Ob an Brandteigkrapfen gewürgt wird oder es um den Fettgehalt der Frittatensuppe geht, Thomas Bernhard ließ in fast allen seinen Werken die Menschen ausgiebig speisen und offenbarte dabei zerfleischende Zustände. Er selbst war ein regelmäßiger Besucher von Wirtshäusern und den Wiener Kaffeehäusern. Wie lohnenswert und inspirierend es ist, sich Thomas Bernhards Werk und seiner Persönlichkeit über den Esstisch hinweg anzunähern, zeigt Harald Schmidt mit diesem Buch. Auf einem Roadtrip quer durch Bernhards Lieblingsgasthäuser und zusammen mit vielen hochkarätigen Autoren und Wegbegleitern hat er sich auf die kulinarischen Spuren von Thomas Bernhard begeben – gemeinsam entfalten sie einen überraschenden und lustvollen Blick auf das Wesen und das Werk von Thomas Bernhard.
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Die Werke Thomas Bernhards lesen ist eine übliche Annäherung, einen außergewöhnlichen Zugang findet Bernhard-Fan Harald Schmidt. Als Herausgeber wusste er am Anfang nicht genau was denn seine eigentlichen Aufgaben seien. Sich Thomas Bernhard nicht über den klassischen Weg der Werkanalyse, sondern ihm im Wirtshaus und am Esstisch zu begegnen, seinen Spuren mit Hilfe des Gaumens zu folgen. So sammelte er für das Kompendium ,,In der Frittatensuppe feiert die Provinz ihre Triumphe“ (Brandstätter Verlag) Texte u. a. von David Schalko, Willi Winkler oder Katharina Seiser ein. Ihnen gemein ist, dass sie sich mit Bernhards (Nah-) Verhältnis zum Essen beschäftigen. Parallel dazu begibt sich Schmidt auf einen Roadtrip – gelegentlich mit Bernhards altem Fahrrad - zu dessen liebsten Wirts- und Kaffeehäusern und spricht mit Wegefährten wie Claus Peymann.
Eine durchaus kurzweilige kulinarische Spurensuche, die mit interessantem Bildmaterial aus dem Archiv und Reportagen Fotos ergänzt wird. Auch auf Rezepte von sechs Bernhard'schen Leibspeisen: Frittatensuppe*, Saure Wurst, Hausruckviertler Schweinsbraten mit Mehlknödel und Stöcklkraut, Leberbunkel mit Erdäpfeln und Sauerkraut, Kalbsgulasch mit Nockerln und Rehbraten oder Rehragout vom Gasthaus ,,Klinger", seinem Stammlokal in Oberösterreich, wurde nicht vergessen.
Ob an Brandteigkrapfen** gewürgt wird oder es um den Fettgehalt der Frittatensuppe geht, Thomas Bernhard ließ die Menschen in fast all seinen Werken ausgiebig speisen und offenbarte dabei zerfleischende Zustände. Er selbst war ein regelmäßiger Besucher von Wirtshäusern und den Wiener Kaffeehäusern.
„Aber wie Bernhard so eine Banalität wie das tägliche Essen den Figuren zuschreibt und sie damit charakterisiert, das ist genial“, Zitat von Claus Peymann. Danke Peymann.
Aber eines sollte klar sein, warum der Brandstätter Verlag Harald Schmidt als Herausgeber engagiert hat, ist er doch ein wirtschaftliches Unternehmen, Deckungsbeitrag – Break-Even-Point und EBIT – eh logisch, da verkauft sich ein HS besser als ein No-Name. Host mi?
* Frittatensuppe, österreichisch, Pfannkuchenstreifen- oder Eierkuchensuppe in vielen Teilen Deutschlands, Fädlesuppe, schwäbisch und badisch.
** Brandteigkrapfen, österreichisch/bayrisch, auch Windbeutel.
Harald Schmidt, geboren 1957 in Neu-Ulm, aufgewachsen in Nürtingen (wie Hölderlin und Härtling). Hilfsorganist und Zivildienst in dortiger St. Johannes-Gemeinde, Staatl. Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, drei Jahre als Schauspieler in Augsburg. Dann Düsseldorfer Kom(m)ödchen und alle Sender außer RTL. Diverse Late-Night-Shows. Alle Preise gewonnen, gefeuert, jetzt Herausgeber.
