Eva ist Anfang vierzig, als sie einen Anruf von dem Mann erhält, der in ihrer Kindheit eine Zeitlang die Rolle des Vaters einnahm, bevor er scheinbar für immer verschwand: Vito Anania. Er liegt im Sterben und möchte Eva noch einmal sehen. Sie reist mit dem Zug von Südtirol quer durch Italien in den äußersten Süden.In ihrer Vorstellung entfaltet sich ihre ganze Kindheit in Südtirol: Sie wuchs im Schatten der politischen Verwerfungen einer Region auf, die drei Jahrzehnte lang der Spielball bedrohlicher Allianzen war und dann endlich den Aufbruch in die Autonomie wagte. Doch noch stärker wurde Evas Kindheit geprägt von der Liebe ihrer Mutter, der im Leben nichts geschenkt wurde.Der Roman einer Provinz ohne Vaterland und eines Mädchens ohne Vater.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Eva ist Anfang 40, als sie einen Anruf von Vito erhält, dem Mann, der in ihrer Kindheit für eine kurze Zeit die Rolle ihres Vaters übernahm, bevor er aus ihrem Leben verschwand. Vito liegt im Sterben und möchte Eva noch einmal sehen. Sie beginnt die Reise mit dem Zug von Südtirol durch das ganze Land bis zur Spitze des Stiefels.
Vor ihrem inneren Auge entfaltet sich ihre ganze Kindheit in einem Landstrich, das jahrzehntelang zum Spielball politischer Mächte wurde bis es autonom werden konnte. Seit der Trennung von Österreich ist Südtirol eine Provinz ohne Vaterland, ein verwirrendes Gebiet verschiedener Überzeugungen und Sprachen, ein Land, das die Frage nach Identität stellt.
Eva wächst ohne Vater auf, und so greifen die Geschichte des Landes und Evas Sein und Werden ineinander, verhaken sich, wandelbar, resilient und fortwährend sehnsüchtig.
Wenn Eva aus der Vergangenheit erzählt, spricht sie von sich selbst in der dritten Person, schafft eine seltsame Distanz zum eigenen Ich, in dessen Begleitung sie durch Italien reist, aus dem Zugfenster schaut, die gänzlich gegensätzlichen Landschaften Italiens in sich aufsaugt und über eine Kindheit und Jugend im postfaschistischen Italien reflektiert.
Francesca Melandri lässt Fäden fallen, um sich später wieder aufzugreifen und weiterzuspinnen, sie webt ein wunderschönes Muster aus Sätzen und Worten, schafft eine wunderbare Mischung aus Elegie, historischen Fakten und erzählerischer Leichtigkeit.
Eva schläft ist ein epischer Roman, der die Jahre 1919 bis 1992 umspannt und die Mutter, Gerda, zur eigentlichen Hauptfigur werden lässt. Als drittes Kind eines Optanten, Schwester eines Terroristen und gesellschaftlich in Ungnade Gefallene erkämpft sie sich ihren Platz in der explosiven Zeit, in der ein Volk systematisch unterdrückt wurde.
Eva schläft spannt einen weiten Bogen über fast ein Jahrhundert norditalienischer Geschichte, Kultur, Identität, Zugehörigkeit, politische Gewalt, Familie und die Suche nach Orientierung. Es ist ein Roman voller Schmerz und Vergeblichkeit, getragen von starken Figuren, die dem Leid ihre Liebe entgegensetzen, zerrissen zwischen Nähe und Distanz, Notwendigkeit, der Suche nach Schutz und dem Kampf um die eigene Autonomie.
Dieser Roman wird bleiben, er ist groß.
Tina Bauer
aus Essingen
5/5
15.11.2022
Buch (Taschenbuch)
Macht der Gefühle
Alles dreht sich um die Liebe. Zahlreiche Liebschaften umhüllen Evas Mutter. Sie ist immer auf der Suche nach einem Ersatz.
Jahre später meldet sich Vito Anania bei Eva. Er liegt im Sterben. Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen.
Eva beschließt, ihm einen letzten Gefallen zu tun. Sie begibt sich auf eine Reise quer durch Italien und ihre eigene Vergangenheit um ihren Vater im Sterbebett aufzusuchen.
Während Eva tiefer in ihre Kindheit zurückkehrt, sind die Gefühle der Mutter zwiegespalten. Wie soll das enden?
Francesca Melandri hat es mir nicht leicht gemacht. Die Geschichte ist geprägt von unglaublichen Gefühlen. Es geht auf und ab und beschäftigt den Leser. Man fiebert mit Greta der Mutter der unerfüllten Liebe nach. Dann wiederum erkennt man den Schmerz von Eva über den Verlust des Vaters. Die junge Familie zehrt von der früheren Liebe und lebt stets mit einem Funken Hoffnung, diese wieder aufleben zu lassen.
Bewertung
aus Bergisch Gladbach
5/5
17.05.2021
Buch (Taschenbuch)
Ein herrliches Lesevergnügen
Eine meisterhaft erzählte Geschichte über drei Generationen aus Südtirol.
Francesca Melandri versteht es, nicht nur faszinierende Charakteren zu zeichnen, sondern vermittelt zugleich auch Wissenswertes über die Unabhängigkeitsbestrebungen der Südtiroler im 20. Jahrhundert und die Entwicklung des Tourismus.
Bewertung
Book Circle Community
3/5
11.06.2025
Buch (Taschenbuch)
sehr interessante Darstellung der Südtiroler Geschichte seit 1918
„Eva schläft“ sind zwei Geschichten in einem Buch. Einerseits Evas persönliche Geschichte in der ICH-Form erzählt. Andererseits die Geschichte ihrer Familie seit Südtirol Italien nach dem ersten Weltkrieg zugeschlagen wurde, erzählt aus der distanzierteren Perspektive einer Erzählerin.
Beide Geschichten wechseln sich ab und kommen erst am Ende zusammen. So wird man immer wieder aus einer Geschichte gerissen und muss in die andere wieder eintauchen. Was die Lektüre zäh macht.
Inhaltlich ist es eine sehr interessante Darstellung der Südtiroler Geschichte seit 1918 und ihre ganz konkreten Folgen.
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5/5
18.11.2022
Buch (Taschenbuch)
Der beste Roman über die Geschichte...
Der beste Roman über die Geschichte Südtirols , über Faschismus und dem Verbot von allem was deutsch war, bis zu den Kämpfen um Autonomie in den 60er und 70er Jahren. Absolut lesenswert!
In diesem Buch verarbeitet Melandri die Geschichte ihrer eigenen südtiroler Familie, die komplexer und dramatischer kaum sein könnte. Ein Lesevergnügen für alle geschichtsinteressierten Leserinnen und Leser, das ich der Empfehlung eines historisch begeisterten Stammkunden und Italienfan verdanke. Absolut empfehlenswert!
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