Noch immer lebt Lola Randl im Großen Garten, weit weg vom Gewimmel der Großstadt. Hier glaubt sie den Neurosen der Städter entkommen zu können. Als sich im Frühjahr 2020 ein neues Virus mit kronenartigen Zacken über den gesamten Erdball ausbreitet, stellt sich jedoch schnell die Frage,wie abgeschieden man hier draußen wirklich ist. Die Erzählerin wird von Fieber und Husten heimgesucht und ist sich sicher: Sie hat das Virus längst. Es dauert nicht mehr lange und die gesamte Welt scheint aus den Fugenzu geraten. Niemand weiß wirklich, wie am besten zu verfahren ist. Täglich machen neue Schreckensnachrichten die Runde, während sich eine völlig ungekannte Angst ausbreitet. Alle sollen Abstand zueinander halten, möglichst nicht mehr vor die Tür gehen. Aber gilt das auch hier in der Einöde? Und überhaupt: Wie sagt sie den anderen im Dorf, dass sie eine Gruppe Städter eingeladen hat? Während ihre Mutter nichts von dem Virus hören möchte und sich auf keinen Fall von der Gartenarbeit abhalten lassen will, suhlt sich ihr Mann in Berichten über historische Seuchen. Sie flüchtet zum Liebhaber, aber auch der ist keine große Hilfe. Zwischen alldem versucht Lola Randl zu verstehen, was das eigentlich ist, ein Virus, wie es funktioniert. Doch ihre Recherche wird gestört durch Anfragen von einer Filmproduktion, die ein Drehbuch für einen Zombiefilm von ihr wollen. So sehr sie auch versucht, die Situation möglichst rational zu erfassen: Nichts wird bleiben, wie es ist.
Kundinnen und Kunden meinen
3.5/5.0
Bewertung
aus Kaltenkirchen
5/5
19.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Corona, Zombies und Kleinstlebewesen
Lola Randls neuer Roman "Die Krone der Schöpfung" spielt auf einem Dorf in der Uckermark in Brandenburg zu Beginn der Coronazeit. In faszinierender Art und Weise führt die Autorin die Themen Virus, Infektionsgefahr, eine Zombiegeschichte und Kleinstlebewesen in kurzen, stakkatohaften Kapiteln zu einem großen Ganzen zusammen. Da wäre zum einen der Alltag der Protagonistin auf ihrem Dorf, der durch den Beginn der Coronapandemie im Frühjahr 2020, der durch Unsicherheiten, fehlenden Schutzmaßnahmen und dem Flüchten der Stadtbewohner in ihre Wochenendhäuser auf skurrile Art und Weise auf den Kopf gestellt wird. Als wäre dies nicht genug, zieht sich eine Zombiegeschichte wie ein roter Faden durch Lola Randls Werk. Die Erzählerin, bei der bis zum Ende offen bleibt, ob sie an Corona erkrankt ist oder nicht, schreibt diese, um Geld für die Renovierung ihres Hauses zu verdienen. Während sich als Wunderwaffe gegen diese Untoten letztendlich Flammenwerfer als besonders nützlich erweisen, werden immer wieder Parallelen zwischen Zombies und dem Corona-Virus angeschnitten bzw. forciert. Der Fokus hierbei liegt auf dem Infektionsweg über Kontakt. Zu guter letzt wird der Saugwurm als Beispiel für einen Parasit ausführlich beschrieben. Das Einnisten dieses Kleinstlebewesens in das Gehiorn einer Ameise verweist abermals auf eine Infektion und die Reaktion des Wirtes.
Was zunächst verwirrend erscheint entpuppt sich letztendlich als faszinierende und zugleich skurrile sowie zeitweise absurde Geschichte über das Coronavirus, dass eben das alles mit uns macht, uns verunsichern, verängstigen und manchmal skurril handeln. Ein sehr zu empfehlender Roman!
