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Milchmann Roman | Gewinner Man Booker Prize 2018

142

14,00 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

24.07.2021

Verlag

Tropen

Seitenzahl

464

Maße (L/B/H)

19,4/11,3/3,3 cm

Gewicht

314 g

Farbe

Melone / Anthrazit

Auflage

2. Druckauflage

Originaltitel

Milkman

Übersetzt von

Anna-Nina Kroll

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-608-50508-5

Beschreibung

Rezension

»Diese Erzählung ist so dicht, dass keine Zeit für Atempausen bleibt.[...] Ein stilistisch beeindruckender, peinigend intensiv zu lesender Fluss aus Gedanken, Beobachtungen, Erinnerungen ergießt sich über das Papier.« Gunda Bartels, Tagesspiegel, 24.05.2020 ("Tagesspiegel")
»Warum die Opfer sexualisierter Gewalt manchmal darüber schweigen, weshalb Erzählen unendliche Kraft kostet und wie sich Angst und Verzweiflung in Herz und Hirn fressen wie Batteriesäure, beschreibt Burns in diesem Werk ohne Pathos und mit so einfacher Sprache, dass das Lesen schmerzt. Auszuhalten ist das bloß, weil man der Protagonistin etwas voraushat: Der Milchmann wird sterben, man erfährt es gleich auf der ersten Seite. Und die Erzählerin? Findet ihre Stimme wieder. Sie erzählt uns ja davon.« Elisa von Hof, Spiegel.de, 25.03.2020 ("SPIEGEL Online")
»Die Lage ist rabenschwarz, aber komisch ist sie eben auch, dank der Überdeutlichkeit, zu der das Absurde seine Gestalten ausbildet. Für den Leser heißt es, dass er diese Spannung zwischen Witz und Qual aushalten muss. Es ist ein Erlebnis von verblüffender Intensität.« Burkhard Müller, Die Zeit, 13.03.2020 ("Die Zeit")
»Obwohl der reale Hintergrund des Geschehens sich bald abzeichnet, gelingt es Burns, ihre Romanwelt über dem rein Faktischen in der Schwebe zu halten und grundsätzlich das Wahnhafte, Groteske, die Seelen durch und durch Vergiftende eines solchen Kriegszustands fassbar zu machen. [...] Schwere Kost, möchte man denken; aber die Schriftstellerin legt ihre Geschichte einer hinreissenden Erzählerin in den Mund. [...] Die so geschaffene Möglichkeit, eine jugendliche Stimme mit vertiefter Reflexion zu unterlegen, setzt Burns in einen zugleich lässigen und präzisen, mit schwarzem Humor gesäumten Sprachduktus um, den Anna-Nina Kroll gewandt ins Deutsche gebracht hat.« Angela Schader, Neue Zürcher Zeitung, 07.03.2020 ("Neue Zürcher Zeitung")
»[Burns] tut dies mit heilsamen Humor und einer wunderbar eigenwilligen Sprache« Simone von Büren, NZZ am Sonntag, 23.02.2020 ("NZZ am Sonntag")
»Dieses ungewöhnliche, eindringliche und großartig übersetzte Buch mit all den ausufernden, dramatischen, aber auch komischen Exkursen, ähnlich einem großen inneren Monolog, überzeugt mit kraftvoller Sprache und ist keine ganz leichte, aber eine überaus lohnende und über weite Strecken sehr unterhaltsame Lektüre.« Christine Schwalbe, Neue-Buchtipps.de, 13.07.2020 ("Neue-Buchtipps.de")
»Der Roman ist groß. (…)Möglicherweise hat Anna Burns sogar die einzig angemessene Art gefunden, sich einem Konflikt dieses Ausmaßes schreibend zu nähern. Es lohnt, sich darauf einzulassen.« Elisabeth Mayer, Bücher-Magazin, Juli/Juli 2020 ("Buch Magazin")
»Milchmann ist ein besonderer Roman, sowohl stilistisch als auch in seiner Verbindung von absurdem Humor, tragischer Groteske, surrealer Grundzeichnung und doch eben auch eines Hyperrealismus, der in jeder Zeile mitschwingt.« Guy Helminger, Luxemburger Tagblatt, 08.05.2020 ("Luxemburger Tageblatt")
»Mit sezierendem Blick und literarisch sehr eigenwillig zeigt Anna Burns eine soziale Gemeinschaft und eine Gesellschaft, die sich selbst zersetzen. Es ist ein außergewöhnlicher Roman.« Karsten Herrmann, Literaturkritik.de, 05.2020 ("Literaturkritik.de")
»Lesens- und liebenswert« Marion Hinz, kultur-port.de, 28.04.2020 ("kultur-port.de")

