Es ist ein Rätsel in ihrer Familiengeschichte, ein blinder Fleck. Von Bruno, dem ältesten Bruder ihrer Mutter - dem es gelang, dass alles, was er berührte, zu zittern auf hörte - hieß es immer, er sei bei Stalingrad gefallen. Es war eine Lüge: Als Astrid zufällig davon erfährt, muss sie die Suche nach Bruno aufnehmen, ohne erklären zu können, warum. Und diese Spur führt nach Bukarest ...
Astrid begegnet Menschen, die Bruno nahekamen, und hört Lebensgeschichten voller Farbigkeit und Dramatik, die Streiflichter auf ihn werfen. Zusammen mit zahlreichen Bezügen zu Kunst und Literatur entsteht daraus ein dichtes Gewebe, auf dem Brunos Leben erscheint: seine Einsamkeit, die eisige Weite vieler Jahre und die vielen Momente menschlicher Wärme und größter Geistesverwandtschaft.
Astrid Seeberger ist ein bewegender, bildgewaltiger und poetisch dichter Roman über ein europäisches Schicksal gelungen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Barbara T.
aus Hagen
5/5
10.02.2021
eBook (ePUB 3)
Eine Geschichte, die lange in Erinnerung bleibt
Astrids Mutter hat immer erzählt, dass ihr Bruder Bruno im Krieg gefallen ist. Erst nach dem Tod der Mutter erfährt Astrid, dass es eine Lüge war. Es gab nämlich Spuren, denen übrigens auch die Mutter nachgegangen war, dass Bruno den Kampf um Stalingrad überlebt hat.
Astrid, die ihre Mutter und Deutschland als siebzehnjähriges Mädchen verlassen hat und nach Schweden ausgewandert ist, beginnt die Suche nach ihrem verschollenen Onkel. Sie muss unbedingt erfahren, warum ihr Onkel nicht heimgekehrt ist. Und warum ihre Mutter gelogen hat? Welches Familiengeheimnis hat sie mit ins Grab genommen?
Die Suche hat Astrid zu den Menschen geführt, die ihrem Onkel damals begegnet sind. Aus ihren Geschichten erfährt sie nach und nach was Bruno widerfahren ist und wie er sein neues Leben gestaltet hat.
Die Geschichten, die Autorin in ihrem Buch erzählt, sind ein bewegendes Zeugnis der europäischen Geschichte in der Zeit vom Zweiten Weltkrieg bis Oktober 2015. Unter anderem berichtet sie über Lebensschicksale der Deutschen, die bis zum deutsch-sowjetischen Kämpfen in Russland gewohnt haben, über die Straflager in Sibirien und Kasachstan, sowie über die Zeit nach dem Tod von Stalin.
Auch die Geschichte Rumäniens und ergreifende Menschenschicksale unter der Diktatur von Ceausescu nehmen viel Platz in diesem hoch interessanten Buch ein.
Brunos Wegbegleiter erzählen Astrid, was sie damals erlebt haben. Einfühlsam schreibt die Autorin über die tragischen Schicksalsschläge, die sie hinnehmen mussten:
„Ein Schatten war auf ihr Leben gefallen.“ (115)
„Und sie weinten zusammen. In der Nacht konnte man die Tränen laufen lassen.“ (121)
Bewegend ist die Geschichte von Dmitri alias Hannes, der als Zwölfjähriger nach Sibirien in eine Arbeitskolonie für Kinder verbannt wurde.
Viel Kraft und Trost in der schweren Zeit spenden den Menschen Bücher, klassische Musik und Kunst. Bruno liebte die Bücher von Montaigne, Rousseau, Hölderlin, Keller, Mann, Musil, Tschechow, T. S. Eliot. Dinu, sein rumänischer Freund, liebte Musik, spielte Klavier und komponierte selbst. Naja, Dinus Schwester, studierte an der Kunstakademie in Bukarest und malte Bilder.
Auch Astrid teilt diese Interessen und erinnert sich an die Worte ihres Großvaters:
„Das Einzige, was in meinem Leben ein Zuhause gewesen ist, (….) waren die Bücher und Bilder. Die kann mir niemand jemals wegnehmen, nicht jene Bücher und Bilder, die zu meiner Herzensangelegenheit geworden sind (…….) Sie sind ein Teil von mir geworden, sie leben in mir.“ (134)
Das Buch von Astrid Seeberger fesselt und bewegt. Es kann ruhig zur Herzensangelegenheit werden.
lielo99
aus Bad Münstereifel
5/5
11.02.2020
eBook (ePUB 3)
Ein Meisterwerk in Sprache und Stil
„Denn die Bücher, die ein Mensch liest, zeigen, wer er ist.“
Die Autorin Astrid Seeberger war gerade mal 17 Jahre alt als sie ihrer Familie und ihrem Heimatland den Rücken kehrte. Ganz allein zog sie nach Schweden. Warum? Sie verabscheute die Taten der Deutschen im Zweiten Weltkrieg und wollte nichts damit zu tun haben. Sie ging sogar so weit, dass sie keine Deutsche mehr sein wollt und nahm die Schwedische Staatsbürgerschaft an. In ihrem Buch Goodbye Bukarest gilt nicht Deutschland, sondern Rumänien ihr Hauptaugenmerk.
