Ein idyllisches Bergdorf in Südtirol – doch die Zeiten sind hart. Die Leute werden vor die Wahl gestellt: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Trina entscheidet sich für ihr Dorf, ihr Zuhause. Als die Faschisten ihr verbieten, als Lehrerin tätig zu sein, unterrichtet sie heimlich. Und als ein Energiekonzern für einen Stausee Felder und Häuser überfluten will, leistet sie Widerstand – mit Leib und Seele.
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Ein Stück Südtiroler Geschichte - ein bewegender Roman
In seinem dritten Buch »Ich bleibe hier« zeigt uns Marco Balzano sein Heimatland Italien wieder von einer ganz anderen Seite, zu einer ganz anderen Zeit. Und wieder hat er es geschafft, mich restlos zu begeistern.
Diesmal geht die Reise nach Südtirol. Wir begleiten Trina, eine junge Lehrerin, durch die 1920er bis in die Nachkriegszeit. Mussolini verbietet den Südtirolern, deutsch zu sprechen, auch für sie ist kein Platz mehr an der Schule. Heimlich unterrichtet sie weiterhin die Kinder aus dem Dorf. Den Menschen wird nahegelegt, das Land zu verlassen oder zu Bürgern zweiter Klasse zu werden. Aber Trina bleibt mit ihrem Mann »hier«. Genauer gesagt in Graun, einem kleinen Dorf im Vinschgau, dass es heute nicht mehr gibt. Erst waren es nur Gerüchte, dann rückten nach dem Krieg die Bagger an, um einen Stausee zu errichten. Felder und Häuser sollen überflutet werden, aber Trina und ihr Mann Erich leisten mit Leib und Seele Widerstand.
»Stattdessen waren Italienisch und Deutsch Mauern, die immer höher wurden. Die Sprachen waren zum Rassenmerkmal geworden. Die Diktatoren hatten sie in Waffen und Kriegserklärungen verwandelt.« S. 131
Der Kirchturm von Altgraun, der auf dem Cover zu sehen ist, ist heute ein Touristenmagnet. Balzano war 2014 zum ersten Mal an diesem Ort und hat sich dort für seinen Roman inspizieren lassen. Herausgekommen ist ein Zeitzeugnis, das von dem beschwerlichen und entbehrungsreichen Leben der Bewohner berichtet, die nicht nur gegen die Faschisten im eigenen Land oder die deutsche Besatzung kämpfen mussten, sondern auch um ihre Heimat. Inmitten dieser Wirren verfolgen wir Trinas Familie, die letztlich die Verlierer sind gegen einen großen Energiekonzern. So viel zu den geschichtlichen Hintergründen, die hier wiedergegeben werden.
Balzano hat sich dafür entschieden, Trina selbst zu Wort kommen zu lassen, indem sie die Geschichte ihrer Tochter erzählt. Allein das hat mich immer wieder sehr berührt, vor allem wenn man erfährt, was es mit ihrer Tochter auf sich hat. Doch nicht nur die fiktive Geschichte, auch die des gesamten Dorfes ist mir sehr nahe gegangen. Auch in meiner Heimat gab es in den 1980ern einen Ort, der einer Trinkwassertalsperre weichen musste. Nach diesem Buch kann ich die Menschen, die so etwas erleben mussten, ein Stück weit besser verstehen. Heimatlosigkeit, Vertreibung oder Entwurzelung ist wohl für die meisten Menschen ein lebenslanges Trauma.
Auch wenn die Zeit um den den Zweiten Weltkrieg düster und real geschildert wird, versteht es Balzano, uns mit seinem Schreibstil durch das Buch gleiten zu lassen. Immer wieder bangt und hofft man mit den Protagonisten, dass die Geschichte ein gutes Ende nehmen möge.
Balzano schreibt unverblümt und schnörkellos, bildhaft und ergreifend zugleich. Seine Charaktere sind so authentisch, dass man schon nach wenigen Seiten das Gefühl hat, sie zu kennen. Auch wenn sie die Geschichte traurig und düster anhört, Trina trotz immer wieder allen widrigen Lebensumständen, lässt sich nicht unterkriegen und verliert nie ihren Lebensmut.
„Die einzige Möglichkeit weiterzuleben ist vielleicht, sich zu verändern und nicht zu erstarren.“
Eine ganz große Leseempfehlung von mir. Wer den Autor noch nicht kennt, sollte es schleunigst nachholen.
Bewertung
5/5
29.08.2022
Buch (Taschenbuch)
Grandios
"Ich bleibe hier" hat mich voll und ganz in seinen Bann gezogen. Die Landschaft mit den Leuten erstand vor meinem geistigen Auge, ich habe mit den einfachen Menschen mitgefühlt, denen ein Traum, ein Ziel nach dem anderen genommen worden ist. Am Ende fragte ich mich, "wozu das Ganze?"
das ist die Frage des Lebens, der dieses Buch wie selten ein anderes nachgeht.
