Was, wenn man sich ein perfektes Leben wie eine zweite Haut überziehen könnte? Willkommen bei Austrian Psycho
Stundenlang übt er vor dem Spiegel seinen Gang, sein Lächeln, seine Art zu sprechen. Julius Varga, der Parteichef, ist das ganz große Idol des namenlosen Erzählers. „Ich gebe mich für dich auf, Julius. Ich liebe dich.“ In seiner Abwesenheit gießt er seine Zimmerpflanzen, als ob dies ein Staatsakt wäre. Auf einer unteren Ebene dient der Erzähler der Partei und eifert seinem Vorbild nach. Er ist besessen von Marken und Äußerlichkeiten und der Ästhetik von Terroranschlägen. Elias Hirschls neuer Roman ist ein großer Wurf und ein Vergnügen. Das wahnwitzige Porträt der Generation Slim Fit: jung, schön, intelligent, reich, oberflächlich und brandgefährlich.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Kann man nur mit einem lachenden und einem weinenden Auge lesen. Beunruhigend wie treffsicher hier das türkise Umfeld aufs Korn genommen wird.
Brenda_wolf
aus Bad Berneck
5/5
12.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ist der echt?
Ein Roman der die Gemüter spaltet. Man muss sich nur die Rezensionen ansehen, da ist alles dabei. Harter Stoff. Ein Roman, der im Kern die Realität abbildet, überspitzt, aber der Wirklichkeit so nah, dass es weh tut.
Elias Hirschls namenloser Protagonist eifert seinem großen Idol mit krankhafter Akribie nach. Sein Vorbild ist der jüngste Bundeskanzlerkanditat Julius Varga. Da waren wohl Ähnlichkeiten beabsichtigt. Der junge Parteichef verkörpert alles, was auch der Protagonist sein will. Leider ist dieser nur ein kleines Licht im Parteigetriebe. Aber zumindest darf er Vargas Blumen in seiner Abwesenheit gießen. Herrlich!
Unser Held kontrolliert ständig seine Haltung, der Slim-Fit-Anzug muss einwandfrei sitzen, seine Sprache exzellent sein, seine Außenwirkung ankommen, alles muss perfekt sein. Ständig ist er bemüht sich als Person zu optimieren, der Rhetorikstil wird verbessert und eingeübt. Nichts an ihm ist noch echt. Man erfährt auch nicht wirklich was über ihn. Keine Gefühle, kein eigenes Leben. Ein Soziopath der schlimmsten Sorte. Vermutlich leben solche Menschen unbemerkt neben uns und sie sind brandgefährlich. Nicht nur in der Politik.
Mich hat dieser kranke Typ bis zuletzt gefesselt. Ich war abgestoßen und zugleich fasziniert. Manches in dem Roman ist stark überzogen und surreal und völlig krass. Dennoch unbedingt lesenswert.
Fiona
aus Di Vito
4/5
05.01.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein ideal konstruiertes Ich…
Ein ideal konstruiertes Ich Salonfähig, geschrieben von dem Wiener Schriftsteller Elias Hirschl, ist eine Satire auf die politische Klima in Österreich. Obwohl man denken könnte, dass die Geschichte vom Bundeskanzler Julius Varga handelt, ist die Hauptfigur trotzdem ein anonymer Ich-Erzähler. Von Anfang an lernen wir, durch seine Äußerungen und Angewohnheiten, ein sehr seltsame Figur kennen. Als Regional-Funktionär der Jungen Mitte, möchte er wie sein Idol Varga sein, denn er ist laut ihm perfekt. Der namenlose Erzähler sagt uns daher nicht mehr, als er uns sagen will und manipuliert, wie in der Politik, jedes Detail seiner Existenz. Schon bald findet man heraus, dass er an einer Form von Wahnsinn leidet, die viele Sachen erklärt. Ist er aber wirklich die Person, die wir denken? Im Buch von Hirschl ist der Humor ausdrücklich anwesend. Dies bedeutet durchaus nicht, dass dieser Roman, mit seinen ziemlich kurzen Kapiteln, uns schreckliche und grauenvolle Szenen erspart. Es ist das erste Buch, bei dem die Leute nicht wissen, ob sie lachen dürfen oder nicht. Manchmal entsteht schnell ein Schuldgefühl. Es ist erstaunlich, wie der Erzähler diese Verwirrung bei uns erzeugt. Man könnte Salonfähig also einen schockierenden Satireroman nennen. „ Ich schalte das Handy anstandshalber wieder aus und trinke noch einen Schluck, als das nächste Shoah fällt.