Drei Geschwister. Zwei Kulturen. Ein Kater. Yuki würde sich am liebsten nur auf ihre Design-Karriere konzentrieren, doch die Realität sieht anders aus: In der Agentur muss sie sich mit eifersüchtigen Kolleg*innen herumschlagen und das Familienessen am Wochenende wird von Auseinandersetzungen mit ihren älteren Geschwistern überschattet. Als dann auch noch ihr Vater stirbt und sie Familienkater Sasuke erbt, gerät ihre Welt vollends aus den Fugen: Denn der Kater kann nicht nur sprechen, er mischt sich mit seinen magischen Pfoten auch gern in alle Bereiche ihres Lebens ein ... selbst in Sachen Liebe. Der gestiefelte Kater einmal anders. In »Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein« spinnt Christina Löw aus Elementen des grimmschen Märchens eine moderne Fabel über Geschwisterstreit und Familienbande, zweite Chancen und den Umgang mit Verlust sowie die Suche nach der eigenen Identität.
Kundinnen und Kunden meinen
3.5/5.0
Die Buchlilie
4/5
28.07.2019
eBook (ePUB)
Ein Kater ohne Stiefel, dafür mit Magie und moralischer Gesinnung.
Meine Meinung:
„Magie kann dich aus schlimmster Not retten, aber wenn du gar nicht gerettet werden musst, kommt Magie mit einem Haken.“ (Der Kater unterm Korallenbaum, S. 154)
Nach ihrem Debüt, in dem sich Komponenten des Märchens „Zwerg Nase“ wiederfanden, hat sich Christina Löw nun mit „Der Kater unterm Korallenbaum oder: Wünschen will gelernt sein“ dem grimm‘schen gestiefelten Kater angenommen. Anders als in der Vorlage hat es aber seine Konsequenzen, den intelligenten Vierbeiner bedenkenlos mitmischen zu lassen. Schon allein dieser moralische Aspekt verleiht dem Roman etwas Besonderes, das dem Original fehlt.
Gelungen ist der Autorin darüber hinaus gleich zweierlei: Zum einen die Umsetzung vereinzelter bekannter Motive. So ist Protagonistin Yuki die jüngste von drei Geschwistern, die nach dem Tod des Vaters mit Kater Sasuke den vermeintlich geringsten Teil des Erbes erhält. Dass sich dieser ausgerechnet als ausgesprochen einzigartig, mächtig und lebensverändernd entpuppt, ahnt sie zu Beginn keineswegs. Die Schriftstellerin integriert auf der anderen Seite aber auch eigene Elemente, die der Geschichte in typischer Märchenspinnerei-Manier einen modernen, vielleicht sogar zeitlosen Touch verleiht. Familiäre Dispute, Mobbing am Arbeitsplatz, kulturelle Identität und Selbstfindung sind nur einige der Leitmotive, die sich darin wiederfinden. Zudem habe ich nicht nur die japanischen Einflüsse genossen – allein das Kulinarische weckt die Lust, alle Speisen selbst einmal zu probieren –, sondern vor allem die charakteristischen Kater-Momente von Sasuke. Die sind einfach köstlich und zaubern einem regelmäßig ein Lächeln auf die Lippen.
Auch der flüssige Schreibstil der Autorin trägt insgesamt zu einem angenehmen Leseerlebnis bei. Dennoch lag der Schwerpunkt für mich teilweise stark auf dem Erzählerischen, sodass die Charaktere zu wenig zum Zug kamen. Die E-Mail an Isabel hätte ich genauso gern gelesen wie so manches Gespräch mit Yukis Verwandten. Das ist vermutlich auch der Grund, weshalb ich zur Heldin den ganzen Roman über keine richtige Bindung aufbauen konnte. Sie blieb sie für mich leider etwas farblos. Das sind aber auch der einzige Kritikpunkt, den ich an dieser ansonsten gelungenen Märcheninterpretation anspreche.
Fazit:
Ein Kater ohne Stiefel, dafür mit Magie und moralischer Gesinnung – genau dieser Mix verleiht der Geschichte zusammen mit japanischen Einflüssen und zeitlosen Konflikten etwas überaus Bezauberndes. Ich vergebe vier Sterne.
Bewertung
aus Brühl
3/5
19.03.2020
eBook (ePUB)
Japan, Kater und Magie – eine gelungene Mischung?
Mit „Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein“ veröffentlicht Christina Löw nicht nur ihren zweiten Roman, sondern auch ihre zweite Märchenadaption, dieses Mal angelehnt an den gestiefelten Kater.
Als ihr Vater stirbt, trauert Yuki sehr. Getröstet wird sie nicht nur durch die Tatsache, dass sie den Familienkater Sasuke erbt, sondern auch, dass er sprechen und obendrein Wünsche erfüllen kann. Doch während sie so am Anfang all ihre Probleme – finanziell, beruflich und privat – regeln kann, verehrt sich die gewirkte Magie schon bald ins Negative. Um dem Chaos ihres Lebens zu entkommen, beschließt Yuki, nach Japan zu reisen, um die Verwandten ihres Vaters zu besuchen – und sich selbst zu finden.
„Der Kater unterm Korallenbaum“ ist eine Adaption, die sich viele Freiheit im Verhältnis zur Vorlage erlaubt, mehr noch als Christina Löws Debütroman „Träume voller Schatten“. Dies empfand ich jedoch als keineswegs störend. Das moderne Setting zwischen Köln und Japan ist erfrischend und macht Christina Löws zweiten Roman zu einem wunderbar eigenständigen Werk, sodass man die Vorlage recht schnell vergisst.
Ansprechend sind auch die Themen, die der Roman aufgreift: Herkunft, Identität, Wünsche, Ziele, Ehrlichkeit, alles gemixt zu einer an sich interessanten Geschichte über Selbstfindung und Selbstverwirklichung und den manchmal beschwerlichen Weg dahin.
Leider hat mich der Roman auf diesem Weg allzu oft verloren. Die Sprache ist mir oft zu distanziert zu Yuki, zu erzählend und erklärend, ohne dass ich ihr als Leser wirklich nahe kommen konnte. Bei „Träume voller Schatten“ fand ich dies weit weniger störend, vermutlich durch das Spiel zwischen Wahn und Wirklichkeit. In „Der Kater unterm Korallenbaum“ hat die Erzählweise leider verhindert, dass ich so mit der Protagonistin mitleiden und mitfiebern konnte, wie ich es mir gewünscht hätte. Ganze Dialoge, die mir als Leser wichtig erschienen, wurden nur in ein paar Absätzen paraphrasiert, Gedanken und Gefühle häufig erläutert und beschrieben, anstatt sie aktiv zu zeigen. So fühlte ich mich leider oft entrückt von Yuki, wie jemand, der ihr Leben durch ein Fernglas beobachtet, anstatt wirklich teilzunehmen. Dies empfand ich als sehr schade, da mir die Geschichte wie oben angedeutet in ihrer Struktur und ihren Themen sehr gut gefällt.
Positiv hervorheben möchte ich aber sowohl das Glossar, das die verwendeten japanischen Begriffe gut erläutert, wie auch die Triggerwarnungen auf der letzten Seite. Dies ist ein guter Leserservice, der mehr genutzt werden sollte.
Christina Löws „Der Kater unterm Korallenbaum“ ist eine schöne Märchenadaption mit einer interessanten Geschichte, deren Erzählweise mich jedoch leider nicht so fesseln konnte, wie ich es mir erhofft hatte. Daher kann ich aus meiner Perspektive leider nur eine 6/10 geben.
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