Zärtlichkeit, Wut, Liebe, Verzweiflung – eine Mutter zwischen Fürsorge und Freiheit. Nach „Eine Frau am Telefon“ der neue Roman von Carole Fives
Ihr kleiner Sohn ist hübsch, blondgelockt, von allen bewundert. Doch er lässt seiner Mutter keine freie Minute. Der Vater ist abgehauen, die junge Frau hat weder Familie noch Freunde, die sie unterstützen könnten. Auch die Nachbarn, er ist Polizist, sie scheint nicht zu arbeiten, wollen nichts mit ihr zu tun haben. Wenn der Kleine endlich schläft, gönnt sich die junge Mutter kleine Fluchten. Sie verlässt die Wohnung, erst nur ganz kurz, dann immer länger. Bis sie einmal eine ganze Nacht lang wegbleibt, das Kind allein zurück in der Wohnung lässt … Carole Fives’ neuer Roman ist ein unheimliches Leseerlebnis, dem man sich nicht entziehen kann, und er zeigt zugleich, wie schwierig und ausweglos die Lage alleinerziehender Frauen sein kann.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Dieses Buch erzählt die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter. Die Probleme die sie hat, ihr ganzes Leben, sind so alltäglich, dass sich jede Frau mit Kind darin wieder erkennt, ob allein erziehend oder nicht. Mal 5 Minuten für sich selbst sein, wacht das Kind schon wieder auf?
Die Sprache, die Erzählweise- man kann es kaum aus der Hand legen.
Bewertung
5/5
06.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine alleinerziehende junge Frau lebt mit ihrem kleinen Sohn in der anonymen Großstadt Lyon. Sie ist hin- und hergerissen zwischen Mutterliebe und Überforderung und das Geld ist knapp. Unterstützung hat sie keine. Auch die einschlägigen Internetforen helfen wenig. Manchmal gönnt sie sich heimlich eine kleine Auszeit, nachts, wenn der Junge schläft – mit Handy-Babyphone-App und mit schlechtem Gewissen. Man weiß ja nie, was so alles passieren kann.
Miss.mesmerized
5/5
16.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Carole Fives - Kleine Fluchten
Wenn man sie sieht, mit ihrem kleinen Sohn, kann man nur neidisch werden, so hübsch das Kind, sicherlich ein Wunschkind, das die Eltern glücklich macht. Doch hinter der verschlossenen Wohnungstür ist gar nichts glücklich. Der Kindsvater schon seit über einem Jahr spurlos verschwunden und die Mutter am Ende ihrer Kräfte. Alles muss sie alleine managen, keine freie Minute bleibt ihr, der Junge tyrannisiert sie rund um die Uhr. Ihren Job als freiberufliche Grafikerin kann sie schon lange nicht mehr ausüben, keine Zeit, denn immer will das Kind etwas, fordert ihre Aufmerksamkeit ein. Das Geld wird knapp, die Sorgen größer, noch nicht einmal in der Anonymität des Internets kann sie Trost finden. Einzig kleine Fluchten, die sie sich zunehmend erlaubt, schenken ihr die Illusion von einer anderen Möglichkeit, einem anderen Leben als dem ihren.
„Kleine Fluchten“ ist Carole Fives vierter Roman, der zweite, der in deutscher Übersetzung erschienen ist. Die Autorin thematisiert in diesem ein gesellschaftliches Tabu, mit dem ihre Protagonistin allein gelassen wird und das sie an den Rand ihrer Kräfte bringt. Die alleinerziehende Mutter, die sich ausgelaugt und erschöpft fühlt und keineswegs mehr die große Freude über die Mutterschaft empfinden kann, die man von ihr erwartet. Tapfer bemüht sie sich die Rolle der aufopferungsvollen Versorgerin zu spielen, die sich nicht beklagt. Dass sie selbst dabei auf der Strecke bleibt, schein irrelevant.
Die namenlose Protagonistin, die erst am Ende als Madame Leroy einmal identifiziert wird, ist unsichtbar für die Außenwelt. Sie wird über ihre Funktion als Mutter wahrgenommen und hat irgendwann selbst schon den Eindruck, dass der Buggy fast zu ihrem Körper gehört. Sie beugt sich dem gesellschaftlichen Druck, will die Erwartungen erfüllen, um nicht als Problemfall zu gelten, obwohl sie im Hausflur deutlich zu spüren bekommt, dass man mit ihr nichts zu tun haben möchte. Die ausstehenden Mieten, das unerzogene Kind – wer sonst hat dies zu verantworten als die Mutter?