“ S. 146 „Ich wünsche mir, dass…die Brennstäbe des Kernkraftwerks Temelín durchschmolzen sind, dass der tote Metallkörper eines manövrierunfähigen Flugzeugs im Innenstadtgebiet aufgeschlagen ist…dass, während ich mir am Morgen einen Kaffee zubereitete, die Ö1-Sprecherin in apathischem Ton aus dem Küchenradio ihrem Publikum beibringen muss, dass der Stephansdom in die Luft geflogen ist. Die Oper. Das Burgtheater…dass die Staatsoper brennt, das Schloss Belvedere…Ich werden mit Menschen telefonieren, die besorgt um mich sind, und ihnen versichern, dass ich lebe, dass es mir gut geht…und sie alle werden glücklich sein…“ S. 173-174 Brauchst du wirklich das alles, damit du weißt, dass die Leute sich um dich kümmern? Das ist so krank. Darüber hinaus machen die oberflächlichen Figuren die im Alltag des Erzählers auftauchen uns verrückt. Sie reden einfach durcheinander und obwohl wir verstehen, was sie sagen, haben wir das Gefühl, dass nichts Sinnvolles dabei herauskommt. Sie entsprechen am besten der egozentrischen Welt mit den Pressekonferenzen und Wahlsiegpartys, in der sie leben. Neben diesen absurden Szenen gibt es die langwierigen Monologe des Erzählers, in dem er uns, aber auch sich selbst überzeugt, dass er authentisch und fast perfekt ist. Es geht also nicht darum, wer man wirklich ist, sondern wie Menschen uns wahrnehmen. Wie kann ich für andere der Klügste, Reichste und Wichtigste sein? Kein Wunder, dass dieser Roman eine Satire auf Politik ist. „Ich lache. Ich lache authentisch. Ich sitze am Steuer meines Porsche 911 auf dem Weg zur Bundesleitungsklausur… und übe das Lachen, damit es natürlich wirkt…“ S. 12 „ Schließen ist von großer Relevanz. Schließt man den Mund nach dem Lachen nicht mehr, kann das zu furchtbarer Verwirrung führen.“ S. 12 „Das Lachen hingegen übe ich, damit ich ganz authentisch auf einen von Julius Witzen reagieren kann…“ S.13 „Meine Rhetoriktrainerin sagt, ich wirke nicht authentisch genug…Nicht authentisch genug! Können Sie sich das vorstellen?... Ich! Und nicht authentisch!“ S. 117 Salonfähig ist wirklich ein unglaublich gutes Buch. Ich habe dazu nichts zu sagen, außer dass ich nicht die Intelligenz von Hirschl hatte, alles zu bemerken. Alles ist bis ins Detail ausgearbeitet und kontrolliert. Jedes Mal, wenn man davon überzeugt ist, dass man etwas versteht, bricht der Erzähler diese Gedanken ab. Der Leser wird bis zu den letzten Seiten auf die Folter gespant und das ist wirklich fantastisch.
Bewertung
aus Kaiserslautern
4/5
09.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zynismus vom Feinsten
Ich hatte eigentlich keinen Roman erwartet, sondern so eine Art modernen, etwas ironischen „Knigge“, war umso überraschter über die Genre-Bezeichnung auf dem Cover. Kommt davon, wenn man die Beschreibung nicht so genau liest….
Das Cover stimmt ein auf einen narzisstischen „schönen“? Mann, smart und „gebügelt“, ein wenig so, wie ich mir Dorian Gray immer vorgestellt habe. Glatte Haut, sinnliche feucht glänzende Lippen, dunkler Anzug mit weißem Hemd, strenger Kragen mit perfekt gebundener Krawatte, die linke Hand elegant angewinkelt, die rechte lässig in der Hosentasche. Schwarz, Weiß, ein wenig Gelb, gerade, sehr ordentliche strenge Print-Buchstaben, nichts, aber auch gar nichts Geschnörkeltes…
Beim Lesen des Buches wird deutlich, WIE viel Zeit auf dieses perfekte Äußere verwendet wird und auf WIE groteske Weise es gepflegt, betrachtet und gehandelt wird.
Ich habe das Buch verschlungen und war hin- und hergerissen zwischen Gruseln, Lachen und Heulen. NATÜRLICH ist das bitterste Satire, habe aber auch ein paar Seiten gebraucht, um es zu merken, und ich finde sie GRANDIOS umgesetzt.
