Johannes ist jung, musikalisch und kriegsbegeistert. Mit sechzehn Jahren zieht er im Juli 1866 als Trompetenspieler in die Schlacht von Königgrätz zwischen der österreichischen und preußischen Armee. Verletzt überlebt er, fortan fehlt ihm jedoch ein Teil von Wange und Kinn. Der junge Mann lernt zu leben mit dem, was nicht mehr da ist. Er stellt sich Spott und Ablehnung, erlernt den Beruf des Kunstschmieds und stärkt sich an seinem handwerklichen und kaufmännischen Geschick. Halt findet er in der Musik - er hat zum Cello gewechselt - und bei Valerie, seiner Liebe, die ihm zunächst unerreichbar scheint. Mit großem Gespür für ihre Figuren erzählt Brita Steinwendtner in diesem atmosphärisch dichten Roman das zeitlose Schicksal eines Mannes, dem es gelingt, den widrigen Zeitläuften die Stirn zu bieten und seine pazifistische Haltung zu wahren. "Gesicht im blinden Spiegel" entwirft das weit gespannte Panorama einer fesselnden Familien- und Zeitgeschichte über mehrere Jahrzehnte und führt in unterschiedliche Landschaften - vom "Böhmischen Paradies" über das Sensengebiet des österreichischen Steyr-Tals bis in das "weiße Haus" von Venedig. Es ist eine vielstimmig erzählte Geschichte von Krieg und trügerischem Frieden, neuen Lebensentwürfen in der Fremde und vom Heimkommen. Ein Roman über die Liebe und die Wiederkehr des Sommers.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
aus Lilienfeld
4/5
25.11.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr empfehlenswert
Der Roman hat mich sehr bewegt: Ich habe durch meine Lektüre viel historisches Wissen hinzugewonnen, gleichzeitig bin ich in den Sog einer persönlichen Geschichte hineingeraten, der mich das Buch in einem Fluss lesen ließ. Es geht zwar um Schlimmstes, was ein Mensch erleben kann; gleichzeitig zeigt die Geschichte einen tiefen Prozess positiver Bewältigung und menschlicher Größe auf. Was wirkliche Liebe bedeutet, kann man durch dieses Buch erahnen.
Auch die Botschaft "Nie wieder Krieg!" ist so deutlich, wie es jede Generation offensichtlich immer wieder braucht.
Der Teil der Geschichte, der in Venedig spielt, war mir etwas zu überladen vom offensichtlich reichen Wissen der Autorin um Kunst und Kultur.
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