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

24.07.2021

Verlag

Tropen

Seitenzahl

464

Maße (L/B/H)

19,4/11,3/3,3 cm

Gewicht

314 g

Farbe

Melone / Anthrazit

Auflage

2. Druckauflage

Originaltitel

Milkman

Übersetzt von

Anna-Nina Kroll

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-608-50508-5

Herstelleradresse

Tropen
Rotebühlstr. 77
70178 Stuttgart
DE

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  • literarisches.seemannsgarn

    aus Rostock

    5/5

    12.10.2022

    Buch (Taschenbuch)

    Ein großes Chapeau nach Irland.. die Gänsehaut schwindet nicht.

    Ich hatte das Glück, dass mein Partner dieses Buch für mich entdeckt hat, ich wäre da wahrscheinlich nie drauf gekommen! Dazu sei gesagt, ich liebe Bücher die einen ganz besonderen und eigenen Stil haben und habe mich umso mehr über dieses Goldstück gefreut. Das Cover: Ein wunderschöner rosa-golden verlaufender Sonnenuntergang ( oder -aufgang ;) ), gleicht sich wunderbar an die Geschichte, die erzählt wird. Der Stil: Über den könnte ich stundenlang schreiben. Es sei aber gesagt, dass der Stil in den Burns die Geschichte schreibt, nicht für jede/r Mann/Frau geeignet ist. Denn, die Charaktere haben keine Namen, nur Bezeichnung die ihrer "Funktion" entsprechen. Vielleicht zur Anonymisierung oder, weil derlei Vorkommnisse in der Zeit sooft geschehen sind und auf viele Familien/Gemeinden gepasst haben. Des Weiteren, sind die Kapitel sehr lang geschrieben, auf über 400 Seiten nur 7 Kapitel, verlangt schon seine Aufmerksamkeit. Ich selbst bin eher ein Freund von kürzeren Kapiteln, für die Gedankenpausen oder damit gewisse Ereignisse besser voneinander getrennt sind. Dies schmälert aber nicht meine positive Meinung zu dem Buch. Lediglich ein kleiner Kritikpunkt. Inhalt: Zu dem möchte ich fast gar nicht allzu viele Worte verlieren. Im Grunde, geht es um eine 18-Jährige die in verschiedener Form Sexualisierung und Übergriffe vor allem vom Schwager 1 und den Milchmann erfährt. Der Milchmann steht hier groß im Mittelpunkt. Ich habe es sehr genossen wie sich gegen Macht ausübende Männer gekämpft hat und für sich einsteht. Den Rest... lest selbst. Es lohnt sich. Ich konnte mich sehr mit der Ich-Erzählerin Identifizieren und fühlte mich von Anfang an mitgenommen. Es ist keine leichte Kost, man sollte sich schon Zeit für dieses Buch nehmen und sich drauf einlassen. Mich hatten zuerst die ganzen negativen Kommentare irritiert, aber es lohnt sich, unvoreingenommen das Buch zu lesen und sich lenken zu lassen. Zusätzlicher Pluspunkt, das Buch bedient sich historischer Aspekte aus Irland ;) Und um die sarkastische Bemerkung einer/s Buchhändler/in zu revidieren, schreibe ich nun von ganzem Herzen: "Herzlichen Glückwunsch zum The Man Booker Prize, Mrs. Burns!"

