DER GOLDENE PAVILLON UMFING MICH IN SEINER ABSOLUTHEIT. BESASS ICH IHN, ODER WURDE ICH VON IHM BESESSEN?
Der junge Mizoguchi stottert und wird von seinen Altersgenossen gemieden. Er fühlt sich allein, bis er Novize in einem berühmten Tempel in Kyoto wird. Gebannt von der allumfassenden Schönheit des Tempels, entwickelt er eine gefährliche Obsession und steuert unweigerlich auf eine Katastrophe zu.
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Lange war das Buch in Deutschland nur antiquarisch zu erhalten, der Autor, obwohl man fast nicht an ihm vorbei kommt ,nach wie vor schwer einzuordnen und seine Selbstdarstellung kaum einzuschätzen ! Doch jetzt ist der goldene Pavillon wieder erhältlich, neu übersetzt und bearbeitet. Zugrunde liegt dem Buch ein realer Fall von 1950 , wo ein buddhistischer Klosternovize das Kultur -und Heiligtum von Kyoto niederbrennt.Yukio Mishima besucht den Täter im Gefängnis und gibt seinem Protagonisten Mizoguchi ähnlich biografisches Außenseitertum und erlebte Kränkungen ! Hass auf seine Mitmenschen und Kritik am Priestertum kommen ebenfalls nicht zu kurz , doch das allein reicht nicht aus ,um das zerstörerische Feuer zu begründen - die unerträgliche Schönheit des Tempels wird zur Obsession und gestaltet sich als eine Entscheidung zum Bösen ! Schwer zu erfassen und zu ertragen ,formiert sich allerdings zu einem regelrechten Sog ,dem man sich nur schwer entziehen kann ! Das Buch - mit einem großartigen Anhang versehen ,ist in jedem Fall lesens -und bedenkenswert, aber ich bin sehr froh zu wissen, dass der goldene Pavillon in Kyoto wieder aufgebaut ist und in neuem Glanz erstrahlt !
Was alles hinter der schönen Architektur stecken kann...
Bewertung am 18.02.2023
Bewertungsnummer: 1882567
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Yukio Mishima erzählt in diesem Buch die Geschichte wie der Mönch überhaupt den Drang dazu entwickelte den Goldenen Pavillon zu zerstören.
Anfangs genoss ich es dieses Werk zu lesen, da es vollgepackt mit philosophischer Gedanken erschien und ich es als sehr anregend empfand. Jedoch zog es sich für mich ab einem Punkt, an welchem ich nicht mehr im Kopf des Mönches stecken wollte. Er sprach davon wie er den Goldenen Pavillon als Verkörperung des Schönen die Schuld an der Existenz des Hässlichen und somit auch seinem Stottern gab.
Meinung aus der Buchhandlung
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Welch ein Buch, welch ein grandioses Werk, das für mich unbestreitbar zu den herausragendsten literarischen Erzeugnissen des 20. Jahrhunderts gehört.
