Nachleben

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Roman. Nobelpreis für Literatur 2021

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Beschreibung

Details

Verkaufsrang

996

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

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Ja

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Nein

Erscheinungsdatum

14.09.2022

Verlag

Penguin Random House

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Verkaufsrang

996

Erscheinungsdatum

14.09.2022

Verlag

Penguin Random House

Seitenzahl

384 (Printausgabe)

Dateigröße

1404 KB

Originaltitel

Afterlives

Übersetzer

Eva Bonne

Sprache

Deutsch

EAN

9783641294380

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Panorama der ostafrikanischen Kolonialzeit

Bewertung aus Baden-Baden am 29.10.2022

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Als Abdulrazak Gurnah 2021 den Literaturnobelpreis erhielt, kannte ihn hierzulande kaum jemand. Der Autor, auf der damals britischen Insel Sansibar geboren, lebt seit 1964 in Großbritannien und lehrte als Professor für postkoloniale Literatur. Von seinen zehn Romanen sind bisher nur wenige ins Deutsche übersetzt worden. Das ändert sich nun mit dieser Auszeichnung. „ Nachleben“ , im Original 2020 erschienen, ist der jüngste Roman des 73jährigen Autors. Er beschreibt darin die Entwicklung Tansanias von den Jahren unter deutscher und britischer Herrschaft bis zur Unabhängigkeit des Landes und umfasst damit eine Zeitspanne von Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre. Gurnah macht den Wandel greifbar im Schicksal seiner Protagonisten. Die Geschichte beginnt mit Khalifa, einem Mann mit indischen Wurzeln, der in einer Kleinstadt an der ostafrikanischen Küste lebt und als Buchhalter für einen Kaufmann arbeitet. Episch breitet Gurnah dessen Lebensweg vor dem Leser aus und der erhält dabei ein lebendiges Bild der ostafrikanischen Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg. Arabische Händler und indische Geldverleiher bestimmen das wirtschaftliche Leben, die Deutschen zerschlagen mit Hilfe ihrer Schutztruppen aufkeimende Revolten im Land und die einheimische Bevölkerung fristet ihr armseliges Leben. Doch schon im zweiten Kapitel wird Khalifa zur Nebenfigur. Stattdessen tritt Ilyas auf die Bühne. Mit elf Jahren hat dieser seine Eltern verlassen, um bald darauf einem Askari als Gewehrträger zu dienen. Doch ein deutscher Farmer befreit ihn von diesem Los und schickt ihn auf eine Missionsschule, wo er Zugang zu Bildung erhält und sogar Deutsch lernt. Als er Jahre später in sein Dorf zurückkehrt, sind seine Eltern tot und seine jüngere Schwester Afiya lebt bei Verwandten, die sie wie eine Sklavin behandeln. Er holt sie dort raus und bringt sie in das Haus von Khalifa. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldet er sich freiwillig, um gegen die Engländer zu kämpfen. Danach verliert sich seine Spur. Er bleibt aber als Vermisster ständig präsent und erst ganz am Ende erfährt der Leser mehr über sein Schicksal. Die Geschichte geht weiter mit Hamza, einem jungen Muslim. Als Kind wurde er von seinem Vater einem Händler übergeben, um dessen Schulden abzuarbeiten. ( Wer Gurnahs Roman „ Das verlorene Paradies“ gelesen hat, erkennt in ihm unschwer die Figur des Yusuf. ) Auch er schließt sich freiwillig der deutschen Schutztruppe an, bereut aber bald seinen Entschluss. Ein Oberleutnant wird auf ihn aufmerksam und macht den schönen jungen Mann zu seinem persönlichen Diener. Er bringt ihm Deutsch bei und schenkt ihm später sogar Schillers „ Musen- Almanach“. Hamza