Produktbild: Ein schönes Paar (Ungekürzt)
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Gert Loschütz

1. Ein schönes Paar (Ungekürzt)

Ein schönes Paar (Ungekürzt)

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Beschreibung

Produktdetails

Family Sharing

Ja

Gesprochen von

Jan Katzenberger

Spieldauer

6 Stunden und 6 Minuten

Abo-Fähigkeit

Ja

Erscheinungsdatum

08.10.2018

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

MP3

Anzahl Dateien

74

Verlag

SAGA Egmont

Sprache

Deutsch

EAN

9788726091298

Beschreibung

Produktdetails

Family Sharing

Ja

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Gesprochen von

Jan Katzenberger

Spieldauer

6 Stunden und 6 Minuten

Abo-Fähigkeit

Ja

Erscheinungsdatum

08.10.2018

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

MP3

Anzahl Dateien

74

Verlag

SAGA Egmont

Sprache

Deutsch

EAN

9788726091298

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  • Lesepartie

    aus Bielefeld

    5/5

    16.04.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Lebensnahe Erzählung über ein sensibles Thema

    Nachdem sein Vater verstorben ist, findet Philipp bei der Haushaltsauflösung einen Gegenstand, welcher die Erinnerung an die Trennung der Eltern weckt. Hertha und Georg lernen sich kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges kennen. Hertha lebt in einem kleinen brandenburgischen Dorf und träumt davon Model zu werden. Nach dem Krieg bauen sich die jungen Eheleute in dem Dorf ein Leben auf. Hertha und Georg sind ein schönes Paar. Doch Hertha zieht es in den Westen. Der Familie gelingt die Flucht nach Westdeutschland. Zeitgleich mit dem neuen Leben beginnt das Ende der Ehe. Kein Jahr später verlässt Hertha die Familie. Philipp erinnert sich an Postkarten, die er 30 Jahre lang in unregelmäßigen Abständen von der Mutter erhält. Mit einer nüchternen Distanz schildert der Sohn die Beziehung seiner Eltern ebenso wie sein eigenes Verhältnis zu Mutter und Vater. Das Glück, die Hoffnung und die Enttäuschung. Sein Vater, der häufig in Situationen gerät, die ihn in Schwierigkeiten bringen. Die Mutter, die ihn zurücklässt, ohne ihrem Sohn zu sagen, wo und wie sie lebt. Gert Lohschütz erzählt in seinem Roman aus dem Blickwinkel des erwachsenen Sohnes, der in der Rückschau versucht zu verstehen, warum und wann die Ehe seiner Eltern scheiterte. Ein sensibler Roman, der zeigt wie nahe Hoffnung und Enttäuschung beieinander liegen. Zu Recht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

  • yellowdog

    5/5

    16.04.2021

    eBook (ePUB)

    schwebender Ton

    Ein schönes Paar von Gert Loschütz ist ein ruhig, eigentlich unspektakulär geschriebener Roman über die Spurensuche eines Mannes über seine Eltern bzw. über ihre Trennung. Leitmotiv dabei ist eine alte Kamera des Paares und Fotos von ihnen. Herta und Georg treffen sich vor dem Krieg in Ostdeutschland und heirateten 1942. Später flüchteten sie nacheinander in den Westen. Sie waren ein schönes Paar, aber warum sie sich plötzlich trennten, erschloß sich dem Sohn Philipp nicht. Ich mag Gert Loschütz Stil, nicht direkt spröde, aber mit einem schwebenden Ton. Zugang zu den Figuren findet man nicht so leicht, da nie aus der Sicht von Herta oder Georg erzählt wird, konsequent ist es die Erzählstimme des Sohnes. Das Cover deutet die Form an, indem ein Lichtstrahl über ein Paar ins dunkle dringt. Durch viele Leerstellen bleibt mir ein Teil des Romans verschlossen, doch ich habe viel übrig für eine Literaturform, die sich dem verborgenen und rätselhaften stellt. Patrick Modiano ist ein großer Autor dieser Form und Gert Loschütz folgt ihm mit vielen detailreichen und sorgfältigen Beschreibungen der Umgebung. In dieser Form mit Sprache zu arbeiten ergibt ein lesenswertes Stück Literatur.