„Der goldene Pavillon“ von Yukio Mishima gehört zu jenen seltenen Büchern, die in ihrer Sprachkunst ebenso bestechend wie in ihrer moralischen und psychologischen Tiefe unerschöpflich sind. Der Roman, 1956 erschienen, erzählt die Geschichte des jungen Novizen Mizoguchi, der von körperlicher Schwäche, Sprachfehlern und tiefem Selbsthass gezeichnet ist und sich in obsessiver Weise am Bild des Kinkaku-ji, des berühmten Goldenen Pavillons in Kyōto, abarbeitet. Ausgehend von einer historischen Begebenheit – der tatsächlichen Brandstiftung des Pavillons im Jahr 1950 – entfaltet Mishima ein vielschichtiges Drama von Schönheit, Zerstörung, Eros und Thanatos. Es ist nicht allein eine historische Rekonstruktion, sondern eine seelische Anatomie: Mishima macht aus der Tat des Protagonisten ein philosophisches Gleichnis über das Verhältnis des Menschen zur Schönheit und über die zerstörerische Dialektik von Begehren und Ohnmacht. Michima entfaltet in diesem Roman eine paradoxe Dialektik: Das Schöne erhebt den Menschen, indem es ihm einen Maßstab gibt, und zerstört ihn zugleich, weil es ihn auf seine Endlichkeit zurückwirft. Diese Spannung zwischen Ideal und Realität durchzieht das gesamte Werk. Mizoguchis Verhältnis zum Pavillon wird mit zunehmender Intensität von Hass durchdrungen. Es ist nicht der Hass auf das Hässliche, sondern der Hass auf das Übermaß des Schönen, das seine Existenz überstrahlt. Schönheit, so suggeriert Mishima, kann zur tyrannischen Macht werden: Sie wirft den Betrachter auf sich selbst zurück, zwingt ihn zu einer schmerzhaften Erkenntnis seiner Grenzen. Der Protagonist fühlt sich von der Vollkommenheit des Tempels so überwältigt, dass er nur einen Ausweg sieht: die Zerstörung dieses Ideals, um sich selbst von dessen Herrschaft zu befreien. So wird der Brand des Goldenen Pavillons zur radikalen Geste eines Menschen, der im Akt der Zerstörung zugleich seine Freiheit und seine Identität behauptet. Doch Mishima belässt es nicht bei einer ästhetischen Tragödie, er führt den Leser tiefer in die moralischen Dimensionen. Die Tat Mizoguchis ist nicht nur ein ästhetischer Protest, sondern auch eine moralische Frage: Darf man das, was allen als unantastbares Kulturerbe gilt, vernichten, nur weil es für einen Einzelnen unerträglich ist? Mishima zeigt, dass Moral und Ästhetik hier in einen unauflösbaren Konflikt geraten. Mizoguchi weiß um die Schuld seiner Handlung, doch er empfindet sie zugleich als Notwendigkeit, fast als Akt der Selbstbehauptung gegen die Tyrannei des Schönen. Damit stellt Mishima die Frage nach dem Verhältnis von individueller Freiheit und gesellschaftlichem Wert, nach der Legitimität einer Tat, die aus subjektiver Wahrheit geboren wird, aber objektiv ein Sakrileg ist. Eine der zentralen philosophischen Strömungen im Werk liegt in der Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen Erkenntnis und Tat. Mishima lässt seinen Protagonisten lange Zeit in einer Welt der Reflexion, des Nachdenkens, des Grübelns verharren. Mizoguchi erkennt die Schönheit, analysiert sie, leidet an ihr, philosophiert über ihre Bedeutung – doch nichts davon verändert seine Lage. Erst im Moment der Tat, im Entzünden des Feuers, tritt eine Wendung ein: Die Erkenntnis wird in Handlung überführt, und in dieser Handlung wird sie zugleich bestätigt wie auch negiert. Mishima legt nahe, dass Erkenntnis allein nicht ausreicht, um das Leben zu ertragen. Der Mensch benötigt die Tat, um seine Erkenntnisse zu verifizieren, sie zu verkörpern, ihnen eine Realität zu geben. Erkenntnis, so zeigt das Buch, ist ohne Handlung leer, während Handlung ohne Erkenntnis blind wäre. Der Mensch ist auf die Wechselwirkung beider angewiesen. Die Frage, ob der Mensch Erkenntnis zum Leben benötigt, wird in Der goldene Pavillon nicht eindeutig beantwortet, sondern ambivalent entfaltet. Einerseits zeigt Mizoguchis obsessives Nachdenken über Schönheit, dass Erkenntnis selbst quälend sein kann, dass sie den Menschen lähmt und ihn von der unmittelbaren Lebendigkeit entfremdet. Mizoguchi ist ein Denker, ein Grübler, der in seiner Reflexion fast erstickt. In dieser Hinsicht