  • Bewertung

    aus Borgentreich

    5/5

    05.07.2022

    Buch (Taschenbuch)

    Erinnerungen werden wach...

    Ich war vor vielen Jahren mal auf einem Festival. Da traf ich einen Mann der sagte: "Namen sind scheiß Schall und Rauch! Der wollte mir nämlich seinen Namen nicht verraten. Aber diesen Satz habe ich nie vergessen. Und genauso geht es mir mit diesem Buch. Am Anfang ist es vielleicht etwas irritierend, das so gar keine Namen auftauchen. Außer der Milchman, der zählt ja irgendwie. doch dann passt es. Das Buch ist definitiv eine spannende Geschichte, die sich Stück für Stück aufbaut. Männer die Ihre Macht ausleben wollen und eine Frau, die dagegen ankämpft. Passend zum Weltfrauentag ausgelesen, hat echt Spaß gemacht. (schon etwas her ;-)) und das Sahnetüpfelchen ist natürlich das wunderschöne Cover, superschönes Pink und Fabverlauf! Immer wieder gerne

  • Livi

    5/5

    19.12.2021

    Buch (Taschenbuch)

    Für mich das beste Buch, das…

    Für mich das beste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe. Jede einzelne Szene fängt meine Aufmerksamkeit zu hundert Prozent, weil hier alles neu und unbekannt ist, politisch aufgeladen auf eine abstrakte, teilweise surreale Art und Weise. Die Entscheidung den Figuren keine Namen zu geben passt zum Stil dieses Romans und gibt ihm einen humorvollen Unterton. Der Roman handelt auch nicht primär, wie der Klappentext vielleicht vermuten lässt, von den sexuellen Übergriffen eines Mannes an einer jungen Frauen, sondern von den Machtstrukturen in bürgerkriegsähnlichen Situationen. Man bekommt so einen Interessanten Einblick in den Nordirland Konflikt, bzw. in alle ethnischen, religiösen oder anderweitig gelagerten gewaltvollen Konflikte, und in die Spannungen, die das für die einzelnen im Alltag erzeugt. Dabei ist das Erzählen niemals schwer, sondern voll von wunderbaren Beobachtungen und fein skizzierte Figuren. Die Übersetzung ist, soweit ich das beurteilen kann, grandios, denn man bemerkt sie auf keiner Seite.

  • SternchenBlau

    4/5

    07.12.2023

    Buch (Taschenbuch)

