„Trotz allem, was du vielleicht glaubst, bist du nicht wichtig für die Welt.“ Das waren die Worte, die Adalbert Hanzons Vater ihm als Kind mitgab. Vielleicht nicht das ermutigendste Motto, aber Adalbert kommt trotzdem ganz gut zurecht. Zumindest bis die Liebe und der Wahnsinn, der so oft darauf folgt, zuschlagen. 43 Jahre und eine Haftstrafe später ist Adalbert Hanzon ein dem Alkohol zugeneigter älterer Herr mit Rückenproblemen und zunehmend nachlassendem Gedächtnis. Plötzlich holt ihn die Vergangenheit ein: bei einem Apothekenbesuch glaubt er die einzige Frau, die ihm jemals etwas bedeutet hat, wiederzuerkennen. Und die einzigen Menschen, die ihm helfen können, Licht in das Dunkel zu bringen, was vor fast einem halben Jahrhundert passiert ist, sind sein nervtötender Nachbar und seine allzu gesprächige Cousine. Aber Not ist die Mutter der Erfindung, und Adalbert fest entschlossen, der Wahrheit auf den Grund zu gehen.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Seit über 20 Jahren mein erster Nesser und ich muss sagen, es hat sich gelohnt.
Adalbert Hanzons Gedächtnis lässt mit 74 Jahren langsam nach, Rückenprobleme hat er auch, manchmal trinkt er mit seinem Nachbarn Ullberg, den er eigentlich nicht ausstehen kann, einen Whiskey. Im Allgemeinen ist er ein mürrischer, pessimistischer alter Sack, der sich wöchentlich Erinnerungslisten schreibt, um sein Gedächtnis in Schuss zu halten, was ihm nur leidlich gelingt.
Bei einem Apothekenbesuch glaubt er, Andrea Altman wiederzuerkennen, die einzige Frau, die ihm je etwas bedeutet hat. Obwohl ihm das gar nicht passt, braucht er die Hilfe anderer, um herauszufinden, was vor fast 50 Jahren wirklich geschah.
Aber zuerst sitzt er an seinem Küchentisch und schreibt seine Chronik. Und zwar wortwörtlich, wie wir uns einen etwas altersenilen Herrn vorstellen. Manchmal schweift er ab und erzählt uns was ganz anderes. Eigentlich so, als würde uns tatsächlich ein alter Mann seine Geschichte erzählen. Am Ende muss er sich immer wieder auf die Couch legen, um seinen Rücken zu schonen.
»Trotz allem, was du vielleicht glaubst, bist du nicht wichtig für die Welt.«
Das einzige Lebensmotto, das ihm sein Vater mitgegeben hat. Auch wenn er nach seinem Abitur nur als Hausmeister arbeitete, kam er ganz gut zurecht. Jetzt, ein halbes Jahrhundert und eine Haftstrafe später, holt ihn seine Vergangenheit wieder ein.
Dadurch dass sich Adalbert beim Erzählen immer wieder verzettelt, erfahren wir lange nicht, was es nun mit dieser Haftstrafe auf sich hat. Die Neugier hat mich quasi durch das Buch getrieben.
Der Roman hat alles, was ich mir als Leserin wünschen kann. Spannung, die unterschwellig am Köcheln ist und einen Humor, der so furztrocken ist, dass ich den alten Griesgram am liebsten durchgeschüttelt hätte. Nessers Schreibstil ist locker und lässt sich leicht lesen, so dass ich die 285 Seiten an zwei Tagen durch hatte.
Aber am meisten begeistert hat mich, dass er uns die Geschichte um Andrea und den Grund für Adalberts Haft wie eine Möhre vor die Nase hält, und ich einfach immer weiterlesen musste. Trotz all der nicht gerade löblichen Eigenschaften Adalberts, mochte ich den alten Kauz. Ich hatte es jedes Mal vor Augen, wie seinen noch muffeligeren Nachbarn missmutig beäugte, aber nicht nach Hause gehen wollte, bevor dessen Whiskey leer ist. Warum Adalbert aber nun im Knast war, müsst ihr schon selbst rausfinden. Aber wie heißt es so schön: Am Ende kommt immer alles anders, als man denkt. Das Buch wandert umgehend auf den Geschenkestapel für liebe Menschen. Nesser hat die Wesenszüge der Charaktere so fein herausgearbeitet, dass es mir eine Freude war, den alten Herrn zu begleiten. (Übrigens stammt der Ausdruck »alter Sack« nicht von mir, das hat er von sich selbst behauptet.)
Bewertung
4/5
03.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Adalberth berichtet von seinem...
Adalberth berichtet von seinem Leben, seinem nervtötendem Nachbarn (mit dem er sich trozdem hie und da ein Glässchen Whisky genehmigt), der Liebe seines Lebens und seinem Weg zum Halbmörder.
Kein klassischer Krimi sondern ein Lesevergnügen mit Humor & einer Prise Philosophie!
Lilli33
4/5
15.01.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn die Vergangenheit dich einholt
Inhalt:
Adalbert Hanzon, Mitte siebzig, erwartet wohl nicht mehr viel vom Leben, seit er seine einzige große Liebe vor fast einem halben Jahrhundert verloren hat und eine Gefängnisstrafe absitzen musste. Sein Körper macht ihm zu schaffen, sein Gedächtnis ebenso. Und so setzt er sich hin, um seine Geschichte aufzuschreiben, bevor er alles vergisst.
