Ein wertvolles österreichisches Kulturgut, die Skulptur „Der Verdrüssliche“ von Franz Xaver Messerschmidt, ist unter dubiosen Umständen ans Getty Museum von Los Angeles verkauft worden. Das erfährt Dr. Carola Broggiato, eine ehemalige Mitarbeiterin des Bundesdenkmalamts, durch Zufall. Sie will mehr erfahren, recherchiert und stößt auf Ungereimtheiten. Welche Rolle spielte der österreichische Staat beim Verkauf der Skulptur? In Wien beginnt ein Vexierspiel voller Überraschungen, bei dem so manches aufgedeckt wird, was andere lieber unter den Teppich gekehrt hätten.
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Ein Krimi ohne Leiche, historischer und feministischer Roman in einem, absolutes Lieblingsbuch!
In dem Roman von Eva Holzmair geht es um eine verschwundene Alabasterbüste, eines der über fünfzig Selbstportraits des deutsch-österreichischen Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt (1736 – 1783). Die Handlung spielt sich aus der Sicht von drei Figuren ab. Die erste ist Dr. Carola Broggiato, eine pensionierte Hofrätin mit einem Krebsleiden. Brogiatto arbeitete „in ihrer aktiven Zeit“ im österreichischen Bundesdenkmalamt und ist eine begeisterte Kunstliebhaberin. Sie erfährt durch Zufall, dass die Skulptur „Der Verdrüssliche“ von dem Künstler Franz Xaver Messerschmidt das Wiener Kunstmuseum Belvedere verlassen hat. Es wurde verkauft, offenbar ohne dass Informationen über dieses Geschäft an die Öffentlichkeit drangen. Broggiato weiß aus ihrer Zeit als aktive Hofrätin, dass die Skulptur normalerweise Österreich nur als Leihgabe hätte verlassen dürfen und beginnt zu ermitteln.
Die zweite Perspektivfigur ist die junge Malerin Gitta Hausladen. Hausladen hat einen Aufenthalt in einer psychatrischen Klinik hinter sich und versucht, sich wieder in den Alltag einzugewöhnen und sich um ihr Kind im Grundschulalter zu kümmern. Hartnäckig kämpft Hausladen gegen ihre gelegentlichen Wahnvorstellungen und ständigen Selbstzweifel an. Allmählich kristallisiert sich heraus, dass Mitglieder der Familie Hausladen verstrickt sind in die zentrale Frage des Romans: Was ist mit der Skulptur des „Verdrüsslichen“ geschehen?
Die dritte Perspektive, vielleicht die, die mir am besten gefallen hat, ist sicher die ausgefallenste. Der Charakterkopf „Der Verdrüssliche“ kommentiert die Gegenwart und erzählt von seiner jahrhundertelangen Vergangenheit. Die Figurensprache ist Holzmair hier ganz besonders gelungen. Ein wenig altertümlich, ohne altbacksch zu wirken, voller Witz und Lebensweisheit.
Die drei Handlungsstränge, die zunächst scheinbar nichts miteinander zu tun haben, verweben sich, schaukeln die Spannung hoch und enden in der überraschenden und schlüssigen Auflösung des Falls.
Holzmair ist ein spannender Krimi gelungen, der mich wie ein historischer Roman mit dem Wirken Messerschmidts und der Gesellschaft im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert vertraut macht. „Der Verdrüssliche“ ist auch ein feministischer Roman. Die Figuren der Dr. Broggiato und der Künstlerin Hausladen kämpfen trotz ihrer jeweiligen Krankheit um Anerkennung und Selbstbestimmung. Sie lassen sich von Konventionen oder Hindernissen manchmal kurz bremsen, jedoch nie aus der Bahn schlagen. Letztendlich ist Holzmairs Roman auch einfach ein belletristischer Leckerbissen, der allein wegen seines geschliffenen Schreibstils, der prägnanten Sprache und der einfühlenden Figurenpsychologie eine eindeutige Leseempfehlung verdient hat. „Der Verdrüssliche“ hat mich sehr beeindruckt.