Bewertung
aus Düsseldorf
5/5
19.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Parasiten, Pandemie und Panik durch Zombies
Corona kam, sah und siegte- Lola Randl zeichnet voller schwarzem Humor, skurrilen Begebenheiten und einem Hauch von Zombie Apokalypse in "Die Krone der Schöpfung" den Siegeszug des Grippevirus, der unser alltägliches Leben seit letztem Jahr maßgeblich bestimmt.
Lola bahnt sich ihren Weg durch die Pandemie, die anfänglich nichts weiter ist, als ein lächerliches Gerücht, eine bloße Grippe, die es doch nicht in das kleine Dorf in der Uckermark schafft, diesem Kaff, in dem jeder alles und nichts weiß vom anderen. Als Corona dann doch mehr wird als ein kleiner Schnupfen, kann sich auch Lola nicht länger den Tatsachen verwehren und stellt bald selbst fest, dass der heimtückische Husten nicht die einzige Nebenwirkung von Corona ist.
Die kleinen Abschnitte sind zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig, der Stil eigenwillig, teilweise trotzig, wie ein Kind, dass sich in seinem Zimmer einschließt, um aus unbekannten Gründen zu schmollen, und die Geschichte wirkt zuerst defragmentiert, zusammenhangslos. Lola Randl schafft es jedoch mit diesem besonderen Erzählstil den Leser zu fesseln, denn ihre Geschichte beinhaltet nicht nur skurrile Begebenheiten, lächerliche Figuren und spitze Bemerkungen, sondern auch wahre Fakten zur Entwicklung der Pandemie und dem politischen Zeitgeschehen. Und so mischt sie gekonnt Realität mit Fiktion und zaubert einen strahlend bunten Cocktail von Geschichten, Figuren und Abläufen, die wirklich einnehmend sind. Der Roman zwingt den Leser dazu, sich Zeit zu nehmen, die Geschichte zu inhalieren und sich langsam vorzutasten, ähnlich der Pandemie, die schleichend unseren Alltag übernommen hat. Eine Empfehlung für alle, die bei dieser Pandemie schon einmal mit der Zombie Apokalypse geliebäugelt haben, die schwarzen Humor lieben und immer schon einmal wissen wollten, was ein Saugwurm ist, um ihn dann direkt aus dem Gehirn löschen zu wollen.
Bewertung
aus Berlin
5/5
18.12.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie ein Virus die Moral verändert
Im Frühjahr kommt die Coronapandemie auch über Deutschland. Und so auch über ein kleines Dorf in der Uckermark. Die Erzählerin der Geschichte lebte bisher ein recht beschauliches Leben mit Familie, Mutter und einschließlich Liebhaber. Doch nun wird alles durch die Angst vor dem Virus durcheinandergewirbelt. In der Geschichte werden die wichtigsten Eckdaten des Ablaufes der Pandemie eingebunden. Doch wichtiger ist eigentlich das was bei der Erzählerin durch die Ereignisse passiert. Wie sie damit umgeht und welche Konsequenzen sie daraus zieht. So hat sie eigentlich ihre Prinzipien und sie weiß ja auch was sie gerade darf und was nicht aber es fällt ihr schwer sich daran zu halten. Alles wird mit einem ironischen Unterton beschrieben. So wird die eigene Mutter in eine kleine Wohnung verbannt. Angeblich nur zu ihrem Besten. Aber nun kann man ja auch wieder die Nachbarschaft einladen. Natürlich im Garten und mit Abstand. Das Buch ist in viele kurze Kapitel aufgeteilt. Die Handlungsstränge springen hin und her. Durch die Überschriften verliert man jedoch nicht den Faden. Mir hat der Schreibstil und der ironische Unterton sehr gut gefallen. Im Grunde ist es eine kritische Betrachtung unserer Gesellschaft in der Pandemiesituation und die Autorin trifft oft mit ihren Aussagen den Nagel auf den Kopf. Wirklich gut gelungen und sehr unterhaltsam.
Bewertung
5/5
12.09.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Corona in der brandenburgischen...