könnte man sagen: Zu viel Erkenntnis hindert am Leben. Andererseits ist die Tat des Tempelbrands ohne die vorausgehende Erkenntnis gar nicht denkbar. Es ist gerade die Intensität seiner Reflexion, die Mizoguchi zur Konsequenz führt. Er muss erkennen, bevor er handeln kann. Hier offenbart sich die Dialektik: Erkenntnis ist Voraussetzung des Handelns, und das Handeln wiederum ist die Erfüllung, manchmal auch die Überwindung der Erkenntnis. Mishima bindet diese philosophische Konstellation an eine existentielle Dimension. Das Leben des Menschen besteht nicht im bloßen Dasein, sondern in der ständigen Auseinandersetzung mit Bedeutungen, Werten, Idealen. Ohne Erkenntnis würde der Mensch in der bloßen Faktizität verhaften, er wäre wie ein Tier, das lediglich seinen Trieben folgt. Doch gerade die Erkenntnis entfremdet ihn von der Welt und zwingt ihn, eine Stellung zu ihr einzunehmen. Die Tat ist dann die Rückkehr in die Welt, der Versuch, die Kluft zwischen Bewusstsein und Wirklichkeit zu überbrücken. Mizoguchis Brand des Pavillons ist Ausdruck dieser Logik: Er will das Gefälle zwischen dem Ideal der Schönheit und seiner eigenen Existenz nicht länger ertragen und schafft durch die Tat eine neue Realität, die ihn von dieser Kluft befreit – wenn auch um den Preis der Zerstörung. Der ästhetische Gehalt des Romans liegt nicht allein in der Darstellung des Pavillons, sondern auch in Mishimas Sprache, die stets zwischen nüchterner Präzision und poetischer Verdichtung schwankt. Die Bilder des Tempels, die Reflexionen über das Licht, das Wasser, die Jahreszeiten, wirken wie eine literarische Beschwörung des Schönen. Doch Mishima bricht diese Schönheit durch die dunkle Innensicht Mizoguchis, durch dessen Zynismus, seine Ängste, seine unstillbare Sehnsucht nach Reinheit. So entsteht ein ästhetisches Spannungsfeld zwischen äußerer Schönheit und innerer Zerrissenheit, das den Leser unmittelbar in den Bann zieht.
Das moralische Anliegen des Buches lässt sich schließlich auch als Kritik an einer Gesellschaft verstehen, die das Schöne verehrt, aber die Dunkelheit des Einzelnen übersieht. Mishima zeigt, dass Schönheit nicht nur beglückt, sondern auch zerstören kann, wenn sie zum Maßstab wird, an dem sich der Einzelne vergeblich misst. Damit fordert das Werk auf, die Ambivalenz der Ästhetik ernst zu nehmen und sie nicht als bloße Harmonie zu verklären. Schönheit, so legt Mishima nahe, ist immer auch eine Herausforderung für die Moral, weil sie Macht über den Menschen ausübt und dessen Freiheit bedroht. Der goldene Pavillon ist also nicht nur ein Roman über einen historischen Tempelbrand, sondern eine universelle Parabel über die Macht des Schönen, die Dialektik von Erkenntnis und Tat und die fragile Balance zwischen individueller Freiheit und moralischer Ordnung. Mishima gelingt es, aus einer konkreten Begebenheit eine philosophische Reflexion von universaler Gültigkeit zu formen. Sein Werk zwingt den Leser, sich zu fragen, ob wir die Schönheit ertragen können, ohne von ihr überwältigt zu werden, und ob Erkenntnis uns wirklich näher zum Leben bringt – oder uns erst im Akt der Tat erlöst. So steht am Ende die Einsicht, dass der Mensch nicht ohne Erkenntnis leben kann, weil sie sein Bewusstsein und seine Würde begründet. Doch Erkenntnis allein genügt nicht; sie muss in Handlung überführt werden, um ihre Wahrheit zu zeigen. Mishima hat mit Der goldene Pavillon ein Meisterwerk geschaffen, das diese Dialektik in erschütternder Klarheit vor Augen führt – ein Werk von großer ästhetischer Strahlkraft und moralischer Tiefenschärfe, das uns noch lange nach der Lektüre nicht loslässt.
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Dieses Werk stand schon lange auf meiner Leseliste.
Irgendwie war es interessant diesen jungen Mönch in seine "Gedanken/Welt" zu folgen.
Vieles aus dem Leben eines Mönchs war mir natürlich auch neu und ich lerne ja gern immer dazu.
Also wer keine "Angst " vor tiefschürfenden Gedanken eines Protagonisten hat und epische Werke mag, der ist hier richtig.
Mir war es etwas "drüber" .
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