Vom Aderlass bis zur Zahnextraktion: Medikale Konzepte und Therapiemaßnahmen im Spiegel ausgewählter Selbstzeugnisse im frühneuzeitlichen Europa
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Produktdetails
Format
ePUB
Kopierschutz
Nein
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Nein
Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
25.07.2012
Verlag
GRINSeitenzahl
60 (Printausgabe)
Dateigröße
321 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783656242963
Gemütszustand bekannt. Doch verhältnismäßig wenige wissen um den Ursprung dieser
gebräuchlichen Redewendung, bei der durch ein körperliches Phänomen ein seelischer
Zustand beschrieben wird. Grundlage und Herkunft ist hierbei die Vier-Säfte-Lehre, die
aufgrund ihres ganzheitlichen Charakters keine Trennung zwischen physikalischen und
psychischen Erscheinungen kannte. Stellt dies für den heutigen Betrachter eine irrationale
Theorie dar, barg dieser Monismus ein logisches Erklärungsmodell für frühneuzeitliche
Schulmediziner. Die Überzeugung vom Einfluss seelischer Affekte auf die Gesundheit war
vielmehr soweit verbreitet, dass auch Laien bestrebt waren, solche zu vermeiden.
Geisteskrankheiten galten als Verneblungen der reinen Seelengeister durch aufsteigende
Dämpfe aus den Verdauungs- und Geschlechtsorganen. Ammen sollten nach einem
Wutanfall nicht säugen, um das Kind nicht zu gefährden. Dieser Aspekt bietet einen Einblick
in das fachmedizinische Europa der frühen Neuzeit, in der neben der Säftelehre parallel
weitere Konzepte vorherrschten. Doch inwieweit wussten Patienten um diese Modelle zur
Erklärung von Krankheiten? Dies ist Gegenstand dieser Forschungsarbeit: Ausgewählte
zeitgenössische Aufzeichnungen medizinischer Laien werden auf den Kenntnisgehalt um
medikale Konzepte und Therapiemaßnahmen geprüft.
Die Entwicklung der Autobiographie von spätmittelalterlichen Haushalts- und
Kaufmannsbüchern über die Bedeutung religiöser Bewegungen wie Puritanismus und
Pietismus bis zur Schilderung des eigenen Lebens, auch während historisch bedeutsamer
Ereignisse, lässt eine lange und vielschichtige Vorgeschichte erkennen. Stehen diese Quellen
seit langem im Fokus kunstgeschichtlicher und literaturwissenschaftlicher Betrachtungen,
werden sie erst seit kurzem durch historisch-qualitative Fragestellungen in den Mittelpunkt
der mikrohistorischen Forschung platziert. Lange beschäftigte sich die Medizingeschichte
fast ausschließlich mit dem ärztlichen Stand und dessen Forschungen, Theorien und
Entdeckungen. Der Patient ging hierbei als unumgängliches Mittel zur Geschichtsschreibung
in einer gesichtslosen Masse unter.[...]
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