Es ist eine merkwürdige Seitenstraße, diese "Rote Meile" mitten im Herzen der Großstadt. Hier leben Obdachlose, leichte Mädchen, schwere Jungs, schlaue Geschäftemacher und mancherlei Nachdenkliche. In den Salons suchen Frührentner eine halbe Stunde Geborgenheit und Studenten eine weibliche Schulter, um sich anzulehnen. Nur widerwillig macht sich kurz vor Weihnachten die Heilsarmeeoffizierin Nicole auf, die Frauen auf der Straße und in den Salons zu besuchen. Unheimlich, wie hier seit Monaten alles stillzustehen scheint. Nicoles Bemühungen, die Frauen aus der Isolation zu holen und ihnen mit Rat zur Seite zu stehen, scheinen umsonst gewesen zu sein - als plötzlich etwas völlig Unerwartetes geschieht. Iris Muhl erzählt von Facetten des menschlichen Lebens und den wesentlichen Dingen des Herzens: von Verlust, Sehnsucht, Einsamkeit, Glaube und Liebe. Es sind behutsame Erzählungen über Menschen, deren Wirken oder missliche Existenz stets im Verborgenen bleibt. Diese ineinander verflochtenen Geschichten zeigen, dass die Rädchen im Getriebe liebevoller Fürsorge nur im Stillen drehen und niemals Lärm machen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
LEXI
5/5
03.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Herz braucht eine Hand
„Es gibt überall eigenartige Menschen, achtsame, aber auch achtlose, die blind durch die Welt gehen.“
Der Heilige Abend ist angebrochen. Die junge Protagonistin verlässt an diesem ganz besonderen Abend das Haus, um die Prostituierten auf der Straße zu besuchen. Bei ihren Bemühungen, Frauen zu retten, wird Nicole mit vielen traurigen Schicksalen, den Machenschaften der Zuhälter, Gewalt, Drogen und Hoffnungslosigkeit konfrontiert. Doch an manchen Tagen ist sie müde, innere Zweifel nagen an ihr. Mit ihrer Kollegin Heidi an der Seite versucht sie, den Menschen vorurteilsfrei und auf Augenhöhe zu begegnen.
Der Leser darf Nicole an diesem Heiligen Abend begleiten und lernt den freiheitsliebenden Patrick kennen, der mit seinem Hund Bobbi auf der Straße lebt und die Ignoranz der „zur Seite blickenden Menschen“ erwähnt. Man erfährt die Geschichte von Mia, die ihre Schulden für ihren Zuhälter abarbeitet und sich beinahe jede Nacht in den Schlaf weint, liest von Elena aus Mazedonien oder von Virva, die große Wünsche, aber kaum eine Perspektive hat. Anhand einzelner Schicksale thematisiert die Autorin die Sehnsüchte und das Heimweh der Prostituierten und ihren verzweifelten Wunsch nach Anerkennung und Liebe. Iris Muhl betrachtet diese kleine Welt in der roten Meile aus verschiedenen Perspektiven. Sie beschreibt das Leben, die Gefühls- und Gedankenwelt der handelnden Figuren, erlaubt dem Leser einen kleinen Einblick in die Welt eines Freiers, eines gewaltbereiten Zuhälters, einer Bordell-Hausmutter, und den beiden enthusiastischen jungen Frauen der Heilsarmee, die unermüdlich unterwegs sind, um den Menschen ihre Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken und das Evangelium zu verkünden.
Iris Muhl konzentriert sich in ihrer Erzählung auf eine einzige Nacht, eine Nacht, in der es um Menschen geht, die aus verschiedensten Gründen ihr Leben am Rande der Gesellschaft führen. Menschen, die ignoriert, gemieden, verleugnet, und zum Teil sogar verachtet werden. In diesem berührenden Buch darf man die junge Angehörige der Heilsarmee namens Nicole begleiten, die bereits drei Jahre lang die Frauen in der roten Meile besucht. Mit außerordentlichem Feingefühl, exzellent gezeichneten Charakteren und behutsamen Worten schreibt sich Iris Muhl ins Herz ihrer Leser, berührt sie ganz tief auf emotionaler Ebene. Es ist der Autorin eindrucksvoll gelungen, ihre Leser an das harte Los von Menschen heranzuführen, die aus verschiedensten Gründen am Rande der Gesellschaft leben. Sie regt zum Nachdenken an, animiert dazu, das eigene begrenzte Sichtfeld zu erweitern, den Fokus auf vom Leben benachteiligte, emotional verletzte und von der Gesellschaft ausgeschlossene Personen zu richten. Eindringlich beschreibt sie aber auch die Zweifel der jungen Heilsarmee-Offizierin und lässt den Leser an deren Gedankenwelt teilhaben.
