Stellen wir uns vor, die Welt geht unter - und keiner redet darüber. Was dramatisch klingt, geschieht im Kern beim Thema Klimawandel. Denn einerseits warnt die Wissenschaft seit Jahrzehnten vor der Klimakatastrophe, andererseits fällt es der Politik schwer, etwas gegen die Erderwärmung zu unternehmen. Und die Medien, die eine Debatte in die Öffentlichkeit tragen sollten? Sie verhalten sich seltsam passiv.
Wie kann das sein angesichts der größten Herausforderung in der Menschheitsgeschichte? Die Klimakrise geht uns alle an. Ebenso werden Fernsehen und Hörfunk, Zeitungen und Zeitschriften, Podcasts und Onlinemagazine für jede:n von uns produziert, und wir alle haben ein Recht auf umfassende und gute Berichterstattung.
28 namhafte Autor:innen, vorwiegend aus Kommunikationswissenschaft und Journalismus, belegen eindrucksvoll, wie und warum die Medien in ihrer eigenen Klima-Krise stecken. Sie zeigen auf, warum der Klimawandel eine journalistische Herausforderung ist, und stellen Lösungen, Ideen und Erfahrungen vor, wie Medienschaffende besser in der Krise handeln können.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Wolfgang B.
5/5
06.05.2022
Buch (Taschenbuch)
Für Medienschaffende ein Muss
Was braucht es, um die Klimakatastrophe abzuwenden? Vor allem erst einmal das Bewusstsein in breiten Teilen der Bevölkerung, dass diese Katastrophe überhaupt existiert und wir immer schneller darauf zusteuern. Dies zu vermitteln ist für Medien eine Mammut-Aufgabe, der sie bis dato nicht annähernd gerecht werden.
Um die Medien, vor allem die ÖRR, etwas aufzurütteln. hat „Klima vor acht“ nun ein Buch herausgegeben: „Medien in der Klima-Krise“. Ein sehr gelungener Sammelband mit Beiträgen von hochkarätigen Autor:innen. Die Wissenschaftler:innen, Journalist:innen und Expert:innen beleuchten sowohl die derzeitige Lage in der Klimakommunikation, als auch die Hürden und Herausforderungen bei dem komplexen Thema „Klima“. Und, was mir besonders gut gefallen hat, im letzten Teil des Buches erläutern sie Lösungsmöglichkeiten.
Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen: Es liest sich gut (auch für Laien wie mich) und informiert auf konstruktive Weise. Für Medienschaffende ein Muss.
Bewertung
5/5
05.05.2022
Buch (Taschenbuch)
Handwerkszeug für Mediengestalter:innen und spannende Einblicke für Medienkonsument:innen
Klima und Berichterstattung: Beides ist komplex. Daher sind die verschiedenen Perspektiven auf Medien und die Klimakrise so besonders wichtig. Das Buch wurde herausgegeben von Klima vor acht (dem Verein, der sich für fundierte Klimaberichterstattung in der Primetime der Öffentlich Rechtlichen einsetzt). Es hat zwar Medienschaffende als Hauptzielgruppe – als Medienkonsumentin fand ich es jedoch durchgehend gut zu lesen. Zudem finde ich es hilfreich, als interessierter Mensch zu verstehen, welche Mechanismen und gegebenenfalls Filter die Information beeinflussen, die ich zu einem Thema aufnehme.
Im Buch wird von vielfältigen Autor:innen eingeordnet, welche Rolle Medien bei der Bekämpfung der Klimakrise derzeit spielen und spielen könnten. Und inwiefern Medien Verantwortung dafür tragen, dass es der Menschheit gelingt, die Klimakatastrophe abzuwenden. Das Buch spannt den Bogen vom Status der Berichterstattung über Hürden für Journalist:innen hin zu möglichen Lösungen, um die Klimaberichterstattung zu verbessern.
Ich habe in ein Rezensionsexemplar reinlesen dürfen und finde es sehr gelungen.
Ein paar selektive und subjektive Einblicke...
Wer davon profitiert, dass wir als Gesellschaft & Entscheider:innen in Politik und Wirtschaft schlecht bis falsch informiert werden, beschreiben Joeres & Götze, die Autorinnen des Buchs „Die Klimaschmutzlobby“. In ihrem Beitrag im Buch von Klima vor acht geben sie einen knackigen Überblick und veranschaulichen unter anderem anhand der Berichterstattung der letzten Bundestagswahl, wie sehr uns verzerrte Informationsvermittlung beeinflussen kann.
