Der kanadische Kultroman über eines der schönsten und ungewöhnlichsten Paare der Literatur, das in einem alten VW-Bus von Québec bis nach San Francisco fährt, ist unvergesslich.
Der Zufall führt sie zusammen. Jack Waterman, ein schweigsamer Träumer in der Schreibkrise, auf der Suche nach seinem Bruder Théo. Und die Halb-Innu Pitsémine, rastlos und lesewütig, wegen ihrer langen, dünnen Beine auch die Große Heuschrecke genannt. Mit einer Nähe, die nur Fremde verbindet, tun sie sich zusammen. Sie sichten alte Karten und Bücher, suchen das traurigste Chanson der Welt, und durchqueren auf Théos Spur in Jacks altem VW-Bus den Kontinent, von Québec bis San Francisco. Mit seinem Kultroman über eines der ungewöhnlichsten Paare der Literatur ist der gefeierte kanadische Autor Jacques Poulin endlich auch hier zu entdecken. Eine Roadnovel voller Weite, erzählt mit feinem Witz und einer seltenen Wärme.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Kaffeeelse
5/5
03.11.2020
eBook (ePUB)
Roadtrip durch Amerika mit einem Blick auf die Vergangenheit
Dieses Buch konnte mich richtig begeistern. Ein Roadtrip durch Amerika wird hier beschrieben. Zwei vollkommen unterschiedliche Menschen begegnen sich und fahren gemeinsam durch Amerika. Jack Waterman, ein Schriftsteller, auf der Suche nach seinem Bruder Théo und die unstete und lesebegeisterte Halbindianerin Pitsémine, vom Schriftsteller Jack liebevoll wegen ihrer langen Beine Große Heuschrecke genannt, reisen zusammen von Quebec bis nach San Francisco in einem alten VW-Bus. So schrullig und liebevoll wie die beiden gezeichnet werden, erinnert mich das Ganze sehr an den französischen Film mit der wunderbaren Amelie. Doch genauso warmherzig wie die beiden beschrieben werden, wie die Annäherung der beiden funktioniert, werden auch Blicke auf die Geschichte Amerikas geworfen, auf die Annäherung der Weißen an die Indianer, die wenig warmherzig verlief, was auch immer wieder zum Ausdruck kommt und auch ungeheuer wichtig ist, denn nur ein nicht Vergessen und ein Aufarbeiten kann das Ganze verändern. Von daher kann die Annäherung der beiden Protagonisten auch als eine Metapher gedeutet werden. Wobei diese Annäherung der beiden Hauptfiguren auch voller weiser Blicke auf das Leben ist und sehr zum Nachdenken anregt. Allesamt ist dieses Buch eine perfekt gelungene Betrachtung der Eroberung Amerikas durch die europäischen Menschen und gleichzeitig ein wirklich gelungener Blick auf den Menschen und sein Handeln und Denken, egal ob Europäer oder Indianer, und damit auch ein Plädoyer gegen die Diskriminierung und ebenso ist dieses Buch eine Feier der Bibliophilie. Wunderbar! Und genauso interessant ist es, dass dieser in Amerika/Kanada schon 1984 erschienener Roman nun auch bei uns erschienen ist oder besser gesagt, erst jetzt bei uns erschienen ist. Ich wünsche diesem Buch wirklich viele Leser!!!
gaia
1/5
21.09.2020
eBook (ePUB)
"Kultroman" ist nicht gleichzusetzen mit "Qualität"
In diesem "modernen Klassiker der frankokanadischen Literatur" macht sich ein Schriftsteller mit einem flüchtig getroffenen Mädchen auf die Suche nach seinem Bruder. Dabei passieren sie mit dem Bulli des Schriftstellers einige historische Wegpunkte frankokanadischer und amerikanischer Siedler des 17. bis 19. Jahrhunderts zwischen dem Start in Gaspé und San Francisco. Das Ganze spielt Anfang der 1980er Jahre.