„Hier eine verschlossene Tür, da ein verriegeltes Schloss; hier eine Unnahbarkeit und als Entgegnung eine Distanz; da manche Unachtsamkeit, und die Folge davon ein Leid, das langsam heranwächst. Für einen Moment scheint es, als würden sich die Dinge endlos wiederholen, ein unhörbarer Reigen an unauffälligen Missgeschicken.“
Das Buch hat einen eindrucksvollen Schreibstil, der mir ausgezeichnet gefallen hat und dem Leser Figuren und Situationen beinahe bildhaft vor seinen Augen erscheinen lässt. Iris Muhl hat sich bereits durch ihre anderen Werke in mein Herz geschrieben und meinen Erwartungen auch mit dieser aktuellen Neuerscheinung voll und ganz entsprochen. „Die Nacht der Vergessenen“ ist ein sehr aussagekräftiges Buch, das mich tief berührt und sehr nachdenklich zurückgelassen hat.
Abschließend möchte ich noch auf das eindrucksvolle Coverfoto eingehen, das eine geheimnisvoll wirkende Frau inmitten einer verschneiten Straße zeigt, deren hell erleuchtete Fenster eines Hauses den Eindruck von Hoffnung und Wärme vermitteln. Das Buch punktet aus meiner Sicht zudem mit einer edel wirkenden und hochwertigen Aufmachung sowie einer angenehmen Schriftgröße mit großzügigem Zeilenabstand.
rewareni
aus wien
5/5
03.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wunder geschehen
Es ist Heiligabend und sehr zum Missfallen ihres Mannes Markus macht sich Nicole, genannt Niki, wieder einmal auf den Weg zur ,,Roten Meile´´. Eine besondere Seitenstraße in der Großstadt, wo Prostituierte, Obdachlose und noch so manch andere eisame und verzweifelte Menschen auf der Suche nach einem schöneren und besseren Leben sind. Es ist kalt und unwirtlich und Niki und ihre Kollegin Heidi stehen wieder einmal vor dem Salon die ,,Schwarze Traube´´ wo sie bereits seit einem Jahr jede Woche anklopft und um Einlass bittet. Doch der Heilsarmee - Offizierin wird auch jetzt kein Einlass gewährt. Von Selbstzweifel geplagt, von Hoffnungslosigleit übermannt und der Frage, ob es sich noch lohnt anderen Menschen, die offensichtlich keine Hilfe wollen, hartnäckig jede Woche diese trotzdem anbieten zu wollen, beginnt sie auch an Gott zu zweifeln und sieht für sich keine andere Wahl als aufzugeben. Aber es ist der Weihnachtsabend und manchmal geschehen auch noch Wunder.
Die Autorin , Iris Muhl, hat mit dem Roman ,, Die Nacht der Vergessenen´´ eine bewegende Weihnachsgeschichte geschrieben, deren Geschichten auf wahren Begebenheiten beruhen. Ein wunderschönes, einfach gehaltenes Cover, erzeugt eine besondere Stimmung, wo man schon eintauchen kann in die emotionalen Lebensgeschichten.
Ein angenehmer und besonders einfühlsamer Schreibstil drückt auch zwischen den Zeilen viele Gefühle aus.
Seite 211 ,, Man darf die Menschen nicht einfach aufgeben, sinniert sie glücklich. Man soll die Felder niemals trocken legen, soll die Quellen im Ackerland erschließen und die Erde pflügen, und manchmal, wenn es angebracht ist, auch Grundstücksgrenzen überschreiten - auch wenn unsere Fürsorglichkeit bisweilen unvollkommen und lückenhaft ist.´´
Die Geschichten der Autorin handeln von Frauen, die von ihrem Zuhälter ausgenutzt und geschlagen werden, von Frauen, die davon träumen wieder in ihre Heimat zurück kehren zu können, wo ihre Familien auf sie warten oder von einem Obdachlosen, dessen einziger Halt in seinem verpfuschten Leben sein treuer Hund ist, der selbst in der kältesten Nacht nicht von seiner Seite weicht.
Es sind berührende Schicksale die zu Herzen gehen und in eine Welt blicken lassen, die hinter verborgenen Türen liegen und kaum jemand wissen möchte, was dahinter eigentlich passiert.
Mit welchen Wünschen, Versprechungen und vor allem Hoffnungen junge Frauen in ein anderes Land oft kommen weil sie ihre Familien finanziell unterstützen möchten, aber schon bald merken, dass ihr Traum von einem schönen Leben wie eine Seifenblase zerplatzt.
Die Protagonistin Niki wird von der Autorin mit einem großen Herzen und einen unerschütterlichen Glauben an das Gute ausgestattet. Aber sie zeigt auch auf, dass nicht immer der Glaube und der Wille helfen zu wollen ausreicht um nicht ins Wanken zu kommen und ob das, was man tut, zu einem Erfolg führt.
Viele Gedanken der Frauen im Salon rühren immer wieder zu Tränen, weil sie sehr oft von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Sehnsüchten und zerplatzten Träumen erzählen. Aber es ist auch ein Roman, der zeigen soll, dass man nie die Hoffnung aufgeben soll, dass Hartnäckigkeit immer wieder zum Ziel führen kann und dass einfach das Zuhören für einsame Menschen gleichbedeutend ist mit dem Gefühl akzeptiert und verstanden zu werden.
