Victor hat die Provinz hinter sich gelassen und ist zum Studium nach Paris gezogen. Er kommt aus einfachen Verhältnissen, der Druck an der Uni ist hoch. Victor ist einsam und fühlt sich unsichtbar. Einzig mit Mathieu, einem Jungen aus dem Kurs unter ihm, raucht Victor hin und wieder eine Zigarette. Als Mathieu in den Tod springt, verändert sich für Victor alles. Plötzlich wird er, der einzige Freund des Opfers, sichtbar. Seine Kommilitonen interessieren sich plötzlich für ihn, und langsam entwickelt er zu Mathieus Vater eine Beziehung, wie er sie zu seinem eigenen Vater nie hatte. "Ein Winter in Paris" ist ein sensibles und zärtliches Buch über das, was uns Menschen zusammenhält.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
https://lieslos.blog/
5/5
20.08.2020
eBook (ePUB)
Unterhaltsam und mit Tiefgang.
Gleich vorweg: ich bin begeistert von diesem recht schmalen Bändchen. Ein Schwergewicht das leichtfüßig daherkommt.
Wer Lust hat auf einen sehr unterhaltsamen und leicht zu lesenden Entwicklungsroman mit Tiefgang, sollte zugreifen.
Ich hatte das Gefühl, gleich mitten im Geschehen zu sein. Jean-Philippe Blondel erzählt von dem 19 jährigen Außenseiter Victor, der aus einfachen Verhältnissen stammt und sich nach dem Abitur in seiner Heimatstadt in der Provinz in einer Pariser Vorbereitungsklasse eines elitären Élysées mit gnadenlosem Konkurrenzdruck und z. T. sadistischen, selbstverliebten Lehrern befindet.
Erst nach über einem Jahr bahnt sich zaghaft eine Beziehung zu dem Kommilitonen Mathieu an.
Doch noch bevor diese Freundschaft richtig beginnen kann, stürzt sich Mathieu in den Tod - ein Wendepunkt im Leben Victors. Tiefgreifende Veränderungen und weitreichende Entwicklungen folgen diesem einschneidenden Ereignis.
Es werden sehr viele bedeutsame Themen aufgegriffen ohne dass der Roman überladen wirkt. Das ist bei der Kürze der Geschichte eine Kunst.
Es geht um sozialen Aufstieg und die damit verbundenen Mühen und Schwierigkeiten. Es geht um die Einsamkeit, die sich oft einstellt, wenn man noch mit einem Bein in der „alten“, vertrauten Welt steht, während man sich mit dem anderen schon in der „neuen“ befindet.
Entfremdung,
Zugehörigkeit, Zwischenwelt, Niemandsland.
Es geht um Ehrgeiz, Leistungs- und Erwartungsdruck und es geht um
Authentizität, mangelnden emotionalen Austausch, fehlende Empathie und kaum vorhandenes wirkliches Interesse am Anderen.
Es geht aber auch um Freundschaft, um Verlust und Trauer, Tabus und Geheimnisse.
Es geht darum, seinen Weg zu finden.
Hinter all dem verbirgt sich eine Kritik am gnadenlosen elitären (Pariser) Bildungssystem mit seiner „Entmenschlichung“.
Trotz all dieser ernsten Themen erzählt der Autor mit großer Leichtigkeit und das Schöne: eine Art Happy End: “Das würde ab jetzt mein Ziel sein“.
Die Sprache ist schlicht und gleichzeitig schön, eindringlich und intensiv. Eine berührende Geschichte, eine Welt voller Emotionen wird mit knappen aber treffenden Worten zum Leben erweckt und vor dem geistigen Auge entstehen Bilder und Filme.
Blondel erzählt lebendig und feinfühlig, aber nie gefühlsduselig. Im Verlauf wird es immer tiefgründiger und bewegender.