steht nun unter dessen persönlichen Schutz, doch ein missgünstiger Feldwebel verletzt ihn schwer. Von einem deutschen Missionar wird Hamza aufgenommen und gepflegt. Nach Kriegsende zieht es ihn, versehrt an Leib und Seele, zurück in die Stadt seiner Kindheit. Khalifa wird sein väterlicher Mentor und in dessen Haus lernt er Afiya kennen und lieben. Die beiden bekommen einen Sohn, den sie in Erinnerung an den vermissten Bruder und Schwager Ilyas nennen. Und dieser zweite Ilyas wird sich später auf die Suche nach dem verschollenen Onkel machen und damit nimmt der Roman nochmals eine unglaubliche Wendung. Gekonnt verknüpft Gurnah nach und nach die einzelnen Handlungsstränge. Dabei gelingt ihm ein sehr komplexes Bild der Kolonialzeit und zwar aus der Perspektive der Kolonisierten. Der Autor vermeidet jegliche Schwarz- Weiß - Zeichnung; sein Buch ist keine Anklage, sondern Beschreibung. Die Deutschen treten nicht nur als die brutalen Unterdrücker auf, die sie zwar waren, sondern sie stehen ebenfalls für Bildung, Kultur und medizinischen Fortschritt. Besonders differenziert beschreibt Gurnah die beiden Hauptfiguren Ilyas und Hamza. Er zeigt an ihnen deutlich, wie Kolonisation die eigene Identität zerstört. Der eigenen Kultur, dem eigenen Volk entfremdet und trotzdem nie ein gleichwertiges Mitglied der Kolonialgesellschaft, diese Zerrissenheit hat Auswirkungen bis in die nächsten Generationen. Beide, Ilyas und Hamza dienten als Askaris in der deutschen „ Schutztruppe“. Sie trugen deutsche Uniformen und standen im Dienst des Deutschen Kaiserreichs. Sie galten als „ erfahrene Zerstörungsmacht“ und waren „ stolz auf ihren schlimmen Ruf“. „ Die Askari hinterließen ein verwüstetes Land, auf dem Hunderttausende Menschen hungerten und starben, während sie selbst immer weiter in blindem und mörderischem Eifer für eine Sache kämpften, deren Hintergrund sie nicht kannten, die vergeblich war und letztlich auf ihre eigene Unterdrückung hinwirkte.“ Was hat Afrikaner dazu bewogen, auf Seiten ihrer Unterdrücker in den Krieg zu ziehen? Gurnah gibt darauf keine einfachen Antworten, doch er zeigt auf, wie Kolonisation wirkt. Den Unterdrückten wird jegliche eigene Identität, jegliche Kultur abgesprochen, bis sie so werden wollen wie ihre Unterdrücker, sie wollen selbst Teil dieser Macht sein. Mit Afiya hat Gurnah eine zukunftsweisende Frauenfigur geschaffen. Sie, die Zugang zu Bildung hatte, gibt sich nicht mehr zufrieden mit der ihr zugedachten Rolle. Sie setzt sich zur Wehr gegen jegliche Bevormundung, will keine Zwangsheirat, sondern sucht sich selbst ihren Mann aus. Einzelne Figuren haben nur kurze Auftritte, trotzdem werden sie ebenfalls in ihrer ganzen Komplexität glaubhaft beschrieben. Gurnahs Sprache ist schnörkellos, präzise und anschaulich. Manche Passagen lesen sich wie ein Bericht, nüchtern und sachlich. Das Geschehen selbst sorgt für Emotionen beim Leser. Einzelne Lebensabschnitte werden episch auserzählt, dann wechselt das Erzähltempo und es folgen Kapitel wie im Zeitraffer. Es ist ein großes Panorama, das der Autor hier entwirft, ein umfassendes und differenziertes Bild Ostafrikas Kolonialzeit. Und durch das überraschende Ende gewinnt der Roman eine zusätzliche Dimension, vor allem auch, wenn man weiß, dass diese Figur ein historisches Vorbild hat. Dem Nobelpreiskomitee ist zu danken, dass sie durch ihre Preisvergabe einen nur in England bekannten Autor in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt haben. Seine Bücher eröffnen neue Blickwinkel und geben Afrika mit seiner Geschichte eine Stimme. Ein unbedingt lesenswerter Roman, gerade für deutsche Leser !

