Drei Männer reisen zur Station K auf Alexander Island in der Antarktis: zwei junge Geowissenschaftler, die die veraltete Kartografierung auf den neuesten Stand bringen sollen, sowie Robert Wright, der Stationsleiter. Als die drei auf einer Exkursion in einen schweren Sturm geraten, kommt es zur Katastrophe. Die Männer verlieren im dichten Schneetreiben Sichtkontakt, plötzlich ist jeder auf sich allein gestellt. Zunächst schafft es nur Robert zurück zur Station. Dort angekommen, reagiert er nicht auf die Funksprüche der beiden anderen und fordert auch keine Hilfe bei der Basisstation an, so wie es das Notfallprotokoll zwingend vorsieht … Als Robert schließlich evakuiert und in ein Krankenhaus in Santiago de Chile gebracht wird, reist seine Frau Anna nach Südamerika, um ihn nach Hause zu begleiten. Fortan muss sie ihre eigene Karriere zurückstellen und sich um ihren Mann kümmern. Der hat infolge der dramatischen Ereignisse sein Sprachvermögen verloren. Niemand scheint zu wissen, was genau sich zugetragen hat auf Station K. Nur Robert könnte darüber Aufschluss geben.
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Drei Männer wollen in der Antarktis nur ein paar besondere Fotos machen. Doch die Antarktis ist unberechenbar und es kommt zu einer Katastrophe. Die drei werden getrennt und verlieren im dichten Schneetreiben den Sichtkontakt und auch der Funk fällt immer wieder aus. Der Stationsleiter Robert Wright schafft es zurück zur Station, aber er reagiert nicht auf die Funksprüche von Luke und Thomas und setzt auch keinen Hilferuf zur Basisstation ab. Robert wird gerettet, doch er ist nicht mehr der Alte. Er kann sich auch nicht verständlich machen. Was ist da in der Antarktis geschehen?
Ich war mir aufgrund des Klappentextes nicht ganz sicher, was mich bei diesem Roman erwarten würde. Doch ich hatte auf einen Abenteuerroman getippt, denn die Antarktis ist ein ganz besonderer Erdteil, der es den dort Beschäftigten bestimmt nicht leicht macht. Doch dann geschieht etwas, dass dem Roman eine ganz neue Richtung gibt. Auch wenn meine Erwartungen sich nur teilweise erfüllt haben, so hat mich dieser Roman doch überzeugt. Die Sprache ist einfach grandios. Dem Autor Jon McGregor ist es zudem hervorragend gelungen, nicht nur die schwierigen Bedingungen in der Antarktis darzustellen, sondern auch die unterschiedlichen Probleme von Robert und seiner Frau Anna nach der Rückkehr aus der Antarktis. Ausdrücklich erwähnen möchte ich aber auch die geniale Übersetzung von Anke Caroline Burger.
Robert hat langjährige Erfahrung mit dem Leben in der Antarktis, denn immer wieder hat es ihn dorthin gezogen. Daher fühlt er sich verantwortlich für das, was geschehen ist, denn er hätte es besser wissen müssen. Als er zurück zur Station kommt, ist er nicht mehr er selbst. Er wird gerettet, doch ihm steht ein langer Kampf bevor, bei dem er auf die Hilfe seiner Frau Anna angewiesen ist. Viele Jahr hat Anna ihr Leben eigenverantwortlich gestaltet, da ihr Mann nur sporadisch zu Hause war. Sie hat die Kinder großgezogen, Haus und Garten in Ordnung gehalten und hat sich einen Namen als Wissenschaftlerin gemacht. Doch das soll sich nun alles ändern und sie muss Robert pflegen. Damit ist sie total überfordert, denn ihr bleibt keine Minute zum Verschnaufen. Robert dagegen kämpft für seine Rückkehr ins Leben. Er hat nicht nur motorische Probleme, sondern kann sich auch kaum verständlich machen. Dass nicht alles immer so geht, wie er es möchte, macht ihn oft verzweifelt und wütend.
Mich hat dieser außergewöhnliche und tiefgründige Roman total beeindruckt. Absolute Leseempfehlung!
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5/5
12.06.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Hör zu! Erfahrung. Reiß jetzt zusammen. Bleib da hier. Worte kommen schwer und Worte kommen nicht."
Eine Forschungsstation, einfach "K" benannt, in der Antarktis. Drei Wissenschaftler, die hier den "Sommer" verbringen, um etwaige Fehler in der längst erfolgten Kartographie der Gegend zu beheben. Für Robert Routine, er ist ein alter Hase, was den Aufenthalt in einer der unwirtlichsten Ecken dieser Welt anbelangt. Ihm zur Seite stehen Thomas und Luke, Newbies im ewigen Eis, fast frisch von der Uni, für die beiden eines der letzten echten Abenteuer, Natur, Wildnis, Einsamkeit - auch wenn die nächsten Menschen nur wenige (Flug)-Stunden entfernt sind. Während eines Foto-Trips, ganz in der Nähe der Station, zieht innerhalb von wenigen Minuten ein Schneesturm auf, die Männer, obwohl relativ dicht beieinander, verlieren sich aus den Augen, nur zwei von ihnen überleben und werden gerettet, Luke beinahe unbeschadet, Robert erlitt in den entscheidenden Minuten einen "leichten" Schlaganfall, verliert die Sprache - "Stürzen"!
Als er in Santiago de Chile im Krankenhaus wieder zu sich kommt, ist seine Frau Anna bereits aus England eingeflogen. Nach relativ kurzer Zeit wird Robert "nach Hause" geflogen, in ein Haus, das er eigentlich nur 6 Monate pro Jahr bewohnt hat, Anna hingegen, selbst Wissenschaftlerin, hat hier die beiden Kinder des Paares großgezogen, genießt ihr selbstständiges Leben, weiß nicht, wie sie mit der Situaton umgehen soll, plötzlich "Pflegerin" zu sein. Robert hadert mit sich, seinen körperlichen Einschränkungen, seiner Aphasie und der damit verbundenen Unfähigkeit, zur Aufklärung von Thomas Tod beizutragen - "Liegen!"
Und "Stehen!"? Das ist die unfassbar geniale zweite Hälfte des Romans. Roberts Rückkehr in die Welt der Kommunikation ist ein literarisches Meisterstück. Als Leser hat man den Verlust des Sprachvermögens miterlebt, die Überschrift oben beschreibt nur den Anfang dessen, was im Kopf des Protagonisten geschieht! Nicht weniger beeindruckend ist dann die knallharte quälende Arbeit, sich irgendwie wieder verständlich zu machen, be- und geschrieben. Äußerst einfühlsam dazu, verdammt realistisch und ehrlich.
Ein den Leser nicht schonendes Buch, ähnlich herausragend wie Arno Geigers "Der alte König in seinem Exil"!
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