Bewertung
aus St.Margarethen a.d.Sierning
5/5
03.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einblick in eine Welt im Verborgenen
Das Buch bietet einen Abriss über eine Welt, die abseits des Mainstreams stattfindet. Es blickt hinter die Kulissen einer Straße, die manche versuchen zu verdrängen, an einem Tag, der nach außen hin im Zeichen der Liebe stehen soll. Iris Muhl versucht, die Gefühlswelt von Prostituierten und Außenseitern der Gesellschaft, die sich ihre Situation nicht immer frei gewählt haben, wiederzugeben.
Wer sich eine Happy-End-Weihnachtsstory erwartet, wird hier enttäuscht. Wer sich jedoch für Menschen, ihr Leben, ihre Gefühle, Bedenken und Ängste interessiert, kommt bei Iris Muhl auf seine Kosten. Viele wahre Worte, die ans Herz gehen und zum Nachdenken anregen.
Bewertung
aus Lahr
5/5
29.11.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine ergreifende Geschichte die Weihnachten mit anderen Augen sehen lässt
DIE NACHT DER VERGESSENEN
Bei dem Buch „Die Nacht der Vergessenen“ dürfen wir Nicole, Mitarbeiterin der Züricher Heilsarmee, begleiten. Wie wichtig Nicole ihre Arbeit ist, zeigt sich auch daran, dass sie am Heiligabend ihren Mann alleine lässt und sich stattdessen lieber mit ihrer Kollegin um die Bedürftigen kümmert.
Der Schreibstil des Buches ist flüssig und die Geschichten selbst berühren einen vom ersten Moment an. Man taucht sofort in das Buch ein und man sieht Weihnachten plötzlich auch mit anderen Augen. Wenn wir an Weihnachten denken haben wir viele Bilder vor Augen, aber die wenigsten lassen uns an die Menschen denken, die aus verschiedenen Gründen, kein Zuhause haben und den Heiligabend, teilweise auf der Straße verbringen müssen. Für diese Menschen sind Nicole und ihre Kollegen ein wahrer Segen, sie verzichten auf den wohl schönsten Tag des Jahres, um den bedürftigen Menschen zur Seite zu stehen. Es ist sehr bewegend und ergreifend zu lesen was sie diesen Menschen damit geben.
Die einzelnen Schicksaale die Iris Muhl in diesem Roman beschreibt gehen zu Herzen, bewegen, machen nachdenklich und lassen vieles in einem anderen Licht erscheinen. Es wird klar, das man nicht immer Einfluss darauf hat wie es im Leben kommt und das man manchmal gezwungen ist ein anderes Leben zu führen wie man eigentlich möchte.
„Die Nacht der Vergessenen“ ist ein bewegendes und ergreifendes Buch, das nicht nur zeigt wie wichtig die Arbeit der Heilsarmee ist, sondern auch das es nicht nur die materiellen Dinge sind die Menschen in Not helfen. Mich hat das Buch von der ersten Geschichte an erreicht und ich kann es jedem nur empfehlen. Von mir gibt es daher eine Leseempfehlung, unabhängig von der Jahreszeit und fünf Sterne.
Wuestentraum
5/5
28.11.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Nicole ist Mitarbeiterin bei…
Nicole ist Mitarbeiterin bei der Heilsarmee. Sie sind ein kleines Team, welches sich um die Bedürftigen und Prostituierten auf der sogenannten „Roten Meile“ in Zürich kümmert. An Heiligabend macht sich Nicole mit ihrer Kollegin Heidi wieder auf den Weg. Ihr Ehemann ist wenig begeistert, dass sie ihn an Heiligabend alleine lässt und sich lieber um ihre Schützlinge kümmert. Aber Nicoles will unbedingt auch an Heiligabend ihre Runde drehen, in der Hoffnung, dass endlich eine der Prostituierten aussteigen will und anderen zu helfen. Iris Muhl beschreibt in diesem Roman viele Geschichten, die sehr zu Herzen gehen. Von Obdachlosen, Kriminellen, Prostituierten und einfach Hilfsbedürftigen. Man bekommt völlig neue Eindrücke zugetragen, Dinge, über die man sich selbst noch nie Gedanken gemacht hat. Dieses Buch und die einzelnen Geschichten machten mich traurig und nachdenklich. In Zukunft werde ich diese Menschen mit anderen Augen sehen und auf jeden Fall mehr Mitgefühl zeigen, was jeder Mensch tun sollte, dafür muss man nicht bei der Heilsarmee sein. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und klar. Ich bin sofort in das Buch eingetaucht und war von den einzelnen Geschichten fasziniert und entsetzt, was für Sorgen und Probleme die Menschen auf der „Roten Meile“ beschäftigten. Ich denke, jeder Mensch kann in eine Notlage geraten und einsam werden. Iris Muhl hat dies alles liebevoll in ihrem Roman verpackt, der deshalb auch so berührend und ergreifend ist. Fazit: Ein berührender, ergreifender und überaus interessanter Roman, den man, nicht nur zur Weihnachtszeit, unbedingt lesen sollte. Er hat mich wirklich begeistert. Vielen Dank an die Autorin für dieses wunderschöne Buch.
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