Panorama der ostafrikanischen Kolonialzeit

Bewertung aus Baden-Baden am 29.10.2022
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Als Abdulrazak Gurnah 2021 den Literaturnobelpreis erhielt, kannte ihn hierzulande kaum jemand. Der Autor, auf der damals britischen Insel Sansibar geboren, lebt seit 1964 in Großbritannien und lehrte als Professor für postkoloniale Literatur. Von seinen zehn Romanen sind bisher nur wenige ins Deutsche übersetzt worden. Das ändert sich nun mit dieser Auszeichnung. „ Nachleben“ , im Original 2020 erschienen, ist der jüngste Roman des 73jährigen Autors. Er beschreibt darin die Entwicklung Tansanias von den Jahren unter deutscher und britischer Herrschaft bis zur Unabhängigkeit des Landes und umfasst damit eine Zeitspanne von Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre. Gurnah macht den Wandel greifbar im Schicksal seiner Protagonisten. Die Geschichte beginnt mit Khalifa, einem Mann mit indischen Wurzeln, der in einer Kleinstadt an der ostafrikanischen Küste lebt und als Buchhalter für einen Kaufmann arbeitet. Episch breitet Gurnah dessen Lebensweg vor dem Leser aus und der erhält dabei ein lebendiges Bild der ostafrikanischen Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg. Arabische Händler und indische Geldverleiher bestimmen das wirtschaftliche Leben, die Deutschen zerschlagen mit Hilfe ihrer Schutztruppen aufkeimende Revolten im Land und die einheimische Bevölkerung fristet ihr armseliges Leben. Doch schon im zweiten Kapitel wird Khalifa zur Nebenfigur. Stattdessen tritt Ilyas auf die Bühne. Mit elf Jahren hat dieser seine Eltern verlassen, um bald darauf einem Askari als Gewehrträger zu dienen. Doch ein deutscher Farmer befreit ihn von diesem Los und schickt ihn auf eine Missionsschule, wo er Zugang zu Bildung erhält und sogar Deutsch lernt. Als er Jahre später in sein Dorf zurückkehrt, sind seine Eltern tot und seine jüngere Schwester Afiya lebt bei Verwandten, die sie wie eine Sklavin behandeln. Er holt sie dort raus und bringt sie in das Haus von Khalifa. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldet er sich freiwillig, um gegen die Engländer zu kämpfen. Danach verliert sich seine Spur. Er bleibt aber als Vermisster ständig präsent und erst ganz am Ende erfährt der Leser mehr über sein Schicksal. Die Geschichte geht weiter mit Hamza, einem jungen Muslim. Als Kind wurde er von seinem Vater einem Händler übergeben, um dessen Schulden abzuarbeiten. ( Wer Gurnahs Roman „ Das verlorene Paradies“ gelesen hat, erkennt in ihm unschwer die Figur des Yusuf. ) Auch er schließt sich freiwillig der deutschen Schutztruppe an, bereut aber bald seinen Entschluss. Ein Oberleutnant wird auf ihn aufmerksam und macht den schönen jungen Mann zu seinem persönlichen Diener. Er bringt ihm Deutsch bei und schenkt ihm später sogar Schillers „ Musen- Almanach“. Hamza steht nun unter dessen persönlichen Schutz, doch ein missgünstiger Feldwebel verletzt ihn schwer. Von einem deutschen Missionar wird Hamza aufgenommen und gepflegt. Nach Kriegsende zieht es ihn, versehrt an Leib und Seele, zurück in die Stadt seiner Kindheit. Khalifa wird sein väterlicher Mentor und in dessen Haus lernt er Afiya kennen und lieben. Die beiden bekommen einen Sohn, den sie in Erinnerung an