Eine Million Euro im Mülleimer finden – wer träumt nicht davon? Für Putzfrau Hortense wird dieser Traum wahr. Ihr Problem: Das Geld hat der korrupte Kasinochef Monsieur Lecroc verloren, dem es gar nicht gehörte. Für Hortense wird es nun brenzlig, denn Lecroc ist jedes Mittel recht, um die Million zurückzubekommen. Für die 70-Jährige heißt das: Nix wie weg.
Mit Freundin Katia macht sie sich aus dem Staub und nutzt die Flucht, um sich einen lang gehegten Traum zu verwirklichen: Crêpes in Étretat in der Normandie mit Blick auf die Klippen zu essen.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Madame Hortense ist eine ältere Dame, die mit ihrer Nachbarin Katia Habenix in enger Nachbarschaft lebt. Beide Damen plagt die Geldnot, Katia lebt in ständiger Sorge, dass der Gerichtsvollzieher wieder vor der Tür steht, Madame Hortense geht weiter arbeiten. Sie arbeitet als Reinigungskraft in einem Kasino. Ihr Chef ist in einer gesetzlichen Grauzone aktiv, und hat daher ganz klare Vorstellungen, wie der Müll entsorgt werden muss. Doch das Alter schlägt bei Madame Hortense zu, und sie vertüddelt, wie sie den Müll entsorgen soll. In ihrer Not nimmt sie eine Mülltüte mit nach Hause, und mit Katia nimmt sie den Müllsack auseinander. Schnell wird klar: in der Tüte ist alles andre als Müll, nämlich sehr viel Geld. Während die beiden beratschlagen, was sie alles mit dem Geld machen wollen, fällt das natürlich ihrem Chef Lecroc schnell auf, dass ihm eine große Stange Geld fehlt. Und bei dem offensichtlichen Verhalten der rüstigen Damen wird auch der Gerichtsvollzieher aufmerksam, dass hier was nicht stimmt. Die beiden Damen flüchten, um Hortenses Wunsch nachzukommen: einmal Crêpes in Étretat zu essen als Erinnerung an ihren verstorbenen Mann. Die beiden müssen sich alles mögliche einfallen lassen, um ihren Verfolgern zu entkommen.
Dieses Buch ist ein sehr humorvoller Krimi, der nur so vor Slapstick strotzt. Die Grundsituation der zwei armen Damen ist vermutlich sehr nah an der Realität. Doch wem wird schon so ein zufälliger Coup gelingen, mal eben eine Million aus dem Müll zu fischen, und seinen Verfolgern auf so skurrile Art und Weise zu entkommen. Beide Damen könnten nicht unterschiedlicher sein. Katia Habenix hat nicht nur kein Geld, nein, sie hat auch kaum Hemmungen, andere über den Tisch zu ziehen. Im Gegensatz zu Madame Hortense, die das schlechte Gewissen plagt und das Geld lieber gestern als heute zurück gebracht hätte. Zum chaotischen Kasinochef, der sich mit seinen Finanzen selbst verzettelt hat, kommt noch ein Bodyguard und Rausschmeißer, der die Seiten wechselt und seine Berufung in Madame Hortenses Crêpes findet. Den urkomischen Absch(l)uss bildet ein Ermittler, dem nur eine Ermittlung wichtig ist: wie er der Arbeit entgehen kann, und dem die Ermittlung zum aktuellen Fall nicht nur eine Nummer zu heiß ist.
Die Geschichte um Madame Hortense ist schreiend komisch. Man fragt sich, was kann alles schief gehen: hier erfährt man es. Und doch ist dieser Krimi spannend, weil man sich fragt, wie die beiden alten Damen aus der Hausnummer wieder rauskommen. Wunderbar, ich habe mich gleichermaßen amüsiert und unterhalten gefühlt. Ein sehr humorvoller Krimi, der ein wunderbarer Zeitvertreib ist, ohne dass man nachts nicht schlafen kann. Mir hat auch der Rahmen des Krimis sehr gut gefallen. Eingesetzt in die wundervolle Landschaft der Normandie, wird hier nicht nur die Landschaft beschrieben, sondern auch ein paar kulinarische Schmankerl angeboten. Man sollte sich also entsprechend vorbereiten ;). Nicht nur für frankophile Menschen ein Genuss.
Bücher in meiner Hand
3/5
05.11.2018
Buch (Taschenbuch)
Slapstick pur!
Der Dryas-Verlag veröffentlichte im September diesen französischen Krimi von Ricardo Salvador. Der Namen des Autors hört sich so gar nicht französisch an, er soll aber Franzose sein - auch sein Krimi spielt sich in Frankreich ab.
Der Klappentext lässt auf einen witzigen Krimi schliessen, denn wer gibt sich schon mit Crêpes essen zufrieden, wenn er plötzlich eine Million in den Fingern hält?
Hortense Habenix! Sie möchte wirklich nur Crêpes essen gehen in Etretat, der Erinnerung wegen. Aber eigentlich würde Hortense das Geld lieber zurückschaffen, denn wohl ist ihr dabei nicht. Ihre Freundin Katia Kleingeld hält sie davon ab - endlich mal viel Geld zu haben, ein Traum! Doch nur allzu bald wird das Fehlen des Geldes bemerkt und Gangster, Polizei und der Gerichtsvollzieher sind hinter den beiden älteren Frauen her. Die grosse Frage ist: wie kommen die zwei aus der Geschichte raus?
Soviel sei verraten: Das Ende ist nett. Der Krimi ist Slapstick pur und würde sich gut verfilmen lassen. Sogar als Stummfilm, denn die Figuren sind alle durch spezifisches Aussehen und spleenige Charaktere ausgestattet.
Wir haben einen zwielichtigen Casinochef, der für alles seine zwei Gorillas beauftragt. Beide nicht die hellsten Leuchten: Alphonse vergisst bei seinen Auftragen immer etwas (meistens das Wichtigste) und liebt Crêpes; Frankie ist viel zu grob. Weiter geht es mit einem lispelnden Kartellchef und einem Büroklammer-zählenden Polizisten, der sich vor dem Aussendienst drückt. Die beiden schrulligen Heldinnen, zwei ältere Putzfrauen - deren Nachnamen in der deutschen Fassung passend dem Charakter angepasst wurde - sind Katia Kleingeld und Hortense Habenix. Die eine hat den Gerichtsvollzieher am Hals, die andere eine Million Euro.
Der Sprachstil ist - trotz den vielen Gaunern - gewählt kultiviert und humorvoll. Der Krimi an sich ist eine Karikatur per excellence, aber mir war das alles eine Spur zu viel von allem. Wer gerne lacht und die alten witzigen Stummfilme mag, ist mit diesem urkomischen Krimi aber gut beraten.
Fazit: Verrückte nette Geschichte im Slapstickformat, mir war es zu viel davon.
3 Punkte.
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