Die glasklare, reine Sprache ist ein besonderer Leckerbissen.
Melina
aus Bonn
5/5
18.04.2022
Buch (Taschenbuch)
Wunderbares Buch
Eine sehr bewegende Geschichte und dazu noch sehr traurig und spannend.Sehr gut geschrieben!Kann ich nur weiterempfehlen. Ich kann nicht mehr das Buch aus der Hand legen
Bewertung
5/5
17.04.2022
Buch (Taschenbuch)
Ich bleibe hier
Ein Buch, das frau nicht aus den Händen legt, bis es zu Ende gelesen ist.
Eine traurige Geschichte von Enteigneten und Vertriebenen über die man sonst nichts weiss.
Einzig der Kirchturm im See auf dem Reschenpass, lässt einen erahnen, was damals geschehen ist.
Bewertung
5/5
26.03.2022
Buch (Taschenbuch)
Ich bleibe hier - Marco Balzano
Die Geschichte verfolgt das Leben von Trina aus dem kleine Dorf Graun. Am Anfang der Geschichte ist das Leben der junge Frau noch in Ordnung doch in den Jahren in denen wir sie durch die geschriebenen Zeilen verfolgen passieren schreckliche Dinge, Krieg und der Bau des Staudammes. Ich fand das Buch wunderbar bewegend. Der Schreibstil ist wunderschön und sehr gut verständlich. Sehr grosse Empfehlung denn es ist mehr als nur ein Buch über eine Geschichte im Südtriol.
Jenaer Universitätsbuchhandlung Thalia – EKZ Neue Mitte
Buchhändler*in
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5/5
03.01.2025
eBook (ePUB 3)
Kleines Buch, große Geschichte!
„Ich bleibe hier“ nimmt uns mit nach Graun, einem idyllischen Dorf in Südtirol und erzählt Trinas Geschichte, die zwar frei erfunden ist, aber auf wahren historischen Gegebenheiten basiert.
Trina wächst in diesem Dorf auf, trifft dort ihre besten Freundinnen und ihren späteren Ehemann, ihre Kinder wachsen dort auf. Und die Zeit geht immer weiter: der zweite Weltkrieg, der Bau eines Damms und die Zukunft des Dorfes hinterlassen ihre Spuren bei Trina und den anderen Bewohner:innen. Und doch ist immer klar: Trina bleibt hier.
Ein eindrucksvoller Roman voller Emotionen, Tiefe und dem großen Wunsch, seinen Platz in der Welt zu finden.
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5/5
08.02.2022
Buch (Taschenbuch)
Intensiv und spannend!
Das Titelbild zeigt den Kirchturm im Reschensee/Südtirol. Heute ist der Turm ein Touristen-Hotspot, doch als Denkmal erinnert er daran, dass hier einst ein Dorf stand, das für den Stausee umgesiedelt wurde. Aber was bedeutete das seinerzeit für die Menschen? „Ich bleibe hier“ erzählt dies sehr eindringlich am Beispiel einer Familie, die auf brutale Weise von der Politik mit dem Bauvorhaben konfrontiert wird und schließlich ihr auskömmliches Leben, Familienglück und Heimat aufgeben muss. Klar und präzis, spannend und einfühlsam geschrieben, hat mich dieser intensive Roman von der ersten Seite an gepackt und nachhaltig beeindruckt!
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5/5
22.01.2022
Buch (Taschenbuch)
Jetzt als Taschenbuch.
Was für ein bewegendes Buch! Eine mit wahrem Hintergrund (was es um so dramatischer macht) über eine Familie, ein Dorf und seine Menschen als Spielball der Politik und Geschichte. Der geplante Bau eines Staudamms stellt alles für Trina und ihre Familie in Frage.
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5/5
21.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine lehrreiche Geschichte, die...
Eine lehrreiche Geschichte, die zeigt, was es heißt, wenn wirtschaftliche Interessen mehr wiegen, als menschliche Schicksale. Aber nicht nur dieses Thema steht im Mittelpunkt dieses vielschichtigen und kurzweiligen Romans. So erfährt man auch viel über die Geschichte Südtirols.
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5/5
09.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch hat mich in Bann gezogen-wie...
Dieses Buch hat mich in Bann gezogen-wie oft stand ich selbst am Reschensee und bewunderte den berühmten Turm, wusste aber über die Hintergründe nur wenige Fakten. Die Erzählung nimmt einen mit in die Gefühlswelt der Betroffenen. Leseempfehlung!
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