Berlin, 1938: Der Kaufmann Otto Silbermann findet sich nach den Novemberpogromen und seiner Flucht aus Berlin als rastloser Reisender in den Zügen der Deutschen Reichsbahn wieder. Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Was ihm noch bleibt, ist eine Aktentasche voller Geld. In den Waggons, auf Bahnsteigen und in Bahnhofsrestaurants, auf seinen Fahrten quer durchs Land trifft er auf andere Reisende, Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie schlechte Menschen. Noch nie hat man mit so unmittelbarer Wucht nachempfinden können, wie lebensverändernd die Novemberpogrome für jeden einzelnen Menschen in Deutschland waren. Ungekürzte Lesung mit Torben Kessler
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Intensiv und eindrücklich!
monerl aus Langen am 03.04.2019
Bewertungsnummer: 1199639
Bewertet: Hörbuch-Download
Meine Meinung
“Was war ich? Nein, was bin ich? Was bin ich eigentlich? Ein Schimpfwort auf zwei Beinen, dem man es nicht ansieht, dass es ein Schimpfwort ist!” (Zitat aus Hörbuch)
Ein Buch, durch das ich regelrecht geflogen bin. Ich fühlte mich getrieben, wie auch der Protagonist Otto Silbermann, der leider viel zu spät erkannt und akzeptiert hat, dass er als Jude, auch wenn ihm die Religion immer herzlich egal war, in Deutschland keine Heimat mehr hat. Er wollte nicht wahrhaben, dass so jemand wie er, der im 1. Weltkrieg für Deutschland gekämpft hatte, nun ein Niemand sein soll, dem man das Deutsch-Sein absprach.
Mit seinem letzten Hab und Gut, einer Aktentasche voller Geld, versucht er sich ins Ausland abzusetzten. Doch es ist zu spät. So findet er sich wieder als Reisender mit der Deutschen Reichsbahn, die gleichermaßen Freiheit und Gefängnis für ihr geworden ist.
Man fühlt die wachsenden Ängste, die Verzweiflung und die Resignationsgedanken des Protagonisten. Es gibt keinen Ausweg. Soll er sich seinem Ende ergeben? Doch welchem Ende? Der Gefangenschaft im KZ, dem Tod oder gar dem Freitod?
Durch das Nachwort erfährt der*die Leser*in, dass der Roman starke auto- bzw. familienbiografische Züge aufweist. Ulrich Alexander Boschwitz floh 1935 mit seiner Mutter nach Schweden und es ist sehr tragisch, dass dieser damals noch sehr junge Autor 1942 mit dem Schiff unterging und starb, auf dem er sich auf der Rückreise vom Internierungslager von Australien nach England befand, das von einem deutschen U-Boot torpediert wurde. (Quelle: Wikipedia)
Boschwitz erzählt intensiv und sehr eindrücklich über die Zeit in Deutschland, kurz bevor der 2. Weltkrieg ausbrach. Man spürt ganz deutlich, wie ihn diese Veränderung durcheinander brachte und er nicht nachvollziehen konnte, wie unmenschlich und unwürdig Juden nun behandelt wurden.
In seinem Roman setzt er sich mit verschiedenen Denkansätzen von Deutschen, ob Juden oder Nicht-Juden, auseinander. Er geht soweit, dass er Otto Silbermann die Juden hassen lässt, die in seinen Augen für sein Schicksal verantwortlich sind, denn durch sein recht arisches Aussehen könnte er als Nicht-Jude durchgehen, wenn nicht dieses große, gelbe “J” in seinem Pass leuchten und ihn anprangern würde.
Fazit
Ein absolut lesens- und hörenswertes Buch, das als ein gelungenes zeitgeschichtliches Dokument die dunkle Zeit in Deutschland und Europa beschreibt, das heute leider wieder thematisch sehr aktuell geworden ist. Sei es auf den Judenhass bezogen wie auch auf den Umgang mit Menschen, die aus Kriegsgebieten fliehen und wie mit ihnen in Deutschland und Europa umgegangen wird. Man kann nach der Lektüre sehr gut sehen, wie die Vergangenheit die Gegenwart wieder eingeholt hat und in eine neue Sprialebene mündet und sich weiter dreht.
Genial aber traurigerweise top-aktuell!
Bewertung aus Nürensdorf am 09.11.2021
Bewertungsnummer: 1603096
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ich habe das Buch fast in einem Zug (haha, einem Durchgang, meine ich!) gelesen. Ich konnte es fast nicht weglegen. In der Tat, ist's ja klar, wie es kommen wird und doch will man genau wissen, ob DER REISENDE es am Schluss doch noch vielleicht schafft. Man wünscht das ihm so.
Das Buch - obschon es sich um eine andere Zeit, ein anderes gesellschaftliches Verbrechen handelt - ist heute leider genau so relevant wie dann, als es geschrieben worden ist. Alle müssten es gelesen haben!
Meinung aus der Buchhandlung
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"Der Reisende" ist der jüdische Kaufmann Silbermann. Ziellos reist er mit dem Zug durch Deutschland, welches er nicht mehr verlassen kann und eigentlich auch nicht will.
Es ist das Jahr 1933. Boschwitz Werk, ist ein ganz frühes Zeugnis von der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Entrechtung und Hilflosigkeit der jüdischen Bevölkerung.
Es ist sehr vorausschauend auf die kommenden Ereignisse.
Das traurige Schicksal des jungen Autors , macht den Roman nochmal doppelt wichtig.
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