Bismarcks Berlin wie es niemand kennt. Biolonische Erfindungen prägen das Leben: Pickatoren rattern durch die Straßen, mechanische Krebse setzen über die Spree, und der Ausbau des Klangkugelkommunikators soll das Stadtbild für immer verändern.
Hier ermittelt Erfinder und Ehrenmann Erasmus Emmerich mit seiner Qualmfee Marie in einer Mordserie an Trollverbrechern. Kann es bloßer Zufall sein, der sie immer wieder zur falschen Zeit an die richtigen Orte führt oder hat vielleicht das Universum persönlich seine Finger im Spiel? Als eine ominöse Fremde in den Fall verwickelt wird und Marie selbst unter Verdacht gerät, kann nur noch ein Mäusemantel Licht ins Dunkel bringen. Oder liegt die Lösung gar an Bord des U-Boot-Wals Wobbly Dick?
Wenn keiner mehr weiß, wohin die Reise führt, ist man in der Welt von Erasmus Emmerich gelandet und vielleicht schon unterwegs in die Vergangenheit.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
phantastische_fluchten
aus Walzbachtal
5/5
10.12.2025
Buch (Taschenbuch)
Zeitreisen in die Vergangenheit ja aber Zeitreisen in die Zukunft?
Die Zeitagenten der TAO (Time Agent Organisation) reisen durch die Zeit (und Raum) und nehmen kleinen Korrekturen in der Zeitgeschichte vor, die den Zeitenfluss jedoch nicht gravierend beeinflussen. Nach intensiver Vorbereitung reist Karl mit zwei französischen Kollegen nach Sarajevo, Doch ihr Einsatz wird zu einem Fiasko. Und nicht nur ihrer. In Sankt Petersburg und Frankreich kommt es ebenso zu fatalen Missgeschicken, die darauf hindeuten, dass jemand diese Einsätze sabotiert. Doch niemand, außer den Zeitagenten weiß um die TAO. Gibt es einen Verräter in den eigenen Reihen? Johann ist sich sicher, dass seine ehemalige Geliebte Clementine hinter dem Verrat steckt. Sie wurde in Salzburg im 19. Jahrhundert festgesetzt und darf keine Zeitreisen mehr unternehmen. Eine harte Strafe für die selbstbewusste und energische junge Frau, die alle daransetzt, dass ihre Strafe wieder aufgehoben wird.
Kommentar:
Manche Bücher brauchen eine zweite Chance oder einfach ihre eigene Zeit. Ich habe das Buch 2022 schon einmal gelesen und kam irgendwie in die Geschichte nicht hinein. Dieses Mal konnte ich es kaum aus der Hand legen und habe mit den Zeitagenten mitgerätselt, wer hinter dem Verrat steckt.
Johann, seine Assistenten Karl und Toni, sowie Henry erleben unglaubliche Abenteuer, geraten aber auch immer wieder in tödliche Gefahr.
Bei Romanen, in denen die Vergangenheit eine so große Rolle spielt, schlage ich immer nach und prüfe, ob der Autor gut recherchiert hat. Der Freiheitskampf der Serben, das Attentat auf den Kronprinzen Prinz Ferdinand aus Österreich und der Beginn des ersten Weltkrieges sind ja hinlänglich bekannt. Aber über den Aufstand der Arbeiter in Frankreich wusste ich nichts. Nein, nicht Les Miserables, sondern ein Aufstand 1891, bei dem neun friedliche Demonstranten erschossen wurden. Sie demonstrierten damals für einen acht Stunden Tag, soziale Gerechtigkeit und bessere Arbeitsbedingungen.
Aber Joachim Sohn füttert uns hier nicht mit trockenen historischen Fakten, sondern er baut eine spannende Geschichte drumherum. Die Zeitagenten sammeln sich zu einem Jahrestreffen 2038 in Neu-London. Dort besteht die Möglichkeit, Wissen und Informationen auszutauschen, neue Entwicklungen kennenzulernen und sich einfach nett zu unterhalten.
Dort treffen die Zeitagenten Johann, Toni, Karl und Henry zusammen Auch die Nonda gesellt sich zu ihnen. Hier erzählen die Agenten und Agentinnen von ihren misslungenen Einsätzen und stellen fest, dass sie nicht die einzigen sind, die ein Fiasko erlebt haben. Und Major Fitzgerald, einer der Vorsitzenden der TAO, berichtet von Massenverschiebungen im Raum-Zeit Gefüge.
Karl wird in das Wien des 19. Jahrhunderts geschickt, um das Verschwinden eines Zeitagenten zu untersuchen. Johann bittet ihn, ein Auge auf Clementine zu haben, die sich ebenfalls in Wien befindet. Johann reist mit Toni nach Frankreich um zu versuchen, den verpatzten Einsatz dort zu einem guten Ende zu führen. Und Henry, der Major und Nina wagen eine Reise in die Zukunft. Ein nie dagewesenes und gefährliches Ereignis. Denn während man weiß, was einen in der Vergangenheit erwartet, ist die Zukunft ungewiss und nicht kalkulierbar.
Die Ereignisse überschlagen sich und die Erzählung wechselt ständig zwischen den Jahrhunderten hin und her. Dabei gibt es absolut keinen Stilbruch, alles passt perfekt in die beschriebenen Zeiten. Und als Lesende hat man durchaus Verständnis dafür, dass Zeitagenten, die im Mittelalter stationiert sind, auch mal einen unerlaubten Ausflug in ein Wiener Kaffeehaus des 19. Jahrhunderts unternehmen oder zu einer Uraufführung eines Theaterstücks reisen. So lange alles im Rahmen bleibt und die Zeitlinie nicht erschüttert werden diese kleinen Reisen geduldet. Doch was passiert, wenn ein Zeitagent dabei erkannt wird?
Das Buch verfügt über 376 spannungsgeladene Seiten. Joachim Sohn hat einige Illustrationen beigefügt, die das Ganze etwas auflockern. Es handelt sich um einen zweiten Band. Man sollte den ersten Band kennen, der eigentlich abgeschlossen ist. Aber einige Ereignisse werden hier erwähnt und der Lesende erfährt, wie Toni zu den Agenten stößt.
Ich finde die Idee schön, dass es Zeitagenten in jeder Epoche gibt, die das Leben der Menschen beobachten. Meistens tarnen sich die Zeitagenten als Weinhändler oder Tuchmacher. Der Kollege im Wien des 19. Jahrhunderts ist ein Schildermaler. Berufe die Zeiten überdauern.
Sprachlich gibt es nichts zu meckern. Von jemanden, der vergleichende Sprachwissenschaften, Romanistik und noch vieles mehr studiert hat, erwarte ich auch nichts anderes. Allerdings hat es mich etwas gestört, dass die französischen Sätze nicht übersetzt wurden. Ich kann kein Französisch und hätte mich über ein kleines Glossar gefreut. Die Begriffe, die sich direkt auf die TAO beziehen, werden am Ende der Geschichte ausführlich erklärt und sind sehr informativ.
Band drei ist bereits in Arbeit und wird 2026 erscheinen. Ich freue mich drauf.
Fazit:
Historische Ereignisse vermischt mit einem aufregenden und spannenden Zukunftsabenteuer. Symphytische Charaktere, die einem ans Herz wachsen, wobei die Nassauer natürlich überkorrekt sind. Ein bisschen Klischee muss sein. Absolut empfehlenswert.
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