    (Fast) ohne Namen

    Dieses Buch ist in vieler Hinsicht eine ziemlich unangenehme Erfahrung und zwar, weil die Erfahrungen der Ich-Erzählerin mehr als unangenehm sind. Darum fand ich „Milchmann“ zum Großteil so grandios, weil es eben diese Erfahrung hautnah nachvollziehbar macht. Und daher kann ich das Buch auch sehr empfehlen, doch der Lesende darf zwar ein ungewöhnliches und literarisch gekonntes Buch erwarten, aber keines, dass es ihr:ihm leicht machen würde. CN / Content Note: Stalking, Gaslighting, (s*xualisierte) Gewalt, Tod, Mord, T*rrorismus Das formal Auffälligste ist wohl, dass die handelnden Personen konsequent keine Namen haben. Es ist also vom titelgebenden Milchmann die Rede oder in Abgrenzung zu ihm vom „echten Milchmann“, von „Kleine Schwestern“, „Fast-Freund“ oder „3. Schwester“. Die Personen werden endindividualisiert und in ihrer Funktion in der Gruppe geschildert. Denn in Nordirland in den 1970er Jahren sind die Menschen, folgt man Anna Burns Beschreibung auch über ihre Funktion innerhalb der Gruppe definiert, als über ihre individuellen Eigenschaften. Eigenschaften, die zu sehr von der üblichen Norm abweichen, sind dem Kollektiv suspekt, wie die Eigenheit der Ich-Erzählerin im Gehen zu lesen. Eine solche Gesellschaft begünstigt den Übergriff und so ist es auch die Grundhandlung, mit der die Ich-Erzählerin konfrontiert wird: Der Milchmann stellt ihr nach, ekelhaft, perfide. Stalking und Gaslightning finden statt, nein, das ist zu neutral geschildert, kriechen unangenehm beim Lesen in dir hoch und verunsichern dich. Wo soll man hin mit diesen Gefühlen? Der Ich-Erzählerin glaubt niemand. Isolation der Opfer ist auch eine Täterstrategie. Hier ist die schon im System angelegt. Und dann gibt es da noch dieses Gerücht, dass sie als Geliebte des Milchmannes markiert, so dass sie immer mehr in eine Ecke gedrängt wird. Davon ausgehend kommt die Ich-Erzählerin vom Hundertsten ins Tausendste. Dieses Zirkuläre, dieses Redundante ist Burns Konzept. Manchmal hatte ich das Gefühl, das Buch kommt nicht von der Stelle, denn manchmal dauert es 40 Seiten, ohne, dass die Handlung, die gerade geschildert wird, wie das dritte Aufeinandertreffen mit dem Milchmann, voranschreiten würde. Eingeschoben sind Überlegungen, Anekdoten, Erinnerungen, Analysen über das Viertel, die politische Situation, den Bruder von irgendjemanden. Dabei gibt es im Buchsatz kaum Platz zum Luftholen, weil es nur ganz selten Absätze gibt. Wie in einer Matroschka findet sich wieder und wieder eine neue Erzählpuppe. Es kommt mir so vor, als wären die ganze intellektuellen Überlegungen der Protagonistin dafür da, das Gefühl der Hilflosigkeit zu überspielen. Denn emotional durchsteigt sie nicht, was ihr angetan wird, nicht in diesen Momenten. Ihre Geschichte erzählt sie im Rückblick von vielen Jahren. „Milchmann“ ist daher auch ein feministisches Buch, es zeigt, wie sehr die Gesellschaft Frauen unterdrückt, und diese Strukturen auch Männern viele Freiheiten nimmt. Diese Spanne findet sich schon zwischen dem Sonnenuntergang des Covers, mit seinem Pink im Klischee eher weiblich kodiert, und dem „Mann“ im Titel. Anna Burns zeigt sehr eindringlich, dass uns solche gesellschaftlichen Zuschreibungen einschränken, ja letztendlich verdammen, und manchmal scheint kurz die Hoffnung durch: „Denn wenn es stimmte, dass der Himmel – der da draußen war, der nicht da draußen war, wie auch immer – jede Farbe haben konnte, dass alles alles sein konnte, dann bedeutete das auch, dass alles jede Farbe haben konnte, dass alles alles sein konnte, dass alles passieren konnte, jederzeit, an jedem Ort auf der ganzen Welt und mit jedem Menschen – wahrscheinlich stimmte das auch, wir hatten es nur nicht gemerkt.“ In vieler Hinsicht könnte dieses Buch überall spielen, wo gesellschaftliche Unterdrückung vorherrscht. Das wage Gefühl einer Dystopie lässt sich aber dennoch klar im Nordirland der 1970er Jahre verorten. Es ist wie mit der scheinbaren Namenslosigkeit, denn es gibt Namen. Diese markieren aber nicht individuelle Personen, sondern die Gruppenzugehörigkeit, Räume oder die Epoche, wie Kate Bush. Namen werden zu Chiffren, wie auch die Paramilitärs in Nordirland Chiffren verwenden, ebenso, wie die Gesellschaft die gesellschaftliche Funktion sieht und nicht das Individuum. Wir vergessen zu schnell, dass auch das vereinte Europa nicht frei von kriegerischen Auseinandersetzungen war. Die Situation in Nordirland hat sich glücklicherweise seit dem Karfreitagsabkommen. „Milchmann“ ist nach der Brexit-Abstimmung erst erschienen. Ab dem Tag danach ist unklar, ob dadurch nicht dieser alte Konflikt wieder aufbrechen könnte. Das Allgemeine findet sich im Speziellen und obwohl mit 40 Jahre von dieser Ich-Erzählerin trennen, fühlte ich mir nahe. Dies alles könnte gar keine erträglichere Lektüre sein, weil dieses Leben eben nicht erträglich war. Das ist allerdings mit ein Grund dafür, dass ich einen halben Stern bei meiner Bewertung abziehe, weil ich nachvollziehen kann, dass viele dieses Buch zu sperrig oder langweilig finden, einige es vielleicht sogar hassen könnten. Meine Empfehlung ist daher nur mit einer gewissen Warnung zu verstehen. Um die Gesellschaft zu beschreiben, werden immer wieder deren Klischees und Vorurteile geschildert. Das macht Burns fast immer sehr geschickt, weil dennoch die Haltung dahinter klar wird und sie diese Vorurteile damit zwar darstellt, aber nicht reproduziert. An einer Stelle bewahrheiten sich allerdings in Bezug auf Homosexualität diese Klischees und so werden sie unabsichtlich reproduziert. Das fand ich sehr schade und daher lande ich bei 4 Sternen. Fazit Zirkulär erzählt ist die Lektüre von „Milchmann“ eine Herausforderung, die sich für mich definitiv gelohnt hat. Eine Empfehlung für alle, die eine anstrengende Lektüre nicht scheuen, und komplexe literarische Konzepte mögen. Bitte unbedingt alle die Content Note beachten, die einer solchen bedürfen!