...
Auch wenn ich die mediale Präsenz der Klimaberichterstattung anders wahrnehme, als Roland Koch, seines Zeichens Leiter der Kommunikationsabteilung der Helmholtz-Klima-Initiative, finde ich die grundsätzlichen Fragen, die er zum Zusammenspiel von Wissenschaft und Medien stellt, sehr anregend und wichtig. Aus meiner Sicht ist seine Frage zur Kommunikationsarbeit von Wissenschafler:innen
„Und wie werden diese Leistungen anerkannt? Nicht selten gar nicht, denn sie
entstehen in der Freizeit. Grundsätzlich besteht hier also eine systemische Baustelle.“
fundamental für alle weiteren Diskussionen zu Wissenschaftskommunikation und Klimaberichterstattung, und damit auch für den Journalismus. Kochs ehrliche Betrachtung des Systems, in welchem über die Klimakatastrophe informiert wird, trägt hoffentlich dazu bei, dass mit der Helmholtz-Klima-Initiative etwas Bewegung in den Dialog zum Klima kommt. Seinen Beitrag im Buch jedenfalls fand ich ermutigend.
...
Für mich ist die zentrale Aussage, die Gudrun Spahn-Skrotzki in ihrem Beitrag „Klimakrise und Bildung“ trifft, dass wir ohne Klimabildung keine Veränderung des Verhaltens erreichen werden. Dabei bricht sie eine Lanze für Lehrer:innen, die gerne mehr Inhalte zu Klima und Umwelt vermitteln würden, aber z.B. aufgrund von Lehrplanvorgaben keine Möglichkeiten haben, diese Themen unterzubringen. Vielleicht müssten wir unser Bildungssystem mal weiterbilden? Wie könnten wir jungen Menschen in unserem Land Inhalte nahebringen, die sich mit ihrer zukünftigen Lebensgrundlage befassen? Wie Schüler:innen befähigen, ihre Situation realistisch zu betrachten und eigene Handlungsspielräume auszuschöpfen? Spahn-Skrotzki denkt weiter, als nur den Lehrplan für nächstes Jahr zu hinterfragen. Wir brauchen eine tiefgreifende Erneuerung. Auch hier.
...
Marcus Mauer erklärt in seinem Beitrag zu konstruktivem Journalismus, warum Panik kein guter Ratgeber für Entscheidungen ist, und unsere Handlungsbereitschaft einschränkt. Er zeigt auf, welche Schlussfolgerungen für den Journalismus sich anhand konkreter wissenschaftlicher Ergebnisse ziehen lassen und welche Bedeutung diese Erkenntnisse für die Handlungsfähigkeit der Menschen haben. Sehr spannend.
...
Gleich im ersten Beitrag von Brüggemann & Jörges hat es mich ernsthaft umgehauen, dass wir in Deutschland prozentual weniger Klimaberichterstattung haben, als in USA (auch wenn die Art der medialen Aufmerksamkeit für das Klima in den USA wohl sehr zu wünschen übriglässt). Und dass der Prozentanteil der Klimaberichterstattung in Deutschland in den letzten Jahren kaum zugenommen hat, war der nächste Schock. Da ist es nicht verwunderlich, dass immer noch zu wenige Menschen in Deutschland ausreichend Hintergrundwissen zum Thema Klimakrise haben.
Das könnte sich mit diesem Buch ändern. Nicht nur dass es der Qualität des Journalismus hierzulande gut zu Gesicht stehen würde, endlich Verantwortung für das Thema „Klima“ zu übernehmen und es der Gesellschaft wissenschaftlich fundiert und angemessen zu kommunizieren. Auch befähigt das Buch uns mündige Bürger:innen ein Stück weit mehr, die fossilen Strukturen der Medienlandschaft zu entlarven und uns so zu informieren, dass wir zukunftsfähige und klimafreundliche Entscheidungen treffen können. Bei der nächsten Wahl, in unserem Konsumverhalten, aber auch bei unserem Engagement im Arbeits- und Privatleben.
Fazit: klare Leseempfehlung – ich freue mich schon auf meine Papierausgabe.