Die Mutter Astrids erzählte ihrer Tochter immer wieder, dass ihr Bruder, der Onkel Bruno, in Stalingrad vermisst wurde. Sie beharrte darauf, dass er tot sei. Als die Mutter stirbt und Frau Seeberger deren Papiere durchsieht, stößt sie auf ein Schriftstück, welches in ihr einen Wunsch weckt. Sie möchte das Schicksal des Onkels erfahren. Dass er damals in Russland gestorben ist, glaubt sie nicht mehr. Sie macht sich auf die Suche nach Brunos Spuren. Die Reise geht durch einige Länder und das Leben des Onkels wird aus der Sicht von mehreren Menschen erzählt.
Es ist ein berührendes Buch. Es zeigt, was Diktatur bei den Menschen anrichtet und wie dankbar wir sein dürfen, in einer Demokratie zu leben. Hier liegt der Fokus nicht im Erleben des Krieges, sondern der Zeit danach. Was heißt es, ständig bespitzelt zu sein und als Feind des Diktators zu gelten? Welchen Einfluss hat die Kunst im Leben von Menschen und wie können Bilder und Bücher helfen, gefahrvolle Situationen zu meistern? Astrid Seebergers Buch zu lesen, war für mich ein Genuss. Sie schreibt so abwechslungsreich und anschaulich, dass ich Goodbye Bukarest innerhalb weniger Stunden durchlas. Gäbe es mehr als fünf Sterne, dieses Werk hätte es verdient.
Bewertung
aus Königs Wusterhausen
5/5
11.02.2020
eBook (ePUB 3)
Nadelspitzentage
Lech, der Lebensgefährte von Astrid, hat COPD und liegt mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Die Schwere und Wehmut von Astrid, die diese Tage mit Bangen und warten verbringt, verdecken nicht die Liebe und Zuneigung die zwischen den Charakteren spürbar ist. Das hat mich bereits vor der eigentlichen Geschichte rund um Bruno, Astrids verschollenem Onkel, sehr berührt. Der Schreibstil der Autorin überträgt die Emotionen der Figuren direkt auf den Leser, der Inhalt wirft einige Fragen auf. Warum wurde Bruno für Tod erklärt? Warum hat Astrids Mutter ihrer Tochter nicht die ganze Geschichte erzählt? Welche Parallelen abseits der Flucht vor der Familie verbinden Nichte und Onkel? Astrid macht sich auf die Suche und erfährt von unterschiedlichen Wegbegleitern ihres Onkels nicht nur viel über sein Leben, sondern auch über die Zustände von Kriegsgefangenen oder Systemkritikern in russischen Straflagern, die Entwicklung Rumäniens durch die zweite Hälfte des 20 Jahrhunderts und nicht zuletzt über die Möglichkeiten die Kunst als Anker in unruhigen Zeiten bieten kann. Mir haben besonders die fein gezeichneten Charaktere und der unaufgeregte, dabei sehr feinfühlig intensive, Erzählstil der Autorin gefallen.
Bewertung
aus Ober-Grafendorf
4/5
08.02.2020
eBook (ePUB 3)
Eintauchen in die Vergangenheit
Goodbye Bukarest ist eine Geschichte mit enormen Mehrwert - sei es für Leute, die selber noch die Spuren des Krieges in sich tragen (Gefangenschaft, Vermisste Verwandte), oder für die jüngeren Generationen um immer wieder die Auswirkungen des Krieges in Erinnerung zu rufen.
In diesem Buch wird die Geschichte bzw. die Suche nach dem verschollenen Onkel erzählt. In der Familie wird über Brunos Schicksal geschwiegen. Ist er in einer Schlacht gefallen? Um die Wahrheit zu finden, muss man in die Vergangenheit auf Spurensuche reisen.
In diesem Buch steht insebesondere der Krieg im Vordergrund - die Protagonisten wirken teilweise etwas schwach skizziert. In meinen Augen ist das aber vollkommen in Ordnung, weil es eben einen anderen Schwerpunkt in diesem Buch gibt.
Ein tolles Buch, mit viel Mehrwert, denn auch ich kann es mir nicht ausmalen, wie es damals im Krieg gewesen ist.
yellowdog
5/5
28.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Auf der Suche nach Bruno
Dieses autobiografisch geprägte Buch der in Schweden lebenden Autorin Astrid Seeberger beschreibt ihre Recherche nach ihrem Onkel Bruno, der im Krieg vermisst und für tot gehalten wurde. Er war im Krieg als Flieger unterwegs, wurde gefangen genommen und in Lager in Sibirien und Kasachstan geschafft. Später ging er nach Bukarest, Rumänien und erlebt die Diktatur unter Ceausescu.
Diese Spurensuche folgt den Berichten von Menschen, die Bruno kannten, und das über die Jahrzehnte. Da sind Dmitri, der schon als Junge in ein Lager gekommen ist und Dinu, ein Komponist aus Rumänien. Später auch Jakob, Brunos Sohn.
Dadurch entsteht ein Porträt des Menschen Bruno, aber auch die anderen Figuren sind eindrucksvoll. Diese Figuren werden wirklich entwickelt und wirken realistisch und lebensnah.
Überaus gelungen sind die Beschreibungen durch das ganze Buch, aber insbesondere die über das Leben in Bukarest sind brillant.
Ein großartiges Buch, verfasst in einem eleganten Stil!
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3/5
18.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mit dem nüchternen Stil dieser...
Mit dem nüchternen Stil dieser dramatischen Familiengeschichte habe ich mich schwer getan. Der harte Ton ließ sich für mich nicht mit den bewegenden Lebensläufen der Protagonisten in Einklang bringen. Womöglich klärt sich manches nicht nachvollziehbare in den Folgebänden auf.
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