ElliP
aus Hessen
5/5
14.05.2021
Buch (Taschenbuch)
Der Mensch ist gut, nur die…
Der Mensch ist gut, nur die Leut‘ sind schlecht (Nestroy). Ein grandioses Lesevergnügen, bei dem der Leser selbst aktiv werden und mitdenken muss. Die drei Erzählstränge – fantasievoll, anregend und intelligent – sind miteinander verwoben, was sich erst nach und nach offenbart. Ein besonders skurriler und famoser Erzähler ist der titelgebende Charakterkopf, der so viel erlebt, über die Jahrhunderte hinweg als genauer Beobachter die Welt und seine Umgebung betrachtet und Schlüsse gezogen hat – ein redseliger Alter, der sein Hier und Jetzt immer wieder forsch bezwingt und mit der Zeit geht – that’s the way you do it. Dann erleben wir die kluge, gezeichnete Carola, Frau Dr. Hofrätin, die sich noch einmal abschließend ihrer Lieblingsaufgabe widmet. Das Trio komplettiert Gitta, die empfindsame, fragile und talentierte Künstlerin, die dabei ist, das Leben zu üben und zu meistern. Jeder ist auf seine Art und Weise gefangen und begrenzt, versteht es aber auch mit unterschiedlichen Ausdrucksmitteln sich zu offenbaren und mit der Welt in Kontakt zu treten. Und alle drei verbindet eine große Leidenschaft… Es geht um Kunst, um Kommerz, die Welt der Museen und der Meisterwerke, um Kunstmäzene, Raubkunst, Nazigrößen, Katzen und Ratten, Schein und Sein, letztendlich um das Wahre und Echte im Leben. Spannend wie ein Thriller liest sich dieser Roman, peu a peu verfolgen wir den Weg des Verdrüsslichen und finden heraus, ob er schon bei seinem letzten Ziel angekommen ist und sein Glück finden kann.
Sikal
4/5
29.08.2021
Buch (Taschenbuch)
Ungewöhnliche und komplexe Story
Über dubiose Kanäle gelangt ein wertvolles österreichisches Kulturgut – die Skulptur „Der Verdrüssliche“ von F.X. Messerschmidt – ans Getty Museum von Los Angeles. Als davon Dr. Carola Broggiato erfährt, setzt sich dieser Gedanke in ihrem Kopf fest, dass hier wohl nicht alles mit rechten Dingen zuging. Als ehemalige Mitarbeiterin des Bundesdenkmalamts ist Carola Expertin für Kunst und Kultur in Österreich und stößt bei ihren Recherchen auf einige Ungereimtheiten in diesem Fall.
In einem weiteren Erzählstrang erfährt man über die Probleme Gittas, die an psychischen Störungen leidet und sich nur in ihrer Malerei zu Hause fühlt. Mit dem Leben überfordert, muss sie erst mit Hilfe einer Freundin lernen, durch den Tag zu kommen und ihre Aufgaben zu bewältigen. Doch letztendlich schafft sie es über sich hinauszuwachsen.
„Wer im Verdrüsslichen nur eine Büste sieht, hört ihm nicht zu.“
Doch dies darf man im dritten Erzählstrang, in dem der Verdrüssliche selbst zu Wort kommt und seine 200-jährige-Geschichte erzählt. Die Alabaster-Büste hat eine bewegte Reise hinter sich bevor diese im Getty-Museum landet und so gerne nach Hause möchte.
Die Autorin Eva Holzmair schafft es mit einem feinen Gespür für Sprache, der Geschichte die jeweilig erforderliche Nuance zu geben.
Alle drei Erzählstränge sind für sich interessant und spannend zu lesen. Man fragt sich während des Lesens wie diese nun zusammenhängen könnten – was man erst relativ spät erfährt. Doch bis zum Ende sind die Fäden fest verwoben und man wird mit einer ungewöhnlichen Auflösung der komplexen Geschichte belohnt.
Ein lesenswerter Kulturkrimi, dem ich gerne 4 Sterne gebe.
Bewertung
aus Nittendorf
4/5
17.05.2021
Buch (Taschenbuch)
Kluge Krimigeschichte
Eine von die Messerschmidts Kopfstücke "Der Verdrüssliche " ist unter dubiösen Umständen aus Museum von Los Angeles verkauft. Durch Zufall erfährt über das Dr. Carola Broggiato, ehemalige Mitarbeiterin des Bundesdenkmalamts, ihr geht die Sache nichts aus den Kopf und Carola beginnt recherchieren ....
Am Anfang die Autorin präsentiert uns drei Erzählstränge, ehrlich war ich bisschen verwirrt was die zusammen zu tun haben, dann die drei kommen immer nah zu sich und am Ende sind wie der Zopf dicht geflochten. Diese Krimi ist klug und ruhig geschrieben, hier ist keine große Spannung oder blutige Gelegenheiten , nein der Krimi fesselt durch die psychologische menschliche Porträten und durch die unterschiedlichen Zeitebenen.