Bewertung
5/5
02.05.2022
Buch (Taschenbuch)
Das richtige Buch zur richtigen Zeit
Angesichts der Rolle, die Medien spielen bei unserer Wahrnehmung der Welt und in diesem Fall der Risiken des Klimawandels, ist es erstaunlich, dass es nicht schon viel mehr Literatur zu diesem Themenfeld gibt. Diese Anthologie kommt zur richtigen Zeit - und sie sollte zur Pflichtlektüre werden für alle Medienschaffenden. Renommierte Autor:innen aus der (Kommunikations-)Wissenschaft, darunter Prof. Holger Wormer (TU Dortmund), Dr. Michael Brüggemann (Uni Hamburg) oder auch Koryphäen wie Michael E. Mann, geben Einblick in ihre Forschung - und das auf eine höchst unterhaltsame Art und Weise. Die Stärke des Buches sind die vielen unterschiedlichen Perspektiven zu diesem komplexen Themenfeld, und auch die spannenden Einblicke in die (journalistische) Praxis (z.B. von Moderator Özden Terli). Insbesondere der letzte Teil, in dem es um Ideen und Ansätze für die Zukunft geht, gibt Hoffnung. Als Redakteur ist mir zwar der konstruktive Journalismus ein Begriff - was es darüber hinaus für Vorschläge gibt, die Strukturen und Prozesse in den Redaktionen zu verändern, war mir neu (und sehr inspirierend). Klare Kaufempfehlung!
maren b.
5/5
02.05.2022
Buch (Taschenbuch)
Handwerkszeug für Mediengestalter:innen & spannende Einblicke für Medienkonsument:innen
Klima und Berichterstattung: Beides ist komplex. Daher sind die verschiedenen Perspektiven auf Medien und die Klimakrise so besonders wichtig. Das Buch hat zwar Medienschaffende als Hauptzielgruppe – als Medienkonsumentin fand ich es jedoch durchgehend gut zu lesen. Zudem finde ich es hilfreich, als interessierter Mensch zu verstehen, welche Mechanismen und gegebenenfalls Filter die Information beeinflussen, die ich zu einem Thema aufnehme.
Im Buch wird von vielfältigen Autor:innen eingeordnet, welche Rolle Medien bei der Bekämpfung der Klimakrise derzeit spielen und spielen könnten. Und inwiefern Medien Verantwortung dafür tragen, dass es der Menschheit gelingt, die Klimakatastrophe abzuwenden. Das Buch spannt den Bogen vom Status der Berichterstattung über Hürden für Journalist:innen hin zu möglichen Lösungen, um die Klimaberichterstattung zu verbessern.
Ich habe in ein Rezensionsexemplar reinlesen dürfen und finde es sehr gelungen.
Ein paar selektive und subjektive Einblicke...
Wer davon profitiert, dass wir als Gesellschaft & Entscheider:innen in Politik und Wirtschaft schlecht bis falsch informiert werden, beschreiben Joeres & Götze, die Autorinnen des Buchs „Die Klimaschmutzlobby“. In ihrem Beitrag im Buch von Klima vor acht geben sie einen knackigen Überblick und veranschaulichen unter anderem anhand der Berichterstattung der letzten Bundestagswahl, wie sehr uns verzerrte Informationsvermittlung beeinflussen kann.
...
Auch wenn ich die mediale Präsenz der Klimaberichterstattung anders wahrnehme, als Roland Koch, seines Zeichens Leiter der Kommunikationsabteilung der Helmholtz-Klima-Initiative, finde ich die grundsätzlichen Fragen, die er zum Zusammenspiel von Wissenschaft und Medien stellt, sehr anregend und wichtig. Aus meiner Sicht ist seine Frage zur Kommunikationsarbeit von Wissenschafler:innen
„Und wie werden diese Leistungen anerkannt? Nicht selten gar nicht, denn sie
entstehen in der Freizeit. Grundsätzlich besteht hier also eine systemische Baustelle.“
fundamental für alle weiteren Diskussionen zu Wissenschaftskommunikation und Klimaberichterstattung, und damit auch für den Journalismus. Kochs ehrliche Betrachtung des Systems, in welchem über die Klimakatastrophe informiert wird, trägt hoffentlich dazu bei, dass mit der Helmholtz-Klima-Initiative etwas Bewegung in den Dialog zum Klima kommt. Sein Beitrag im Buch jedenfalls fand ich ermutigend.
...
