Paris, 2027: Kurz vor der Präsidentschaftswahl taucht im Netz ein Video auf, das die Hinrichtung des Kandidaten Bruno Juge zu zeigen scheint. Sein Mitarbeiter Paul Raison, ein unglücklich verheirateter Spitzenbeamter im Wirtschaftsministerium, soll die Verantwortlichen finden. Doch dann hält eine Serie mysteriöser terroristischer Anschläge das Land in Atem. Während Juge Wahlkampf macht, kann Paul entscheidende Hinweise für die Aufklärung der Anschläge liefern, die niederschmetternd für die Politik des Landes sind. Christian Berkel liest Michel Houellebecqs Roman, der das komplexe und gnadenlose Zusammenspiel von Politik und Gesellschaft, die Verbindung von Politischem und Privatem porträtiert. Ungekürzte Lesung mit Christian Berkel 2 mp3-CDs | ca. 19 h
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
Bewertung
aus Pregassona
2/5
10.03.2022
Hörbuch (Audio)
Skurril, enttäuschend.
Mein erstes Huellebecq Buch.
Ich erwartete Provokation, steile Thesen, Populismus, Rassismus, subtile Gesellschaftsanalyse.
Gut, all das kommt in diesem Buch nicht vor.
Er ist sicherlich ein guter Schriftsteller, die Hauptfiguren sind präzise skizziert. Die Nebenfiguren bleiben allerdings sehr schwammig.
Das einzige Überzeugende ist die Liebesgeschichte der Hauptperson, mit seiner Frau. Die Wandlung von einer sich ausgelebten Ehe zurück in eine tiefe, wahre Beziehung und Liebe.
Das war's dann auch schon.
Das ganze politische hat weder Hand noch Fuss. Der Roman spielt zwar im Wahlkampf 2027, aber der bleibt, wie so ziemlich alles, ein marginal tangierter Nebenschauplatz.
Videos von Enthauptungen, Bombenanschläge. Aber wer dahinter steckt, warum es passierte, und was es bewirkte, darüber schweigt Huellebecq sich aus.
Ein paar Passagen sind auch komplett unlogisch und auch schon nur vom zeitlichen Ablauf schlichter Nonsens.
Die Krankenschwester, die in einem Pflegeheim arbeitet, dort zusammen mit den Angehörigen die Pazienten vorbildlich pflegt, wird aus dubbiosen Gründen auf eine andere Station im gleichen Pflegeheim versetzt, und innert einer Woche liegen dort die Alten in ihren Exkrementen, liegen sich wund, bekommen kein Essen und werden miserabel gepflegt. Solch eine Verschlechterung in der Pfege dauert Jahre. Das kann nicht in einer Woche passieren.
Und dann kam der Schluss. Die letzten ca 200 Seiten. Was soll ich dazu sagen? Keine Ahnung, mir fehlen die Worte.
Plötzlich wird die Hauptfigur todkrank, leidet an einer der zerstörendsten Krebsarten, die den Menschen entstellt und entwürdigt und auch Begleiterscheinungen wie Verwesungsgeruch, unmöglichkeit zu essen und trinken und anderes beinhaltet.
Die Therapie ist brutal, trotz keinerlei Aussicht auf Genesung.
Die Krankheitspassagen sind präzise und realistisch. Das kann ich bewerten, da ich im Krankenhaus arbeite.
Aber die Geschichte seiner Krankheit im Endstadium wird auf seine männliche Sexualität fixiert.
Die letzten 150 Seiten drehen sich eigentlich nur noch um der Hauptfigurs Penis.
Wie er trotz Krankeit immer noch Steif wird.
Welche Stellungen beim Sex noch möglich sind. Wie er trotz totgeweihtem Körper seine Frau noch penetrieren kann.
Wie sehr sein Körper am Krebs zu Grunde geht, aber sein Schwanz dem ganzen trotzt.
Die Hälfte des letzten Abschnitts, der von seiner Krankheit, erzählt von seinem Schwanz im Mund seiner Frau.
Und wenn sie die letzten Sätze, die ich geschrieben habe ein bisschen wirr und abstossend empfinden, nun, genauso ist es mir bei der Lektüre dieses Buches ergangen.
Fazit: am Anfang sehr schöne Geschichte einer Familie im Beaujolais, gut geschrieben, ein bisschen Lokalkolorit, ein bisschen Frankreich Feeling.
Der Rest ist für mich ein Sammesurium an Geschichten, die bruchteilhaft erzählt werden. Nix hat einen Anfang, nix hat eine Entwicklung, nix hat ein Ende.
Und der Schluss ist die Erzählung eines Krebstodes der Hauptfigur aus der sicht seines Schwanzes.
Diese Buch kann man lesen, muss es aber nicht lesen.
Und man verpasst wirklich gar nichts, wenn mann es nicht liest.
Eine doch recht grosse Enttäuschung!
bücherwurm24
aus Deutschland
5/5
19.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Terror, große Politik,…
Terror, große Politik, Familiendramen. Houellebecq liefert immer wieder großartige Bücher ab. Fans sollten auf jeden Fall zugreifen, für Neulinge ist es durchaus ein guter Einstieg. Der mysteriöse Terror bleibt elegant im Hintergrund, auch die große Politik zieht sich langsam zugunsten der Familien- und Beziehungsdramen zurück. Das ist alles auf höchstem Niveau geschrieben. Ich liebe das Ganze schon allein wegen der liebevollen Erwähnung der Havannamarke "La Gloria Cubana". Absolut lesenswert!
Bewertung
5/5
12.04.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Auch wenn dieser Roman in naher...