Ich habe mich durch diesen Roman wirklich buchstäblich durchquälen müssen. Leider besitzt das Buch keinen sinnvollen, gut durchdachten Plot, sondern einfach nur einen banalen Erzählstrang zwischen dem Ausgangspunkt (zwei Menschen fahren einfach mal fröhlich los, um den Bruder des einen zu finden) und dem Endpunkt in San Francisco. Zwischendrin vergeht die Zeit nur geähnend langsam, gefüllt mit belanglosen Dialogen zwischen den unglaubwürdig innig verbundenen Fremden und "Faktenruntergerassel" zur Siedlerbewegung und Ureinwohnerauslöschung in Amerika. Das hier ist definitiv kein abwechslungsreicher oder gar amüsanter Roadtrip. Der Schreibstil des Autors - oder die Übersetzung, wer weiß das schon - ist so unglaublich belanglos und unspekatulär, dass ich mitunter mehrfach auf einer Seite (!) eingeschlafen bin. Hätte es sich nicht um ein Rezensionsexemplar gehandelt, ich hätte die Lektüre liebend gern spätestens auf Seite 50 abgebrochen. Die Figuren bleiben durchweg uninteressant und blass, versuchen sich selbst aber in "tiefgründigen", küchenpsychologischen Betrachtungen. Da der Schriftsteller im Roman gerade in einer Mitlife Crisis mit vermutlicher Schreibblockade festsitzt, vermute ich selbigen Gemütszustand beim Autor des Buches während dessen Entstehung. Leider scheint er durch das Schreiben nicht da rausgekommen zu sein.
Letztendlich habe ich mich zwei Dinge gefragt: Was gibt mir die Lektüre im Hier und Heute? Tatsächlich nichts Tiefgründiges. Wer mehr über die Siedler in Amerika oder die Ureinwohner wissen möchte, sollte zu anderen, qualitativ hochwertigeren Veröffentlichungen greifen. Und meine zweite Frage war, warum wird dieser Roman erst jetzt ins Deutsche übersetzt, wenn er doch so ein Klassiker ist? Genau, weil gerade Kanada das Gastland der Frankfurter Buchmesse ist/sein sollte. Ich denke, es gibt gute Gründe, warum bisher niemanden die Übersetzung dieses Romans gereizt hat und wenig gute Gründe diese Auflage jetzt unbedingt zu lesen. Mich konnte der Roman gar nicht überzeugen und die Lektüre war aus meiner Sicht reinste Zeitverschwendung. Sehr schade.
Bewertung
aus Oed-Oehling
5/5
28.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Stilles "Roadmovie"
Volkswagen Blues von Jacques Poulin wird schon als Kultbuch gepriesen, soweit würde ich zwar nicht gehen, das soll das Buch allerdings keineswegs herabwürdigen. Dieses geschriebene Roadmovie ist ein sehr ruhiges Buch, was aber meiner Meinung nach genau seine große Stärke ist. So wird die mehr oder weniger abenteuerliche Reise der beiden Hauptcharaktere Jack und Pitsémine in ihrer Langsamkeit sehr authentisch geschildert. Ihre Suche nach Jacks Bruder fließt eigentlich unspektakulär dahin, immer wieder unterbrochen und gleichzeitig bereichert von Nebengeschichten und teilweise unterhaltsamen Ereignissen. Die Beziehung der beiden entwickelt sich ebenso unaufgeregt und Pitsémines Katze und der VW Bus sind als Nebendarsteller eine absolute Bereicherung.
Diese unaufgeregte Handlungsschilderung ist sicherlich nicht jedermanns (-fraus) Sache, doch empfinde ich sie als perfektes Stilmittel für dieses Buch. Eine so lange Reise kann man meines Erachtens nur so perfekt schildern und die kleinen Geschichten rundherum, vor allem die Besiedlungs- und Ureinwohnerproblematik Amerikas betreffend, sind eine schöne Bereicherung.
Wie anfangs erwähnt, vielleicht kein Kultbuch, aber ein sehr unterhaltsamer stiller Roman und von meiner Seite eine absolute Leseempfehlung.
Bewertung
aus Halle
5/5
30.09.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein gutes "Roadmovie"
Jack und ein Mädchen mit dem Spitznamen "die große Heuschrecke" machen sich in einem VW Bulli auf den Weg durch Amerika. Zwischendurch legen sie einige Zwischenstopps ein. Jack möchte seinen Bruder finden, den er viele Jahre nicht gesehen hat. So beginnt für die beiden eine Reise durch geschichtsträchtige Orte.
