Der junge Elias lebt seit fünfeinhalb Jahren in Wohnheimen für gemeindenahe Psychiatrie. Er hat die Diagnose Asperger-Syndrom und steht jeglichen Veränderungen ängstlich und grundsätzlich ablehnend gegenüber. Daher erfüllt es ihn eher mit Widerwillen, dass er nun in eine eigene Wohnung ziehen soll, in das Dachgeschoss eines Fünfparteienhauses. Hier geht es ihm anfänglich nur darum, möglichst seine Ruhe zu haben und seinen streng strukturierten Tagesablauf einzuhalten, der aus einer sechsstündigen E-Gitarren-Einheit, dem Konsum von Death-Metal-Alben, dem Schauen von Filmen und genau getimten Mahlzeiten und Zigarettenpausen besteht. Nach und nach werden jedoch die übrigen Hausbewohner auf ihn aufmerksam, und er kommt immer mehr in sozialen Kontakt, vor allem zu dem extrovertierten Endfünfziger Willi. Und plötzlich steht er vor ganz neuen Herausforderungen - Soll er es wagen, einer richtigen Band vorzuspielen? Die hübsche Kellnerin vom Café Auberge nach einer Verabredung zu fragen? Vielleicht hat Willi ja recht mit der "goldenen Ananas"...
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"Die goldene Ananas" von Dennis Kornblum ist ein sehr besonderes Buch.
Als Leser begleitet man den am Asperger-Syndrom leidenden, 26-jährigen Elias Bach bei seinem Umzug aus einem betreuten Wohnheim in seine erste eigene Wohnung in den Taubenweg, in ein schickes Villenviertel.
Elias beschreibt seine Erkrankung im Buch recht gut und leicht verständlich. Er erklärt den Menschen, denen er begegnet, dass es sich dabei quasi um eine leichte Art von Autismus handelt, die ihn grade in Bezug auf soziale Kontakte sehr einschränkt. Der Umgang mit anderen Menschen stellt für ihn eine ganz besondere Herausforderung dar.
Auch sein Tagesablauf ist sehr genau und streng durchgeplant und er kann davon im Prinzip nicht abweichen.
Nur in kleinen Ausnahmefällen kann er zum Beispiel seine Zigarettenpause auch mal ein Stück weit nach hinten verschieben und rechnet sich dann die Zeit auf einem fiktiven Zeitkonto gut.
Mit dem Umzug in den Taubenweg wird es für Elias jedoch nicht mehr ganz so leicht sich an seinen Plan zu halten. Nach und nach lernt er seine Nachbarn kennen, die dann gerne auch mal auf einen Spontanbesuch vorbeikommen oder etwas mit ihm unternehmen wollen. Natürlich sind sie allesamt neugierig und möchten Elias gerne besser kennenlernen.
Mir hat es wahnsinnig gut gefallen, dass sich Elias nach und nach öffnet und sich tatsächlich auch ein wenig auf die neue Situation einlässt. Ich fand es sehr interessant, wie er es meistert mit den anderen Bewohnern umzugehen und letztendlich sogar aktiv zu einer Verbesserung der Bewohnergemeinschaft beiträgt.
Mein Fazit:
Für mich ist dieses Buch ein ganz besonderes Buch.
Ich habe Elias auf seinem Weg sehr gerne begleitet und mich über seine Entwicklung gefreut.
Auch für Nicht-Psychologen wird im Laufe des Buches Elias Diagnose sehr klar und verständlich.
Elias erklärt den Bewohnern aus dem Taubenweg nach und nach worum es geht und so kann man auch als Leser und Laie seine Schwierigkeiten ganz genau nachvollziehen. Ich finde man merkt auch recht gut, dass Dennis Kornblum ganz genau weiß wovon er da spricht. Ich denke, dass das auch ganz genau die Besonderheit dieses Buches ausmacht.
Mein Daumen geht ganz klar nach oben und ich gebe 5 gute Sternchen
printbalance
5/5
27.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein besonderes Buch mit teils autobiographischen Elementen
Im Dezember 2020 veröffentlichte Dennis Kornblum seinen ersten Roman „Die goldene Ananas“. Mit seinem Debüt verarbeitet der Newcomer literarisch nicht nur sämtliche Probleme und Schwierigkeiten die den sozialen Kontakt betreffen, sondern auch wie sich ein vom Asperger Syndrom-Betroffener diversen Alltagssituationen stellen muss. Im Jahr 2007 wurde bei Kornblum selbst das Asperger-Syndrom diagnostiziert. Daher gibt dieser Roman einen unverhüllten Einblick in die Welt eines Betroffenen und führt dem Leser auf jeder Seite des Buches vor Augen, wie ein Autist denkt, fühlt, handelt und sich damit einem genau strukturierten Tagesablauf unterwirft, der kaum Abweichungen zulässt.