Für mich ist die zentrale Aussage, die Gudrun Spahn-Skrotzki in ihrem Beitrag „Klimakrise und Bildung“ trifft, dass wir ohne Klimabildung keine Veränderung des Verhaltens erreichen werden. Dabei bricht sie eine Lanze für Lehrer:innen, die gerne mehr Inhalte zu Klima und Umwelt vermitteln würden, aber z.B. aufgrund von Lehrplanvorgaben keine Möglichkeiten haben, diese Themen unterzubringen. Vielleicht müssten wir unser Bildungssystem mal weiterbilden? Wie könnten wir jungen Menschen in unserem Land Inhalte nahebringen, die sich mit ihrer zukünftigen Lebensgrundlage befassen? Wie Schüler:innen befähigen, ihre Situation realistisch zu betrachten und eigene Handlungsspielräume auszuschöpfen? Spahn-Skrotzki denkt weiter, als nur den Lehrplan für nächstes Jahr zu hinterfragen. Wir brauchen eine tiefgreifende Erneuerung. Auch hier.
...
Marcus Mauer erklärt in seinem Beitrag zu konstruktivem Journalismus, warum Panik kein guter Ratgeber für Entscheidungen ist, und unsere Handlungsbereitschaft einschränkt. Er zeigt auf, welche Schlussfolgerungen für den Journalismus sich anhand konkreter wissenschaftlicher Ergebnisse ziehen lassen und welche Bedeutung diese Erkenntnisse für die Handlungsfähigkeit der Menschen haben. Sehr spannend.
...
Gleich im ersten Beitrag von Brüggemann & Jörges hat es mich ernsthaft umgehauen, dass wir in Deutschland prozentual weniger Klimaberichterstattung haben, als in USA (auch wenn die Art der medialen Aufmerksamkeit für das Klima in den USA wohl sehr zu wünschen übriglässt). Und dass der Prozentanteil der Klimaberichterstattung in Deutschland in den letzten Jahren kaum zugenommen hat, war der nächste Schock. Da ist es nicht verwunderlich, dass immer noch zu wenige Menschen in Deutschland ausreichend Hintergrundwissen zum Thema Klimakrise haben.
Das könnte sich mit diesem Buch ändern. Nicht nur dass es der Qualität des Journalismus hierzulande gut zu Gesicht stehen würde, endlich Verantwortung für das Thema „Klima“ zu übernehmen und es der Gesellschaft wissenschaftlich fundiert und angemessen zu kommunizieren. Auch befähigt das Buch uns mündige Bürger:innen ein Stück weit mehr, die fossilen Strukturen der Medienlandschaft zu entlarven und uns so zu informieren, dass wir zukunftsfähige und klimafreundliche Entscheidungen treffen können. Bei der nächsten Wahl, in unserem Konsumverhalten, aber auch bei unserem Engagement im Arbeits- und Privatleben.
Fazit: klare Leseempfehlung – ich freue mich schon auf meine vorbestellte Papierausgabe.
Bewertung
5/5
02.05.2022
Buch (Taschenbuch)
Anregende und längst überfällige Lektüre - nicht nur für Medienschaffende
Was wir über die Klimakrise wissen, wissen wir aus Massenmedien. Warum das insgesamt leider nach wie vor viel zu wenig ist und was sich ändern müsste - dieses Buch will darauf antworten geben.
Das Verhältnis von Klimakrise und Medien/Journalismus ist schon länger Gegenstand von Diskussionen. Dieses Buch dürfte jedoch das erste sein, das die Diskussionen zusammenfasst und thematisch einordnet.
Mir hat das Konzept sehr gefallen, 28 Autor:innen in 23 Kapitel aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Thema schauen zu lassen. Dadurch wird Leser:innen ein breites Spektrum an Perspektiven, Struktur- und Problemanalysen sowie Lösungsvorschlägen präsentiert.
Auch wenn sich die Inhalte des Buches vornehmlich an Medienschaffende richten, sind sie meiner Meinung nach auch für einer weiter gefasste Leser:innenschaft von Interesse. Die klare Sprache und die vielen Beispiele - inklusive umfassender Quellenangaben zu jedem Kapitel - machen das Buch sehr zugänglich. Besonders aufgefallen ist mir der konstruktive und aufklärerische Tenor, der sich durch das gesamte Buch zieht.
Durch die Konzeption des Buches als Sammelband gibt es in einigen Kapiteln thematische Überlappungen. Dennoch hat jeder Beitrag einen eigenen Schwerpunkt, sodass alle Buchbeiträge mit Gewinn zu lesen sind.
Klare Kaufempfehlung für alle, die in der Medienbranche unterwegs sind oder als außenstehende besser verstehen wollen, wie udn warum über die Klimakrise berichtet wird und was sich dringend ändern müsste.
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