Nachts, wenn der Junge endlich schläft, schleicht sie sich aus der Wohnung, geht zum Fluss, um sich wieder als Mensch zu fühlen, der sie einmal war. Nur wenige Minuten erlaubt sie sich. Dann etwas mehr, es kann ja eigentlich nichts geschehen, wenn der Junge schlafend im Bett liegt. Doch immer schmerzlicher wird ihr dabei auch bewusst, was sie alles nicht mehr ist. Sie hat keine Freunde, keine Kollegen, denn in ihrem Beruf kann man keine Rücksicht auf ihr Muttersein nehmen, warum kann sie sich aber auch nicht besser organisieren?
Nach dem Vater fragt niemand. Auch in den anonymen Foren, die sie immer wieder aufsucht, erleben Frauen, die von ihren Sorgen berichten, Ablehnung und Hass. Statt Solidarität treffen sie auf jene Supermütter, denen scheinbar alles locker gelingt und die sie noch tiefer in den Abgrund stürzen, in den sie eh schon fallen. Immer müssen sie sich rechtfertigen, im Job, auf den Ämtern, man schreibt ihnen allein die Schuld für ihre prekäre Situation zu und für jede Trotzreaktion des Kindes in der Öffentlichkeit ernten sie missbilligende Blicke.
Man spürt, wie sich die Protagonistin einem kritischen Punkt nähert. Bang antizipiert man, wozu sie bereit sein könnte, um diesem Leben, das sie zu erdrücken droht, ein Ende zu setzen. Carole Fives schildert die unschönen Seiten der Elternschaft, schonungslos legt sie offen, wie es zunehmend schwerer wird, den tagtäglichen Kampf zu gewinnen und zu überleben. Die Verzweiflung und Erschöpfung springen einem aus jeder Zeile an und machen den Roman zu einem emotional intensiven Leseerlebnis. Zwei ganz essentielle Fragen resultieren aus der Geschichte: wo sind die Väter? Und warum sind wir nicht ehrlich und reden darüber, dass Kinder und deren Erziehung nicht immer nur eitler Sonnenschein sind.
Loreley
4/5
02.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
überforderte Mutter
Das Buch gibt Einblick in den Alltag einer überlasteten alleinerziehenden Mutter, die anfängt nachts die Wohnung zu verlassen und ihr Kleinkindzu sich selbst zu überlassen.
Ich kann verstehen, dass die Frau überfordert ist und sich alleingelassen fühlt. Trotzdem hätte sie beim Jugendamt um Hilfe bitten können oder eine Annonce aufgegeben können, da sie ihr eigenes Verhalten reflektieren konnte. Sie macht mich wütend, dennoch ist es dem Buch gelungen, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten und zu veranschaulichen, wie Frauen von der Gesellschaft stigmatisiert werden.
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5/5
12.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Modernes Muttertum
Ein wunderbar kurzweiliger Roman, der eine recht ernste Thematik seziert - die Rolle der Mutter in der heutigen Gesellschaft. Nachvollziehbar, ehrlich und wirklich wortgewandt lädt Fives hier zum Nachdenken ein und lässt ihre Erzählung noch lange Nachwirken. Zum Weglesen!
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5/5
22.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Immer 100 % geben müssen - immer funktionieren...
Sie geht raus, nur ganz kurz - zuerst. Nachts, wenn der kleine Sohn endlich zur Ruhe gekommen ist und schläft. Sie muss sich diese kleinen Fluchten nehmen sonst schafft sie es nicht - hält es nicht aus. Immer allein mit dem Kind, immer für alles selber verantwortlich, immer 100 % - ohne Hilfe...
Besser kann man die Situation einer alleinerziehenden Mutter, die niemanden zur Unterstützung an der Seite hat, nicht schildern. Der tägliche Kampf, das Unverständnis von außen.
Ein Roman, der mich überrollt und sehr, sehr nachdenklich gemacht hat. Ausgezeichnet!
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4/5
15.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
sehr ehrlich....
Zärtlichkeit, Liebe, Einsamkeit und Verzweiflung treffen hier aufeinander. Eine alleinstehende Mutter im Hamsterrad ihres Lebens. Ehrlich, mutig und sehr sehr offen erzählt!
Sehr ehrlich, sehr persönlich und stets mit dem Unterton der drohenden Gefahr.
Sowohl spannend, als auch in seiner Authentizität bedrückend und befreiend zugleich.
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