Als ein Teenager aus der mysteriösen Heiler-Kommune seines Vaters in der Mojave-Wüste flüchtet, setzt er damit eine spektakuläre Reihe von Ereignissen in Gang, an deren Ende sich die Wege von mehreren Personen kreuzen, die allesamt ihrer Vergangenheit entfliehen wollen. Da ist der Mörder Ren, der in L. A. seine Mutter sucht, Britt, die ein dunkles Geheimnis mit sich trägt, Tony, ein unglücklicher Anwalt kurz vor dem Nervenzusammenbruch, und da sind die Gewalttäter Sam und Blake, die sich im Wonder Valley verstecken. Unter der gnadenlosen Sonne Kaliforniens knallen die Schicksale der verlorenen Seelen auf eine schockierende Weise aufeinander, wie es nur in dieser so betörenden wie gefährlichen Metropole möglich ist - ein mit visionärer literarischer Kraft geschriebenes Porträt von Los Angeles, eine Bestandsaufnahme der Hoffnungen unserer Gegenwart, aber auch ein Thriller voller Twists mit einem grandiosen Finale.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Elke
aus Vaihingen an der Enz
5/5
18.07.2019
Buch (Taschenbuch)
Gnadenlos eindringlich
Vor vielen Jahren habe ich Robert Altmans mehrfach preisgekrönten Film „Short Cuts“ gesehen, und bin seither ein Fan von Episodenerzählungen, sowohl filmisch als auch literarisch. Aber nur sehr selten findet man einen Episodenroman, der so gut durchkomponiert ist wie „Wonder Valley“, in dem nach und nach jedes Steinchen an seinen Platz fällt und dem Leser schlussendlich ein Mosaik von unglaublicher Tiefe bietet.
Stadt der Engel, 2010. Ein Mann joggt in der morgendlichen Rushhour die Freeways entlang. Nackt, im Schlepptau Polizeiautos und einen Hubschrauber. Ein Anwalt auf dem Weg zur Arbeit steigt aus seinem Auto und läuft ihm hinterher. Ein anderer ist auf dem Weg Richtung Pazifik, seine Mutter auf der Rückbank, und schwitzt in dem geklauten Fahrzeug Blut und Wasser.
Alle unterwegs, alle auf der Flucht, alle auf der Suche. Pochoda switcht zwischen 2010 und 2006 hin und her, arbeitet mit dem Blick zurück, um die Handlungen ihrer Protagonisten in der Gegenwart zu erklären. Sie richtet ihren Fokus auf die Einzelschicksale, zeichnet so aber auch ein schonungsloses Bild der amerikanischen Gesellschaft. Es ist der Blick fürs Detail, der diesen Roman auszeichnet, ganz gleich, ob es um die Personen, ihre Geschichte oder ihre Lebensumstände geht. In der Vergangenheit und der Gegenwart. Das ist behutsam, aber dennoch eindringlich, oft gnadenlos, aber immer präzise. Der verlassene Trailerpark und die Aussteigerfarm in der Mojave Wüste, das Elendsviertel Skid Row und der Glamour in den Vororten von Los Angeles. Ren, Tony, Britt, Blake, und Sam, James. Fünf verschiedene Schicksale, die sich berühren, auseinanderdriften, wieder zusammenkommen, untrennbar miteinander verbunden sind. Alle auf der Flucht. Alle voller Sehnsucht. Alle auf der Suche nach dem einen Ort, an dem sie sein sollten, weil sie dort nicht hingehören, wo sie gerade sind.
„Wonder Valley“ ist außergewöhnlich, ein „diamond in the rough“ der zahllosen Neuerscheinungen, die den Buchmarkt überschwemmen. Unbedingt lesen!
Bewertung
5/5
16.05.2019
Buch (Taschenbuch)
Eine Entdeckung
In dem ersten auf deutsch übersetzten Roman von Ivy Pochoda prallen in der Hitze Kaliforniens in einer abgewrackten Siedlung namens "Wonder Valley" Charaktere aufeinander, die den amerikanischen Traum nicht einmal geträumt haben... geschweige denn ein Drehbuch für die Realisierung kennen würden.
Und wie diese Menschen um ihr Leben und ihre Würde kämpfen oder auch nur ringen, beschreibt die Schriftstellerin mit großer Empathie und Lebensklugheit. Ivy Pochoda schreibt wortgewaltig und intensiv. Sie erzeugt eine Nähe zu den Protagonisten, die einem unter die Haut geht.
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5/5
10.06.2019
Buch (Taschenbuch)
Hast du mal einen Crystal-Trailer in die Luft gehen sehen? In Arizona ist das die Wüstenbeleuchtung!
Der Schauplatz dieses Romans ist allerdings nicht die Wüste Arizonas, sondern die in der Nähe von Los Angeles, und die Stadt selbst. Hier kreuzen sich 2006 und 2010 die Lebenswege von einer Handvoll Menschen.
Da ist Tony, auf dem Weg zur Arbeit, der, wie so oft morgens, im Stau steckt. Als er den Grund des Verkehrsstillstands, einen nackten Jogger, der zwischen den Autos völlig selbstvergessen kraftvoll läuft, sieht, steigt er einfach aus und nimmt die Verfolgung auf. Er kann ihn zwar nicht einholen, wird aber dafür wenigstens von der Polizei festgenommen.
Im gleichen Stau steht Ren, in einem gestohlenen Wagen, und mit seiner todkranken Mutter auf dem Rücksitz.
Nicht weit entfernt davon wird Tony zwei Tage später Britt kennenlernen, die genau wie er den nackten Jogger sucht.
Blake, der vier Jahre zuvor, mit seinem Kumpel Sam, Britt in einer Farm/Kommune in der Wüste traf, hat mit ihr hingegen noch eine Rechnung offen.
Und James und Owen, die Zwillingssöhne des Kommunengründers? Wollen eigentlich nie wieder Zusammentreffen.
Allen ist gemeinsam, dass sie Schuld, absichtlich oder unabsichtlich, auf sich geladen haben. Unter der gnadenlosen Sonne von L.A. läuft alles auf einen mörderischen Showdown zu. Doch es kommt alles anders als erwartet...
Für mich einer der besten amerikanischen Gegenwartsromane überhaupt: in einem unglaublichen Tempo geschrieben, zeigt die Autorin die dunkelsten Seiten der USA, hart und unerbittlich. Bestens geeignet für all jene, denen ein T.C. Boyle oder ein John Irving nicht mehr stark genug sind, und für all die, die glauben, nichts reicht an "Die schwarze Dahlie" von James Ellroy heran...
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