den vermissten Bruder und Schwager Ilyas nennen. Und dieser zweite Ilyas wird sich später auf die Suche nach dem verschollenen Onkel machen und damit nimmt der Roman nochmals eine unglaubliche Wendung. Gekonnt verknüpft Gurnah nach und nach die einzelnen Handlungsstränge. Dabei gelingt ihm ein sehr komplexes Bild der Kolonialzeit und zwar aus der Perspektive der Kolonisierten. Der Autor vermeidet jegliche Schwarz- Weiß - Zeichnung; sein Buch ist keine Anklage, sondern Beschreibung. Die Deutschen treten nicht nur als die brutalen Unterdrücker auf, die sie zwar waren, sondern sie stehen ebenfalls für Bildung, Kultur und medizinischen Fortschritt. Besonders differenziert beschreibt Gurnah die beiden Hauptfiguren Ilyas und Hamza. Er zeigt an ihnen deutlich, wie Kolonisation die eigene Identität zerstört. Der eigenen Kultur, dem eigenen Volk entfremdet und trotzdem nie ein gleichwertiges Mitglied der Kolonialgesellschaft, diese Zerrissenheit hat Auswirkungen bis in die nächsten Generationen. Beide, Ilyas und Hamza dienten als Askaris in der deutschen „ Schutztruppe“. Sie trugen deutsche Uniformen und standen im Dienst des Deutschen Kaiserreichs. Sie galten als „ erfahrene Zerstörungsmacht“ und waren „ stolz auf ihren schlimmen Ruf“. „ Die Askari hinterließen ein verwüstetes Land, auf dem Hunderttausende Menschen hungerten und starben, während sie selbst immer weiter in blindem und mörderischem Eifer für eine Sache kämpften, deren Hintergrund sie nicht kannten, die vergeblich war und letztlich auf ihre eigene Unterdrückung hinwirkte.“ Was hat Afrikaner dazu bewogen, auf Seiten ihrer Unterdrücker in den Krieg zu ziehen? Gurnah gibt darauf keine einfachen Antworten, doch er zeigt auf, wie Kolonisation wirkt. Den Unterdrückten wird jegliche eigene Identität, jegliche Kultur abgesprochen, bis sie so werden wollen wie ihre Unterdrücker, sie wollen selbst Teil dieser Macht sein. Mit Afiya hat Gurnah eine zukunftsweisende Frauenfigur geschaffen. Sie, die Zugang zu Bildung hatte, gibt sich nicht mehr zufrieden mit der ihr zugedachten Rolle. Sie setzt sich zur Wehr gegen jegliche Bevormundung, will keine Zwangsheirat, sondern sucht sich selbst ihren Mann aus. Einzelne Figuren haben nur kurze Auftritte, trotzdem werden sie ebenfalls in ihrer ganzen Komplexität glaubhaft beschrieben. Gurnahs Sprache ist schnörkellos, präzise und anschaulich. Manche Passagen lesen sich wie ein Bericht, nüchtern und sachlich. Das Geschehen selbst sorgt für Emotionen beim Leser. Einzelne Lebensabschnitte werden episch auserzählt, dann wechselt das Erzähltempo und es folgen Kapitel wie im Zeitraffer. Es ist ein großes Panorama, das der Autor hier entwirft, ein umfassendes und differenziertes Bild Ostafrikas Kolonialzeit. Und durch das überraschende Ende gewinnt der Roman eine zusätzliche Dimension, vor allem auch, wenn man weiß, dass diese Figur ein historisches Vorbild hat. Dem Nobelpreiskomitee ist zu danken, dass sie durch ihre Preisvergabe einen nur in England bekannten Autor in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt haben. Seine Bücher eröffnen neue Blickwinkel und geben Afrika mit seiner Geschichte eine Stimme. Ein unbedingt lesenswerter Roman, gerade für deutsche Leser !

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