Der Oktopus: kaum erforscht, Einzelgänger, undurchschaubar, seiner Umwelt überlegen – ein bisschen wie ein Alien. Und ein bisschen wie Fabienne, 16.
Fabienne hat sich gerade von ihrem Freund getrennt und damit auch ihre Freunde verloren. Hilfesuchend macht sie einen Termin mit einem Psychiater – und erfährt die Diagnose: Asperger. Vielen Dank auch! Aber damit kommt sie klar und andere müssen das jetzt auch! Selbstbestimmt versucht sie neue Freunde zu finden – und ein Sexualleben.
Michael Szyszka erfasst Fabiennes Beobachtungen und bissige Analysen ihrer Umwelt und verwandelt sie in bunte, wilde Collagen. Facettenreich, und schillernd – genau wie ein Oktopus.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Illustrationen zum Dahinschmelzen treffen auf wichtigen Inhalt
Durch die leichte Sprache und kurzen Texte eignet sich dieses Buch natürlich besonders für Jugendliche, allerdings würde ich diese Geschichte auch allen lesefaulen Erwachsenen ans Herz legen um wieder richtig reinzukommen. Denn dieses Buch holt einen auf mehreren Ebenen ab; man lernt auf eine spielerische Art und Weise durch die Tagebuch Erzählung einer Jugendlichen über Autismus, Psychotherapie, Psycholog:innen Beziehungen, Wege zu Diagnosen und Oktopoden und die wunderbaren Illustrationen laden zum Verweilen und Tintenfische-suchen ein. Selbst für mich, die weder lesefaul noch jugendlich ist, eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe.
Bewertung
5/5
13.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Jeden Blick wert!
Ein eindrucksvoll gestltetes Therapietagebuch einer Sechzehnjährigen wird hier geboten. Neben einer detailorientierten Gestaltung werden auch zahlreiche Themen angesprochen, welche mich als Jugendliche interessiert hätten.
Besonders gut an dem Werk empfand ich den eindringlichen und trotzdem kurzweiligen Erzählstil.
Bewertung
5/5
14.06.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wunderschöne Zeichnungen!
Ein unglaublich toll gestaltetes Buch über die 16-jährige Fabienne, die sich selbst in Therapie begibt und herausfindet, dass sie Asperger hat.
Ich mochte die Protagonistin mit ihrem trockenen Humor wirklich gerne. Sie hat ein ausgeprägtes Interesse an Kraken und zeigt dieses im Buch, also ihrem Tagebuch, unter anderem mit wunderschönen Zeichnungen.
Für mich als nicht neurodiverse, sondern neurotypische Leserin wurde das Thema sehr gut und nachvollziehbar umgesetzt. Ich kann dieses Buch wirklich allen ans Herz legen, die einen kleinen, aber feinen Einblick in das Thema Autismus bekommen möchten oder sich etwas verstanden fühlen wollen.
LeLiPä
5/5
29.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tolle Geschichte über ein Mädchen, das sich selber kennenlernen möchte und sich in Therapie begibt
Geschichten aus dem Tagebuch einer angehenden 17jährigen.
Fabienne alias Fabi vergisst ständig Dinge, lässt sich leicht ablenken, verliert sich in Details und macht sich ständig Sorgen über alles. Außerdem schläft sie schlecht, lächelt fast nie und hat selten gute Laune.
Gründe genug, sich selbst in therapeutische Behandlung zu begeben. Sie will endlich wissen, warum sie so ist und sucht Hilfe, ihren Kopf zu entlasten und ihr Leben wieder ordentlich strukturieren zu können. Ihre Eltern, die sich ständig alles schön reden, würden einer Psychotherapie niemals zustimmen. Deshalb entscheidet sich Fabi zur Durchführung der Sitzungen ohne Kenntnis ihrer Familie.
Der Therapeut rät der sehr geräuschempfindlichen Fabi zum Tagebuch-Schreiben.
Sie soll jeden Tag zur gleichen Uhrzeit ihre Gedanken notieren.
Fabi ist sehr reflektiert in ihrem Tun, schreibt gerne Listen und ist „optisch eher Durchschnitt“.
Nachdem ihr Freund Marco sie verlassen hat, ist sie noch viel lieber alleine. Immer wieder malt sie Tintenfische zu ihren Tagebuch-Einträgen. Diese Tiere sind ihr am liebsten. Es gibt so viele Parallelen zwischen ihr und den Weichtieren, die ebenfalls als Einzelgänger bekannt sind.
Das Mädchen ist immer auf der Suche nach sich selbst, nach Antworten und Erklärungen für ihr Verhalten. „Ich bin nicht gestört, ich werde gestört.“ sagt sie. „Wie der Oktopus.“
„Erwachsenwerden ist eine endlose Reihe bitterer Getränke.“ stellt sie fest.
Der Therapeut diagnostiziert das Asperger-Syndrom und rät zur Teilnahme an Gruppensitzungen.