Manchmal, v. a. anfangs, wurde ich regelrecht kurzatmig oder flog atemlos durch den Text - zu hastig, so dass ich zu einer früheren Stelle zurückkehren musste bzw. wollte, damit mir auch ja nichts entging.
Der Leser wird mit einigen Wirklich schönen Metaphern verwöhnt, z. B. -
über einen treffenden, erschütternden, einen aus der Fassung bringenden Satz -
„...ein tiefer Ast, der einen mitten im Galopp aus dem Sattel wirft. Ein eisiger Windhauch im Winter, am frühen Morgen, der einem ins Gesicht peitscht.“
Fazit: sehr lesenswert!
mrs rabes bookaccount
5/5
03.11.2018
eBook (ePUB)
Der Tod und das Leben
Paris 1984, Victor ist Außenseiter am schwierigen und elitären Lycee D. Er stammt nicht aus Paris, nicht aus einer bildungsaffinen gutbürgerlichen Familie, trägt die falschen Kleider, hat noch keinen Zugang zu Theater und Film, hat keine Freunde.
Kurz vor seinem 19. Geburtstag versucht Victor sich mit Mathieu, gleichermaßen Einzelgänger, anzufreunden. Doch Mathieu begeht eines Morgens Selbstmord, vor den Augen seiner Mitstudenten.
Plötzlich wird Victor wahrgenommen, als vermeintlicher Freund des Opfers rückt er in die Aufmerksamkeit der schönen und reichen Kommilitonen, aber auch in die des trauernden Vaters von Mathieu. Es ist von nun an ein schrecklicher Zwiespalt, der Victor quält. Einerseits ist es Trauer und Entsetzen, Bilder, die er nicht mehr loswerden kann. Andererseits beginnt er die Wendung in seinem Leben zu genießen, obwohl er genau weiß, dass sein neues Ansehen auf tönernen Füßen steht.
Jean Philippe Blondel stellt uns hier vor die Frage, was der Tod mit den Hinterbliebenen, den Angehörigen und Freunden macht. Wieviel Raum bekommt die Trauer, der Tote in den Leben, die weitergehen. Wie geht das Leben weiter, welchen Platz muss sich Vater, Mutter, Freund im eigenen Dasein neu schaffen. Es ist sehr zart, fast poetisch, wie der Autor uns all diese Fragen vor Augen führt. Es ist ein Buch, das einen angreift und mitnimmt.
yellowdog
5/5
12.09.2018
eBook (ePUB)
konzentriert und dicht geschrieben
Jean-Philippe Blondel und seine Romane gehören für mich zu den Highlights der aktuellen, zeitgenössischen französischen Literatur, die ich sehr schätze. Einige Romane von dem Autor habe ich bereits gelesen und auch dieses neue Buch sagt mir zu. Das diesmal gewählte Milieu ist ein College in Paris. Blondel kennt sich in diesem Sujet aus, denn er ist auch Lehrer.
Wie am Anfang die zurückblickende Erzählperspektive aufgebaut wird, ist recht kompliziert und wirkt etwas altmodisch. Man denkt an Franz Werfel oder Robert Musil.
Ist man dann erst einmal in der Handlung drin, dominiert der Gemütszustand des Protagonisten und Icherzählers Viktor, der sich als Student aus einer sozial niedrigen Schicht am Elitecollege wie ein Außenseiter vorkommt. Dieses Gefühl macht ihn aber auch unangreifbar, jedoch bleibt er isoliert. Mit einem Freund raucht er regelmäßig mal eine. Und als dieser Freund Suizid begeht, bringt das Viktor aus der Spur.
Blondels Stärke ist es, tief in die Psyche seiner Figur einzutauchen und dem Leser wirklich auf realistische Art die Emotionen zu verdeutlichen. Dabei geht er sensibel vor. Als Leser beginnt man die Figur und ihre Handlungsweise zu verstehen.