Zu Beginn des Buches habe ich es als ungewöhnlich empfunden, dass sämtliche Protagonisten bis ins Detail vom Autor beschrieben wurden, jedoch diese erwähnten Einzelheiten im Laufe der Handlung keine allzu große Rolle gespielt haben. Genau diese Schreibweise sorgt für die Authentizität die das Buch so besonders macht. Nur ein Autor, der von diesem Krankheitsbild selbst betroffen ist, kann das Geschehen mit all seinen Gedanken und Empfindungen so realitätsgetreu niederschreiben.
Je länger man sich mit Elias und dem Verlauf der Geschichte befasst, desto deutlicher wird es, dass Kornblum die Position des 26-jährigen Protagonisten einnimmt und so über seine eigenen Schwierigkeiten und Erfahrungen schreibt. Immer wieder spürt der Leser welche große Überwindung es Elias kostet mit Fremden in Kontakt zu treten und aus seiner eigenen Comfortzone auszubrechen. Meiner Meinung nach ist es dem Autor sehr gut gelungen im Rahmen dieses Romans seine eigenen Eindrücke und Unsicherheiten allen Nichtbetroffenen näherzubringen.
Ich finde, dass Kornblum mit „Die goldene Ananas“ nicht nur einen interessanten und ungewöhnlichen Roman verfasst hat in dem er sein Leben darin verarbeitet, sondern gleichzeitig Aufklärungsarbeit leistet und die Weichen für ein besseres Verständnis für Menschen mit Autismus stellt.
Fazit: Ein besonderes Buch mit teils autobiographischen Elementen, welches neben einer interessanten Story auch Aufklärungsarbeit über das Asperger Syndrom leistet.
Bewertung
5/5
10.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zu jeder Zigarette eine halbe Tasse Kaffee und sechs Stunden Gitarrenübung am Tag...
... so sieht die Routine von Elias aus, dazu bestimmte Bands, die er hört, Entspannungszeiten in denen er seinen Tag Revue passieren lässt - aber bitte keine Abweichungen von der Routine. Elias ist Mitte 20 und zieht nach dem Leben in einem Wohnheim für psychisch Kranke erstmals in eine eigene Wohnung. Im Wohnheim hat er gelebt, da er die Diagnose Asperger-Syndrom hat - eine "leichte" Form von Autismus, die ihn im Alltagsleben stark einschränkt. Denn neue Dinge verunsichern ihn sehr, zwischenmenschliche Beziehungen überfordern ihn häufig, menschliche Interaktionen verwirren ihn.
Nun lebt er aber in einer Wohnung und kann es nicht vermeiden, mit neuen Einflüssen konfrontiert zu werden. Da sind die anderen Bewohner*innen des Hauses, zu denen er nach und nach Kontakt knüpft. Mit einem von ihnen, Willi, geht er fortan fast wöchentlich in ein kleines französisches Bistro und begegnet dort zu allem Überfluss auch noch einer jungen Frau, die sein Interesse weckt.
Auf knapp 600 Seiten, die sich sehr flüssig und angenehm lesen lassen, begleiten die Leser*innen Elias durch seinen Alltag, der sich immer mehr verändert. Die Kontakte zu den anderen Bewohner*innen brechen seine feste Struktur auf und zwingen ihn, sich umzustellen. Der Titel referenziert darauf, dass Elias seit 9 Jahren stundenlang Gitarrespielen übt und technisch mittlerweile ausnehmend gut ist, aber aufgrund seiner Diagnose nur für sich selbst in seinem Zimmer spielt, für die "goldene Ananas", den Preis, der ihm überhaupt nichts bringt. Im Kontakt mit den anderen Charakteren lernt Elias und verändert sich. Besonders mochte ich die kleine Mara, auf die er aufpasst, obwohl er Kinder eigentlich gar nicht mag, aber auch die anderen Charaktere sind interessant. Lediglich eine Person empfand ich als etwas klischeehaft negativ gezeichnet, hier kommentieren aber die anderen Hausbewohner selbst, dass es Gründe gibt, warum sie so egozentrisch ist. In manch anderem Buch hätte ich die teilweise Oberflächlichkeit, mit der Frauen beschrieben werden, eventuell stärker kritisiert. Hier passt es aber, weil der Charakter darüber erstens selbst sehr reflektiert und es andererseits auch zeigt, wie seine Unsicherheit dazu führt, dass er stark die Unterstützung oder Einschätzung seiner Peer Group benötigt und es ihn eben auch beeinflusst, wenn diese Peer Group aus Männern besteht, die teilweise ziemlich pauschalisieren. Umso mehr mochte ich dann aber wieder die Momente, in denen auch die Pauschalisierungen wieder kritisiert wurden.
