Produktbild: Der Traum meines Großvaters
Band 38

Der Traum meines Großvaters

Aus der Reihe MSB Paperback

15,00 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

12.08.2021

Herausgeber

Ulrich Kautz

Verlag

Matthes & Seitz

Seitenzahl

416

Maße (L/B/H)

20,5/12,1/3,8 cm

Gewicht

379 g

Farbe

Graublau

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

丁庄梦

Übersetzt von

Ulrich Kautz

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7518-0106-5

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

12.08.2021

Herausgeber

Ulrich Kautz

Verlag

Matthes & Seitz

Seitenzahl

416

Maße (L/B/H)

20,5/12,1/3,8 cm

Gewicht

379 g

Farbe

Graublau

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

丁庄梦

Übersetzt von

Ulrich Kautz

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7518-0106-5

Herstelleradresse

Matthes & Seitz Verlag
Großbeerenstraße 57A
10965 Berlin
DE

Email: info@matthes-seitz-berlin.de

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    H. Jürgens

    Thalia Düsseldorf – Königsallee

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    5/5

    19.12.2025

    Buch (Taschenbuch)

    Feinsinnnige Gesellschaftskritik

    Im vorliegenden Buch “Der Traum meines Großvaters", erschienen 2006, beschreibt Lianke, wie ein Dorf an den Spätfolgen einer Blutspendekampagne zu Grunde geht. Schauplatz des Romans ist das Dorf Dingzhuang gelegen in der südlichen Provinz Henan. Henan ist eher landwirtschaftlich geprägt. Obwohl viele kommunistische Kampagnen hier ihren Anfang nahmen, gilt Henan bis heute als verschlossene Provinz mit bäuerlich-konservativen Vorstellungen. Vor diesem bäuerlichen Hintergrund entfaltet sich die Geschichte eines Dorfes. Um mit dem einsetzenden Wirtschaftsboom Schritt zu halten, beginnen die Dorfbewohner in großem Maße Blut zu spenden. Der Aufruf dazu geht von der allmächtigen Partei aus. Die Bewohner des Dorfes sind zunächst den Verlockungen des Kapitalismus erlegen und dem Druck der Partei - für den geneigten Leser ist unverkennbar, dass es sich um die KPCh handelt - nicht gewachsen. Darüber hinaus basiert der Roman auf einer wahren Begebenheit und hierin liegt seine Stärke. Der Roman ist ein literarisches Denkmal für die Opfer. Lianke schafft es dabei, diesen ihre Würde zurückzugeben. Das Schicksal wird dabei nicht voyeuristisch betrachtet, sondern in direkter, manchmal poetischer Sprache geschildert. Einige Jahre später erkranken alle Spender an einer unbekannten Krankheit, die sich später als AIDS herausstellt. Die AIDS-Pandemie dient dabei nur als Rampe, das Buch ist vielmehr ein Familienroman bzw. ein Gesellschaftsporträt. Erzählt wird das Buch aus der Perspektive des Großvaters, der in der Hierarchie des Dorfes eine eher unbedeutende Stellung einnimmt. Sein Sohn Ding Hui hingegen steigt im Zuge einer politischen Kampagne zum reichsten Mann des Dorfes auf. Profitiert er zunächst von der Spendenbereitschaft seiner Mitbürger, verdient er - durch unsaubere Praktiken, die später viele Todesopfer fordern - gar nicht wenig Geld. Als die Todesfälle sich häufen, profitiert er schamlos vom Kapitalismus und macht als Sarghändler einen großen Reibach. Trotz ist Ding Huis Treibstoff, gegen alle Widerstände und Moral gelingt es ihm die soziale Leiter hinauf zu stiegen, bis er schließlich Parteikader wird. Gleichzeitig ist man als Leser aber auch von der Kaltschnäuzigkeit beeindruckt, mit der sich Ding Hui den ändernden Bedingungen anpasst. Die Themen des Romans muten archaisch an, dreht sich in der dörflichen Gemeinschaft doch alles um Ehre und Ansehen. Obwohl es keine Schilderungen von expliziter Gewalt gibt, ist es dennoch ein brutales Buch. Das liegt vornehmlich an den zwischenmenschlichen Konflikten, die sich offenbaren. Wie Lianke es gelingt, aus einer Ressource wie Blut eine solche Geschichte zu stricken, in der der Mensch letzten Endes nur zu Humankapital degradiert wird, ist meisterhaft. Seit der Gründung der Volksrepublik und der damit einhergehenden Herrschaft der Kommunistischen Partei ist es unmöglich, kritische Literatur zu veröffentlichen. Der Schauplatz des Werkes ist für eingeweihte Leser eindeutig als China zu dechiffrieren, dabei wird aber nie Kritik an den herrschenden Verhältnissen geäußert. Daher ist es Lianke nicht hoch genug anzurechnen, einen surrealistisch-gesellschaftskritischen Roman von diesem Format in die Welt zu schicken

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