Der Roman ist nicht umfangreich, aber durch Blondels konzentrierte Art zu schreiben wird auch nicht mehr Raum benötigt.
raschke64
aus Dresden
5/5
15.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Erwachsenwerden
Victor ist 18, als er nach Paris für ein zweijähriges hartes Studium kommt. Er stammt aus eher einfachen Verhältnissen und geht zu seinen Eltern etwas auf Distanz. In Paris ist er ein Außenseiter unter den Studenten. Er lebt in einem Wohnheim am Stadtrand und hat kaum Kontakt zu seinen meist aus Paris stammenden reichen Mitschülern. Erst im 2. Studienjahr lernt er beim gemeinsamen Rauchen Mathieu etwas kennen. Bevor daraus eine Freundschaft wird, begeht Mathieu Selbstmord und für Victor wird vieles anders.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Beschreibungen des Lebens von Victor sind gleichzeitig realistisch, poetisch und traurig. Man merkt sehr deutlich die Entwicklung von Victor. Seine oft noch unsicheren Vorstellungen werden mehr und mehr genauer. Seine Zeit in Paris nutzt er zum Lernen, weniger für sein Studium, mehr für sein späteres Leben. Als Leser kann man dem gut folgen. Mir hat die einfache direkte Sprache gut gefallen, ich empfand das Buch als sehr bereichernd.
Bewertung
aus Arnstorf
5/5
15.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Interessant, erschreckend und gefühlvoll
Der Roman „Ein Winter in Paris“ von Jean-Philippe Blondel hatte mich seines Covers wegen angesprochen. Ich finde es sehr schön gestaltet und wollte wissen, wer hinter dem jungen Mann steckt. Zudem hat weiteres Interesse das Thema Einsamkeit bzw. Unsichtbarkeit für die Mitmenschen geweckt und ich war sehr neugierig, inwiefern sich der Selbstmord Matthieus auf den davor unsichtbaren Victor auswirkt, was es aus ihm macht und wie er damit umgeht. Wie erst vermutet ist Victor keiner der grundsätzlich zurückgezogen lebt, sondern durchaus schlagfertig und gekonnt agieren kann und Nähe sucht und vermisst. Die Lycee hat aus ihm gemacht, was er anfangs war...
Victor, ein junger Student, der aus der Provinz nach Paris gekommen ist, ist für mich ein gut gelungener Protagonist, mit dem ich gut mitfühlen konnte. Sehr erschreckend fand ich die Lehrerschaft bzw. den Umgang mit den Studenten in seinem Lycee. Victor ist anders als alle anderen und dadurch für sie unsichtbar bzw. er macht sich schließlich selbst zu dem, was er ist, und hat dadurch immerhin die Chance, im ersten Jahr von den Leistungen her mithalten zu können. Nicht nur in Paris hat er kaum ein soziales Leben, auch von seinen Eltern versucht er sich abzunabeln, die wenig mit seinem Studium anfangen können. Im zweiten Jahr lernt er Matthieu kennen, dem es im ersten Jahr wie ihm selbst ergeht, bis Matthieu kurze Zeit nach ihrem Kennenlernen Selbstmord begeht. Victor wird dadurch sichtbar - er war der Freund des Opfers. Plötzlich wird er beliebt, bei den Mädchen interessant, wird zu Partys eingeladen und trifft sich häufig mit Matthieus Vater, was nicht gerne gesehen wird und alles zusammen seine Leistungen sinken lässt. Ihm gefällt diese plötzliche Aufmerksamkeit, dass seine Einsamkeit ein Ende hat und er weiß dies zu nutzen. Ihm gefällt auch diese Art Vater-Sohn-Beziehung zu Matthieus Vater, der so ganz anders ist als sein eigener Vater. Aber will er das alles auch sein? Wo ist sein richtiger Platz im Leben? Victor befindet sich in einer Phase, in der er noch nicht angekommen ist, nicht weiß, was ihm die Zukunft bringen soll, und freut sich über angebotene Möglichkeiten, aus seiner aktuellen Situation auszubrechen. Schön fand ich, dass der Leser zu Beginn und Ende des Romans erfährt, was aus Victor schließlich geworden ist.
