Jens Balzer, einer der profiliertesten deutschen Kulturjournalisten, zeichnet ein farbiges Panorama der Siebziger, von der Mondlandung und Woodstock über die Ölkrise und den Deutschen Herbst bis hin zum Nihilismus des Punk. Ein Jahrzehnt, in dem sich so ziemlich alles ändert: Die Hippies erproben unerhörte Lebensweisen, die antiautoritäre Erziehung und die Emanzipationsbewegung ordnen die Familien- und Geschlechterverhältnisse neu, weltumspannender Idealismus trifft auf apokalyptische Weltuntergangsängste, und spätestens als Hacker den ersten "Personal Computer" bauen, wird deutlich: Genau hier beginnt unsere Gegenwart. Jens Balzer zeigt überraschende Verbindungen, erzählt anschaulich und spannend und versetzt uns ganz in diese aufregende Zeit. x
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"FREEDOM" (R. Havens 1969) / "Automat und Telespiel - leiten heut die Zukunft ein." (Kraftwerk 1981)
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die zwei Musikzitate oben spiegeln perfekt wider, wie sich die populäre Kultur, die menschliche Gesellschaft, die Politik, eigentlich alles, innerhalb eines Jahrzehnts gewandelt hat - Auch wenn "ein Jahrzehnt" hier etwas mehr Jahre enthält, als es mathematisch korrekt wären!
Der Ruf nach Freiheit, zur Eröffnung des Woodstock-Festivals von Richie Havens nachhaltig und mit aller Kraft gefordert, endet mit den "roboterisierten" Stimmen der Düsseldorfer Band Kraftwerk - alles vergeblich also?
Natürlich nicht: Der gesamte Aufbruch, der sich schon vor 1969 abzuzeichnen begann, erfuhr hier seine Initialzündung. Alles war plötzlich möglich, friedliches Miteinander genauso wie der erste Mensch auf dem Mond, aber der Geist von Woodstock trug schon die Ereignisse von Altamont in sich, wo die "Hells Angels", eingesetzt als Ordner, einen jungen Mann direkt vor der Bühne erschlugen. Und der "Summer of Love" blutig endete - passenderweise in dem Moment, als die "Rolling Stones" "Sympathy for the Devil" intonierten...
Vier Jahre später waren die bemannten Mondflüge Geschichte, der Krieg in Vietnam noch immer nicht beendet, in der immer härter werdenden Musik wurde heftig mit "dem Bösen" kokettiert, "Black Sabbath", "Black Widow" oder auch "Led Zeppelin" kümmerten sich nicht nur um ihre Musik, sondern ebenso um Sinn und Deutung des Werks von Alistair Crowley. Während in Deutschland "Ton, Steine, Scherben" dazu aufriefen: "Macht kaputt, was Euch kaputt macht", was nicht nur ein "Bommi" Baumann ganz wörtlich nahm...
Aber bevor der Rezensent jetzt von "Höcksken auf Stöcksken" kommt, gibt es hier nur einige wenige Schlagworte, um die es auf den über 400, höchst unterhaltsamen und intelligenten, Seiten geht, kin der Reihenfolge ihres Auftritts:
Charles Manson, die Pille, Underground-Comix, Schulmädchen-Reporte, Krautrock, David Bowie, Ziggy Stardust, The thin white Duke, Alles so schön bunt hier, Sesamstraße, Rappelkiste, Ekel Alfred, Donna Summer und einen Orgasmus in den Charts, Antiautoritäre Erziehung, Asterix & das Atomkraftwerk, Space Invaders, Perry Rhodan, Prilblumen, Vo-Ku-Hi-Las, Käpt`n Iglo, The Wombles, Club of Rome, natürlich "The dark Side of the Moon", Star Wars, Schweine im Weltall, Punkrock, Stammheim, und wie Elvis Presley, via Satellit, die planetarische Zukunft der Popkultur eröffnete!
"Dies alles, und noch viel mehr" (Rio Reiser) erwartet Sie hier, "Sound und Geist der 70er" sind selten so gut und treffend eingefangen worden. Eine Fundgrube dazu, längst Vergessenes rückt wieder in`s Bewußtsein, Musik muss, neu, erworben werden, Bücher ebenfalls, aber das ist einfach so, wenn man sich in eine Zeitmaschine setzt. Wobei: "Zurück in die Zukunft" mittels eines getunten, flügeltürigen "Deloreans" ist ja erst in den 80ern möglich - und dahin nimmt der Autor Sie dann in seinem neuesten Werk mit, es heißt "High Energy" und erscheint im Juni 2021!
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