch mehr unter die Haut.
Mir hat "Geigen der Hoffnung" nochmal einen ganz anderen Blickwinkel auf den 2. Weltkrieg gegeben, welcher sonst so gut wie gar keine Rolle in anderen Büchern spielt.
Ich bin von dem Buch beeindruckt.
Bewertung
aus Hamburg
5/5
24.02.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Inspirierend und berührend
Amnon Weinstein ist ein außergewöhnlicher Geigenbauer. Nach langen Jahren, in denen er die Geschichte seines Volkes im Holocaust totgeschwiegen hat, setzt er nun alles daran, sie wieder zum Leben zu erwecken. Er restauriert alte, zerkratzte und zerbrochene Geigen verfolgter Juden, damit sie als Violins of Hope in den größten Konzertsälen der Welt gespielt werden können.
Die Vergangenheit schreibt sich nicht in den Korpus ein. Es sind die Musiker, die anders auf ihnen spielen, sobald sie die Geschichten hinter den Instrumenten kennen.
Ja, das ist es, was den Geigen ihren besonderen Klang verleiht. Dieses Buch hat mich unglaublich berührt. Geigen sind ganz besondere Instrumente in der jüdischen Kultur. Sie begleiten viele Gebete und waren in den meisten jüdischen Familien zu finden. Davon hatte ich keine Ahnung, genauso wenig wie von der Tatsache, dass es in den KZs Lagerorchester mit Insassen gab, deren Aufgabe darin bestand, die Todesmärsche ihrer Mitgefangenen zu begleiten. Dennoch schenkte die Musik ihnen inmitten all dem Leid und der Zerstörung auch Mut, Kraft und Hoffnung. Somit stellt dieses Buch nicht nur ein wichtiges geschichtliches Zeugnis dar, sondern auch eine Hommage auf die Musik. Amnon Weinstein dokumentiert auch sämtliche Geschichten, welche die Geigen begleitet haben, soweit sie sich rekonstruieren lassen. Denn er ist der Meinung, dass diese Geschichten nicht verschwiegen und vergessen werden dürfen. Aber darunter sind auch viele, welche durch die Musik gerettet wurden.
Das Buch hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Es wurde nicht von Amnon Weinstein selbst geschrieben, sondern ergab sich wohl aus einer Vielzahl von Gesprächen und Besuchen in seiner Werkstatt. Dabei wechseln sich Passagen, in denen er zu Wort kommt, ab mit solchen, in denen eine die Geschichte eines jüdischen KZ-Insassen erzählt wird. Dessen Schicksal fesselte mich ebenso wie die weisen Worte des alten Geigenbauers. Das Buch lässt sich sehr flüssig lesen und hat den Lesern dennoch viel zu sagen. Es geht um die Geschichte eines Volkes, das sich nicht entmutigen lassen will, trotz Verfolgung und versuchter Auslöschung. Es geht auch um die Bedeutung der Erinnerung und Vergangenheitsbewältigung. All dies wird zu einem runden Ganzen verknüpft.
Fazit: Ein bewegendes und ermutigendes Buch, das sehr viele Facetten zu bieten hat. Nicht nur für Musikliebhaber empfehlenswert!
Monika Schulte
aus Hagen
5/5
12.12.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Aufwühlend, tragisch, bewegend
Amnon Weinstein restauriert Geigen. Sein Vater war einer der ersten Geigenbauer Israels. Zahlreiche Geigen wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu Moshe Weinstein gebracht. Die einstigen Besitzer der Geigen wollten nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie haben zwar den Krieg und den Nazi-Terror überlebt, doch auch ihr Leben nach dem Krieg war eine einstige Qual zu sehr haben sie gelitten. Zu sehr wurden sie gequält, verachtet, gedemütigt. Das unfassbar Erlebte wurde unterdrückt. Erzählen konnte fast niemand darüber. Man wollte vergessen und konnte es doch nie. Amnons Familie ist selbst betroffen. Fast alle Familienmitglieder und einstigen Freunde der Familie fielen den Nazis zum Opfer. Eines Tages steht Amnon einem Holocaust-Überlebenden gegenüber. Seine stark demolierte Geige möchte er für seinen Enkel restaurieren lassen. Amnon Weinstein entdeckt im Innern der Geige Aschereste. Menschliche Überbleibsel aus den Krematorien? Es dauert noch ein ganzes Jahrzehnt, bis Amnon Weinstein sich der ganzen Geschichte gestellt, der Geschichte der Musik in den Konzentrationslagern.
Marek und sein Bruder Stani werden ins KZ Dachau deportiert, doch Marek gibt die Hoffnung nicht auf. Er will überleben. Er umklammert seinen Geigenkasten das Einzige, was ihm neben seinem Bruder geblieben ist. Als er seinem Bruder zu Hilfe kommen will, rächt sich Oberscharführer Köcher an ihn. Er zerstört Mareks Geige. Dieser wird zudem zu besonders harten Arbeitsdiensten herangezogen, doch Marek hat Glück. Er hat Fürsprecher und ihm gelingt es, einen Platz im Lager-Orchester zu bekommen, was schließlich seine Rettung ist.
Die Geigen der Hoffnung - ein Buch, das mich nachdenklich und unendlich traurig zurücklässt.
Ein Buch, halb Sachbuch, halb auf wahren Begebenheiten basierende Erzählung.
Christa Roth hat vor Ort bei Amnon Weinstein recherchiert. Hier leben die Geigen wieder auf, die einst in den Lagern gespielt wurden. Hier berichtet jede einzelne Geige in der Werkstatt Amnons Weinsteins von einem Schicksal, von einem Leben. Diese Geigen der Hoffnung gibt es wirklich. Sie werden heute weltweit in berühmten Orchestern gespielt.
Titus Müller erzählt in einfühlsamer Weise die Geschichte von Marek und Stani. Den Häftling mit der Nummer 95101 hat es tatsächlih gegeben. Er hieß in Wahrheit Abram Merczynski. Es ist eine fesselnde und tief bewegende Geschichte. Manches Mal habe ich beim Lesen den Atem angehalten. Zu verstörend der Lageralltag, zu verstörend das für uns unbegreifliche Verbrechen, das dort an den Menschen begangen wurde.
Titus Müller führt den Leser direkt in das Konzentrationslager. Er schildert das Leben der Menschen dort so eindringlich, das man beinahe das Gefühl hat, das Leid dieser Menschen zu fühlen. Ich sage bewusst beinahe, denn niemand kann das nachempfinden, was diese Menschen durchmachen mussten. Und doch gab es so ewas wie Hoffnung die Musik. Die Musik, die auch Marek in Gedanken woanders hinführte, raus aus dem Lager. Mit der Musik konnten seine Gedanken fliegen. Orchestermitglieder bekamen mehr zu essen. Sie mussten fit sein, um am Abend für die SS-Offiziere aufzuspielen. Immer wieder spürt man die Angst. Bloß nicht nachlassen, bloß nicht schwach werden. Kein falsches Wort, kein falscher Blick. Man könnte der nächste sein.
Titus Müller zeigt aber auch, dass es im Lager ein kleines bisschen Menschlichkeit gab. Da ist der Arzt, der die Kranken in Betten im Krankenrevier versteckt hat, damit wenigstens einige überleben konnten. Er erzählt auch, dass junge Leute gezwungen wurden, in die SS einzutreten und in den Lagern ihren Dienst tun mussten.
Die Geigen der Hoffnung - Ein Buch gegen das Vergessen, aufwühlend, tragisch, bewegend. Ein Buch, dessen Geschichte mich immer begleiten wird.
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