  • Bories vom Berg

    aus München

    5/5

    27.09.2018

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Exakta Varex Nach zwölf…

    Exakta Varex Nach zwölf Jahren ist nun wieder ein Roman von Gert Loschütz erschienen, dessen schon fast kitschig scheinender Titel «Ein schönes Paar» an Harmonie denken lässt, was durch das sepiafarbene Papier, auf dem er gedruckt ist, noch unterstrichen wird, - ein klassischer Liebesroman also? Mitnichten, denn er erzählt genau vom Gegenteil, von tragischer Trennung und jahrzehntelanger Wortlosigkeit bis in den Tod. Wobei es die Teilung Deutschlands ist, die die Liebenden stolpern lässt und das Paar auseinanderreißt in einer an Effi Briest erinnernden, ursachegleichen Tragik. Ich-Erzähler dieses Eheromans ist Philipp, von seiner schönen Mutter nur Fips genannt, ein Fotograf, der sich an das Liebesglück seiner Eltern erinnert. Der Vater war leitender Angestellter in einem großen Industriebetrieb der DDR und hatte sich bei einem damals, vor dem Mauerbau, noch möglichen Westbesuch bei der Bundeswehr beworben. Ein von dort unbedacht an seine Heimatadresse geschickter Brief wurde ihm zum Verhängnis, er musste Hals über Kopf fliehen, seine Frau und Fips folgten wenig später. Um das Ersparte zu retten wurde noch schnell eine sündhaft teure Spiegelreflexkamera gekauft, die als Startkapital im Westen wieder zu Geld gemacht werden sollte. Ein tragischer Irrtum, denn einen annehmbaren Preis konnte der Vater im westlichen Konsumparadies für die Exakta Varex nicht erzielen. Um seine vergeblichen Verkaufsbemühungen vor seiner Frau zu verschleiern beging er einen folgenschweren Fehler und landete im Gefängnis. Die selbstlose Liebe seiner Frau brachte ihm zwar die Freiheit wieder, bewirkte aber auf fatale Weise die unversöhnliche, lebenslange Trennung des Paares. In Rückblenden erzählt Fips das Geschehen aus seiner Sicht, wobei ihm eine tragische Rolle zufällt. Denn er hat ungestüm handelnd verursacht, dass ein aus Liebe begangenes Fehlverhalten seiner Mutter bekannt wurde und zum Zerwürfnis der Eheleute führen musste, was ihn dann auch selbst lebenslang belastet hat. Gert Loschütz schreibt hier im Stil des Nouveau Roman, es gibt keine psychologisch sezierten Protagonisten, auch keine stringente Handlung, sondern immer wieder erzählerisch irritierende Sackgassen und Leerstellen in einer Geschichte voller Geheimnisse. Damit lässt er seinen Lesern denn auch reichlich Raum für eigene Interpretationen und zuweilen erforderliche, gedankliche Ergänzungen. Den ominösen Fotoapparat benutzt er sehr raffiniert nicht nur als narrative Klammer, sondern auch als äußere Ursache einer tragischen Verkettung von allenfalls leichtsinnig begangenen Fehlern. Geradezu detektivisch bröselt Fips mit seiner Spurensuche nach dem Tod beider Eltern ihre Geschichte auf, spürt den Umständen ihrer unwiderruflichen Trennung bis zum Tode nach. Und erkennt am Ende, das seine Eltern auf eine von ihnen selbst niemals eingestandene Weise doch untrennbar miteinander verbunden waren. Die Mutter ist heimlich auf dem Friedhof dabei, als der Vater begraben wird, das Pflegeheim der Mutter wurde vom Vater ebenso heimlich mitbezahlt. Und aus der Ferne, über den Fluss hinweg, der sie trennte, hatten die Beiden bis zu ihrem Ende zumindest Sichtkontakt, er konnte aus einer Dachluke ihr Fenster im Pflegeheim sehen, Zigarettenspuren deuten darauf hin, und sie hatte immer den Blick auf das Dach seines Hauses. Dieser spannende Roman erzählt in poetischen Bildern die Geschichte einer Liebe in ihrer politisch und gesellschaftlich bedingten Dimension. Das selbstverschuldete Scheitern, das spurlose Verschwinden der Mutter, die Sprachlosigkeit über Jahrzehnte hinweg, all das wird geradezu unerbittlich thematisiert, wobei der Autor gekonnt auch dem Insignifikanten breiten Raum gibt in seiner betroffen machenden Geschichte. Erzählt ist all das fragmentarisch in einer wohlgesetzten, klaren Sprache mit nicht immer leicht nachvollziehbaren Zeitsprüngen. Die überraschende Detailfülle bildet in Summe neben der im Zentrum stehenden, menschlichen Tragik auch ein stimmiges Zeitzeugnis.

