"Eine bewegende, schmerzhafte und grandiose Leseerfahrung." The New York Times Book Review
Die US-Südstaaten in den 1920er Jahren. Als Ludlow Washington fünf Jahre alt ist, geben ihn seine Eltern in ein Heim für blinde schwarze Kinder. Ludlow versteht nicht, warum er und die anderen von den weißen Erziehern so diskriminiert werden - "Hautfarbe" ist für den blinden Jungen etwas Unvorstellbares. Unterrichtet werden die Kinder nur in Musik, die scheinbar die einzige Möglichkeit für sie ist, Geld zu verdienen. Ludlow erweist sich als äußerst begabter Jazzmusiker und wird mit sechzehn von einem Bandleader freigekauft. Doch selbst als sein Ruhm so groß ist, dass er endlich eine eigenständige Jazzkarriere verfolgen kann, die ihn bis nach New York führt - dem Rassismus, der die Gesellschaft bis in ihre kleinsten Verästelungen durchzieht, ist kaum zu entkommen.
Mit der Figur des begnadeten blinden Jazzmusikers Ludlow Washington verdeutlicht William Melvin Kelley schmerzhaft und unmittelbar, wie blind Rassismus auch die vermeintlich Sehenden macht. Ein Tropfen Geduld ist ein scharfsinniges Zeugnis des bis heute virulenten Kampfes der afro-amerikanischen Bevölkerung um gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
15.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Jazz, Liebe und die Rassenfrage
Ludlow Washington landet als Fünfjähriger irgendwo im Süden der USA in den 20er-Jahren in einem Heim für schwarze blinde Kinder. Dort lernt er ein Instrument spielen, die Grundlage für seine spätere Karriere als Jazzmusiker. Mit 16 wird er an eine Jazzband verkauft, spielt in heruntergekommenen Clubs, lernt das Leben und die Liebe kennen. Sein Spiel entwickelt er konsequent weiter, immer individueller gestaltet er sein Spiel. Schließlich ereilt ihn der Ruf einer bekannten Sängerin nach New York, dafür verlässt er seine junge Familie. Bald darauf ist er unbestrittene Galionsfigur neuer Jazzgenres, doch er zerbricht an seinem Privatleben, weil auch seine nächsten Liebschaften scheitern. Natürlich spielt Jazz eine Rolle, aber auch alles rund um seine Selbstfindung als Mensch, die Fragen “wer bin ich?” oder "wem diene ich? , nicht ganz unwichtige Fragen für Dunkelhäutige dieser Zeit, begegnet man in diesem Buch. William Melvin Kelley ist ein überirdisch begnadeter Geschichtenerzähler, geprägt von seiner Zeit in den 50er und 60er-Jahren, wo er als schwarzer Künstler mit schwarzen Aktivisten für Gleichberechtigung sympathisierte. Dass dieser amerikanische Autor wieder entdeckt wurde, erstaunt nicht. Seine Figuren gehen der Leserschaft unter die Haut, da wird temporeich erzählt, und jede Wendung dramaturgisch clever aufbereitet. Natürlich stammt sein Frauenbild aus einer anderen Zeit, und damit muss umgegangen werden, das ist ja nicht anders, wenn man heute Faulkner, Dos Passos oder Steinbeck liest. Unter Berücksichtigung dieser Risiken und Nebenwirkungen gilt trotzdem: Unbedingt lesen….
Bewertung
5/5
11.01.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch berührt sofort, wenn...
Dieses Buch berührt sofort, wenn der blinde schwarze Jazzmusiker Ludlow Washington im Rahmens eines Intervievs aus seinem Leben erzählt: seine Zeit im Heim ab dem 5. Lebensjahr, seine Beziehungen zu Frauen und seine verschiedenen Stationen als Jazzmusiker. Absolut lesenswert!
Klingbeil
aus Griesheim
5/5
18.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was für ein Unterschied!
Die obige Beurteilung, in der Zeitschrift Stern mit 5 Sternen "ausgezeichnet" , und in dieser Beurteilung verrissen. Mich stören auch die vielen Sternchen beim Lesen.
So unterschiedlich können Meinungen sein und das ist gut so!
Bewertung
4/5
24.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Alles beim Alten?
Unter dem Originaltitel „A Drop of Patience“ erschien dieser Roman bereits 1965. Er entstand zu einer Zeit, als die afroamerikanische Community sich intensiv gegen den herrschenden Rassismus auflehnte, was schließlich 1968 als Gegenreaktion auch zum Attentat auf Martin Luther King führte. An der Spitze der Bewegung (Civil Rights Movement) waren naturgemäß auch Intellektuelle, Künstler und eben auch Schriftsteller wie William Melvin Kelley. So ist das vorherrschende Thema von „Ein Tropfen Geduld“ eben auch der Rassismus in den USA. Nicht von ungefähr wird der Protagonist des Romans Jazz-Musiker, denn Jazz ist die ureigenste afroamerikanische Kunstform. Und die Geschichte um Ludlow Washington liest sich gleichermaßen als Parabel auf die Geschichte des Jazz, als auch des schwarzen Amerikas generell.
Wirft man aktuell einen Blick über den „großen Teich“ so wird man ernüchtert feststellen müssen, dass sich nicht wirklich viel verbessert hat. Alles beim Alten, oder?