Corona in der brandenburgischen Provinz. Skurril, lakonisch, fast schon Dada. Einfach genießen!
Bewertung
aus Willich
4/5
28.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ohne Humor gelesen wird das nichts ;)
Ist es überflüssig zu erwähnen, dass es sich um ein Buch der ganz speziellen Sorte handelt? Vermutlich würdest du es nicht mal in die Hand nehmen, wenn du das Cover siehst, weil es nicht viel vom Inhalt erwarten lässt. Auch ich finde das Cover nicht glücklich gewählt, da es bis auf die provokative Anbindung an den Titel kaum Korrelationen mit dem Inhalt gibt. Wobei: Wer die Erzählerin kennengelernt hat, wird wissen, dass ihr genau solch eine abstruse Kunst ähnlich sieht. Lasst euch aber nicht abschrecken!
Ich kann mir vorstellen, dass das Buch nicht jedermanns Sache ist. Vor allem die Thematik hängt uns allen schon zum Hals raus. Aber mit genügend Abstand kann ich mir vorstellen, dass es sehr amüsant sein wird, dieses Buch zu lesen. Mir ging es jetzt schon so. Da es schon im Herbst erschienen ist, endet es bereits mit der spätsommerlichen Corona-Lage. Es wäre interessant gewesen, auch die ironische Verarbeitung des aktuellen Lockdowns serviert zu bekommen à la Lola Randl. Raffiniert verpackt sie Gesellschaftskritik in Fiktion.
Der Schreibstil ist sehr künstlerisch, innovativ, besonders. Es wird mit der Sprache gespielt, der Spaß, den die Autorin dabei hatte, steht quasi in Großbuchstaben zwischen den Zeilen geschrieben. Und das Lesen war deswegen und auch wegen der kurzen Kapitel ein kurzes Vergnügen. Neben belustigten Ausdrücken wie "aber man hatte sie jedenfalls schon mal in der Hand, die Handhabe" und Neologismen wie "anachronistische Kittelschürze" ist das Einmalige der Sprache, dass sie die Erzählerin sehr authentisch erscheinen lässt und durch die Anonymität der Charaktere trotzdem auf die Distanz hält (vgl. z.B "Sie", "Er", "Der Mann", "Der Liebhaber", "Die Kinder").
Es ist gewiss kein Roman, in den man abtaucht und in ferne Welten transportiert wird. Ganz im Gegenteil: Man wird gezwungen, sich mit der eigenen Realität (Politik, Biologie, Gesellschaft und Kultur) auseinanderzusetzen und sie zu hinterfragen. Es ist keine Geschichte, in die man sich fallen lässt. Interpretation und Mitdenken sind gefragt. Es ist nicht immer eindeutig, aus wessen Sicht gerade geschrieben wird. Zum Teil tauchen wir ein in den Körper des ehemaligen US-Präsidenten :). Wenn das keine schrullige Idee der Autorin ist.
Zum Großteil handelt es sich aber um eine tagebuchartige Dokumentation der protagonistischen Erzählerin, die einen Google-Tick hat. Ständig tauchen Nonsense-Wissensbröckchen über die unterschiedlichsten Themen auf, die an sich aber interessant waren und auf den zweiten Blick mit dem Inhalt der umgebenen Kapiteln harmonierten. Dass die Protagonistin, so sympathisch sie auch ist, letztendlich doch einen an der Klatsche hat, merkt man vor allem Richtung Ende. Da wurde es mir dann doch an einer Stelle eindeutig zu abstrus. Aber insgesamt konnte mich das Büchlein durch seine innovative Art der Auffassung des Zeitgeschehens überzeugen. Die Sprache ist ironisch, provokant, on point und die ganze Geschichte, was man erst durch Aufmerksamkeit erkennt, mehr als durchdacht. Das fängt mit der Nummerierung an und hört wohl bei dem seltsamen Cover auf. Das mit der persönlichen Relevanz muss wohl jeder für sich selbst klären.
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