  • Bewertung

    Thalia Book Circle Community

    5/5

    20.02.2018

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein eindringliches Leseerlebnis...

    Erzählt wird dieser Roman aus der Sicht des Fotografen Philipp Karst, dessen Kindheit und Jugend von der Trennung seiner Eltern überschattet wurde. Nach deren Ankunft im Westen geriet alles aus dem Takt, ohne dass der Junge fassen konnte, was zwischen seinen Eltern geschehen war. Auch wenn Philipp lange nicht mehr an seine schwere weil einsame Jugend gedacht hat, ändert sich dies nach dem Tod seiner Eltern. Er findet einen Gegenstand wieder, der für den Zusammenhalt und die Hoffnung seiner Eltern ebenso steht wie für ihr tragisches Zerwürfnis. In seinen Erinnerungen setzt er die Bilder der Vergangenheit zusammen, spürt dem Lebensweg seiner Eltern nach und entdeckt letztendlich, dass diese sich womöglich bis an ihr Ende nah geblieben sind. “Nicht dass Georg geschimpft hätte, aber sobald er etwas herumliegen sah, etwas, das dort nicht hingehörte, räumte er es weg (…) Er sagte nichts, aber auf seinem Gesicht zeichnete sich der Schrecken ab, die Angst, dass wir in der Unordnung, im Chaos versinken könnten. So kurz nach der Trennung von Herta, denke ich, war dies seine größte Sorge.” (S. 131) Gerade einmal 240 Seiten umfasst der neue Roman von Gert Loschütz (sein Roman ‘Dunkle Gesellschaft’ stand 2005 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises), und doch ist diese auf der Geschichte der Eltern des Autors basierende Erzählung keine Lektüre, die sich einfach so herunterlesen lässt. Derart eindringlich ist das Leseerlebnis, dass zumindest ich hier immer nur einige Seiten am Stück lesen konnte und das Buch dann wieder weglesen musste, um den Worten und dem Ungesagten zwischen den Zeilen den notwendigen Raum des Nachhalls geben zu können. “Es war damals, als sei die Stadt in zwei Hälften aufgeteilt, in die eine, die zu ihrem und in die andere, die zu seinem Terrain gehörte, und als sei das Flüsschen (…) die Grenze, die nicht überschritten werden durfte.” (S. 134) Vermeintlich nüchtern und fast schon übertrieben distanziert schildert Gert Loschütz in szenisch herausgearbeiteten Bildern die Geschichte seiner Eltern und letztlich auch von sich selbst - er, das Kind, das zwischen seinem schüchternen und stillen Vater und seiner Mutter mit ihren Träumen vom Leben steht und an der Wortlosigkeit seiner Eltern fast erstickt. Der Eindruck drängt sich unweigerlich immer wieder auf, obschon der Autor Emotionen fast komplett außen vorlässt und sich meist auf die reine Schilderung beschränkt. Trotz dieser vermeintlichen Emotionslosigkeit entfaltet der Text phasenweise eine ungeheure Wucht, so dass mir manchmal fast die Luft wegblieb oder aber ein gewaltiger Kloß im Hals entstand. “Sie hat sich den Knöchel verstaucht, sagte ich beispielsweise. Oder, wenn ich dann zu ihr fuhr: Er trägt sich mit dem Gedanken, die Markise zu erneuern. Kleinigkeiten, Alltagsdinge, aber gerade deshalb, wie ich meinte, besser geeignet, die Wortlosigkeit, die wie eine Wand zwischen ihnen stand, zu überwinden, als es Appelle an die Vernunft gewesen wären. Es war, als suchte ich die ungeschützte Stelle, in die meine Worte eindringen konnten, aber sie zeigten sich so gepanzert, dass sie an ihnen abglitten.” (S. 218 f.) Die Leserunde zeigte, dass vielen Lesern das Verständnis für das Handeln von Philipps Eltern fehlte - und ich nehme mich da nicht aus. Es erwies sich darüber hinaus, dass auch in anderen beim Lesen oftmals die Emotionen entstanden, die der Autor hier bewusst meist nicht formuliert hat. Aber die Situationen sind derart eindringlich geschildert, dass sie nahezu erlebbar sind - und das war teilweise schwer erträglich. Sprachlosigkeit, Unsichtbarkeit, Einsamkeit - das Kind wurde nicht gesehen, ihm wurde nichts erklärt, es war niemand da, der es trösten konnte. Stellvertretend für das Kind entstanden so bei den Lesern vielfach Unverständnis, Wut und Traurigkeit, was für sich gesehen schon zeigt, dass Gert Loschütz zurecht als einer der großen deutschsprachigen Autoren der Gegenwart gilt. “…wusste er nicht weiter, und ich ebenfalls nicht, sodass sich noch vorm Ende des Essens die alte Verlegenheit zwischen uns breitmachte, die nur zu beheben war, indem wir rasch aufstanden und uns Neuem zuwandten, praktischen Dingen, sichtbaren, weg von denen, die nur in Worten aufgehoben waren (…) War dieses Schweigen oder nicht Redenkönnen etwas, das schon vor seiner Trennung von Herta zu ihm gehört hatte und - durch ihn - zu mir? Sodass vielleicht gar nicht das Schweigen das Problem war, sondern die Erwartung, es durchbrechen zu müssen?”  (S. 222 ff.) Zu meiner Überraschung entwickelte sich der Roman nicht zu einer Abrechnung mit Philpps Eltern, sondern eher zu einer Annäherung. Am Ende das Gefühl, dass Philpp nach der Auseinandersetzung mit seiner Geschichte und der seiner Eltern in der Lage ist, die Vergangenheit ruhen zu lassen, das Kapitel zu schließen - und letztlich sogar versöhnlich zurückzuschauen. Für ihn zumindest - und so wohl auch für den Autor - sind seine Mutter und sein Vater schlussendlich doch immer das eine gewesen: ein schönes Paar. © Parden