Ich fand das Buch interessant, aufschlussreich und erschreckend, gefühlvoll, teilweise auch spannend. Wie mit dem Thema Selbstmord an der Lycee umgegangen wird, welche Methoden dort allgemein vorherrschen, hat mich erschüttert. Im Grunde handelt das Buch davon, was ein Selbstmord bei den Mitmenschen bewirkt, wie sie sich fühlen, welche möglichen Vorteile sie sogar daraus ziehen können, was man in dieser Geschichte bei verschiedenen Personen mitverfolgen kann. Der Schreibstil ist flüssig und gut lesbar, man muss aber doch mit einem gewissen Maß an Konzentration dabei sein. Der Hauptteil der Geschichte ist eine Erinnerung an die Zeit in den 80er Jahren, in der noch vieles anders lief und Studenten in den Bibliotheken zu Hause waren. Ich den Umfang etwas zu knapp gewählt und hätte mir in manchen Szenen mehr Ausführlichkeit gewünscht. Trotzdem zeigt dieser Roman, dass ein gutes Buch auch in kleinerem Umfang sehr viel Aussagekraft haben kann! Auf alle Fälle ist der Roman gehobene Literatur und definitiv lesenswert! Ich vergebe sehr gerne vier glänzende Sterne hierfür.
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5/5
14.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Berührend und liebevoll
Noch nie habe ich das Thema "Selbstmord" so empathisch und trotzdem klar beschrieben gesehen. Eine Hauptfigur, in die man sich verliebt und mit der man leidet. Jean-Philippe Blondel ist hier ein Meisterwerk gelungen. Eines meiner Lieblingsbücher.
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5/5
06.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Als Viktor aus der Provinz zum Studium nach Paris zieht, fühlt er sich einsam in der Großstadt. Das ändert sich erst, als er sich mit dem zurückhaltenden Mathieu anfreundet. Doch diese Freundschaft währt nicht lange, denn kurz darauf nimmt sich Mathieu in der Universität das Leben. Für Viktor, der Zeuge dieser Tragödie wird, bedeutet dies eine Zäsur in seinem jungen Leben. Einfühlsam und tiefsinnig erzählt der Autor, wie Viktor sich diesem Verlust stellt. Mich hat das Buch von der ersten Seite an berührt und mit einem positiven Gefühl entlassen.
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5/5
10.12.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Winter in Paris.
Berührender Coming of Age Roman. Victor, der in der neuen Umgebung nur schwer Anschluß findet, wird durch ein Ereignis kurz in ein neues mögliches Leben hineingezogen.
Aber hält es, was es verspricht, oder muss er doch seinen eigenen Weg finden. der Autor findet eine bewegende Atwort.
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5/5
15.10.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartig!
Victor zieht aus der Provinz nach Paris und besucht dort eine Vorbereitungsklasse für ein Hochschulstudium.
Der Stoff ist schwer, Victors Einsamkeit groß, denn unter den begüterten, gut gekleideten und scheinbar selbstbewussten Kommilitonen ist er ein Niemand.
Als er im zweiten Jahr endlich eine zaghafte Freundschaft beginnt, geschieht ein tragischer Zwischenfall, der auch Victors Leben schlagartig verändert.
In wunderbar schörkelloser, aber eindringlicher Sprache beschreibt Blondel das Erwachsenwerden mit all seinen Nöten und Freuden.
Ein Buch, das mich sehr berührt hat.
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5/5
23.09.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Verwirrung
Ein Buch, das stark berührt. Nach dem Selbstmord eines Freundes ist nichts mehr wie es war. Das Leben von Victor gerät aus den Fugen. Ein Buch über die Verwirrung der Gefühle in einem noch jungen Leben und die Frage, welcher Weg im Leben der richtige ist.
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