Funktion und Bedeutung der ersten Verfassungen Haitis (1801-1805)
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Sprache:Deutsch
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Produktdetails
Format
ePUB
Kopierschutz
Nein
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Nein
Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
15.10.2009
Verlag
GRINSeitenzahl
15 (Printausgabe)
Dateigröße
152 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783640446438
des Krieges in der französischen Karibikkolonie Saint-Domingue andauerten, erließ General
Toussaint Louverture, Führer der aufständischen Sklavenarmeen und zu diesem Zeitpunkt der
mächtigste Mann in der Kolonie, eine Verfassung für Saint-Domingue. Im Mittelpunkt dieser
Verfassung stand auf der einen Seite die Abschaffung der Sklaverei, auf der anderen eine
wohl absichtlich vage gehaltene Souveränität der Kolonie. Wirft man auf diese Maßnahme
Louvertures einen etwas eingehenderen Blick, so erstaunt weniger die Tatsache, dass er die in
langen Kriegsjahren erkämpfte Freiheit der ehemaligen Sklaven perpetuieren und einen
autonomen Handlungsspielraum für die Kolonie erwirken wollte, als vielmehr das Mittel, das
er hierfür wählte, namentlich die Verfassung. Verwunderlich ist dies insofern, als dass
Verfassung in ihrem Ursprung ein historisches Phänomen ist, das in der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts im europäischen Raum als Element zur Schaffung politisch-sozialer
Ordnung in Erscheinung tritt, quasi als Antwort auf die spezifischen Probleme einer Zeit an
einem Ort.
In ihrem historischen Kontext also lässt sich Verfassung als "Problemlösungsformel"
(Blänkner), als Antwort auf die Frage nach der Möglichkeit politisch-sozialer Ordnung in
einer Zeit verstehen, in der in Europa durch das Aufkommen neuer sozialer Kräfte das alte
Ständegefüge transzendiert wurde. Die Entstehung und Ausdifferenzierung der
"neuständischen Gesellschaft" seit Mitte des 18. Jahrhunderts war "vor allem Folge
wachsender Kommerzialisierung und der sich intensivierenden Marktmechanismen des
expandierenden kapitalistischen Weltsystems". In dieser "neuständischen Gesellschaft",
deren Trägerschicht sich aus eben diesen neuen sozialen Kräften, den gebildeten Ständen,
zusammensetzte, entstand eine Öffentlichkeit, in der der Ruf nach Freiheit und Gleichheit für
ihre Mitglieder, mithin nach politischer Partizipation laut wurde. In diesem Zusammenhang
rückte Verfassung in den Mittelpunkt des politischen Denkens, entwickelte sich gar zum "Leitbegriff aller Leitbegriffe" dieser Zeit, da sie zum Kernpunkt der gedachten sozialen
Integration der neuständischen Gesellschaft wurde.
[...]
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