Meine Meinung:
Anfangs tat ich mich schwer mit dem Buch; ich musste mich erst in die Erzählweise einfinden. Adalbert berichtet nicht chronologisch, sondern wie es ihm gerade in den Sinn kommt. Mal sind die aktuellen Ereignisse in der Gegenwart dran, dann schaut er wieder auf Vorkommnisse in der Vergangenheit. Mal lesen wir, was er als junger Mann gemacht hat, mal geht er sogar bis in die Kindheit zurück. Da fiel es mir zunächst schwer, den roten Faden zu finden. Auch war das Erzählte nicht außerordentlich spannend. Doch je weiter die Handlung fortschritt, je mehr ich erfuhr, was in der Vergangenheit passiert ist, umso fesselnder empfand ich den Roman. Schließlich wollte ich ihn gar nicht mehr aus der Hand legen.
Håkan Nesser erzählt hier relativ ruhig und unspektakulär, lässt aber trotzdem ein wenig Dramatik und vor allem hin und wieder eine Spur Humor einfließen, sodass dieses Buch sehr gut zu unterhalten vermag, wenn man sich darauf einlassen kann.
Bewertung
aus Mülheim
5/5
07.12.2022
Hörbuch (Audio)
Ein unterhaltsamer Seniorenkrimi
"Du bist nicht wichtig in der Welt", diese Worte hat der Erzähler als Kind von seinem Vater gehört, bevor dieser sich das Leben nahm. Sie scheinen sein Leben zu bestimmen und beweisen damit paradoxerweise genau das Gegenteil.
Das Hörbuch war anders als erwaret. Es ist kein klassischer Krimi, sondern eher eine Erzählung. Der Protagonist schreibt als alter Mann seine Biographie und die Geschichte, wie er für seine große Liebe zum Halbmöder wurde.
Anfangs hatte ich etwas Probleme, den Zeitsprüngen zu folgen, aber Dietmar Bär erzählt die Geschichte in solch einer amüsanten und hervorragenden Weise, dass es trotz der vielen Abschweifungen nicht langatmig wird. Man kann sich den alten Mann am Schreibtisch bildlich vorstellen, seine Arthosen spüren und seine Vergesslichkeit nachempfinden.
Die Geschichte ist humorvoll, leicht dramatisch und in einem sehr ruhigen Erzähltempo geschrieben. Etwas anders als gewohnt, aber wenn man sich darauf einlässt, ist zumindest das Hörbuch ein absoluter Genuss, den ich nur empfehlen kann.
Koriander
aus Penzberg
5/5
02.12.2022
Hörbuch (Audio)
Wenn Dich durch Zufall die…
Wenn Dich durch Zufall die Vergangenheit wieder einholt Adalbert Hanzon ist alt, eher ein Einzelgänger und allmählich plagt ihn die Vergesslichkeit. Da begegnet ihm in der Apotheke eine Frau, in der er die große Liebe seines Lebens zu Erkennen glaubt. Sofort sind seine Lebensgeister geweckt! Mit Hingabe beginnt er, seine Erinnerungen niederzuschreiben, und begibt sich zeitgleich voller Hoffnung auf eine beschwerliche Spurensuche. Hakan Nesser hat mich schon immer mit seinen eher ruhigen, besinnlichen und getragenen Krimis bestens unterhalten. Ich mag seine Tiefsinnigkeit, die oft ins Philosophieren gleitet, wie man es zum Beispiel auch von Kommissar Van Veeteren kennt, der sich nach seiner Pensionierung ein Antiquariat zulegt. Adalbert Hanzon reiht sich da für mich ein. Sehr, sehr geschickt lässt Nesser seinen schrulligen, aber liebenswerten Protagonisten erzählen. Von zwei Seiten nähert er sich der „Tat“. Seine Aufzeichnungen beginnen weit in der Vergangenheit und spielen andererseits im Hier und Jetzt, an dem der Hörer/Leser teilhaben darf. Man fragt sich oft, was das Schicksal für die Menschen bereit hält, welche Zufälle und Ausweglosigkeiten das Leben bestimmen, während Adalbert Hanzon seiner Angebeteten immer näher kommt. Für mein Empfinden handelt es sich nicht um einen klassischen Krimi, aber die Handlung ist spannend, entbehrt nicht einer gewissen Ironie und punktet mit jeder Menge trockenem Humor. Und wird in Perfektion eingelesen von Dietmar Bär, der es für mich wie kein anderer versteht, Stimmungen einzufangen und Personen lebendig zu gestalten!
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5/5
19.02.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hakan Nesser ist und bleibt einer...
Hakan Nesser ist und bleibt einer meiner Lieblingsschriftsteller. Mit eindrucksvollen ,Worten, Sätzen und Gedanken lässt er in diesem Buch Adalbert Hanzon seine ungewöhnliche und einzigartige Geschichte erzählen, die vor einer gehörigen Portion Selbstironie strotzt. Herrlich!
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3/5
19.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
...Alter schützt vor Dummheit nicht!
Adalbert Hanzon ist ein etwas schrulliger, leicht polteriger Mann und nicht gerade sehr auf seine äußere Erscheinung bedacht. Er sieht eine vor vierzig Jahren verschwundene Frau und setzt damit ein Rad ins Rollen, das sich zu einer spannenden Jagd entwickelt. Eigentlich dürfte man Adalbert nicht mögen, aber Nesser schafft es gekonnt, Sympathien für ihn aufzubauen. Manchmal sehr witzig, aber auch spannend und mit einer sehr interessanten Kehrtwendung.
Man nennt H. Nesser auch den "Philosoph" unter den Krimiautoren. Und auch wenn er keinen Krimi schreibt, ist er dieses Titels würdig...
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