Bennet
aus Detmold
5/5
06.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kulinarik und Kultur
Was ist mir als erstes aufgefallen? Ganz klar: Der Titel des Buches. Für mich ein Grund zum schmunzeln und schon war mein Interesse geweckt. Harhald Schmidt als Herausgeber ist mir natürlich bekannt, Thomas Bernhard bis dato weniger. Um ihn näher kennen zu lernen habe ich mich dann voller Vergnügen in die kulinarische Spurensuche begeben.
Eins vorweg: Das Buch ist kein Werk für zwischendurch, dafür ist es viel zu komplex. Durch die leicht gängige Schreibweise ist es durch und durch ein Vernügen den Spuren des Thomas Bernhard zu folgen, zumal auch Wegbegleiter zu Wort kommen, verschiedene Autoren ihren Beitrag leisten und auch die vielen interessanten Fotos tun ihr Übriges um hineinzutauchen. Mit war zuvor gar nicht bekannt welchen Ruf und welches Rennomee der Schriftsteller auch weltweit genießt.
Für mich ein schönes Schmankerl sind auch die Rezepte die im Buch aufgeführt sind - der Appetit kommt dann wirklich beim lesen und ich werde sie auf jeden Fall für mich ausprobieren.
Mein Fazit: Ein sehr interessantes Buch, es braucht Zeit um es zu lesen und auf sich wirken zu lassen aber es ist es allemal Wert.
Bewertung
5/5
21.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Genussvolle Lektüre
Thomas Bernhard war ein österreichischer Schriftsteller und in seinen Stücken spielte das Essen immer eine zentrale Rolle. Harald Schmidt hat deshalb auf seinen Spuren dem typischen Essen nachgespürt und besuchte auch Gasthäuser. Er sprach mit Wegbegleitern und kostet selbst die bekanntesten Gerichte.
Harald Schmidt schreibt lebendig. Sachkundig und humorvoll lässt er Theater und Bühne auferstehen. Er geht auf einzelne Theater Stücke und die zur Schau Stellung des Essens ein.
Großformatige Fotos machen Lust noch mehr zu erfahren.
Thomas Bernhard lernen wir von einer neuen Seite kennen. Er , der das Essen liebte und gern gesehener Gast im Kaffeehaus war.
Die beliebtesten Rezepte bekommen wir gleich dazu . So kann man Zuhause ein Gefühl für die Lieblingsspeise des Autors bekommen.
Ein Buch, auch für nicht Österreicher sehr interessant
MaliM
aus Rastatt
5/5
02.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartig!
Kurzmeinung: ''Das einzige/ das hier gegessen werden kann/ ist Frittatensuppe/ Aber nicht zu fett/ immer diese Riesenfettaugen''
Herrlich unterhaltsam - Der Theatermacher und das Antitalent
Ein außergewöhnliches Buch, Bildband, eine kulinarisch-philosophische Spurensuche - erzählt durch einen noch außergewöhnlicheren Harald Schmidt - der hier im Interview mit vielen Persönlichkeiten ein ehrliches Porträt über das Leben von Thomas Bernhard skizziert.
Bekannt ist Thomas Bernhard als Schriftsteller, Theatermacher und auch unter anderem durch die Salzburger Festspiele.
Aber noch bekannter ist er - zumindest wird man ihn ins Herz schließen durch seinen Bezug zur österreichischen Küche und deren Speisen - die in seinen Werken auch als Gesellschaftskritik dient.
Für Thomas Bernhard ist das Speisen schon fast Philosophie und Inszenierung zugleich: '' Man muß nach dem Gefühl können, ohne lange zu überlegen, dann werden alle Speisen am besten.'' Hier spiegelt sich auch sein Schaffen als bekannter Theatermacher wider - das Speisezimmer wird zum Kampfplatz und Austrageort sozialer Ungleichheiten.
Herrlich bizarr und bodenständig zugleich.