Eigentlich gehört diese Sorte Buch nicht zu meinem "Beuteschema". Trotzdem fand ich das Buch recht interessant. Man erfährt einiges an geschichtlichen Begebenheiten. Vor allem zur indianischen Geschichte, da die große Heuschrecke zur Hälfte indianischen Ursprungs ist. Diese Sachen fand ich besonders interessant.
Ich fand es schade, dass man nicht so viel über die beiden Protagonisten erfährt. Für meinen Geschmack hätten es mehr Details sein dürfen.
Sprachlich ist dieses Buch verständlich geschrieben. Es ist aber trotzdem auch eine anspruchsvolle Lektüre. Ich musste mich beim Lesen sehr konzentrieren, durch die ganzen geschichtlichen Fakten. Es ist nichts, was man mal eben zwischendurch liest.
Abschließend kann ich sagen, dass mir das Buch gut gefallen hat.
Petra Gruber
aus Österreich
5/5
29.09.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
On the Road
Das Cover:
Ein wenig gelblich verfärbt, ein altes Foto, darauf eine gerade Straße, die Richtung Berge führt und ein rot-weißer VW Bulli. Die Schrift in Weiß, Weinrot und Orange, es lässt an 70er Jahre denken, an alte Reisebilder. Es erzeugt Fernweh und mach Lust zu erkunden, worum es in diesem Roman geht.
Der Titel:
Volkswagen Blues, klingt schön, ist voller Bedeutungen. Offensichtlich ist, dass die Protagonisten mit eine VW Bus unterwegs sind, das erfahren wir aus dem Klappentext. Der Blues, das ist einerseits Musik, aber andererseits auch Traurigkeit, auf einer Reisen mit einem alten Kleinbus kann es schonmal VW Blues geben, oder auch einfach nur den Blues des Lebens.
Die Zeit:
Beginnt man zu lesen, weiß man erst nicht recht, in welcher Zeit die Geschichte spielt. VW Busse sind ja gerade wieder sehr in, ich dachte erst, wir würden uns in der Aktualität bewegen. Schnell wird klar, dass dem nicht so ist. Wir befinden uns in den frühen 80ern bzw. späten 70ern. Reisen werden mit Karten geplant, mit Büchern und Infos aus dem Fremdenverkehrsamt. Keine Handys, kein GPS, keine Apps. Ich wurde richtig sentimental, denn so habe auch ich zu reisen begonnen. Irgendwie war das schön, abenteuerlicher als heute, poetischer.
Die Geschichte:
Jack Waterman, kanadischer Autor aus Montréal macht sich aus einem Impuls heraus auf die Suche nach seinem verschollenen Bruder Théo. Letztes Lebenszeichen von ihm war eine Karte mit einem kryptischen Text aus Gaspé, abgesendet viele Jahre ehe der Roman beginnt. Auf dem Campingplatz dort fällt ihm eine junge Frau mit einem schwarzen Kätzchen auf, wenig später trifft er sie, sie ist per Anhalter unterwegs und fährt mit ihm mit.
Damit beginnt eine lange Fahrt im alten VW Bulli, die sie von Canada aus durch die USA führt, immer auf den Spuren der Siedler, der Indianer, der Eroberer Nordamerikas. Das Mädchen, deren Namen wir nie erfahren, ist Halbindianerin, sie weiß viel über die Geschichte der Indianervölker, ist eine leidenschaftliche Leserin und Museumsbesucherin. Auf den Spuren des Bruders, aber auch der Siedler, der Indianer, lernen wir die beiden besser kennen, erfahren aber auch unglaublich viel über die Geschichte der Indianer, die auch Geschichte der USA ist, allerdings ein ziemlich trauriges Kapitel.
Ob sie Théo am Ende finden, wo ihre Reise endet, ob Jack wieder zu schreiben beginnt,… Das verrate ich hier natürlich nicht!
Fazit:
Eine wunderschöne, sehr ruhig erzählte Geschichte voller interessanter Infos, voller Menschlichkeit, voller Begegnungen,… Am liebsten würde ich mich sofort auf den Weg machen und die Route hinterher reisen. Im Gepäck die vielen Bücher der beiden und mit Zwischenstopps in sämtlichen Museen, die auch sie besuchen.
Bücherlesen ist Reisen im Kopf, mit diesem Roman ganz besonders! Schön ist das!
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