Insgesamt hat mich das Buch sehr beeindruckt und die Charaktere fehlen mir nach Abschluss der Geschichte. Es liefert einen sehr spannenden und meiner Empfindung nach authentischen Einblick in das Leben mit dem Asperger-Syndrom, ohne dabei zu verallgemeinern. Ich habe viel gelernt, gelacht und mitgefiebert, ob Elias es schafft, den Alltag zu meistern. Und dabei finde ich es gelungen, dass keine Veränderung geschildert wird, die viele Menschen ohne diese Diagnose ebenfalls als außerordentlich groß empfinden würden, sondern dass der Fokus gerade auf relativ "kleinen" Umstellungen liegt - einem Umzug, dem Knüpfen von Kontakten etc. Denn gerade hier wird deutlich, dass das, was als relativ normaler Alltag empfunden werden kann, eben nicht für alle so normal und bezwingbar erscheint.
MrsCatastropy
aus Köln
5/5
06.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zu jeder Zigarette eine halbe…
Zu jeder Zigarette eine halbe Tasse Kaffee und sechs Stunden Gitarrenübung am Tag... ... so sieht die Routine von Elias aus, dazu bestimmte Bands, die er hört, Entspannungszeiten in denen er seinen Tag Revue passieren lässt - aber bitte keine Abweichungen von der Routine. Elias ist Mitte 20 und zieht nach dem Leben in einem Wohnheim für psychisch Kranke erstmals in eine eigene Wohnung. Im Wohnheim hat er gelebt, da er die Diagnose Asperger-Syndrom hat - eine "leichte" Form von Autismus, die ihn im Alltagsleben stark einschränkt. Denn neue Dinge verunsichern ihn sehr, zwischenmenschliche Beziehungen überfordern ihn häufig, menschliche Interaktionen verwirren ihn. Nun lebt er aber in einer Wohnung und kann es nicht vermeiden, mit neuen Einflüssen konfrontiert zu werden. Da sind die anderen Bewohner*innen des Hauses, zu denen er nach und nach Kontakt knüpft. Mit einem von ihnen, Willi, geht er fortan fast wöchentlich in ein kleines französisches Bistro und begegnet dort zu allem Überfluss auch noch einer jungen Frau, die sein Interesse weckt. Auf knapp 600 Seiten, die sich sehr flüssig und angenehm lesen lassen, begleiten die Leser*innen Elias durch seinen Alltag, der sich immer mehr verändert. Die Kontakte zu den anderen Bewohner*innen brechen seine feste Struktur auf und zwingen ihn, sich umzustellen. Der Titel referenziert darauf, dass Elias seit 9 Jahren stundenlang Gitarrespielen übt und technisch mittlerweile ausnehmend gut ist, aber aufgrund seiner Diagnose nur für sich selbst in seinem Zimmer spielt, für die "goldene Ananas", den Preis, der ihm überhaupt nichts bringt. Im Kontakt mit den anderen Charakteren lernt Elias und verändert sich. Besonders mochte ich die kleine Mara, auf die er aufpasst, obwohl er Kinder eigentlich gar nicht mag, aber auch die anderen Charaktere sind interessant. Lediglich eine Person empfand ich als etwas klischeehaft negativ gezeichnet, hier kommentieren aber die anderen Hausbewohner selbst, dass es Gründe gibt, warum sie so egozentrisch ist. In manch anderem Buch hätte ich die teilweise Oberflächlichkeit, mit der Frauen beschrieben werden, eventuell stärker kritisiert. Hier passt es aber, weil der Charakter darüber erstens selbst sehr reflektiert und es andererseits auch zeigt, wie seine Unsicherheit dazu führt, dass er stark die Unterstützung oder Einschätzung seiner Peer Group benötigt und es ihn eben auch beeinflusst, wenn diese Peer Group aus Männern besteht, die teilweise ziemlich pauschalisieren. Umso mehr mochte ich dann aber wieder die Momente, in denen auch die Pauschalisierungen wieder kritisiert wurden. Insgesamt hat mich das Buch sehr beeindruckt und die Charaktere fehlen mir nach Abschluss der Geschichte. Es liefert einen sehr spannenden und meiner Empfindung nach authentischen Einblick in das Leben mit dem Asperger-Syndrom, ohne dabei zu verallgemeinern. Ich habe viel gelernt, gelacht und mitgefiebert, ob Elias es schafft, den Alltag zu meistern. Und dabei finde ich es gelungen, dass keine Veränderung geschildert wird, die viele Menschen ohne diese Diagnose ebenfalls als außerordentlich groß empfinden würden, sondern dass der Fokus gerade auf relativ "kleinen" Umstellungen liegt - einem Umzug, dem Knüpfen von Kontakten etc. Denn gerade hier wird deutlich, dass das, was als relativ normaler Alltag empfunden werden kann, eben nicht für alle so normal und bezwingbar erscheint.