  • wacaha

    aus Ba-Wü

    2/5

    08.01.2023

    Buch (Taschenbuch)

    Eine namenlose Erzählerin,…

    Eine namenlose Erzählerin, genannt Mittelschwester, zieht ungewollt die Aufmerksamkeit eines einflussreichen älteren Mannes, genannt Milchmann, auf sich. Milchmann beginnt sie zu stalken und abzufangen, was auch den Menschen im Umfeld nicht verborgen bleibt. Schnell entspinnt das Gerücht, die junge Frau hätte eine Affäre. Aus ihrer Unauffälligkeit vertrieben findet sie sich in der unangenehmen Situation wieder, an den Rand der sozialen Gesellschaft gedrängt worden zu sein, ohne Möglichkeit dem zu entfliehen. „Milchmann“ von Anna Burns hat 2018 den Booker Prize for Fiction als bester Roman gewonnen und dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Leider konnten diese nicht erfüllt werden, da ich das Buch primär als langweilig und anstrengend empfunden habe. Ich hatte große Probleme mit dem gewöhnungsbedürftigen Schreibstil der Autorin: Die junge Frau erzählt kühl, nüchtern, eintönig und voller Monotonie. Sie verwendet lange Schachtelsätze und schweift häufig ab. Das Lesen erfordert höchste Konzentration und trotzdem wusste ich am Ende eines der langen Kapitel häufig nicht, um was genau es eigentlich ging. Die Gedankenwelt der Erzählerin empfand ich als sehr verwirrend. So konnte sich bei mir kein wirklicher Lesefluss einstellen. Des Weiteren hat es mich gestört, dass die komplette Geschichte so abstrakt geblieben ist: Es werden weder Orte noch Namen genannt, nur Bezeichnungen. Natürlich ist dies ein absichtlicher Kunstgriff der Autorin um zu verdeutlichen, dass die Geschehnisse jedem und überall zu jeder Zeit passieren könnten, ich persönlich habe aber keinen Zugang zu Figuren mit Namen „Mittelschwester“, „Schwager 1-3“ oder „Vielleicht-Freund“ aufbauen können. Ähnlich zäh wie der Schreibstil habe ich das Leben der Protagonistin empfunden, da es wenig Handlung gab. Das Buch lebt eher von der bedrückenden Stimmung und bedrohlichen Atmosphäre sowie den strikten gesellschaftlichen Konventionen, denen sich insbesondere Frauen zu unterwerfen haben. Die angesprochenen Themen fand ich an sich gut und wichtig, sie lassen sich auf Gesellschaften verschiedener Krisenherde projizieren und liefern somit eine Milieustudie, die an Aktualität nichts einzubüßen hat. Wann und wo genau „Milchmann“ spielt bleibt offen, erst durch Hintergrundrecherche klärt sich auf, dass wir uns im Nordirlandkonflikt der 70er Jahre befinden. In Teilen konnte ich mir das schon zusammenreimen, hätte mir aber an irgendeiner Stelle Aufklärung gewünscht. Insgesamt war mir alles in „Milchmann“ zu abstrakt und wenn ich ehrlich bin musste mich regelrecht dazu durchringen, das Buch bis zum Ende zu lesen. Das empfand ich als eine echte Herausforderung. Ich kann in dem Buch durchaus Tiefgründigkeit, Vielschichtigkeit und künstlerische Poesie erkennen, aber für mich persönlich war wirklich keinerlei Lesegenuss dabei. Das Buch polarisiert. Ich kann es also nur LeserInnen empfehlen, die schwere, anspruchsvolle Literatur mögen.