Auch wenn dieser Roman in naher Zukunft spielt, trifft dieser Roman von Michel Houellebecq den Zeitgeist Frankreichs "en point". Unter der Härte von Themen und Formulierungen lauert eine romantische Sehnsucht nach Menschlichkeit und vor allem Menschwürde. Brillant (wie immer).
Edith Berger
aus Graz
5/5
04.04.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
großes Lesevergnügen
Nächster Präsident Frankreichs - ja oder nein? Der geeignetste Kandidat wäre für Paul Raison sein Chef Bruno Juge auf jeden Fall. Der Auftakt zur Wahl wird unmittelbar von terroristischen Anschlägen erschüttert. Die gut koordinierte Wahlkampfmaschinerie gerät ins Stocken. Als engster Vertrauter Brunos wird Paul mit der Aufklärung betraut. Während der kometenhafte berufliche Aufstieg an Brunos Seite zum Stillstand kommt, entwickelt sich Pauls Privatleben erfreulicher. Nach jahrelanger Flaute in ihrer Ehe, scheinen erstmals wieder zarte Annäherungen zu seiner Frau möglich.
Bewertung
5/5
16.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der vielleicht zarteste Houellebecq, den es jemals gab
Von Michel Houellebecq ist man es gewöhnt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt, gerne aneckt und die Political Correctness missachtet. Auch galt er hin und wieder als Frauenfeind.
In "Vernichten" erscheinen seine Frauenfiguren weicher gezeichnet und Houellebecq gesteht ihnen positive Eigenschaften zu. Aber Houellebecq wäre nicht Houellebecq, wenn es nicht doch hin und wieder schlüpfrig werden würde.
Auf altbekanntem Terrain findet sich der Leser wieder, wenn es politisch wird. Diesmal geht es um die französischen Präsidentschaftswahlen und um eine Anschlagsserie mit anscheinend satanischem Hintergrund. Aber auch die philosophischen Einschübe kennt man nur zu gut von dem Franzosen.
Gleichzeit ist "Vernichten" ein Gesellschaftsroman, bei dem es um den Zusammenhalt in der Familie, das Wiederaufflammen der Liebe und die Frage nach einem würdigen Leben im Seniorenalter geht.
Obwohl dieser Roman über 600 Seiten lang ist, gelingt es Houellebecq gekonnt mittels plötzlicher Wendungen die Spannung bis zum Schluss zu halten.
Der vielleicht versöhnlichste und beste Houellebcq-Roman, den es jemals gab.
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5/5
11.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Houellebecq ganz anders und doch...
Houellebecq ganz anders und doch ganz der Alte. Vernichten ist versöhnlicher als andere Bücher von Houellebecq und trotzdem bleibt er weiter so klug, pessimitstisch und extrem wie zuvor. Auf jeden Fall ist Houellebecq ein Meiste der Sprache.
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5/5
21.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der etwas andere Houllebecq!
Eine...
Der etwas andere Houllebecq!
Eine Reise zum Ende aller Dinge und eine intensive Familiengeschichte mit einem Hauch von politischem Spionage Thriller. Meisterhaft umgesetzt und gegen Ende wieder typisch Houllebecq.
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5/5
01.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Auch wenn Sie vielleicht kein...
Auch wenn Sie vielleicht kein Fan von Houllebecq sind, geben Sie diesem grandiosen Buch bitte eine Chance. So haben Sie diesen Autor noch nie gelesen! Ein absolutes Meisterwerk!
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5/5
15.01.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gleich zu Anfang des Jahres dürfen...
Gleich zu Anfang des Jahres dürfen wir hier einen der wichtigsten Titel im Jahr 2022 haben. Tolle Beobachtungen, eine schonungslose Beschreibung der menschlichen Gesellschaft - der vielleicht nicht jeder zustimmen wird. Je nach Geschmack kann man es gut finden oder auch nicht.
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5/5
12.01.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Typisch Houllebecq und doch untypisch versöhnlich...
Es gibt diese Autoren, deren Werk man liebt und dennoch kaum Jemandem guten Gewissens empfehlen kann.
Houellebecq gehört unzweifelhaft zu dieser Gattung Schriftsteller. Mit all seinem Schwermut, dem Pessimismus, politischen Extremen und ausschweifenden Schilderungen des Geschlechtsaktes taugt das Oeuvre Houellebecqs weder als triviale Urlaubslektüre noch als nettes Mitbringsel zur Goldenenen Hochzeit.
Wieder einmal beschreibt der französische Autor kompromisslos die Vereinzelung des Individuums in einer aus den Fugen fallenden Welt. Dem zerfallenden Mann in hoffnungsloser Tristesse steht die körperliche Liebe als einziger Ausdruck erfüllenden Seins gegenüber.
Schopenhauer ist bei Houellebecq allgegenwärtig; der Mensch irrt illusionslos seinem Ende entgegen, getrieben von Wille, Wut und Lust.
Neu ist die ausufernde Familien-, Ehe- und Pflegegeschichte, die gewohnte politische Elemente wie Terrorismus und Wahlkampf ergänzt. Trotz oder gerade wegen aller Widrigkeiten spendet dieser familiäre Kosmos Trost und rundet einen ungewöhnlich versöhnlichen "Houellebecq" ab.
In einer polarisierten, hoch politisch aufgeladenen Welt wirkt die Ideologiefreiheit und pessimistische Gelassenheit des Franzosen fast erfrischend und erstrebenswert.
Wenn man also doch einen Roman des M. Houellebecq empfehlen möchte, dann "Vernichten".
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