  • Wuestentraum

    5/5

    19.02.2018

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    (16) Herta und Georg lernen…

    (16) Herta und Georg lernen sich kennen, verlieben sich und heiraten. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Herta möchte weg aus Plothow, einem Dorf in der damaligen DDR und überredet Georg so lange, bis er zu einem Freund in den Westen fährt, wo er mit Herta und dem gemeinsamen Sohn Philipp leben will. Doch es kommt alles andere und so verbleiben sie noch einige Zeit in Plothow. Nach einschneidenden Ereignissen verschwindet Herta aus dem Leben von Georg und Philipp. Sie schreibt Ansichtskarten an ihren Sohn, aber ohne jemals einen Absender zu schreiben. Georg und Philipp sind sich selbst überlassen und machen das Beste daraus. Als erst Georg, kurz danach Herta sterben, begibt sich Philipp als erwachsener Mann auf Spurensuche seiner Eltern. Er findet eine alte Kamera bei den Hinterlassenschaften seines Vaters und die Mutter hat zeitlebens ihre Reisenähmaschine begleitet. Beide Utensilien ziehen sich wie ein roter Faden auch durch den Roman. Philipp besucht die Orte, an denen sie gewohnt haben, und versucht manches von damals zu rekonstruieren, wahrscheinlich um zu verstehen, was er damals als Junge nicht verstehen konnte. Zwischen den Dreien herrschte eine unbenannte Stille, ja Wortlosigkeit, es wurde nicht geredet, nicht über Gefühle, nicht über wichtige Ereignisse oder Geschehenes, der Junge lief eigentlich immer nur nebenher, er war nie der ausgesprochene Mittelpunkt der Familie. Aber auch er stellt keine Fragen, kennt er es doch nicht anders seit seiner frühestens Kindheit, Dinge unausgesprochen zu lassen. Dies war das erste Buch, welches ich von Gert Loschütz gelesen habe. Ich war anfangs irritiert, von dem Erzählstil dieses überaus begabten Autors, distanziert und völlig emotionslos. Ich habe noch nie einen Roman gelesen, der derart gefühllos geschrieben war und mich dennoch tief berührt hat. Gert Loschütz hat es mit seinem wunderbaren und anspruchsvollen Erzählstil geschafft, alle vorhandenen Emotionen zwischen den Zeilen entstehen zu lassen. Mitfühlend und erschreckend teilweise, durch die augenscheinlich fehlende Liebe ihrem Sohn Philipp gegenüber, der sich dennoch tief verbunden mit seinem Vater Georg fühlte. Als Leserin hatte ich schnell den Eindruck, dieser Roman sei eine Biographie des Autors selbst. Dies alles wären seine Erlebnisse und Kindheitserfahrungen. Im Vordergrund stehend ist in diesem Roman die Liebe und die Vergänglichkeit, vor dem Hintergrund der deutschen Teilung, ebenso wie die Teilung des Dorfes, bei der Herta auf der einen Seite und Georg auf der anderen Seite leben. Fazit: Ein wundervoller Roman, der durch den einzigartigen Erzählstil des Autors mich begeistert hat. Mit distanziertem und emotionslosem Schreibstil hat der Autor es geschafft, mich tief im Innern zu berühren und gleichzeitig zu begeistern. Ein nicht nur inhaltlich wertvolles und anspruchsvolles Buch, sondern ebenso äußerlich edel und liebevoll gestaltet.