Kundinnen und Kunden meinen

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Bewertungen (142)

Unsere Meinungen

  • Zum Bewerterprofil von Sandra Nonnenmacher

    Sandra Nonnenmacher

    Thalia Essen – Limbecker Platz

    Buchhändler*in

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    5/5

    26.03.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    #believethehype Aber sowas von...

    'Der Tag, an dem Irgendwer McIrgendwas mir eine Waffe auf die Brust setzte, mich ein Flittchen nannte und drohte, mich zu erschießen, war auch der Tag, an dem der Milchmann starb.' Bähm! Ich ließ mich auf mittlere Schwesters Erzählung über ein schauriges Jahr ihrer Jugend ein. So stand für mich zunächst nicht der Nordirland-Konflikt im Vordergrund, sondern eine 18jährige, die als verrückt gilt, weil sie im Gehen Bücher liest. In aller Öffentlichkeit. Die einen Vielleicht-Freund hat, weil so ne feste Beziehung doch auch immer irgendwo hinzuführen hat, ne? Die für kleine Schwestern da ist und sich gegen Schwager Eins behauptet. Nach und nach hat sich mir der Kontext erschlossen. Ein grandioses Buch mit mehr als einem Them in der beeindruckenden Übersetzung von Anna-Nina Kroll. Lesen!
  • Zum Bewerterprofil von Kristiane Müller

    Kristiane Müller

    Thalia Hamburg – EKZ Hamburger Meile

    Buchhändler*in

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    5/5

    01.03.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Eine ausschweifende Geschichte...

    Eine ausschweifende Geschichte über sprach-und namelose Menschen in einer dysfunktionalen Gesellschaft mit Eloquenz und treffsicherem Humor erzählt. Stilistisch ungewöhnlich und einfach hervorragend!
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    Dagmar Klein

    Thalia Nürnberg

    Buchhändler*in

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    5/5

    08.01.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Nordirland, irgendwann in den...

    Nordirland, irgendwann in den 1970er Jahren, mitten in den " troubles". Eine namenlose junge Frau erzählt ihre Geschichte. Ein herausragendes Buch, unvergleich in der Sprache, ich bin absolut begeistert!
  • Zum Bewerterprofil von Nate Pischner

    Nate Pischner

    Thalia Berlin – Alexa

    Buchhändler*in

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    4/5

    14.01.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Interessantes stilistisches Experiement.

    Interessantes stilistisches Experiement.
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    R. Braun

    Thalia Ludwigshafen – Rhein-Galerie

    Buchhändler*in

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    4/5

    18.08.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein anspruchsvolles Buch, dessen...

    Ein anspruchsvolles Buch, dessen eigenwilligen, und auch recht bedrückenden, Inhalt man sich, nicht zuletzt dank des Schreibstils, durchaus hart erkämpfen muss. Ausufernd, zäh und mühsam, aber zugleich auch besonders, intensiv, tiefsinnig und so ganz anders als erwartet.

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