Die Personen hier, besonders die Carola und Gitta sind ausgezeichnet dargestellt, die eine litt unter die Krebserkrankung , die zweite über die psychischen Störungen, beide haben zu kämpfen und beide haben jemanden wichtigen im Leben, Carola der Kater Jari und Gitta der Sohn Bernhard. Die beide beschreibt die Autorin mit viel fein Gefühl und für mich sind die beide die große Heldinnen von diese Geschichte.
Diese ausergewönliche und sehr klug geschriebene Geschichte für alle Fans von die intellektuellen Krimi wird ein Lesegenuss !
Gertie G.
aus Wien
3/5
02.05.2021
Buch (Taschenbuch)
Hat noch ein wenig Luft nach oben
Dieser Kunstkrimi besteht aus mehreren Handlungssträngen, die vorerst kaum Zusammenhänge erahnen lassen.
Die pensionierte Mitarbeiterin des Bundesdenkmalsamtes, Dr. Carola Broggiato, entdeckt, dass „der Verdrüssliche“, eine der 52 von Franz Xaver Messerschmidt (1736-1783) geschaffenen Büsten in das Getty-Museum nach Los Angeles verkauft worden ist. Dabei hätte die Ausfuhrgenehmigung gar nicht erteilt werden dürfen, da es sich bei diesem Charakterkopf um österreichisches Kulturgut von höchstem Stellenwert handelt.
Gemeinsam mit dem Journalisten Marc Radek beginnt sie die Umstände dieses Verkaufs zu recherchieren.
Ein weiterer Handlungsstrang ist das Familienleben von Gitta, Paul und Bernhard Hausladen, das in Auflösung begriffen ist. Gitta ist eine Malerin, die an diversen psychischen Störungen leidet und kaum den Alltag bewältigen kann. Erst als sie von Paul, der allerlei Geheimnisse mit sich herumträgt, verlassen wird, gelingt es ihr mithilfe ihrer Freundin, langsam wieder Tritt zu fassen.
In einem dritten Handlungsstrang, der in der Vergangenheit spielt, kommt die Skulptur selbst zu Wort.
Langsam und durch die vielen Andeutungen verwirrend, lässt sich eine Verbindung der gegenwärtigen Handlungsstränge erahnen. Wie das Ganze zusammenhängt, erschließt sich dem Leser erst sehr spät.
Meine Meinung:
Dieser Roman von Eva Holzmair wird als „packend, auf wahren Begebenheiten rund um Kunst und Korruption basierend“ beschrieben. Natürlich musste ich das Buch lesen! Als Wienerin und Liebhaberin von komplexen Kriminalromanen habe ich mich auf spannende Lesestunden gefreut. Doch leider hat mich das Buch enttäuscht.
Die eigentliche Krimihandlung, die ich hier jetzt nicht verrate, setzt erst ziemlich spät ein. Ja, es geht um undurchsichtige Geschäfte mit Kunstwerken und die unrühmliche Rolle, die Mitglieder der Museen spielen. Spätestens seit dem Raub der „Saliera“ weiß die ganze Welt, dass in österreichischen Museen nicht alles Gold ist, was glänzt. Und die Machenschaften rund um in der NS-Zeit geraubte Kunstschätze beschäftigen noch heute die Gerichte.
Die Idee hat mir ausgezeichnet gefallen. Was wäre das für ein fesselnder Krimi geworden! Doch leider wird durch die langatmige und ausufernde Beschreibung von Gittas Seelenleben und ihres nicht bewältigten Alltages, die Spannung zerrissen. Für den Verlauf des Krimis ist es völlig unerheblich, ob Bernhards Zeugnis Ziffernnoten oder eine verbale Beurteilung enthält. Oder die häufigen Auftritte von Jarolim, Broggiatos dreibeinigem Kater. Weiters kommen zahlreiche Nebenfiguren vor, die wenig bis nichts zur Handlung beitragen. Da hätte getrost gestrafft werden können.
Gut gefallen hat mir die Figur der alten Lehrerin von Carola Broggiato. Die bringt Leben in die Geschichte.
Warum seit einiger Zeit bei Dialogen die Anführungszeichen entweder ganz weggelassen oder durch andere Zeichen ersetzt werden, entzieht sich meiner Kenntnis.
Das Cover, auf dem die Skulptur „Der Verdrüssliche“ abgebildet ist, weckt sofort Interesse. Schade, dass mich das Buch nicht so richtig fesseln konnte.
Fazit:
Ein verwirrender Krimi aus dem Kunstmilieu, dem ich leider nur 3 Sterne geben kann.
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