Der 20 Jahre alte Sportstudent Lenny Baumeister hat ein ernstes Problem: Seine einzigen Freunde driften in die Salafistenszene ab und wollen IS-Kämpfer in Syrien werden. Lenny versucht, dies mit allen Mitteln zu verhindern, aber das ist längst nicht so einfach, wie er sich das vorstellt.
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Das Cover des Buches "Ich schwöre" von Marc Hudek vermittelt dem Betrachter schon auf den ersten Blick, welches Thema in diesem Buch angesprochen wird: Salafismus. Deshalb ist anzunehmen, der Autor schreibt aus gutem Grund unter einem Pseudonym.
Dabei liest sich das Buch sehr gut und ist in einer saloppen und jungen Sprache verfasst. Es fängt alles recht harmlos an. Wir lernen den Protagonisten Lenny, ein etwas gehemmter Sportstudent, kennen. Er stammt aus einem ganz normalen Elternhaus der unteren Einkommensklasse. Wie viele tausend andere junge Männer auch. Seine besten Freunde sind Yussuf, der in der Philosophie beheimatet ist und immer denkt, sowie der einfach gestickte Faris, der den Mädchen gerne auf den Po schaut und es sich auch sonst gut gehen lässt. Dass sie Muslime sind, war in ihrer ganzen, bisherigen Freundschaft kein großes Thema, nahmen alle eine Glaubenszugehörigkeit nicht sonderlich wichtig. Doch plötzlich wird alles anders. Yussuf und Faris verkehren in angeblichen Literaturkreisen, in denen Lenny ausgeschlossen bleibt. Doch das ist nicht was Lenny besorgt. Es sind die veränderte Verhaltensweisen seiner Freunde. Sie entgleiten ihm, werden ihm fremd.
Dem Autor gelingt es sehr gut zu beschreiben, wie sich das Wesen, die Sprache und Ausdrucksweise der beiden muslimischen Freunde wandelt. Anfangs ist es nur ein Gefühlt von Lenny und es dauert eine ganze Zeit bis er sich sicher ist, was mit seinen Freunden passiert. Doch da sind diese schon mitten drin in der Szene, keinem Gegenargument mehr zugänglich. Wie kommt es, dass junge Männer, die in einer freien Welt aufgewachsen sind sich dazu entscheiden, Kämpfer des IS zu werden? Was fasziniert einen jungen Mann, der bisher nie gewaltbereit auftrat daran, in einen Glaubenskrieg zu ziehen? Selbst die Eltern der beiden jungen Männer sind fassungslos und haben keine Erklärungen dafür. Lenny versucht mit allen Mitteln - auch als verkleideter Muslime - seine beiden Freunde von ihrem Vorhaben abzubringen. Dieses Kapitel ist urkomisch.
Wie anfangs gesagt, der Roman ist in einem lockeren Ton geschrieben und wird gleichzeitig dem tödlichen Ernst des Themas gerecht. Dass zur Auflockerung auch noch eine Liebesgeschichte mit Lenny und Anna eingeflochten wurde, verleiht dem Buch bei der ganzen Dramatik auch noch etwas Romantik.
Mich hat das vorliegende Werk sehr angesprochen.
Ein Buch über eine sehr schwierige und aktuelle Thematik
Der Duft von Büchern und Kaffee am 03.02.2021
Bewertungsnummer: 1065472
Bewertet: eBook (ePUB)
Inhalt:
Lenny verbringt seine Freizeit gerne mit Laufen oder seinen Freunden Yussuf und Farik im Jugendtreff um die Ecke. Als eines Tages ein Mann namens Omar dort auftaucht und erst das Gespräch mit Yussuf und später auch mit Farik sucht, verändert sich einiges in Lennys Leben und dem seiner Freunde. Denn von einem Tag auf den anderen radikalisieren und militarisierten sich sind seine Freunde. Sollte es den islamischen Hardlinern gelingen Yussuf und Farik zu indoktrinieren, wären sie für Lenny verloren.
Erweiterter Inhalt:
Lenny ist ein Junge, der nur wenig Freunde und kaum Ziele im Leben hat. Er liest ganz gerne mal ein Buch, auch sportlich betätigt er sich beim Laufen. Seine zwei Freunde Yussuf und Farik sind speziell. Er erträgt ihre Anwesenheit nicht täglich. Besonders Yussuf ist er aber nahe, weil der Junge ebenso wie Lenny keine wirklichen Lebensziele zu haben scheint. Zu Hause erwarten Lenny zwei Geschwister. Ein Bruder, der gerne dealt und sich freut, wenn er mal wieder zu einem Gefängnisaufenthalt verurteilt wird. Da gibt es immerhin gutes Essen und außerdem können Kontakte aufgefrischt werden. Die Schwester Jenny hingegen versucht gerade das zweite Mal ihren Schulabschluss zu machen. Lenny befürchtet jedoch, dass dieser Versuch aufgrund der mangelnden intellektuellen Fähigkeiten erneut scheitern wird. Lennys Mutter hat nur wenig Zeit, sich um die Kinder zu kümmern. Seit der alkoholkranke Vater verstorben ist, muss sie als Alleinerziehende hart arbeiten, um die Familie zu ernähren.