SO lächerlich ist, wie der Protagonist mit seiner fast hündischen (Pardon, ich möchte keine Hunde beleidigen!) Anbetung und Imitation seines Vorbildes Julius sich macht, indem er seinen Aufgaben wie Blumengießen und Kaffeeholen einen Vertrauensbonus anklebt. SO ironisch, wie er in allen Äußerlichkeiten versucht, Julius Varga zu imitieren. SO zynisch die Szene mit dem Bettler…
Ich weiß nicht SO viel über die „Innereien“ der österreichischen Politik, außer dem, was man bei uns in den Medien, Nachrichten, Politsendungen so mitkriegt. Aber ich glaube, dass auch die geschilderten „Feinheiten“ NICHT sehr überzeichnet sind. Die Anspielungen auf großer Linie sind ohnehin überdeutlich. Und was solche Dinge wie die perfekte Formulierung für die angedachten Adressaten betrifft, ist wahrscheinlich so manche Partei in anderen europäischen Ländern genauso.
Mir fiel beim Lesen zum Protagonisten mehrfach das Wort "Roboter" ein. Seine Handlungsabfolgen erscheinen rein mechanisch, quasi "programmiert". Gruselig auch, wie er sich mit Frauen verhält, auch hier wird ein Programm abgespult, Buchrezensionen runter gebetet etc. ohne den kleinsten Funken Empathie.
In seiner mehr als perfekt technisierten Wohnung kennt er sich nicht aus, kommt er nicht zurecht, fast als ob es nicht seine wäre. Was sich dann auch als Wahrheit heraus stellt.
Wundervoll und SO böse die hoch gespielten Gespräche / Streitereien unter den Parteigenossen um völlig Unwichtiges, wie z.B. die Frage, in welches Lokal man jetzt zum Essen geht.
Der reale Hintergrund zum Akademikerball hat sich für mich als Nicht-Österreicherin erst später erschlossen..
Die ganze Groteske ist sehr gut beschrieben. Der Zynismus steigert sich immer weiter, viele Szenen sind regelrecht comedyreif bösartig.
Gegen Ende driftet unser Protagonist bzw. die Handlung langsam, aber sicher in völlige Verrücktheit ab. Surreal?
Für mich ist es Zynismus vom Feinsten.
Wenn man sich mit der Thematik beschäftigen mag - absolut lesenswert.
Martin Schult
aus Borken
3/5
21.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Politische Mitte
Er ist jung, er ist schön und er ist erfolgreich. Der Parteichef Julius Varga achtet mehr auf seine Äußerlichkeiten und die Wirkung seiner Präsenz, als sich mit den Problemen der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Er begibt sich als Protagonist des Buches auf eine andere Ebene, um sich selbst zu beobachten und anzuhimmeln. Er besucht Rhetoriktrainerinnen, kämmt sich 40 mal das Haar und strebt den perfekten Menschen an, vergisst dabei aber sein persönliches Umfeld. Erfolgsverwöhnt strebt er so dem Untergang entgegen...
Der österreichische Autor Elias Hirschl hat mit "Salonfähig" aus meiner Sicht einen außergewöhnlichen Roman veröffentlicht. Er hält der Gesellschaft einen Spiegel vor, in der sie ihre eigene Oberflächlichkeit und Egozentrik erkennen kann und erzählt die Geschichte seines Protagonisten in einem provokativen und bemerkenswerten Schreibstil, der bei mir einen enormen Lesefluss aufkommen ließ. Stakkatoartig feuert er die Salven ab, die in ihrer Direktheit sicherlich anecken werden und so auch ihre Wirkung nicht verfehlen. Aber gerade der Hauptprotagonist macht es mit seiner mehr als unsympathischen Art nicht ganz einfach der Geschichte zu folgen. Die vielen Übertreibungen und ausufernden Exzesse vertiefen den Sinn des Romans, machen ihn aber auch schwerverdaulich. Im Finale war ich dann doch ein wenig enttäuscht, da ich ein Inferno großen Ausmaßes erwartet habe und dies nicht geliefert bekam.
Insgesamt ist "Salonfähig" aus meiner Sicht ein schwer einzuordnender Roman, der polarisieren wird, aber ich denke, das war dem jungen österreichischen Autor auch klar. Sein Schreibstil lässt auf alle Fälle aufhorchen und gespannt in die Zukunft blicken, mich konnte das Buch jedoch nicht ganz überzeugen, so dass ich es mit drei von fünf Sternen bewerte.
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4/5
08.02.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Satirisch, Humorvoll und verdammt...
Satirisch, Humorvoll und verdammt Schräg. Hat super spaß gemacht zu lesen und den Titel "Österreichischer American psycho" wirklich verdient!
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