Leider bleibt das Thema aktuell, so auch dieser Roman, der zwar keine erbauliche Lektüre verspricht, aber nachdenklich macht und für das Thema sensibilisiert, was noch immer bitter nötig ist. Ein wichtiges Buch!
Lia48
2/5
08.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
(Sexualisiertes) Frauenbild hat mich zu sehr gestört
(TRIGGERWARNUNG: Rassismus, N-Wort, sexualisiertes Frauenbild, evtl. auch Prostitution & Pädophilie)
Ich muss zugeben, dieses Buch hat mich wirklich Nerven gekostet. Und ich tu mich schwer, Bücher schlecht zu bewerten, weil jeder Autor sicherlich viel Arbeit in sein Werk investiert hat. Aber manchmal will es zwischen Buch und Leser*in einfach nicht harmonieren. Und hier bin ich definitiv an meine Grenzen gestoßen…
Der erste Teil des Buches (22 Seiten), eine Art Prolog, hat mich umgehauen!
Da wird Ludlow Washington, ein 5-jähriger schwarzer, blinder Junge von seinen Eltern in ein Heim für schwarze, blinde Kinder gegeben. Dort soll er Musikspielen lernen – zunächst Klavier, dann Saxophon – um später damit sein Geld verdienen zu können.
Ein 6-Jähriger nimmt ihn direkt unter seine Fittiche, macht den Neuzugang zu seinem „Sklaven“ und lässt sich von ihm mit „mein Herr“ anreden.
Wie schrecklich ist das bitte? Aber das zeigt wieder, wie sehr Kinder das Verhalten von uns Erwachsenen nachahmen. Ich hatte so Mitleid mit Ludlow und dachte, falls das so bewegend und herzzerreißend weitergehen würde, müsste das ein absolutes Lese-Highlight werden!
Doch damit war bald Schluss. Es gibt große Zeitsprünge im Buch. Vom Cover und Klappentext her, hätte ich gedacht, dass die Kindheit von Ludlow und die Zeit im Heim viel länger thematisiert wird, was leider nicht der Fall war.
Ludlow, der mittlerweile außergewöhnlich gut Blasmusik spielen kann, wird mit 16 Jahren aus dem Heim „freigekauft“, um in einer Jazzband in New Marsails zu spielen. Er bekommt zwei Drittel weniger vom Lohn, als die anderen Spieler.
Später schafft er es als begabter Jazzbläser bis in die Clubs von New York und lernt Musikgrößen wie Inez Cunningham oder sein Vorbild Norman Spencer kennen.
Laut Klappentext sollen Jazzmusik und Rassismus eine große Rolle im Buch spielen. Ja, es kommt immer wieder zur Sprache. Aber ich muss gestehen, dass der Fokus für mich eher darauf lag, wie Ludlow von einer Frau bei der nächsten landet, bzw. es schafft, diese „gefügig“ zu machen. Und ja, er hat bisher wenig Erfahrungen mit Frauen gemacht und das Frauenbild war zum Erscheinen des Romans im Original (1965) auch noch ein anderes. Aber mir war es irgendwann too much, wie im Buch über Frauen gesprochen wurde, welches Bild von Frauen aufgezeigt wurde, wie sie sexualisiert wurden, wie sie zur eigenen Bedürfnisbefriedigung benutzt wurden, wie gegenständlich dargestellt wurden, mit der Pflicht, als Frau Kinder bekommen zu müssen, und wie oft F.-Wörter fielen.
Ludlow wurde mir dabei nicht nur unsympathisch, sondern widerte mich regelrecht an! Als er dann beim Brüste-Vergleich seiner letzten Frauenbekanntschaften gedanklich bei den heutigen Brüsten der eigenen, ca. 11-jährigen Tochter ankam (die er als Säugling verlassen hat), war bei mir definitiv Schluss mit lustig!
Am nächsten Tag habe ich mich dann überwunden und die wenigen verbleibenden Seiten noch überflogen, aber diese konnten für mich die vergangenen Szenen auch nicht mehr gut machen.
Was ich noch als positiv vermerken möchte, sind die Beschreibungen, wie Ludlow sich als blinder Mensch im Alltag zurechtfindet und welche Erfahrungen er diesbezüglich macht. Die fand ich zum Teil eindrücklich. Ich glaube, man vergisst als Sehende*r schnell, was blinde Menschen nicht erfassen können, aber man sollte ihre Fähigkeiten der anderen Sinnesorgane nicht unterschätzen.
Zusammen mit den ersten Seiten des Buches, sind das die Punkte, die mir gut gefallen haben.
FAZIT: Auch wenn z. B. „The New York Times“ oder diverse Rezensenten das Buch als lesenswert empfunden haben, kann ich hier leider keine Leseempfehlung aussprechen. Bei mir überwiegen noch immer nachwirkend Antipathie & Ekel bzgl. dem (sexualisierten) Frauenbild, bzw. Ludlows Gedanken, Absichten und Taten, v. a. Frauen und seiner Tochter gegenüber. Mit diesem Buch habe ich mich mehr gequält, als dass es mir irgendetwas gegeben hätte. Daher kann ich leider nur 1,5/5 Sterne vergeben.
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