Gerne begleite ich Harald Schmidt zu sämtlichen Wirtshäusern quer durch die 'Provinz' / oder doch eher durch die Postkartenidylle?
Dass das Gasthaus mehr ist als nur ein Bewirtungsraum, sondern auch Schauplatz für die Geschichten und als Ausdruck - generationenübergreifend- dient, wird durch die bildlichen Vorstellungen im Buch klar.
Als Leser kann man somit den Spuren von Thomas Bernhard folgen und nachempfinden, wo sich die ein oder andere Geschichte zugetragen haben muss, die dann unweigerlich zu einem Werk geführt haben muss.
Es sind die intime Einblicke, die Harald Schmidt hier präsentiert, z.B. auch die Bank vor dem Gasthof Klinger, wo Thomas Bernhard gerne seine Zeit verbrachte.
Gelungen finde ich (neben dem Retro-Layout) die 6 Rezepte zum Nachkochen, die zu Thomas Bernhards Leibspeisen gehörten: Allen voran die Frittatensuppe, die aus Rindsuppe mit Palatschinken besteht.
Ebenfalls gefällt mir der Besuch im Wiener Kaffeehaus mit Starkoch Vincent Klink.
Wer immer noch nicht genug hat, kann sich am Ende des Buchs an dem kulinarischen Glossar bereichern.
Ein gelungenes Buch, dass Einblicke in die Welt Thomas Bernhards offenbart. Harald Schmidt ist immer wieder ein Genuss.
Empfehlung!
Sikal
4/5
21.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein erlesenes Porträt
Harald Schmidt hat sich auf eine kulinarische Reise begeben, um in den Lieblingsgasthäusern Thomas Bernhards zu recherchieren. Bekanntlich hat Bernhard in seinen Werken einiges an Kulinarik einfließen lassen und gilt bestimmt als Kenner der österreichischen Küche.
Das Resultat dieser Recherchen halten wir hier in den Händen – hochwertig ausgestattet, mit Lesebändchen versehen, enthält es viele Bilder und zum Teil amüsante Anekdoten. Nicht zu vergessen sind die unzähligen Erzählungen über gutes Essen.
Die einzelnen Beiträge wurden von Margarete Affenzeller, Vincent Klink, Chrstopher Mavric, Claus Peymann, Alexander Rabl, David Schalko, Stefan Schlögl, Katharina Seiser und Willi Winkler verfasst. Aufschlussreich und mit der nötigen Prise Humor gewürzt, nimmt man das Buch immer wieder gerne zur Hand und lässt sich nicht nur auf eine Frittatensuppe einladen. In so manchem Gasthaus und auch als Gast im Kaffeehaus dürfen wir dem Herausgeber sowie den Autorinnen folgen.
Sei es nun das Kaffeehaus als Wohnzimmer-Ersatz, der Ausflug in ein Landgasthaus oder der Leichenschmaus – die kulinarische Vielfalt erstreckt sich vom Apfelstrudel über Grammelknödel bis hin zum Zwiebelrostbraten. Oder vielleicht doch ein Vogerlsalat? Auf jeden Fall finden sich im Anschluss noch die Rezepte dazu und man kann sich gleich auf die Suche nach der eigenen Lieblingsspeise machen.
Ein lesenswertes Porträt über den Schriftsteller Thomas Bernhard, dem ich gerne 4 Sterne gebe.
Jenaer Universitätsbuchhandlung Thalia – EKZ Neue Mitte
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5/5
21.06.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bernhards Geist im Strahlenglanz
Nicht einfach nur ein Buch über Thomas Bernhard, seine Lieblingsorte, Lieblingsmenschen und Lieblingsgerichte - nein, vielmehr sind die in diesem Band zusammengetragenenTexte und Interviews Zeugnisse von Bernhards Persönlichkeit und Leben. Wunderbar zusammengestellt von Harald Schmidt und ganz im Sinne Bernhards, mit feinem Humor, leiser Ironie und großer Urteilsschärfe.
Ach und die Frittatensuppe ist naturgemäß wirklich ein Gedicht!
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