Lennys große Liebe gilt der verheirateten Sportdozentin. Er hat also niemanden, zu dem er aufschauen kann. Seine zwei Freunde sind ihm da umso wichtiger.
Als eines Tage im Jugendtreff, in dem Yussuf, Faris und Lenny ihre Zeit verbringen, ein Mann namens Omar auftaucht, ändert sich für die drei Freunde einiges. Omar gelingt es Yussuf und Faris davon zu überzeugen, dass sie bloß Opfer der gottlosen gesellschaftlichen Verhältnisse seien, deren grundlegende ökonomische Strukturen verhindern würden, den Islam als politische und gesetzgeberische Richtschnur einzuführen.
Als Lenny bemerkt, dass Yussuf und Faris in die Islamistenszene abrutschen, ist es längst zu spät. Einzig ein Handel gibt ihm die Hoffnung diese noch retten zu können: Er wird Yussuf und Faris bei ihren ersten Prüfungen helfen, aber dafür müssen sie ihm versprechen eine Beratungsstelle aufzusuchen. Die Freunde sind sich einig: Ein Besuch bei einer Beratungsstelle ist schnell abgesessen. Lennys Hilfe ist für die Herausforderung jedoch unerlässlich. Sie lassen sich auf diesen Vorschlag ein.
Eigene Meinung:
Marc Hudek witmet sich mit seinem Roman einem wichtigen Thema: Wie kommt es dazu, dass Moslems in der Diaspora zu Terroristen werden.
Er gibt mit seinem Buch einen kleinen Einblick in die Arbeit von radikalen Menschenfängern und ihren Fähigkeiten neue Mitglieder zu werben. Anhand von Lennys Freunden zeigt er, wie schwer es für Angehörige und Freunde sein kann, Zugang zu Betroffenen zu finden.
Mit Lenny erschafft der Autor einen Charakter, der auf den ersten Blick ebenso ziellos durchs Leben geht, wie Yussuf und Faris, der aber bereit ist, für seine Freunde einiges auf sich zu nehmen.
Dadurch, dass Lenny in kritischen Situationen zynisch reagiert und dadurch, dass Farik und Yussuf einerseits hart wirken wollen und dann aber doch immer wieder an ihrer eigenen Tollpatschigkeit zu scheitern drohen, entwickelt sich ein subtiler Humor in dem Buch, der das schwere Thema ein wenig auflockert.
Auch eine Liebesgeschichte durchläuft der Protagonist im Laufe der Seiten. Seine unerwiderte Zuneigung zu der Sportdozentin macht Lenny zu schaffen. In einem Park entdeckt er die an den Rollstuhl gefesselte Basketballspielerin Anna, die im ersten Moment mit der Flasche Alkohol und der Zigarette in der Hand so erscheint, als hätte sie mit dem Leben abgeschlossen.
Doch die in sich ruhende und lebenserfahrene Frau spricht mit klaren und klärenden Worten über das Leben; es gelingt ihr Lennys inneren Kompass neu einzuordnen.
Lenny beginnt als typischer Antiheld; der der zu betreuenden Kindergruppe beim Völkerball einen extra harten Ball zuteilt oder der im Kaufhaus an einem BH schnuppert. Lenny scheint jedoch mit dem Kampf, den er für seine Freunde auf sich nimmt, Größe zu entwickeln. Er wächst an seiner Aufgabe.
Fazit:
"Ich schwöre" ist ein Buch, welches sich einer sehr schwierigen und aktuellen Thematik widmet.
Wie kommt es dazu, dass junge Männer, die die Vorzüge der westlichen Gesellschaft selbst genießen können, dieser den Kampf ansagen.
Der Plot wird durch ein wenig Humor aufgelockert. Die Charaktere haben allesamt keine großen Ziele, die sie im Leben verfolgen. Gerade Lenny jedoch scheint an den Herausforderungen, die ihm das Leben stellt, zu wachsen.
Ich denke, dass dieses Buch eine gute Diskussionsgrundlage für das Thema Radikalisierung in Schulen bieten könnte.
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