Die Geschichte spielt in Deutschland und umfasst einen ungefähren Handlungszeitraum von einem halben Jahr.
In diesem Buch, das ausnahmslos als Tagebuch dargestellt ist, überlappen sich Text, handgeschriebene Einträge und Illustrationen. Es wirkt sehr authentisch.
Die berührende Geschichte über Fabi, die sich auf den Weg macht, sich selbst zu mögen findet endlich Antworten auf so viele Fragen und kommt in ihrem Leben an.
Bewertung
aus Freiberg
4/5
24.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Du sollst nicht Asperger sagen!"
Fabiennes Freund hat mit ihr Schluss gemacht. Doch das sind nicht die einzigen Sorgen der 16jährigen. Schon seit längerer Zeit fühlt sie sich unwohl und geht deshalb heimlich zu einem Psychiater, den sie von ihrem beim Ferienjob verdienten Geld bezahlt. Der stellt die Diagnose Asperger... Und Fabienne lernt eine Menge über sich selbst...
Das Buch ist wirklich originell illustriert und sehr schön gestaltet, wie ein Tagebuch, was sehr gut zu der Erzählung aus der Ich-Perspektive passt. Wirklich ein kleines Gesamtkunstwerk.
Die Altersempfehlung ab 14 Jahren finde ich recht passend. Meiner Meinung nach ein außergewöhnliches und sehr schönes, anspruchsvolles Jugendbuch.
"Der Herr Psychotherapeut und ich, wir sind per Sie. Das mag ich. Nicht weil mir das Sie so gefallen würde, sondern weil ich mit dem Du manchmal so meine Probleme habe. Das Du ist wie ein Treppchen, auf das die Leute steigen, um einen von oben herab zu behandeln. Dass Sie hat ein zu steiles Gefälle, davon rutschen sie ab."
"Nein, das stimmt nicht, ich werde nicht therapiert, ich werde diagnostiziert. Meine Familie weiß davon nichts, ich bezahle das selbst, von meinem Ferialpraktikumslohn, meine Familie soll davon nichts wissen, weil sie davon nichts wissen will. In meiner Familie ist man nicht komisch, und wenn man komisch ist, ist das normal, und wenn man meint, nicht normal zu sein, dann zerdenkt man dass nicht alles so, übertreibt nicht mal wieder, sondern stellt man sich gefälligst nicht so an, Fabienne!"
"Du bist unglaublich gescheit, aber zum Leben zu dumm." Das hat meine Mutter einmal zu mir gesagt. Jetzt habe ich die Gescheitheit wissenschaftlich bescheinigt, aber den anderen Kram leider auch."
"Es gibt Leute, die meinen, wir würden Filter über Fotos legen, um uns das Leben zu beschönigen. Und damit Unerreichbares herstellen. Ein unstillbares Verlangen erzeugen. Sehnen und Sucht. Aber ich glaube, wir brauchen die Filterfunktionen, damit die Dinge so aussehen, wie sie wirklich sind. Für uns. Die Größe des Sonnenuntergangs auf einem zu kleinen Bildschirm. Ein geliebter Mensch in Bewegung erstarrt. Die Kamera hat ein nacktes Auge. Unsere Wahrheit ist keine reine Abbildung."
"So ein Blödsinn, du bist doch nicht behindert, Fabi, das würde meine Mutter sagen. Was war das für ein Psychologe, was weiß denn der. Du hast sicher übertrieben, und ein Stück weit kann ich sie verstehen."
"... überlegte ich, ob ich es ihr sagen sollte, wieder und wieder. Würde es etwas ändern zwischen uns? Würde sie vielleicht manche Dinge auf einmal verstehen, so wie ich sie verstehe - oder würde sie mich nur anders sehen? Habe ich eine neue Entschuldigung oder endlich einen handfesten Anker für die Unzufriedenheit mit mir?"
"Vielleicht kann man einen anderen Menschen nie ganz kennenlernen, weil Menschen sich eben ständig ändern. Kaum hat man etwas über sie gelernt, bewegen sie sich schon wieder davon."
"Manchmal vergesse ich, dass ich einen Körper habe. Also nicht in dem Sinne, dass ich mich nicht spüre, im Gegenteil, ich fühle mich gut. Besser sogar. Aber wenn ich mich selbst nicht sehe, dann sehen mich auch andere nicht. Bis mich jemand erinnert."
"Vielleicht habe ich gar kein Asperger, vielleicht bin das gar nicht ich. Vielleicht habe ich nur zu oft und zu viel darüber gelesen und habe dem Psychologen genau das erzählt, was er hören wollte. Sollte. Und ich wollte auch nur. Eine Erklärung für manches. Eine Entschuldigung, kann sein."
"Ich bin nicht gestört, ich werde gestört. Vieles auf dieser Welt stört mein seelisches Wohlbefinden sogar ganz erheblich!"
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