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  • Zum Bewerterprofil von Carola Ludger

    Carola Ludger

    Thalia Lippstadt

    Buchhändler*in

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    4/5

    12.09.2018

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Zwischen Ost und West – zwischen Liebe und Trennung

    Gert Loschütz ist ein großartiger Jongleur der schönen und präzisen Worte. Allein schon deshalb wird der anspruchsvolle Leser seine Freude an dem 'schönen Paar' haben. Aber er ist auch ein scharfer Beobachter. So lässt er die Geschichte aus der Perspektive des Ich-erzählenden Sohnes Philipp erzählen. Sehr sachlich und sorgfältig erinnert sich Philipp nach dem Tod seiner Eltern an ihre facettenreiche Liebes- und Trennungsgeschichte. Auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2018.
  • Zum Bewerterprofil von Sabine van Ahlen

    Sabine van Ahlen

    Thalia Münster – Münster-Arkaden

    Buchhändler*in

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    4/5

    12.06.2018

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Geteilte Liebe

    Erst stirbt der Vater. Kurz darauf die Mutter. Nicht ungewöhnlich für Menschen, die jahrzehntelang ihr Leben als Paar miteinander teilten und ohne einander keinen Sinn mehr in ihrem nunmehr vereinzelten Dasein erkennen können. Hier aber ist es anders. Philipp, der Sohn, muß gleich zwei Haushalte auflösen: das Haus des Vaters Georg und das Zimmer der Mutter Herta im Seniorenheim, denn, obwohl noch immer verheiratet, leben die beiden seit 40 Jahren getrennt und haben keinen Kontakt mehr gehabt. Oder doch? Dieser Roman ist keine chronologisch erzählte, auf historische Details versessene Familiengeschichte, obwohl er durchaus die deutsche Nachkriegszeit thematisiert, das Drama der deutschen Teilung, die hier einmal mehr auch zu einem persönlichen Drama wird; denn die überstürzte Flucht von Herta und Georg aus der DDR entpuppt sich fatalerweise als Anfang vom Ende ihrer gemeinsamen Geschichte. Aber war ihre Trennung tatsächlich auch das Ende ihrer Verbundenheit? Loschütz schreibt in der Rolle des Sohnes, der den Spuren der Eltern folgt, wo immer er auf sie stößt. Er ist ein Suchender, der Mutmaßungen anstellt und gleich wieder verwirft, der versucht, den Nebel zu durchdringen, der sich vor die klare Sicht auf die Vergangenheit geschoben hat, und die Versatzstücke einer Epoche und der darin gelebten Leben zu einem sinnvollen logischen Ganzen zusammenzufügen. Letztendlich bleibt vieles scheinbar paradox, ein nie ganz lösbares Rätsel, verdichten sich einzelne Details lediglich zu einer Ahnung des Gesamtbildes. Loschütz beherrscht in seinem klaren, gezügelten Stil die Kunst des Unausgesprochenen, des Nicht – Auserzählens, und er schafft Bilder, die gleichzeitig eine optische Täuschung sein könnten. Was am Ende bleibt, ist die Melancholie des Unabänderlichen und – ganz handfest – eine alte Stereokamera aus dem Nachlass des Vaters, in der DDR ein wertvoller Besitz, dessen Verkauf im Westen der Familie die finanzielle Grundlage für einen Neuanfang schaffen sollte. Stattdessen entpuppt sie sich als unverkäuflich und letztlich wertlos und wird - ironischerweise - zum Auslöser für den Abstieg ihres Besitzers und der Auflösung seiner Ehe und Familie. Und schließlich ist diese Kamera, die stereoskopische Halbbilder zur Illusion eines dreidimensionalen Ganzen zusammenfügt, zu einer Art Sinnbild persönlich-menschlicher und auch historisch-politischer Tragik geworden. Ein überaus lesenswerter Roman und eine unbedingte Empfehlung für alle, die abseits des Mainstreams nach literarischen Schätzen suchen.

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