Bewertung
aus Neukieritzsch
4/5
02.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tolles Buch
Als Dennis Kornblum mich gefragt hat, ob ich "Die goldene Ananas" lesen möchte, war ich recht schnell interessiert. Der Autor hat in diesem Buch nämlich sein Asperger-Syndrom eingearbeitet.
Natürlich hatte ich schon davon gehört, kenne aber Niemanden, der aus erster Hand darüber berichten kann. Hier passiert dies in Form von Elias Bach. Er hat einen strukturierten Tagesablauf und man erfährt, was Einfluss auf einen guten Tag hat und was ihn aus dem Tritt bringt. Elias hat seinen Tag minutiös vom Aufstehen bis zum zu Bett gehen geplant. Abweichungen davon bringen für ihn Alles durcheinander, egal wie minimal sie sein mögen, und fallen ihm wahnsinnig schwer. Die Struktur gibt ihm Halt und Stabilität. Das war echt krass zu lesen, aber irgendwo halt auch absolut nachvollziehbar.
Im Laufe der Story lernt Elias aber lockerer damit umzugehen, wenn er mal etwas aus seinem Rhythmus tritt. Er trifft sich mit anderen, bricht auch mal aus seinem Alltag aus und knüpft neue Kontakte. Auch wenn ihn das eine wahnsinnige Überwindung kostet. Für Jemand dem es nicht selbst so geht, sind gewisse Sachen nur schwer nachvollziehbar. Das merkt man auch an den neuen Freunden von Elias. Die sind allesamt nett und sympathisch, aber sie verstehen halt nicht so ganz, wie er tickt und wie sehr seine Routinen ihm Halt geben. Manchmal fand ich das Gegängel von Willi schon etwas penetrant. Es ist nicht jeder ein Draufgänger und ich fand die Ängste, welche Elias in gewissen Situationen hatte, durchaus nachvollziehbar. Da waren mit Konstantin und Betti schon lieber.
Was zu Beginn wie eine immer wieder daher kommende Wiederholung scheint, zeigt noch einmal deutlich, wie das Leben von Elias aussieht. Als er dann in die erste eigene Wohnung zieht, seine Nachbarn in sein Leben treten und ihn auch mit versuchen einzubeziehen, sieht man, wie sich diese starre Struktur etwas löst, aber eben auch was das für Elias' Gefühlswelt und Wohlbefinden bedeutet. Man merkt Elias die inneren Konflikte an, aber ich fand es bewundernswert, wie oft er sich dann doch überwunden und nachgegeben hat. Eben aus seiner Routine ausgebrochen ist. Es gibt hier kein Highlife oder Action, dass wird auch gar nicht passen, sondern es ist einfach nur ein dabei Zusehen, wie ein junger Mann über sich hinauswächst. Ich fand das schon ziemlich spannend.
Ich empfand Elias als auch wahnsinnigsympathischen Charakter. Er war absolut authentisch und der Autor hat mir Hilfe von Elias das Asperger-Syndrom nachvollziehbar dargestellt.
Fazit
Wer einen Einblick in das Leben mit Asperger erleben möchte, ist hier genau richtig. Dennis Kornblum erzählt in diesem Buch wahnsinnig interessant über ein Leben mit der Krankheit. Schon allein auch dadurch authentisch, da der Autor selbst diese Diagnose erhalten hat. Für mich ein tolles Buch, dass sich zu lesen lohnt. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.
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